Tod und kein Erbarmen von Elias Haller



Nun ist es schon das zweite Mal in kurzer Folge, dass ich meine eigenen Regeln brach und ein Buch gelesen habe, dessen Vorgängerbände ich nicht kannte. Aber der Klappentext und das Versprechen, dass dieses Buch auch unabhängig von den anderen Teilen gelesen werden kann, haben mich dazu verleitet diesen Thriller zur Hand zu nehmen und zu lesen.

In meiner Rezension „Tod und kein Erbarmen“ von Elias Haller verrate ich euch, ob es mir geglückt ist, mich von der Handlung gefangen nehmen zu lassen.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Elias Haller, im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks, erhalten
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

 

Tod und kein Erbarmen von Elias Haller
© Cover: semper smile, München

Infos zum Buch
erschienen bei Edition M
Veröffentlicht 3. Dezember 2019
ca. 383 Seiten
Band 7 der Reihe Kriminalhauptkommissar Erik Donner
erhältlich als Taschenbuch und eBook

Klappentext

Packender Thrillerstoff von Bestsellerautor Elias Haller.

An einem Januarmorgen verschwindet die achtjährige Violetta. Akribisch rekonstruiert die Polizei ihren Weg zur Schule und entdeckt Indizien, die auf eine Entführung hindeuten. Doch das Mädchen wird nie gefunden.

Zehn Jahre später verbringt Kriminalhauptkommissar Erik Donner ein paar Tage in dem Ort und will dort eigentlich nur sein privates Unglück im Alkohol ertränken, als er von Violettas Cousine aufgesucht wird. Angeblich gibt es einen neuen Hinweis auf den Verbleib des Mädchens. Doch Donner glaubt nicht an die Aufklärung eines so alten Falls. Im Streit schickt er Violettas Verwandte weg. Ein folgenschwerer Fehler, denn am nächsten Tag steht der Kommissar plötzlich unter Mordverdacht …

© Klappentext: Edition M


Um ehrlich zu sein war ich am Anfang ein bisschen kritisch dem Buch gegenüber eingestellt. Bei sechs Vorgängerbänden war einfach zu erwarten, dass ich die Entwicklung des Protagonisten, Erik Donner, kaum bis gar nicht würde nachvollziehen können. Und ich muss sagen, dass es mir schon wichtig ist, dass ich die Hauptfigur mag. Denn sie begleite ich durch das ganze Buch und mit ihr steht und fällt letzten Endes auch die Geschichte.
Doch schon der Anfang des Buches raubte mir den ersten Zweifel. Dramatisch war der Einstieg in das Buch, denn als Leser war ich live dabei, als ein kleines Mädchen an einem verschneiten Morgen spurlos verschwand. Dies beschrieb Elias Haller so eindrücklich, dass ich das Gefühl hatte, selbst dabei gewesen zu sein.
Und diese Art des bildlichen Beschreibens der komplexen Handlungen und Szenen behielt der Autor bis zum Schluss bei. Dabei baute er eine immer weiter ansteigende Spannung ein, sodass sich diese Geschichte schon zu einem wahren Suchtbuch entwickelte. Mit seinem flüssigen und wortgewaltigen Schreibstil erschuf er vor meinem inneren Auge eine lebhafte und authentische Kulisse im winterlichen Erzgebirge. Zeitgleich wurde eine düstere Atmosphäre aus Misstrauen und Missgunst erzeugt.

Ich wandelte durch eine verschworene Dorfgemeinschaft, in der potenziell jeder ein dunkles Geheimnis hütete und ich hinter jedem verschneiten Busch den Mörder hervorschauen sah. Und mitten drin Kriminalhauptkommissar Erik Donner, den ich nicht unbedingt als Sonnenschein beschrieben würde. Aber seine forsche Art und seine innere Zerrissenheit zeichneten mir das Bild von einem Mann, der schon viele schwere Schicksalsschläge hinnehmen musste. Diese blitzen auch immer mal wieder durch und hier war spürbar, dass sich diese traurigen Ereignisse in den vorherigen Teilen abgespielt haben müssen. Aber weder verriet Elias Haller irgendwelche relevanten Details, noch war das Wissen wichtig, um diesem verworrenen Treiben im Erzgebirge zu folgen.

In diesem Buch gaben sich viele Figuren die Klinke in die Hand und etlichen durfte ich, mit Hilfe des personalen Erzählers, über die Schulter schauen. Hier besteht ja immer die Gefahr, dass der Leser durcheinanderkommt, wenn es so viele Personen gibt. Aber Elias Haller hatte mehrere Charaktere erschaffen, die so speziell mit ihren Eigenheiten waren, dass ich nie den Faden verlor.
Alle zu beschreiben würde hier den Rahmen sprengen, aber eine Figur hatte sich mit seiner knurrigen und schroffen Art regelrecht in mein Herz gemurrt. Sokrates Vogel. Allein schon der Name ist klasse, aber diese Figur ist ein wahrer Charakterkopf. Seine kauzige und verschrobene Art konnte nie darüber hinwegtäuschen, was für ein scharfsinniger Geist in diesem kränklichen Körper steckte. Sein Wille war mindestens genauso stark und ausgeprägt wie der von Erik Donner und ich hätte von den Beiden noch stundenlang weiterlesen können.
Ein weiterer Pluspunkt war für mich, dass dieser Thriller zwei verschiedene Zeiten abdeckte. Zum einen gab es regelmäßig Rückblicke in die Zeit, als Violetta verschwand. Und dann gab es noch den aktuellen Zeitstrang. Ich liebe es, wenn mehrere verschiedenen Handlungsstränge vorkommen, denn irgendwann treffen sie aufeinander. Doch bis dahin wird eine unglaubliche Spannung erzeugt, was auch hier ganz klar der Fall gewesen ist.

Mit vielen und teilweise auch echt gemeinen Fallstricken führte mich Elias Haller immer wieder aufs Glatteis. Gut Zweidrittel des Buches bin ich völlig ratlos durch die Zeilen gehuscht, auf der Suche nach dem Mörder, der sich einfach nicht zeigen wollte. Auf leisen Sohlen schlich sich eine Vermutung an, aber Elias Haller brachte sie so schnell zu Fall, dass mich das Ende überraschte. Nur einen ganz winzigen Teil der Lösung hatte ich erahnt, aber das stimmige Gesamtbild hätte ich niemals alleine herausgefunden.

Tod und kein Erbarmen von Elias Haller
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein verzwickter Fall mitten im verschneiten Erzgebirge zur Adventszeit. Eine verzweifelte junge Frau ist noch immer auf der Suche nach ihrer vor zehn Jahren verschwundenen achtjährigen Cousine Violetta. Doch wer zu viel Staub aufwirbelt, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Und mitten in einem Ort voller dunkler Geheimnisse wird Kriminalhauptkommissar Erik Donner des Mordes verdächtigt.

Lesen:

Ihr mögt rasante Thriller, wo ihr bis zum Schluss nicht enträtselt, wer der Täter ist? Herzlichen Glückwunsch. Dann wird euch dieses Buch begeistern. Denn hier liegen mehr Fallstricke aus, als euer Weihnachtsbaum Kerzen hat.

Weglegen:

Geschichten die von einem verschwundenen Kind handeln sind nichts für euch? Dann solltet ihr das Buch nicht lesen, denn das Drama um die verschwundene Violetta ist nichts für zart besaitete Leser.

Mal ehrlich:

Obwohl das mittlerweile schon der siebte Band, rund um den Kriminalhauptkommissar Erik Donner ist und ich noch nicht ein einziges Buch von der Reihe gelesen habe, hatte mich diese Geschichte komplett in ihren Bann gezogen.
Natürlich gab es Momente, an denen ganz klar war, dass es gewisse vorherige Ereignisse gegeben hat, die zu den aktuellen Umständen und Verhaltensweisen bestimmter Figuren führte. Aber diese waren für den Fall an sich nicht relevant und so gelang es mir problemlos, in eine stark verwinkelte Geschichte abzutauchen.
Die grundsätzliche Atmosphäre des Buches war düster und doch lag ganz viel Spannung in der Luft. Die Hatz nach dem Mörder und das Enträtseln von Violettas Verschwinden war packend bis zum Schluss.

Fazit:

Ein Buch, welches mich mit seiner ausgeklügelten und sehr komplexen Geschichte komplett begeistern konnte. Durch jede Menge Fallstricke wurde die Jagd nach dem Mörder richtig schön undurchsichtig und die Spannung hielt durchweg an. Wer Thriller mag, wird dieses Buch lieben.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

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Fighting Passion: Braden von Melanie Reichert



Anfang des Jahres durfte ich das erste Mal nach New Cloverton reisen und schon mal in die Welt der McKennas reinschnuppern. Das Debüt von Melanie Reichert hatte mir gefallen und so war ich sehr auf die Fortsetzung gespannt.

In meiner Rezension zum Buch „Fighting Passion: Braden“ von Melanie Reichert erfahrt ihr, ob sich meiner Meinung nach, die Fortsetzung lohnt.

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❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Netzwerk Agentur Bookmark erhalten
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

 

Fighting Passion: Braden von Melanie Reichert
© Cover: Sturmmöwen

Infos zum Buch
erschienen bei Romance Edition
Veröffentlicht 22. November 2019
ca. 260 Seiten
Band 2 der Reihe „Passion“
erhältlich als Taschenbuch und eBook

Klappentext

Illegale Cage-Fights, aufputschende Mittel und jede Menge Wut im Bauch – Braden lässt es nachts ordentlich krachen, während er tagsüber als der verantwortungsbewusste Sohn der McKennas den Geschäften nachgeht. Einzige Achillesferse stellt die attraktive Celine dar, die für die Familie das Golden Pot leitet und ihm schon seit einer Weile unter die Haut geht. Dass sie absolut tabu für ihn ist, macht die Sache nicht gerade einfacher. Als sie unfreiwillig in den Mittelpunkt der Familienfehde gezerrt wird, muss Braden an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen …

© Klappentext: Romance Edition

Mit Spannung bin ich zurück nach New Cloverton gereist, um ein weiteres Mitglied der McKenna Familie kennenzulernen. Auf Braden, den ewig wütenden dreißigjährigen Sohn einer Mafiafamilie, traf ich gleich zu Beginn in einer spannungsgeladenen Situation. Er stand kurz vor einem Kampf ohne gesteckte Grenzen. Die Szene war nichts für schwache Nerven, zumal sie sehr detailliert und authentisch beschrieben wurde, dass sogar die Atmosphäre des Fights beim Lesen spürbar war.
Im Nachhinein bin ich ein klitzekleines Bisschen enttäuscht, dass ich nur eine solche Szene zum Lesen bekam, denn eine weitere hätte mir durchaus gefallen. Doch die dynamische Grundspannung in diesem Buch spülte etwaige Kritiken einfach weg.

Die Geschichte war unbeschreiblich packend und sehr plastisch beschrieben worden, sodass ich mir nicht nur alles bildlich vorstellen, sondern schon fast dieselbe Luft wie die Figuren geatmet hatte.
Natürlich förderten die Protagonisten dieses Gefühl bei mir auch dadurch, dass sie mir ihre Sicht auf die Handlungen selber erzählten. Das baute eine Nähe auf, die wirklich faszinierend war.
Ich mochte beide sehr gern und könnte mich gar nicht entscheiden, wen ich lieber mochte.
Braden mit seiner wütenden und gleichzeitig so verletzlichen Art erschreckte mich gar nicht, eher hatte ich das Bedürfnis ihn in den Arm zu nehmen. Diese Begehrlichkeiten weckte er auch in Celine, die wirklich ein zähes Mädel ist. Ich bewunderte sie für ihre Art mit Menschen umzugehen und auch über ihren Fleiß. Mit Celine wäre ich auch gern im echten Leben befreundet.
Die sehnsuchtsvolle Spannung zwischen den beiden Protagonisten war mit Händen greifbar und es flogen regelrecht die Funken. Mir gefiel die Dynamik zwischen den Beiden ausgesprochen gut und ich fieberte regelrecht auf die Explosion dieser Leidenschaft hin.
Die erotischen Szenen waren mit einer solchen Sinnlichkeit und Intensität beschrieben worden, dass diese starke Anziehungskraft so schön zum Ausdruck kam, dass ich ganz gerührt davon gewesen bin.

Generell muss ich sagen, dass Melanie Reichert wirklich ganz zauberhafte Charaktere erschaffen hatte. Jeder war auf seine eigene Art und Weise speziell, dabei aber immer glaubwürdig.
Insgesamt beschrieb die Autorin diese frei erfundene Stadt so anschaulich, dass vor meinem inneren Auge wirklich dieser Ort zum Leben erwachte und perfekt zu den Figuren passte. Auch die Zeitungsausschnitte der New Cloverton Post, die in regelmäßigen Abständen in die Geschichte eingestreut wurden, sorgten für einen richtig realen Touch.

Der zweite Teil war ganz anders als der erste Band und das fand ich grandios. Hier ging es schließlich im Kern um andere Charaktere und daher mochte ich es unheimlich gern, dass sich alles in eine andere Richtung entwickelte. Zwar tauchen gelegentlich die Figuren aus dem ersten Band auf, aber sie nahmen den Protagonisten kein Licht weg. Prinzipiell könntet ihr diesen Band auch ohne Vorkenntnisse zum ersten Teil lesen. Hier wurde nur mal kurz am Rande Bezug auf vorherige Ereignisse genommen, aber nur so viel, wie es für die aktuellen Geschehnisse relevant war. Dennoch würde ich euch empfehlen „Killing Passion: Agnus“ zuerst zu lesen, weil das Familienkonstrukt der McKennas deutlicher zum Vorschein kommt.

Die Geschichte hatte reichlich überraschende Wendungen und durch den flüssigen Schreibstil flog ich förmlich durch die Ereignisse. Ein kleiner Wermutstropfen blieb, denn ein geplanter Sidekick war sehr offensichtlich und im Stillen hoffte ich immer, dass es eben nicht so kommen möge. Zumindest nicht im Zusammenhang mit einer anderen Figur. Diese Hoffnung hatte sich zwar nicht erfüllt, schmälerte aber dennoch nicht das atemberaubende Leseerlebnis.
Die Mischung aus Krimi, Thriller, unerfüllter Sehnsüchte und brennender Leidenschaft sowie starke Familienbande war so intensiv, dass diese Geschichte schon einen süchtig machenden Sog auf mich ausübte. Melanie Reichert ist es mit diesem Band gelungen, den ersten Band zu übertreffen. Eine Reihe, die ich im Auge behalten werde.

Fighting Passion: Braden von Melanie Reichert
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Einen Mafiasohn, der es satthat, ständig derjenige zu sein, der seine Familie enttäuscht. Und eine taffe Barchefin, die keine Angst vor diesem ständig brodelnden Braden McKenna hat. Eine explosive Mischung aus Wut, Begehrlichkeiten, Liebe und Familie trifft hier punktgenau aufeinander.

Lesen:

Ihr mögt romantische Thriller und stört euch nicht am Mafia Milieu? Dann ist das Buch auf jeden Fall etwas für euch. Hier sprudelt die Spannung und die Luft knistert vor Leidenschaft.

Weglegen:

Geschichten, in denen Menschen sich nicht an die Gesetze halten, sind euch zuwider? Dann bitte nicht zu diesem Buch greifen. Denn hier wird ungeschönt von den Geschäftszweigen einer Untergrundorganisation geschrieben.

Mal ehrlich:

Dieses Buch hat mich total überrascht. Nicht nur, weil die Geschichte so ganz anders als der erste Teil war, sondern auch, weil die Gefühle der beiden Protagonisten so intensiv gewesen sind.
Der Auftakt in die Geschichte war der Hammer. Die Szenerie wurde so plastisch beschrieben, als hätte ich mitten drin gestanden, in diesem Fight ohne Grenzen und Regeln. Dieses Gefühl trug mich durch die folgenden Seiten und ich hing gebannt an den Worten der Autorin.
Melanie Reichert gelang etwas ganz Wunderbares. Mit ihrer frei erfundenen Stadt „New Cloverton“ erschuf sie eine ganz eigene Welt, die sich aber stets real anfühlte. Ausgefeilte Charaktere belebten diesen so anschaulichen Ort und sorgten für viel Stimmung.
Die beiden Protagonisten hatte ich total ins Herz geschlossen und mochte sie sehr. Ihre Entwicklung war unglaublich bewegend und glaubwürdig. Vor allem Braden, der innerlich total zerrissen ist, war ein unglaublich fesselnder Charakter.
Für mich ist der zweite Teil eine unglaubliche Steigerung zum ersten Band und da nehme ich es der Autorin nicht krumm, dass sich ein Handlungsstrang exakt so entwickelt hatte, wie ich es schon fast zu Beginn geahnt hatte. Denn sie schaffte es immer wieder mir die Hoffnung zu schenken, dass ich mich irren würde.

Fazit:

Eine Mafia – Romanze, die ihren Namen voll verdient. Hier ging es unglaublich intensiv und spannend zu. Die Autorin deckte so viele unterschiedliche Gefühle ab, dass dieses bunte Potpourri zu einer explosiven Mischung wurde. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Eine ganz klare Leseempfehlung von mir.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

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Blood Orange – Was sie nicht wissen von Harriet Tyce



Auf das Buch bin ich durch Lovelybooks aufmerksam geworden und der Klappentext hatte mich neugierig gemacht. Eine Anwältin, die ein dunkles Geheimnis hat und jemand der ihr schaden will? Ich hing definitiv am Haken und wollte das Buch unbedingt lesen.

In meiner Rezension zu „Blood Orange“ von Harriet Tyce verrate ich euch, ob das Debüt der ehemaligen Prozessanwältin meiner Meinung nach gelungen war.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar bei Lovelybooks im Zuge einer Leserunde gewonnen
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

 

Blood Orange - Was sie nicht wissen von Harriet Tyce
© Cover: Geviert, München

Infos zum Buch
erschienen bei Diana Verlag
Veröffentlicht 14. Oktober 2019
Originaltitel Blood Orange
Übersetzt von Kerstin Winter
ca. 384 Seiten
erhältlich als Taschenbuch und eBook

Klappentext

Der erste Mordfall ihrer Karriere verlangt Anwältin Alison alles ab. Umso erstaunlicher ist es, dass sie sich phasenweise nicht im Griff hat, zu viel trinkt und der Affäre mit einem Kollegen kein Ende setzen kann. Doch die gute Ehefrau und Mutter in ihr gewinnt immer wieder die Oberhand. Außerdem will Alison das Schuldeingeständnis ihrer Mandantin nicht anerkennen. Ein untrügliches Gespür sagt ihr, dass die seit Jahren körperlich und seelisch misshandelte Frau ihren Mann nicht erstochen hat. Und so treffen zwei Frauen aufeinander, die etwas gemeinsam haben. Doch sie wissen es nicht. Noch nicht …

Nur noch eine Nacht, dann höre ich auf. Ich beobachte dich. Und weiß, was du tust. Anwältin Alison hält ihr Leben mühsam zusammen – bis ihr der erste Mordfall völlig den Boden unter den Füßen wegzieht … Eine neue Stimme in der Domestic-Crime-Szene: ein sensationelles Debüt, in dem es nicht nur um Mord, sondern auch um die Hintergründe der Tat geht.

© Klappentext: Diana Verlag

Schwer zu sagen, was ich zu Beginn von diesem Buch erwartet habe, aber definitiv nicht das, was ich zu lesen bekam. Aber ich fange einfach mal von vorne an.
Ich muss sagen, dass ich den Klappentext irreführend fand. Er suggerierte mir, dass der erste Mordfall für Alison das Kernthema sein würde. Aber das war es zu meinem Erstaunen gar nicht und es wurde schon recht früh klar, dass nicht der Mord oder die Mandantin der Mittelpunkt der Geschichte werden würde, sondern die Protagonistin selber.
Alison, die Protagonistin, erzählte mir ihre Geschichte selbst, sodass ich ausschließlich ihre Sichtweise zu den kommenden Handlungen hatte. Zu Beginn verunsicherte mich das, denn Alison ist alles andere als eine Superfrau. Im Gegenteil. Ihre Probleme könnten nicht größer sein. Obwohl sie als Prozessanwältin durchaus erfolgreich ist, führt sie eine Affäre, die sie nicht sonderlich glücklich macht. Dann hat sie ein Problem mit Alkohol, den sie oft gemeinsam mit Kollegen in einem Pub stundenlang in sich hineinschüttet. Auch ihre Ehe steht kurz vor dem Aus und um das ganze Drama perfekt zu machen, hängt auch noch ein Kind mit drin. Scheinbar spiegelte sich Alisons eigene Wahrnehmung nicht mit denen aus ihrem Umfeld wider und so war ich oft nicht sicher, wie viel ich ihr glauben durfte. War es wirklich so, wie sie es beschrieb? Oder doch eben ganz anders?
Dabei war mir Alison gar nicht so unsympathisch. Ja, sie hatte ihre Fehler und mit ihrer Affäre war sie auch sicherlich nicht als Vorbild geeignet, aber sie war dennoch durch und durch engagiert. Egal, ob es um irgendwelche Prozesse oder ihre Tochter ging. Sie bemühte sich nach Kräften, mal mehr, mal weniger erfolgreich, aber wir alle kennen das doch auch.
Was mich bei dem Buch nicht losgelassen hatte, waren die psychologischen Aspekte. Hier floss kein Blut in Strömen und hier stürzte ich auch nicht von einem Pageturner zum Nächsten. Aber es war dennoch immer eine unterschwellige Spannung spürbar, die mir nie Langeweile bescherte. Nein, es war alles so realistisch ausgearbeitet worden, dass es mir beinahe Angst machte.
Der Schreibstil war ausnahmslos flüssig und sehr gut zu lesen. Ich wurde förmlich durch das Buch getragen und die Beschreibungen der Handlungen waren so bildlich, dass ich mir alles glasklar vorstellen konnte. Einige Aspekte, unter anderem die Affäre und die alkoholischen Abstürze wurden in aller Deutlichkeit beschrieben. Hier blieb kein Platz für die eigene Fantasie.
Ich persönlich denke, dass der geneigte Leser schon leisere Thriller mögen sollte, auch jene, die mit vielen Details rund um das Justizmilieu zu glänzen wissen. Ansonsten wird dieses Buch keine Freude machen, denn es ist eher psychologisch aufwendig aufgebaut worden.
Von Anfang bis Ende hatte Harriet Tyce alles genauestens aufeinander abgestimmt und das finde ich bei einem Debüt schon sehr erstaunlich.
Wenn ich den Klappentext und meine damit verbundene Enttäuschung, dass eben nicht der Mordfall im Mittelpunkt stand, ausblende, dann fand ich das Buch durchaus gelungen. Es hatte mich nicht nur unterhalten, sondern auch aufgezeigt, wie perfide Menschen sein können. Das wurde so eindrücklich beschrieben, dass es mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt hatte.

Blood Orange - Was sie nicht wissen von Harriet Tyce
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Eine Geschichte, die im Justizmilieu von England spielt. Mittendrin eine Prozessanwältin mit reichlich eigenen Problemen und jeder Menge psychologischer Spitzfindigkeiten.

Lesen:

Wenn Interesse am englischen Rechtssystem herrscht und ihr keine Probleme damit habt einer Protagonistin über die Schultern zu schauen, die alles andere als perfekt ist. Das Buch ist sehr realistisch geschrieben und sorgt durch fiese Kleinigkeiten für Unwohlsein.

Weglegen:

Definitiv weglegen, wenn ihr nur blutrünstige Thriller und ganz viel Action mögt. Dieser Thriller ist eher leise und hat keine groß ausschlagenden Spannungsspitzen.

Mal ehrlich:

Alison ist eine weitestgehend normale Frau, mit Problemen, Sorgen und Fehlern. Sie ist innerlich zerrissen und steht sich selbst oft im Wege. Aber sie ist auch engagiert und versucht das Bestmögliche für ihren Mandaten herauszuholen. Dafür opfert sie viel und merkt nicht, dass sie im Netz der Spinne völlig wehr- und ahnungslos hängt.
Obwohl mir der Klappentext etwas anderes suggeriert hatte, kam ich super in die Geschichte und konnte ihr auch ausnahmslos gut folgen. Die juristischen Details und Fallstricke fand ich super interessant und gaben dem Buch endgültig einen sehr realistischen Anstrich. Psychologisch gesehen ging mir das Buch unter die Haut.

Fazit:

Ein leiser, aber nicht wenig eindrücklicher Thriller. Unwillkürlich hinterfragte ich auch mein eigenes Verhalten an der ein oder anderen Stelle, nur um dann festzustellen, wie stark dieses Buch mich in seinen Bann gezogen hatte. Für ein Debüt spannend und sehr realistisch konstruiert.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

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Der Kinderflüsterer von Alex North

*Werbung durch Verlinkung*

Der Kinderflüsterer von Alex North
© Umschlaggestaltung: www.buerosued.de

erschienen im Blanvalet Verlag
Veröffentlicht am 29. Juli 2019
ca. 248 Seiten
Übersetzt von Leena Flegler
erhältlich als Taschenbuch, eBook und Hörbuch

In Featherbank möchte Tom mit seinem Sohn Jake neu anfangen. Der Tod von Toms Frau belastet die kleine Familie stark und der Umzug soll Ruhe in das Leben der Beiden bringen.
Doch der beschauliche Ort hat eine düstere Vergangenheit. Vor zwanzig Jahren verschwanden hier Kinder, die der Kinderflüsterer geholt hat.
Kurz bevor Tom und Jake nach Featherbank ziehen, verschwindet wieder ein kleiner Junge. Und auch Jake hört bald ein Flüstern.

Das Erste, was mir an dem Buch „Der Kinderflüsterer“ gefiel, war der Klappentext und dieses wirklich schöne und aufwendige Cover. Sie haben mich sehr neugierig auf die Geschichte gemacht und ich war sehr gespannt, wohin mich dieser Plot führen würde.
Zu Beginn war ich zugegebenermaßen von Alex North Schreibstil und auch vom Aufbau der Geschichte etwas verwirrt. Der Protagonist Tom erzählte mir seine Sicht auf die Vorkommnisse persönlich, sodass es sich oft fast so anfühlte, als würden wir uns irgendwo gegenübersitzen.
Doch es kamen noch andere Figuren zu Wort, unter anderem zwei Ermittler, der Mörder und auch Toms Sohn Jake, jedoch nur Mithilfe des personalen Erzählers. Auch schlich mir Alex North am Anfang zu sehr um den heißen Brei. Hier ein Bröckchen, da ein Bröckchen. Das fand ich nervig. Ich möchte dem Autor an dieser Stelle zugutehalten, dass er versucht hatte Stimmung und Spannung zu erzeugen, aber bei mir hatte das nicht so gut geklappt und ich hatte schon ein bisschen Angst, dass sich dieses Gefühl über das gesamte Buch hinweg ziehen würde.
Aber zum Glück ist dies nicht passiert. Denn hier kam ein nächster, wohldurchdachter Zug von Alex North zum Tragen. Die Geschichte wurde in sechs Teile unterteilt. Mal trennten die Teile längere Zeiträume, mal Ereignisse. Der Coup gelang jedenfalls, denn mit Beginn des zweiten Teils wandelte sich die Stimmung im Buch.
Alex North verstand es hervorragend gruselige Elemente mit hochemotionalen Aspekten zu verknüpfen, sodass ich immer öfter voller Erstaunen, teilweise mit großem Entsetzen und Ekel, vor dem Buch saß und mir die Gänsehaut den Rücken herunterlief. An manchen Stellen mochte ich mir gar nicht erst vorstellen, wie viel grausame Realität wohl in diesen Zeilen stecken mochte. Denn hier wurden auch Aspekte von mörderischen Taten mit einbezogen, die sich als Konsequenz auf das Tötungsdelikt verstehen ließen.
Dieses Buch muss, meiner Meinung nach, in Ruhe gelesen werden, denn Alex North baute aus vielen zarten Steinchen ein durch und durch spannendes und fesselndes Buch zusammen. Alles hatte hier seinen Sinn und am Ende wurde auch erkennbar, wie unglaublich facettenreich dieses Buch gewesen ist.
Viele Fragen stellten sich mir während des Lesens, doch am Ende bekam ich auf alles eine Antwort. Nur musste ich vorher sehr genau lesen, denn wie schon erwähnt, die Feinheiten lagen im Buch nicht offensichtlich rum. Sie waren gut in den Kontext eingebettet und ergaben erst am Ende ein stimmiges Gesamtbild.
Alex Norths Schreibstil war unglaublich vielseitig. Jeder der vorkommenden Figuren erwachte für mich zum Leben und wurden so realitätsnah beschrieben, dass ich sogar bei den zahlreichen Perspektivwechseln mit Leichtigkeit mitkam.
Besonders beeindruckt hatte mich Detektive Inspektor Pete Willis. Er war mir unglaublich sympathisch und seine inneren Kämpfe, die er als trockener Alkoholiker, täglich auszutragen hatte, waren stets authentisch und glaubwürdig.
Aber auch Tom, mit seiner schweren Bürde als alleinerziehender Vater, mochte ich sehr gern. Trotz seiner Fehler hatte er stets das Richtige im Blick, auch wenn er nicht immer danach handeln konnte. Der Verlust seiner Frau hatte ihn tief getroffen und dies war auch mit jeder Faser spürbar. Aber auch die Angst, dass er seinem Sohn nicht gerecht werden könnte, war unglaublich emotional. Mehr als nur einmal hätte ich ihn am liebsten in den Arm genommen.
Ein kleiner Wermutstropfen war für mich ganz klar, dass ich mit meiner, schon ziemlich am Anfang gestellten Vermutung nach der Identität des Mörders goldrichtig lag. Ich hatte ja immer noch die Hoffnung, dass es nicht so ist, weil es meiner Meinung nach sehr offensichtlich gewesen ist. Dennoch konnte ich mich das Katz und Maus Spiel bei der Jagd nach ihm durchaus mitreißen.

Fazit: Der Thriller hatte mir insgesamt sehr gefallen. Die Komposition aus menschlichen Abgründen und der Verzweiflung liebender Eltern waren gut durchdacht und vom Autor mit viel Leben gefüllt worden. Über die kleinen Schwächen konnte ich gut hinwegsehen und empfehle das Buch gern weiter.

Link zum Erwerb des Buches

The Fourth Monkey – Das Mädchen im Eis von J.D. Barker

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© Cover: www.buerosued.de

erschienen im Blanvalet Verlag
Veröffentlicht am 10. Juni 2019
Originaltitel: The Fifth to Die
Übersetzt von Leena Flegler
ca. 688 Seiten
Band 2 der Reihe Sam Porter
erhältlich als Taschenbuch und eBook

Mitten im klirrend kalten Chicagoer Winter wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Das Außergewöhnliche, sie wird erst seit drei Wochen vermisst, wurde aber in einem See gefunden, der schon seit Monaten zugefroren ist. Detektive Sam Porter und sein Team ermitteln in dem Fall, den die Medien schon längst wieder dem Four Monkey Killer angedichtet haben. Sam glaubt nicht daran und ein tödlicher Wettlauf mit der Zeit beginnt.

! Vorwarnung!
„The Fourth Monkey – Das Mädchen im Eis“ ist die Fortsetzung des ersten Bandes:
„The Fourth Monkey – Geboren, um zu töten“.
Wer den ersten Teil nicht kennt, der ist gut damit beraten erst diesen zu lesen. Denn J.D. Barker erzählt schonungslos, was Vorher geschah. Dies ist für den Kontext in dem Buch „The Fourth Monkey – Das Mädchen im Eis“ elementar, jedoch nimmt es alle Handlungen aus dem ersten Band vorweg.

Daher meine Empfehlung:
Bitte erst „The Fourth Monkey – Geboren, um zu töten“ lesen, dann „The Fourth Monkey – Das Mädchen im Eis“

Der Einstieg in das Buch ging gleich rasant los. Hier zeigte sich schon zu Beginn, dass J.D. Barker Talent hat, eine Reihe gekonnt fortzuführen. Obwohl ich den ersten Band etwa ein Jahr vorher gelesen hatte, war ich wieder sofort mitten im Geschehen. Generell herrschte in diesem Buch eine unglaublich intensive Dynamik. Obwohl ausschließlich der personale Erzähler durch die Geschehnisse führte, ließ er mich an den Gedanken, Gefühlen und Handlungen vieler unterschiedlicher Personen teilhaben. Sie alle brachten ihre neuen Erkenntnisse, Erfahrungen, Erlebnisse und Vermutungen mit ein, sodass ich mich selbst beim Kombinieren und Schlussfolgern ertappte. So entwickelte sich für mich, relativ rasant, dieses Buch zum absoluten Suchtpotenzial. Die rund sechshundertachtzig Seiten lasen sich in null Komma nichts weg.
Der Plot war sensationell gut ausgearbeitet und wurde durch einen brillanten Schreibstil perfekt abgerundet. J.D. Barker verstand es ausgezeichnet die Handlungsorte, vor meinem geistigen Auge, zum Leben zu erwecken, und er sparte dabei auch nicht mit grausigen Details. Im Vergleich zum ersten Band sind diese zwar nicht ganz so blutig, dafür aber nicht minder entsetzlich. Was habe ich mit den Opfern mitgelitten und gehofft, sie mögen es schaffen sich aus dem Wahnsinn zu befreien.
Stück für Stück lüftete der Autor Geheimnisse und beantwortete Fragen, nur um im selben Moment Neue aufzuwerfen. Und immer wieder kam ich an den Punkt, an dem ich mich fragte: „Wo soll das Ganz noch hinführen?“. Die unerwarteten Wendungen machten es mir nicht gerade leicht auch nur einen Hauch vorherzusagen. Und je mehr Seiten ich las, umso mehr rätselte ich, wie das Buch wohl enden möge. An dieser Stelle sei gesagt, was ich am Ende las, damit hätte ich nie und nimmer gerechnet. Und nein, der Schluss des Buches hatte nicht die ersehnte Auflösung im Gepäck. Im Gegenteil. Die letzte Seite hinterließ das qualvolle Gefühl, endlich den dritten Teil lesen zu wollen, ja, zu müssen. Einen runderen Abschluss zu diesem Teil hätte ich mir schon gewünscht. So blieb alles irgendwie ungeklärt in der Luft hängen. Das fand ich schon schade.
Obwohl mir dieses Buch sehr, sehr gut gefallen hat, gab es noch einen weiteren Wermutstropfen für mich. Das Team um Sam Porter ist mir sehr ans Herz gewachsen, dennoch fand ich es schade, dass der Hauptakteur, Detektive Sam Porter, für meinen Geschmack zu kurz kam.

Fazit: Ein unglaublich packend erzähltes und spannendes Buch. Ich mochte diesen Teil lieber als den Vorgänger. Bis auf das sehr offene Ende war ich mit diesem Buch super zufrieden. Volle Unterhaltung von Anfang an.

Link zum Erwerb des Buches

Weitere Rezensionen zu der Reihe:
Band 1:

The Fourth Monkey – Geboren, um zu töten von J.D. Barker

Mondscheinmorde von Linda Howard


© Cover: HildenDesign, München

erschienen im Blanvalet Taschenbuch Verlag
Veröffentlicht am 14. April 2009
Originaltitel: Strangers in the Night: Lake of Dreams, Blue Moon, White Out
Übersetzt von Beate Darius
ca. 320 Seiten
erhältlich als Taschenbuch – in dieser Version nur noch gebraucht

In dem Buch „Mondscheinmorde“ werden drei kurze Geschichten erzählt, in denen es um heiße Zusammentreffen mit tödlicher Gefahr geht.
Drei Frauen sehnen sich nach Liebe und verschenken ihr Herz an unbekannte Männer. Doch sind diese wirklich das, was sie scheinbar vorgeben? Brechen diese Männer ihnen vielleicht nicht nur das Herz, sondern trachten den Frauen womöglich noch nach dem Leben?

Alle drei Geschichten wurden vom personalen Erzähler geschildert. Obwohl jede Story nur knapp einhundert Seiten hatte, kam ich in jede Geschichte super rein und war jeweils schon vom ersten Wort in dieser gefangen.
Über die jeweiligen Protagonisten erfuhr ich immer nur das Nötigste, was aber vollkommen ausreichend war, denn jede Geschichte hatte ihre eigene Spannung.
Diese hatte Linda Howard mit dem richtigen Maß aus Leidenschaft, Humor, Romantik und einer ordentlichen Portion Thriller gewürzt.
Ich empfand jede Geschichte intensiver und interessanter als die vorherige und insgesamt habe ich das Buch verdammt schnell ausgelesen.
In jeder Geschichte gab es auch erotische Szenen. Sie waren unterschiedlich intensiv, aber alle sehr niveauvoll beschrieben.
Der Schreibstil war durchgängig gut zu lesen und sehr bildgewaltig. Alle Szenen konnte ich mir sehr gut vorstellen und ich ließ mich nur allzu gern in die unterschiedlichen Storys entführen.

Die erste Geschichte, „See der Träume“, fand ich zu Beginn etwas komisch. Sie wirkte etwas konfus und las sich nicht sehr flüssig. Ich vermute aber, dass es an der Übersetzung gelegen haben könnte. Normalerweise sind die Bücher von Linda Howard flüssig und wohldurchdacht. Nach einer Weile war das Gefühl wieder weg und ich konnte die leicht übersinnlich angehauchte Geschichte genießen.
Das Hauptaugenmerk lag auf der Protagonistin Thea und offenbarte mir so ihre Emotionen und Handlungen. Ihre Träume wurden in kursiver Schrift dargestellt, sodass ich immer gut zwischen Realität und Traum unterscheiden konnte.
Trotz anfänglicher Startschwierigkeiten war die Gefahr spürbar und die Atmosphäre von einem erotischen Prickeln durchzogen.
Obwohl es nur eine Kurzgeschichte war, mochte ich Thea. Über sie erfuhr ich am meisten. Richard bleib mir dagegen etwas blass. Ihn konnte ich nicht so richtig greifen und er blieb für mich zum größten Teil ein gesichtsloser Mann.
„Vollmond“, die zweite Geschichte in dem Buch mochte ich sehr. Sie war spannend geschrieben und hatte genau die richtige Menge an süß/sinnlichen Momenten. Was mir besonders gut gefallen hatte, war, dass der personale Erzähler seinen Fokus erst auf den Sheriff Jackson Brody gelegt hatte. So erfuhr ich recht viel von diesem schnittigen Mann.
Dann schwenkte der Erzähler zu Delilah Jones, sodass ich auch ihr näher kommen konnte und etwas über ihre Vergangenheit erfahren konnte.
Zum Schluss lag der Fokus wieder auf dem Sheriff.
Dieses Zusammenspiel fand ich sehr überzeugend, denn trotz der Kürze der Geschichte, kam ich beiden Protagonisten nahe.
Sehr gut gefiel mir, dass die Protagonistin eine besondere Gabe hatte. Ich habe schon von solchen Menschen gelesen und fand es spannend, wie Linda Howard das Thema aufgegriffen und verarbeitet hatte.

Die letzte Kurzgeschichte, „Schneeblind“ war voller unterschiedlicher Spannungen. Mal war die Luft von erotischem Knistern erfüllt, mal war die Atmosphäre mit Lebensgefahr angereichert.
Diese Story las sich fast von selbst und ich fand es toll, dass ich Hope begleiten durfte. Mithilfe ihrer Emotionen und Handlungen waren die verschiedenen Spannungen mit den Händen greifbar.
Hope war mir von den drei Protagonistinnen mit am sympathischsten. Sie blieb selbst in einer brenzligen Situation ruhig und handelte besonnen. Es hatte mir wirklich Spaß gemacht sie zu begleiten.

Fazit: Die Sammlung von drei Kurzgeschichten aus der Feder von Linda Howard fand ich gelungen und unterhaltsam. Auch wenn mich nicht alle Geschichten gleichermaßen begeistern konnten, hatte jede ihren eigenen Charme und war voller Spannung, vom Anfang bis zum Ende.