Meine erste Lesung von und mit Andreas Gruber habe ich 2018 mit meiner Freundin Rabiata besucht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass es heiß draußen und sehr stickig in der Buchhandlung war, wo die Lesung stattgefunden hatte. Die Lesung selbst war amüsant und ich voller Tatendrang, im Nachgang einen kleinen Rückblick zu schreiben. Den es nie geben sollte.
Zum Glück ist Andreas Gruber wieder auf Lesereise und sein Weg führt wieder nach Hannover.


Ich erzähle euch von der Lesung „Andreas Gruber liest aus „Todesrache“ und was es Interessantes zu erfahren gab.



Andreas Gruber liest aus
© Foto: Monique Meier

Das Central-Hotel Kaiserhof liegt günstig direkt am Hauptbahnhof und lädt direkt mit seinem gemütlichen Obergeschoss zu einer entspannten Lesung ein. Für das leibliche Wohl ist mit einer schönen Auswahl an Kaltgetränken und kleinen Speisen gesorgt. Der Veranstalter Hugendubel kümmert sich um das Lesefutter und die freundlichen Mitarbeiterinnen haben einen schönen Buchstand aufgebaut. Sehr zu meiner Freude ist darunter auch das neue Buch „Rachefrühling“ aus der Feder von Andreas Gruber. Dies konnte ich nämlich zu vor in noch keiner Buchhandlung auftreiben, denn obwohl der Erscheinungstermin vorgezogen worden ist, wurden nur jene beglückt, die vorbestellt hatten.

Andreas Gruber liest aus
© Fotos: Petra-Susanne Bode

Gut bestückt mit einer riesigen Brezel, einem Wasser und dem neuen Buch freue ich mich auf die Lesung mit Andreas Gruber. Der Autor ist nahbar und auf Anhieb sympathisch. Nach einer kleinen Vorbereitungszeit geht es los und Andreas Gruber gibt einen kleinen Einblick auf die kommenden zwei Stunden. Sehr freue ich mich darüber, als er verkündet, dass er zwar kurz aus „Todesrache“ lesen wird, aber ansonsten der Fokus auf der Rache-Reihe liegen wird, denn immerhin ist dies das neue Buch und „Todesrache“ schon ein „alter Hut“. Zu dem Zeitpunkt, als die Lesung geplant wurde, sollte „Rachefrühling“ noch gar nicht veröffentlicht sein. Der Verlag hatte den Termin kurzfristig um gute zwei Wochen vorverlegt.

Andreas Gruber liest aus
© Foto: Monique Meier

An diesem Abend lauschen mehrheitlich Frauen Andreas Gruber, wie er erzählt, welche alten Justizfilme und -serien ihn inspiriert haben, einen Thriller zu konzipieren, in dem eine junge und dynamische Strafverteidigerin die Hauptrolle innehaben wird. Welche Faszination Worte auslösen können, die in der Lage sind, Meinungen zu beeinflussen, kann ich gut nachempfinden und verstehe, weshalb der Autor unbedingt darüberschreiben wollte.

2008 war es dann so weit, der Thriller in Arbeit. Die Inspiration für einzelne Namen verrät der Autor natürlich auch, was so manchen Schmunzler hervorlockt. Besonders bei Walter Pulaski. Sein Name ist eine kreative Verschmelzung aus Roman Polański, dem französisch-polnischen Filmregisseur, und Horst Schimanski, eine fiktive Figur aus der ARD-Fernsehreihe Tatort. Da ein Handlungsstrang ein bisschen dürftig erschien, entschied sich Andreas Gruber dazu, mit Gegensätzen zu arbeiten.
Im einen Handlungsstrang die junge und motivierte Evelyn Meyers, in dem anderen der ältere und zynische Ermittler bei der Polizei Walter Pulaski. Um aufzuzeigen, wie groß der Unterschied der beiden Charaktere ist, liest Andreas Gruber aus „Rachesommer“ jene Szene vor, an der sich Evelyn Meyers und Walter Pulaski zum ersten Mal begegnen.

Andreas Gruber liest aus
© Foto: Monique Meier

Danach plaudert der Autor ein bisschen aus dem Nähkästchen und wie der deutsche Literaturagent Roman Hocke das Buch beim Club Bertelsmann unterbrachte. Damals trug „Rachesommer“ noch den Titel „Die Hockinson Liste“, was dem Verlag aber zu sperrig war und kurzerhand in „Rachesommer“ als Zusammenspiel aus dem Thema Rache und der Jahreszeit, in dem der Thriller spielt, umgewandelt wurde.
Das solche Verlagsideen aber nicht immer 100-prozentig durchdacht sind, verrät die Umbenennung des Thrillers, der einmal der Auftakt meiner liebsten Thrillerreihe von Andreas Gruber werden wird.
Damals erschien auch „Todesfrist“ beim Club Bertelsmann als Hardcover und der Autor hatte den Titel „Struwwelpeters Spiel“ festgelegt. Das war dem Verlag wieder zu sperrig und außerdem, so das schlagende Argument, würde es zu viel vom Plot verraten. Nachfolgend zeige ich euch das damalige Cover und wer genau hinschaut, der sieht dort eine Figur, dessen Name nicht als Titel verwendet werden sollte.
So wurde also aus „Struwwelpeters Spiel“ „Todesfrist“, weil der Killer eine Frist von 48 Stunden setzt, wo das Opfer gerettet werden kann, bevor es stirbt.

Andreas Gruber liest aus

Die alten Cover aus dem Hause Club Bertelsmann
hält Andreas Gruber in der Hand

Später durften die Bücher in den Goldmann Verlag umziehen, der sich davon jeweils eine Reihe wünschte. Natürlich erzählt Andreas Gruber sehr lebendig von den Vertragsverhandlungen und wie ahnungslos er doch zu Beginn dem Business gegenüberstand. Wie gut, dass er den versierten Roman Hocke an seiner Seite hat.

Anschließend schwenkt Andreas Gruber zum Buch „Todesrache“, welches ein Crossover zwischen den beiden verschiedenen Thriller Universen aus Walter Pulaski / Evelyn Meyers und Maarten S. Sneijder ist. Besonders spannend fand Herr Gruber die Idee des Aufeinandertreffens zwischen den beiden grummeligen Männern. Darauf hatte ich mich damals aber auch am meisten gefreut.
So lässt es sich Herr Gruber nicht nehmen und liest uns eine Sequenz vor, an dem Sneijder sich zum ersten Mal nach Pulaski erkundigt.

Nach einer halbstündigen Pause gibt es einen Einblick in das neue Buch „Rachefrühling“. Eigentlich sollte es diesen Thriller überhaupt nie geben, weil der Titel für den Geschmack des Autors zu viel Rosamunde Pilcher impliziert. Also viel zu lieb und überhaupt, wer würde das schon kaufen? Doch zum Glück – und viele fragende Fans später – gab es die Idee, wie noch einmal Evelyn Meyers und Walter Pulaski plausibel aufeinandertreffen können. Andreas Gruber versteht es, Lust auf das neue Werk zu machen und auch die kleine Lesung daraus ist spannend gewählt.

Andreas Gruber liest aus
© Foto: Monique Meier

Zum Schluss gibt es eine offene Fragerunde. Leider wird Andreas Gruber keine Horrorbücher mehr schreiben, aber immer mal wieder kurze Horrorgeschichten, welche zu einem späteren Zeitpunkt als Sammelband zusammengefasst werden.
Der nächste Sneijder Thriller ist in Arbeit, die ersten 75 Seiten geschrieben. Möglicherweise wird er „Todesspur“ heißen, vielleicht aber auch ganz anders.
Leider wird es im achten Band der Sneijder-Reihe kein Wiedersehen mit Pulaski mehr geben, aber möglicherweise, wenn der alte Haudegen das Abenteuer im „Rachefrühling“ überlebt, im neunten und letzten Thriller mit dem knurrigen Maarten S. Sneijder.
Dafür wird uns im kommenden Jahr der Auftakt zu einer neuen Jugendbuchreihe erwarten. „Last Line of Defense“ wird bei Ravensburger erscheinen und eine Trilogie sein.
Und eine ganz wichtige Frage beschäftigt das Publikum: Ob Herr Gruber Einfluss auf die Dreharbeiten zu den beiden Verfilmungen von „Todesfrist“ und „Todesurteil“ hatte. Das hatte er nicht, denn sobald die Filmrechte verkauft sind, kann der Besitzer damit machen, was er möchte. Und weil die Produktion insgesamt doch sehr nah am Original blieb und Andreas Gruber auch die Besetzung gut gecastet empfindet, ist er froh, dass die Verfilmung schlussendlich so geworden ist, wie sie jetzt ist.

Nachdem alle Fragen gestellt und wir unsere Antworten erhalten haben, wird die Lesung beendet und der große Ansturm auf die Signierstunde eingeläutet. Meine Freundin und ich bleiben aber entspannt, wir haben Zeit und sind am Ende die letzten Fans mit einer Tasche voller Bücher, die signiert werden wollen. Dabei bleibt natürlich auch Zeit für Bilder und einen lustigen Austausch mit dem Autor.

Andreas Gruber liest aus

Andreas Gruber signiert auf Wunsch (fast) alles


Andreas Gruber liest aus

Andreas Gruber mit Mo


© Fotos: Monique Meier

Damit endet eine tolle Lesung und wir gehen zufrieden nach Hause.

Lesetipp:

Ihr möchtet noch mehr Eindrücke zur Lesung haben?
Dann schaut gerne bei meiner Freundin vorbei,
mit ihr habe ich den schönen Abend verbracht:
Ein Abend mit Andreas Gruber von Rabiata