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Normalerweise meide ich Geschichten, in denen Vampire vorkommen wie der Teufel das Weihwasser. Da es hier aber auch um Werwölfe ging, war ich hin und hergerissen. Die Leseprobe weckte jedoch meine Neugierde, sodass ich dem Buch eine Chance geben wollte.

In meiner Rezension zu
“Die Wächter der blauen Rose” von M. J. Martens
gehe ich darauf ein, ob sich mein Mut gelohnt hat und mich die Geschichte erwärmen konnte.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar vom Hybrid Verlag erhalten
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

 

Die Wächter der blauen Rose von M. J. Martens
© Umschlaggestaltung: 2020 by Magical Cover Design, Giuseppa Lo Coco

Infos zum Buch
erschienen beim Hybrid Verlag
Veröffentlicht 12. Dezember 2020
ca. 216 Seiten
erhältlich als Taschenbuch und eBook
 

Klappentext

Um seinem elenden Leben zu entfliehen, schließt sich Severin den Wächtern an, einer Armee aus Werwölfen, die die Menschen vor den Vampiren beschützt. Ehrgeizig erkämpft er sich einen Platz in der Schlosswache von Königin Amara und verliebt sich in das Dienstmädchen Minou. Mit der Zeit jedoch mehren sich die Hinweise, dass die Herrscherin von Eremis nicht das Wohl der Menschen im Sinn hat. Severin versucht, mehr darüber zu erfahren. Doch dieses Misstrauen bringt ihn in Gefahr. Ebenso wie seine große Liebe.

© Klappentext: Hybrid Verlag

Um ehrlich zu sein, war ich anfänglich schon ziemlich skeptisch, ob mir die Geschichte gefallen würde. Doch die Autorin erleichterte mir den Einstieg mithilfe ihres lockerleicht flüssigen Schreibstils ungemein. Sie zeichnete eine düstere, von großer Armut gezeichnete Welt, in der ich der Hauptfigur Severin begegnete. Ein Charakter, der gleich zu Beginn unterschiedliche Emotionen in mir wachrief. Mit seinen fast siebzehn Jahren war er kein Kind mehr, aber auch noch kein richtiger Erwachsener. Severins Schicksal berührte mich zutiefst, denn von seinem saufenden und prügelnden Vater hatte er nichts zu erwarten. Ständig musste er hart schuften und hatte nicht einmal genug zu essen, um seinen Hunger zu stillen. Hier regte sich Mitleid in mir für diesen armen Jungen, gleichzeitig aber bestaunte ich schon hier seine sehr reifen Gedanken. Auch charakterlich mochte ich ihn sehr, denn er hatte das Herz am rechten Fleck. Seine Loyalität gegenüber seinem besten Freund war unerschütterlich und tief, genauso wie sein Mut. Den er gut gebrauchen konnte, denn um seiner Armut zu entfliehen, wollte er vieles in Kauf nehmen.

Erzählt wurden die Ereignisse hauptsächlich von Severin aus der ich-Perspektive. So war alles noch viel eindrücklicher, sein Leiden viel plastischer, gleichzeitig war die Sicht auf die Dinge sehr begrenzt. Einen etwas größeren Blickwinkel erlaubte mir jedoch eine zusätzliche Figur. Ajun, der oberste Wächter. Auch er kam hin und wieder selber zu Wort, sodass ich ein bisschen mehr über die Strukturen innerhalb der Wächter und ihrer Verbindung zur Königin Amara erfahren konnte. Charakterlich war er ein wenig wankelmütig und ich konnte ihn lange Zeit nicht richtig einschätzen. Sein guter Kern war zwar spürbar, aber gleichzeitig vernebelte Verblendung seine Urteilskraft. Jedoch wurde das Warum dieses Verhaltens sehr anschaulich dargestellt, sodass ich ihn sogar verstehen konnte. Insgesamt war Ajun eine sehr interessante Figur, die für meinen Geschmack ruhig ein bisschen mehr Präsenz hätte haben können.

M. J. Martens Weltenaufbau hatte mir gut gefallen. Ein bisschen hatte ich beim Lesen das Mittelalter vor Augen, obwohl wir uns hier ganz klar im Fantasybereich mit reichlich Werwölfen und ihren Feinden, den Vampiren befanden. Sehr zu meiner Freude war das Auftreten der Vampire sehr überschaubar, sodass ich keine Probleme mit ihnen hatte. Sie spielten eher eine Randrolle, das Hauptaugenmerk lag ganz klar auf Severins Entwicklung sowohl auf körperlicher, als auch auf geistiger Ebene.

Rückblickend betrachtet hatte diese Geschichte in bestimmten Bereichen den Charme eines Märchens. Hier ging es um Gut und Böse, um Schein und Sein, Freundschaft und Feindschaft, aber natürlich auch Liebe. Gerade am Ende hatte ich so das Gefühl, dass mir hier auch eine Moral präsentiert worden ist.
Das Finale war unheimlich spannend, wurde für mich jedoch ein bisschen zu fix abgehandelt. Gut gefallen hatte mir hingehen, dass das Ende realistisch gewesen ist, wenn auch vorhersehbar.

Insgesamt war der Handlungsablauf immer zügig, es kamen keine Längen auf und sie brachten vielfältige Spannungen in die einzelnen Szenen. Auch wenn die Wendungen nicht immer überraschend für mich kamen, war ich doch ganz in dieser Geschichte versunken.
Die Mischung aus wilden Kämpfen, hartem Überleben und sogar erotischen Sequenzen war ausgewogen. Die Umsetzung gefiel mir, während die Auseinandersetzungen häufig sehr detailfreudig an blutiger Brutalität waren, wechselte es bei den Liebesszenen zwischen ausführlich bis hin zu leichten Andeutungen ab. Dies war schon besonders, denn es kam auf die Figuren an, sodass die Beziehung und auch das Wesen der Charaktere sich auch in diesen Beschreibungen widerspiegelten.

Die Wächter der blauen Rose von M. J. Martens
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Eine romantisch abenteuerlich fantastische Geschichte, in der die Gier nach Macht so manchen Charakter verdirbt und Liebe nicht nur blind macht.

Lesen:

Liebhaber von Romantsy, die auch eine ordentliche Portion Brutalität nicht scheuen, werden hier unterhaltsame Lesestunden finden.

Weglegen:

Fans von Vampiren á la Edward werden hier nicht viel Freude an dem Buch haben. Die Blutsauger haben eher eine Statistenrolle. Wen das stört, sollte lieber zu einem anderen Buch greifen.

Mal ehrlich:

In die Welt des Landes Eremis abzutauchen fiel mir erstaunlich leicht, und auch meine Befürchtungen, unheimlich schönen, beinah funkelnden, ja liebreizend verklärten Vampiren begegnen zu müssen, erfüllte sich sehr zu meiner Freude nicht. Stattdessen waren die Blutsauger eher schattige Randfiguren, die hin und wieder namentlich erwähnt und in einigen blutigen Kämpfen ihren Auftritt hatten. Mir reichte das völlig. Denn der uralte Hass zwischen Werwölfen und Vampiren hatte in dieser Geschichte einen völlig anderen Ursprung. Genau das gefiel mir.
Mitten in diesem verarmten Land begegnete ich Severin, dem das Leben nicht mehr als Hunger und brutale Schläge von seinem Vater zu bieten hatte. Den Ausweg, die der oberste Wächter Ajun ihm und seinem Dorf bot, war verständlicherweise sehr reizvoll für ihn. So begleitete ich diesen warmherzigen und aufrichtigen 17-Jährigen bei seinem Abenteuer ein angesehener Wächter zu werden, der die Menschen vor den blutdürstigen Vampiren beschützen will.
Mit einem wirklich bildgewaltigen und fesselnden Schreibstil gelang es M. J. Martens mich durch blutige Kämpfe, körperlich leidenschaftlichen Zusammenkünften und irren Machtspielchen zuführen. Gleichzeitig stellte sie mir einen jungen Helden zur Seite, durch dessen Augen und Emotionen ich seiner Entwicklung beiwohnen durfte und die düsteren Geheimnisse lüften durfte, die diese Welt und seine Bewohner umhüllte.
Manche Ereignisse ließen mich betroffen zurück. Aber gerade dieser realistische Touch war genau das, was der Geschichte zu einer unglaublichen Intensität verhalf.
Ein bisschen erinnerte mich „Die Wächter der blauen Rose“ an Märchen. Vor allem das Ende wäre typisch dafür. Aber dies machte für mich auch den Charme aus, den dieses Werk versprühte. Ich habe es gern gelesen.

Fazit:

Ein aufregendes, bisweilen blutiges Fantasyabenteuer, welches für spannende Lesestunden sorgte.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust auf eine Fanatsy Geschichte, die sich sehr real lesen lässt
und Spannung wie beim Thriller mit sich bringt?
Dann empfehle ich euch:
Teufelsmeer von Birgit Gürtler