Donald Trump ist ein Mann, der unheimlich polarisiert. Die einen mögen ihn, die anderen nicht. Manches wird mit Sicherheit auch medial aufgebauscht. Umso mehr würde ich wirklich gerne mal Mäuschen spielen wollen, um mal einen Blick auf den Präsidenten und sein Wirken erhaschen zu können. Wie gut, dass John Bolton ein Buch darüber geschrieben hat und den Leser einen Blick hinter die Kulissen erlaubt.

In meiner Rezension „Der Raum, in dem alles geschah“ von John Bolton verrate ich euch, ob sich das Buch und der Blick durchs Schlüsselloch lohnt.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Das Neue Berlin erhalten
❧ Vielen Dank an Literaturtest für die Vermittlung
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

 

Der Raum, in dem alles geschah von John Bolton
© Cover: Buchgut, Berlin

Infos zum Buch
erschienen bei Das Neue Berlin
Veröffentlicht 14. August 2020
Originaltitel “The Room Where It Happened:
A White House Memoir”
Übersetzt von Shaya Zarrin und
Patrick Baumgärtel
ca. 640 Seiten
erhältlich als Taschenbuch, eBook, Hörbuch
 

Klappentext

John Bolton diente 519 Tage als Sicherheitsberater unter Donald Trump, zumeist »in dem Raum, in dem alles geschah«. Mit beinahe täglichen Treffen zählte er zu den engsten Vertrauten des US-Präsidenten. Doch was er da sah, überraschte ihn. Er musste erfahren, dass es Trump gar nicht um das Wohl der Nation geht, sondern immer nur um Selbstinszenierung und darum, mit allen Mitteln wiedergewählt zu werden. In seinem Buch berichtet Bolton aus erster Hand über Trumps Verfehlungen, seine rechtswidrigen Aussagen und Handlungen. Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater des Präsidenten verfügt über exklusives Detailwissen und Insiderinformationen bezüglich der Machenschaften des mächtigsten Mannes der Welt.
So beantwortet Bolton die Frage, inwieweit Trump manipulativ auf die Regierung von Kanzlerin Merkel einwirkt, und deckt zahlreiche streng geheime Informationen über Trumps Verwicklung in unzulässige Ermittlungen des Justizministeriums auf. Er verrät pikanteste Details aus dessen Verbindungen in die Unruheherde der Welt, beispielsweise Russland, Nordkorea und Syrien, und äußert sich detailliert zur Ukraine-Affäre. Er zeigt, wie Trump mit Hilfe des ukrainischen Präsidenten seine Gegner zu denunzieren versuchte.
Bolton enthüllt Trumps erschreckende Inkompetenz in außenpolitischen und Verfassungsfragen: Der Präsident bietet Diktatoren seine persönlichen Dienste an, lobt die chinesischen Internierungslager und überlegt laut, mehr als zwei Wahlperioden zu regieren. Er weiß nicht, dass Großbritannien über Atomwaffen verfügt und dass Finnland nicht zu Russland gehört. Ja, er überlegt, aus der NATO auszusteigen und in Venezuela einzumarschieren.
Diese Dokumentation aus dem innersten Kreis der Macht rechtfertigt ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump – weshalb das Weiße Haus seine Veröffentlichung mit allen Mitteln zu verhindern suchte.

© Klappentext: Das Neue Berlin

Auf das Buch war ich schon recht neugierig, aber ich war auch skeptisch. Wir Menschen neigen auch gerne dazu, die Objektivität zu verlieren, wenn wir persönlich in Vorgänge involviert waren. Daher fiel es mir an manchen Stellen auch nicht leicht, alles für bare Münze von John Bolton zu nehmen.

Mit rund 638 Seiten war dieses Buch recht umfangreich, wobei es am Ende ein sehr ausführliches Personenregister gab. Wer sich also nur für bestimmte Passagen mit ausgewählten politischen Würdenträgern interessiert, kann hier schnell fündig werden.
Zu jedem der fünfzehn Kapitel gab es zusätzlich noch eine recht lange Auflistung an Anmerkungen. Positiv war hier, dass kleine Ziffern innerhalb des jeweiligen Kapitels kennzeichneten, wozu es einen entsprechenden Vermerk gab. Eine richtige Taktik konnte ich für mich jedoch nicht finden. Las ich die Anmerkungen zum Schluss, fehlte mir oftmals der vorherige Bezug, sodass ich das noch einmal nachlesen musste. Wenn ich die Anmerkungen gleich nach der Kennzeichnung im Text las, kam ich aus dem Lesefluss. Schöner hätte ich es hier gefunden, wenn mit Fußnoten gearbeitet worden wäre. Das hätte mir zum einen das lästige Blättern erspart, zum anderen hätte ich mir einen günstigeren Zeitpunkt zum Nachlesen wählen können. Außerdem war manches Nachschlagen total unnötig, weil die Anmerkung nur auf eine weitere Quelle hinwies, die ich nicht auch noch zusätzlich recherchieren wollte.

Der Schreibstil war bisweilen sehr zäh. An dieser Stelle kann ich nicht beurteilen, ob es an der Übersetzung lag oder es im Original ähnlich gewesen ist. Jedenfalls wurden mir sehr viele ellenlange und verschachtelte Sätze serviert. Manches davon musste ich mehrmals lesen, bis ich den vollen Umfang verstand. Außerdem hatte das Geschriebene den Charme eines niedergeschriebenen Diktats im Protokollstil. Mir fehlte oft das flüssige Erzählen und manchmal empfand ich auch die Abschweifungen Boltons in Details sehr anstrengend. Zudem wurde alles mit reichlichen Floskeln und „er sagte dies“ „er sagte das“ angereichert. Kurzum, dass Buch war nichts, was ich mal eben nebenbei lesen konnte. Insgesamt habe ich wirklich lange dafür benötigt.

Inhaltlich war das Buch interessant. Es ermöglichte mir einen Einblick in die Abläufe innerhalb des Machtapparates und schlug den Bogen zur Außenpolitik. Neben Trumps Verhalten erfuhr ich auch spannende Details über die Berater und ihre Tätigkeit. Und ja, es lohnte sich einen genauen Blick darauf zu werfen. Denn auch John Bolton war hier definitiv kein Kind von Traurigkeit. Seine Affinität zur Lösung von Problemen auf militärische Mittel zurückzugreifen war schon höher als die von Donald Trump. Die Zwischentöne in dem Buch hatten mich am meisten fasziniert und mir mehr offenbart, als ich es für möglich gehalten hätte.

Manches vom Inhalt war mir bekannt, weil es medial schon oft aufbereitet worden war. Dennoch fand ich es sehr interessant zu lesen, wie der innere Zirkel der amerikanischen Macht so funktioniert. Hierbei war es zudem sehr informativ, wie es zum Bruch zwischen Donald Trump und seinem Berater kam.
Was mir aller Dings fehlte, war das klar gezeichnete Wesen Donald Trumps. Ich empfand seine Darstellung etwas einseitig, was aber auch dem Autor geschuldet war. Das Buch war ja nicht von einem neutralen Betrachter verfasst worden und so muss ich sagen, dass den Kopf nicht nur über Donald Trump schütteln musste. Klarer sehe ich nach dem Lesen des Buches den 45. Präsidenten der USA nicht wirklich. Dafür hat sich aber mein Wissensstand um politische Arbeitsweisen erweitert.

Der Raum, in dem alles geschah von John Bolton
© Foto: Monique Meier / Jan Heine

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

John Boltons Sicht auf 519 Tage als Sicherheitsberater von Donald Trump. Dabei berichtet er unter anderem minutiös über Treffen von Donald Trump mit ausländischen Politikern, aber auch über Gespräche im Oval Office.

Lesen:

Wer sich politisch nur eher oberflächlich und im Allgemeinen informiert, findet hier zahlreiche und durchaus interessante Fakten. Wenn ihr also tiefer in die Machtwelt vom Weißen Haus inklusive des aktuellen Amtsinhabers vordringen möchtet, ist das ein gutes Buch dafür.

Weglegen:

Wer politisch sehr interessiert und informiert ist, wird hier kaum neue Fakten finden. Vieles ist schon medial oder in anderen Büchern thematisiert worden.

Mal ehrlich:

Das Buch war für mich echt schwere Kost. Ob daran die Übersetzung schuld war, mag ich nicht zu beurteilen. Aber der Inhalt war mitunter schwergängig zu lesen. Verschachtelte Sätze, wohin mein Auge blickte, angereichert mit jeder Menge Floskeln und in einem Stil verfasst, der an einen detaillierten Spionagebericht erinnerte. Schade, denn so wirklich flüssig war das Buch einfach nicht zu lesen.
Neben der Schilderung politischer Ereignisse gab es noch jede Menge Anmerkungen zu einzelnen Sätzen. Diese konnte ich hinten im Buch nachschlagen. Oft halfen mir diese Ergänzungen überhaupt nicht weiter, weil sie auf andere Quellen verwiesen. Zudem rissen sie mich aus dem Lesegeschehen und am Ende eines Kapitels brauchte ich auch nicht mehr nachzulesen, weil ich den Kontext nicht mehr vor Augen hatte. Im Grunde lähmten die Anmerkungen meinen Lesefluss zusätzlich, sodass ich für das Buch sehr lange brauchte.
Inhaltlich war das Buch besonders zwischen den Zeilen interessant für mich. Denn John Bolton skizziert hier nicht nur Donald Trump, sondern auch sich selbst. So bekam ich einen spannenden Gesamtüberblick über den inneren Zirkel der trumpschen Präsidentschaft und der Abwicklung der außenpolitischen Situationen. Da ich politisch nicht so sehr in der Tiefe verweile, gab es auch einiges an Insiderwissen, was mir nicht bekannt gewesen ist. Anderes wiederum kannte ich schon aus den Medien.
Gern hätte ich einen neutraleren Blickpunkt auf den Präsidenten erhaschen wollen, doch das war aufgrund des Autors leider nicht möglich. So nahm ich für mich nur die Fakten rund um das politische Geschehen mit.

Fazit:

Den Blick hinter die Kulissen sollte auf jeden Fall aus einem neutralen Standpunkt heraus passieren. Denn auch wenn Donald Trump hier im Vordergrund stehen sollte, erzeugen die Zwischentöne ein umfassenderes Bild. Wer sich nur am Rande für Politik interessiert, findet hier einen interessanten Einblick in das Machtgefüge des Präsidentenamtes und das außenpolitische Wirken der trumpschen Regierung.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

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