*Werbung durch Verlinkung*


© Umschlaggestaltung: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur

erschienen im Atrium Verlag
Veröffentlicht am 23. August 2018
Originaltitel: I’ll Be Gone in the Dark: One Woman’s Obsessive Search for the Golden State Killer
Übersetzt von Eva Kemper
ca. 432 Seiten
erhältlich als gebundenes Buch, Hörbuch und Audio-CD

„Ich ging in die Dunkelheit“, erzählt die Geschichte einer Frau, die sich an grausigen Ereignissen und haufenweise verworrenen Hinweisen festgebissen hatte.
Michelle McNamara war nicht nur Bloggerin und Autorin, nein, sie war auch eine Frau, die obsessiv nach einem Mann gesucht hatte, der in den 1970er und 80er Jahren für Schrecken in Kalifornien sorgte.
In einem einzigartigen Buch wollte Michelle McNamara die vielfältigen Spuren eines kranken Geistes festhalten, dem es selbst nach Einführung der DNA-Tests gelang, unentdeckt zu bleiben.
Der frühe Tod von Michelle McNamara sorgte dafür, dass sie ihren Lebenstraum nicht zu Ende schreiben durfte. Aber ihre engsten Vertrauten, die mit ihr auf der Jagd nach dem Monster waren, brachten das Werk für sie zu Ende.





Wahre Geschichten faszinieren mich. Vor allem jene, die in der Vergangenheit liegen und verzwickt sind. Dabei stehen für mich nicht die Gräueltaten, die vielleicht bis ins kleinste Detail beschrieben worden sind, im Vordergrund, sondern eher die Zusammenhänge. Die feinen Nuancen zwischen scheinbar verschiedenen Verbrechen, die beim genaueren Betrachten aber die Handschrift nur eines Monsters tragen. Die Taten vom Golden State Killer ist so eine Geschichte.
Gegliedert wurde das Buch in drei Teile.

Im ersten Teil brachte mir Michelle McNamara einzelne ausgewählte Verbrechen des unbekannten Täters näher. In einzelnen Kapiteln, welche mit Ortsangabe und Jahreszahl gekennzeichnet wurden, berichtete sie von ausgeklügelten Einbrüchen in Häuser potenzieller Opfer, Vergewaltigung und Mord. Sie erzählte dies alles so eindrücklich, dass die vergangene Zeit wie aus einem Nebel wieder zum Leben erwachte. Wie ein hungriges Monster kroch es auf mich zu und jagte mir Schauer über den Rücken. Und nein, dies lag nicht an furchtbar grausigen Details. Denn die gibt es in diesem Buch nicht. Michelle McNamara ergötzte sich niemals am Leid der Opfer, der Betroffenen oder gar der Ermittler, die nicht im Stande waren dem Unbekannten das Handwerk zu legen. Nein. Mir ging allein die Tatsache unter die Haut, wie geduldig und ausgeklügelt dieser wahrhaft kranke Geist vorging. Mit welcher Heimtücke und stellenweise Seelenruhe er für Angst und Schrecken sorgte. Und doch niemand in der Lage war ihn zu stoppen.

Im zweiten Teil wurde McNamara autobiographisch. Sie beschrieb ihre Obsession die Puzzle Teilchen zusammenzufügen, die ein kranker Kopf in großer Vielzahl hinterlassen hatte. Wie die Jagd ihr Leben bestimmte.
Dabei faszinierte mich Michelle McNamara mit ihrer unerschütterlichen Entschlossenheit zu verstehen, wer der Golden State Killer eigentlich ist, was ihn antrieb und vor allem wie er aufgestöbert werden kann. Dabei tauchte sie so tief ab, wie es nur irgendwie ging. Sprach mit Opfern, Hinterblieben, Ermittlern und mit Gleichgesinnten. Von dieser detaillierten und intensive Recherchearbeit bin ich wahrlich beeindruckt. Umso trauriger finde ich die Tatsache, dass Michelle McNamara es nie vergönnt sein wird die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit zu genießen.

Der letzte Teil wurde von zwei Freunden McNamaras geschrieben. Michelle McNamara starb, als sie ihr Buch etwa zur Hälfte fertig hatte. Paul Heynes und Billy Jensen erzählen, wie sie Michelles Buch vollendeten und wie am Ende die Suche nach dem Monster ausging.

Anfänglich hatte es mich schon verwirrt, wenn Michelle McNamara in den Ereignissen hin und her sprang wie ein Flummi. Erst startete sie bei einem Vorfall 1981, nur um dann ins Jahr 1980 zu hüpfen und im Anschluss das Jahr 2009 zum Thema zu machen. Doch mit der Zeit kristallisierte sich heraus, warum sie eben nicht chronologisch ihr Buch aufgebaut hatte. Ihr ging es gar nicht so sehr um die einzelnen grausigen Taten, sondern vielmehr um das große Ganze. Es war spürbar, wie sie versuchte, einzelne Fäden eines völlig durcheinandergeratenen Wollknäuels zu entwirren und die richtigen Enden miteinander zu verknüpfen. Dabei unterfütterte sie ihre Überlegungen mit zahlreichen detaillierten und fundierten Erkenntnissen, brachte mir Ermittler und Opfer durch Bilder näher und zeigte anhand von alten Zeitungsartikeln, wie die Welt in den siebziger und achtziger Jahre tickte.
Insgesamt fand ich das Buch nicht leicht zu lesen. Denn es verfolgte mich. Ständig überlegte ich, ob mir auffallen würde, wenn ein Fremder durch mein Haus schleicht oder mich wochenlang ausspioniert mit der Geduld einer Spinne.
Michelle McNamara verstand es ausgezeichnet, die Schrecken längst vergangener Tage nicht vergessen zu machen und sie wieder zum Leben zu erwecken.

Fazit: „Ich ging in die Dunkelheit“ ist sicherlich kein klassisches True Crime Buch. Aber es ist deswegen nicht minder atemraubend. Ungeschönt zeigte Michelle McNamara Zusammenhänge auf, die auf den ersten Blick nicht erkennbar waren und untermauerte sie mit zahlreichen sauber recherchierten Details. Mich wird dieses Buch immer verfolgen, denn es erzählt das Grauen eines Gespenstes, das zu spät zu stoppen war.

Vielen Dank an den Atrium Verlag und an Netzwerk Agentur Bookmark für das Rezensionsexemplar
Meine Rezension ist davon jedoch nicht beeinflusst worden.

Link zum Erwerb des Buches