Nachdem mir Happy End von der Autorin so gut gefallen hatte, war ich neugierig auf das neue Buch von Sarah Bestgen geworden. Der Klappentext versprach mir ein gefährliches Spiel, und so bin ich mit recht hohen Erwartungen ans Lesen gegangen.

In meiner Rezension „Safe Space: Der sicherste Ort. Eine tödliche Falle.“ von Sarah Bestgen lest ihr, ob sich diese erfüllt hat.


Safe Space: Der sicherste Ort. Eine tödliche Falle. von Sarah Bestgen
© Umschlaggestaltung: Kristin Pang, München

Infos zum Buch
erschienen bei Lübbe
Veröffentlicht 28. November 2025
ca. 400 Seiten
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
 

Klappentext

Dieses Buch gibt es in zwei Versionen: mit und ohne Farbschnitt. Sobald die Farbschnitt-Ausgabe ausverkauft ist, liefern wir die Ausgabe ohne Farbschnitt aus.

Dein Geheimnis ist entsetzlich.

Dein Plan ist raffiniert.

Doch: Dein Gegner hat dich längst im Visier …

Sadisten, Psychopathen, Serienmörder – die forensische Psychologin Anna Salomon weiß um die dunklen Abgründe der menschlichen Natur. Sie gilt als Ausnahmetalent in der Behandlung von Straftätern und ist bekannt dafür, die undurchdringlichsten Fassaden zu durchschauen. Doch niemand ahnt, was sich hinter ihrer eigenen verbirgt. Denn ausgerechnet in den Mauern eines Hochsicherheitsgefängnisses jagt Anna ihrer ganz persönlichen Heilung hinterher. Auf der Suche nach der Wahrheit ist sie bereit, alles zu riskieren. Nur: Sie ist nicht die Einzige, die ein gefährliches Spiel spielt. Jemand spielt mit – der Einsatz ist Annas Leben …

© Klappentext: Lübbe

Mit Beklemmung lese ich den Prolog von Safe Space. Das Sinnieren über das Sterben und den Tod sorgt für eine drückende Atmosphäre, weckt jedoch auch meine Neugier. Diese wandelt sich, sobald ich ins erste Kapitel starte. Zu Beginn wirkt Safe Space eher informativ, da Hauptfiguren sowie die Neben- und Randfiguren ausführlich eingeführt werden. Das bremst ein wenig die Spannung aus, wobei einige Geheimnisse angedeutet werden, sodass Safe Space dennoch interessant für mich bleibt.

Das Setting der Justizvollzugsanstalt Weyer als Hochsicherheitsgefängnis könnte die perfekte, latent bedrohliche Kulisse für einen beklemmenden Thriller werden. Doch in der Umsetzung entsteht für mich keine spürbar klaustrophobische oder bedrückende Wirkung, weil die Atmosphäre insgesamt eher klinisch und wenig bedrohlich wirkt. Allerdings finde ich, dass die allgemeine, von subtilem Misstrauen geprägte Gefängnisatmosphäre gut dargestellt wird.

Safe Space ist mit drei Handlungssträngen aufgebaut. Jeder Perspektivwechsel wird am Kapitelanfang durch den Namen der jeweiligen Person klar gekennzeichnet, sodass ich nie die Orientierung verliere.
Der dominanteste Erzählfaden ist die Ich-Perspektive der forensischen Psychologin Anna Salomon, deren wahre Beweggründe für diesen gefährlichen Job in der Justizvollzugsanstalt zunächst eine ganze Weile im Dunkeln bleiben. Jedoch ist sie für mich die schwächste Figur. Anna wirkt auf mich durchgehend naiv, unprofessionell und planlos, sodass ich in ihr beim besten Willen keine forensische Fachkraft erkenne. Die Therapiesitzungen und die Meetings in der JVA, von denen ich mir deutlich mehr psychologisches Feingefühl versprochen habe, empfinde ich ehrlich gesagt als sehr zäh und langweilig. Obwohl Anna mir aus ihrer Perspektive alle Gedanken und Emotionen schildert, kann ich mit ihr nicht so recht mitfühlen, stellenweise nervt sie mich. Anna betont zwar immer wieder, dass sie einen Plan hat, agiert dann aber erschreckend kopflos und tritt mit ihren Gedanken besonders im Mittelteil extrem auf der Stelle.
Ganz anders ergeht es mir bei den Tagebucheinträgen von Sina. Diese können mich emotional abholen und auch berühren. An ihr wird auf schmerzhaft realistische Weise deutlich, wie die Abwärtsspirale einer toxischen, missbräuchlichen Beziehung funktioniert. Diese intimen Einblicke in ihr Seelenleben erzeugt Mitleid für sie in mir.
Ebenso faszinierend finde ich den Handlungsstrang um Leon, dessen Weg von einem personalen Erzähler begleitet wird. Hier schaue ich ihm nicht nur in der Gegenwart über die Schulter, sondern auch immer in Rückblenden in seine von Misshandlungen geprägte, schlimme Kindheit. Diese ist psychologisch sehr dicht, realistisch und bewegend dargestellt. Hier spüre ich eine durchgängige Beklemmung.

Der vielschichtige Aufbau von Safe Space bietet eine Menge Potenzial für wendungsreiche Momente, da sich die Handlung über zwei Zeitebenen erstreckt. Obwohl die Spannung lange Zeit eher unterschwellig bleibt, lädt mich die Geschichte durchgehend zum Spekulieren ein. Das macht das Lesen extrem kurzweilig, weil ich selbst viele Theorien entwickle, wie alles zusammenhängen könnte. Sarah Bestgen streut kontinuierlich so viele Verdachtsmomente zu anderen Figuren ein, dass für mich immer eine latente Bedrohung über allem schwebt. Dieses andauernde Misstrauen und die Unsicherheit sind atmosphärisch absolut dicht und halten mich bei der Stange.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht lesbar. Allerdings verlangen mir viele psychologische Erklärungen und Beobachtungen eine gewisse Konzentration ab, da Sarah Bestgen spürbar ihr Fachwissen einfließen lässt. Für meinen Geschmack ist das an manchen Stellen etwas zu fachlich, sodass es den Lesefluss ausbremst, weil ich die Inhalte gedanklich erst einmal sortieren muss. Dennoch transportiert Sarah Bestgen die emotionale Belastung der Figuren für mich absolut authentisch, auch wenn die Handlung im Mittelteil durch die sehr ausführliche Darstellung spürbar in die Länge gezogen wird.

Doch das Dranbleiben lohnt sich, denn im letzten Viertel steigen das Tempo und die Dynamik massiv an. Die verschiedenen Handlungsstränge und Zeitebenen beginnen einen Sinn zu ergeben. Die Plottwists kommen jetzt Schlag auf Schlag, wodurch sich meine Wahrnehmung zu einigen Figuren plötzlich komplett verändert. Auch wenn Annas langsames Denken und Kombinieren die Spannung selbst hier manchmal ein bisschen ausbremst, finde ich das Finale und seine Umsetzung schlüssig und konsequent. Ich empfinde die plötzliche Auflösung zwar als ein wenig haarsträubend, aber absolut nicht als unrealistisch. Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass sich meine allererste Vermutung am Ende bestätigt, obwohl Sarah Bestgen mich zwischendurch mit ihren Wendungen erfolgreich verunsichert und von meiner Fährte abgebracht hat.


Safe Space: Der sicherste Ort. Eine tödliche Falle. von Sarah Bestgen
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein beklemmender Psychothriller, der über drei verschiedene Handlungsstränge und zwei Zeitebenen hinweg ein düsteres Verwirrspiel spinnt. Neben tiefen Einblicken in Täterprofile und die Abwärtsspirale toxischer Beziehungen wartet zudem eine unterschwellige und von Misstrauen geprägte Atmosphäre auf euch.

Lesen:

Wenn ihr Lust auf ein vielschichtiges, psychologisch dichtes Verwirrspiel mit starken, authentischen Nebencharakteren habt und ein absolut stimmiges Finale schätzt, für das ihr auch gerne einen etwas längeren Atem im Mittelteil mitbringt, dann solltet ihr zugreifen.

Weglegen:

Wenn ihr einen rasanten, durchgehend actiongeladenen Thriller sucht, dann solltet ihr das Buch besser weglegen.

Mal ehrlich:

Bereits der Prolog von Safe Space sorgt für eine drückende Atmosphäre und weckt meine Neugier. Dieser starke Einstieg bekommt jedoch einen Dämpfer, sobald das erste Kapitel startet. Ab hier wirkt die Geschichte erst einmal informativ, da Sarah Bestgen die verschiedenen Figuren sehr ausführlich einführt. Das bremst die anfängliche Spannung und die düstere Stimmung spürbar aus, auch wenn die angedeuteten Geheimnisse mich trotzdem fesseln.
Die Handlung entfaltet sich über drei verschiedene Erzählfäden auf zwei Zeitebenen. Dabei arbeitet die Autorin mit ganz unterschiedlichen Erzählperspektiven. Während der dominanteste Erzählstrang mich in der Ich-Form begleitet, wechseln die anderen Abschnitte zu Tagebucheinträgen und einem personalen Erzähler. Dank der klaren Kennzeichnung am Kapitelanfang verliere ich nicht die Orientierung. Dieser vielschichtige Aufbau lädt mich durchgehend zum Spekulieren ein, sodass ich beim Lesen ständig eigene Vermutungen über die Zusammenhänge anstelle. Durch die geschickt gestreuten Verdachtsmomente entsteht eine dichte Stimmung voller Misstrauen und Unsicherheit.
Bei den Charakteren erlebe ich im Verlauf jedoch deutliche Unterschiede. Die forensische Psychologin Anna Salomon ist für mich leider die schwächste Figur. Sie ist mir einfach zu naiv, agiert distanzlos, kopflos und verliert bei ihren Vorhaben völlig den Faden. Ihre Therapiestunden und Dienstbesprechungen empfinde ich als ziemlich trocken und ermüdend. Stellenweise nervt sie mich, da sie sich gedanklich im Kreis dreht.
Ganz anders ergeht es mir bei den anderen beiden Handlungssträngen, die in einer früheren Zeitebene spielen. Sinas Tagebucheinträge holen mich emotional total ab. An ihr wird auf erschreckend reale Weise deutlich, wie zerstörerisch ein toxisches Beziehungsgeflecht sein kann.
Auch der Weg von Leon fasziniert mich. Ich begleite ihn in seiner Gegenwart, während schmerzhafte Rückblenden zusätzlich tief in seine traumatische Vergangenheit führen. Diese Einblicke sind psychologisch so intensiv und bewegend dargestellt, dass ich beim Lesen eine durchgängige Beklemmung spüre.
Das Dranbleiben lohnt sich am Ende. Im letzten Viertel gewinnt die Handlung massiv an Fahrt. Die Wendungen kommen jetzt geballt und stellen meine Sicht auf einige Charaktere völlig auf den Kopf. Das Finale und seine Umsetzung finde ich schlüssig und konsequent. Trotz der anstrengenden Hauptfigur bleibt am Ende ein unterm Strich solider Psychothriller zurück.

Fazit:

Safe Space macht es mir durch eine anstrengende Hauptfigur und einige Längen im Mittelteil nicht immer leicht. Jedoch überzeugt mich der Thriller mit tiefgründigen Nebencharakteren und einem klug durchdachten Finale.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

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