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Auf der Leipziger Buchmesse 2026 führte mich der Zufall zum Stand von Kerstin Rachfahl. Das Gespräch mit ihr war bereichernd, und wir tauschten uns intensiv über ihren romantischen Thriller Tisiphones Tochter aus. Dabei wuchs meine Neugier ins Unermessliche, und zu meiner großen Freude gab sie mir das Buch als Rezensionsexemplar, das ich mit nach Hause nehmen durfte.

In meiner Rezension „Tisiphones Tochter“ von Kerstin Rachfahl zeige ich euch, was euch bei dieser Mischung aus Rachejustiz und unaufdringlicher Romantik erwartet.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Kerstin Rachfahl erhalten
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst


Tisiphones Tochter von Kerstin Rachfahl
© Cover: Anne Gebhardt, annegebhardt.design

Infos zum Buch
erschienen bei Independently published
Veröffentlicht 10. Juni 2019
ca. 422 Seiten
erhältlich als Taschenbuch, Hörbuch und EBook
 

Klappentext

Tisiphone – eine der drei Rachegöttinnen aus der griechischen Mythologie

Ihr erstes Opfer: ihr eigener Vater. Sie hat das Vertrauen in das Rechtssystem verloren. Sie tötet Männer, die sich mit Geld und Lügen von ihren Verbrechen freigekauft haben. Sie glaubt, für Gerechtigkeit zu sorgen, bis sie erkennen muss, dass auch sie nur ein Werkzeug ist.

Mitten aus dem Leben gerissen. Ein schneller Tod ohne Schmerzen. Er kennt all ihre Gewohnheiten, hinterlässt keine Spuren. Wer steckt hinter den Morden an reichen und bekannten Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Religion? Dr. Rees Stancell, Psychologiedozent beim FBI und spezialisiert auf Gewaltverbrechen, ahnt, dass er es hier mit einem ganz besonderen Killer zu tun hat.

© Klappentext: Kerstin Rachfahl

Der Prolog wirft mich direkt in eine extrem gewaltvolle, lebensbedrohliche Szenerie, in der die junge Skylar und ihre Schwester in Lebensgefahr schweben. Dies sorgt sofort für eine enorme Spannung. Gleichzeitig legt dieser Einstieg das emotionale Fundament für die gesamte Geschichte und formt Skylars spätere Motivation als Auftragsmörderin. Sie übernimmt früh Verantwortung und diese Entscheidung wird zum absoluten Wendepunkt in ihrem jungen Leben. Besonders interessant gelingt der anschließende Bruch zum ersten Kapitel. Hier tritt Dr. Rees Stencell auf, ein Psychologie-Dozent beim FBI. Seine geordnete Welt bildet von Beginn an einen spannenden Kontrast zu Skylars düsterem Alltag.

Skylar zeigt sich im Prolog verletzlich, aber entschlossen. Nach einem Zeitsprung agiert sie jedoch als kühle, methodisch arbeitende und hochkompetente Auftragsmörderin. Trotz ihrer Professionalität bleibt ihre tiefe Traumatisierung, insbesondere Männern gegenüber, stets spürbar. Unerschütterlich und loyal steht sie an der Seite ihrer Schwester, um sie mit allen Mitteln zu beschützen. Ihre moralische Ambivalenz ist dabei psychologisch nachvollziehbar ausgearbeitet. Skylar tötet nicht aus Freude, sondern weil sie glaubt, für die gute Sache zu handeln, auch wenn sich später zeigt, dass diese Haltung nicht ohne Konsequenzen bleibt. Sie wirkt kontrolliert, aber innerlich zerrissen, und im Verlauf zeigt Skylar eine beachtliche Entwicklung, durch die sie trotz ihrer Taten sympathisch bleibt.

Ihr Gegenpol Rees ist nicht weniger komplex. Er ist hochintelligent, absolut selbstverliebt und weiß um seine Wirkung auf Frauen. Obwohl er den unverbindlichen, kurzweiligen Spaß sucht, behandelt er sie stets mit Respekt, bleibt jedoch emotional unnahbar. Trotz seines arroganten, fast schon unsympathischen Auftretens wirkt er durchgehend charmant. Seine Perspektive bringt einen angenehmen, ironisch Unterton in die Geschichte, der die kühl-distanzierte Art von Skylar perfekt ausgleicht.
Auch die Nebenfiguren bereichern die Dynamik. Rees’ britischer Butler Fitzgerald fungiert als liebenswerter, aufmerksamer moralischer Kompass und stiehlt seinem Chef fast die Show.
Skylars Schwester Grace, der emotionale Anker der Protagonistin, wirkt als Ärztin phasenweise etwas naiv, was sich in einigen ihrer Entscheidungen zeigt. Dennoch fügt sich eine kleine, leicht klischeehafte Liebesgeschichte gut ein, ohne zu viel Raum einzunehmen.

Tisiphones Tochter ist aus der personalen Erzählperspektive aufgebaut und wechselt dabei ständig zwischen Skylar und Rees. Zu Beginn verlaufen beide Handlungsstränge parallel, was mir Zeit gibt, beide Welten ausführlich kennenzulernen. Die unvermeidliche Zusammenführung steigert die Spannung. Die Handlung spielt geschickt auf zwei Ebenen: Auf der professionellen Ebene tötet Skylar, während Rees versucht, dem FBI bei der Suche nach dem unbekannten Täter zu helfen. Auf der privaten Ebene begegnen sie sich zufällig. Die gegenseitige Anziehung spornt Rees an, Skylars kühle Distanz zu durchbrechen, was auch seine eigene Entwicklung fördert. Der Liebesroman-Anteil bleibt dem Thriller dabei angenehm untergeordnet.

Für einen Thriller ist das Buch zudem nicht übermäßig düster. Die Morde laufen so sachlich und blutarm ab, dass mein Puls kaum steigt, und insgesamt fehlt mir ein wenig die Intensität, die mich völlig in den Sog eines Thrillers zieht. Die Kernfrage nach Rache und Selbstjustiz treibt die Handlung in einem vernünftigen Tempo voran. Insgesamt liest sich Tisiphones Tochter wunderbar flüssig, bietet einen sauberen Aufbau und unterhält mich durch die anschauliche Bildhaftigkeit wirklich gut. Die Dialoge funktionieren und Thriller- sowie Liebesroman-Elemente sind zu einem stimmigen Bild zusammengefügt. Weil der Plot sich aber sehr an den klassischen Genrestrukturen eines Katz-und-Maus-Spiels orientiert und dadurch etwas vorhersehbar bleibt, fehlt mir persönlich manchmal das gewisse Etwas, das mich überrascht oder emotional stärker packt. Tisiphones Tochter ist ein schöner, solider Thriller, dem für meinen Geschmack nur ein paar mehr Ecken, Kanten und eine Prise Individualität guttun würden, um aus der Masse herauszustechen. Dadurch reißt mich das Geschehen nicht ganz so tief mit und hallt nach dem Zuklappen nicht allzu lange in mir nach.

Gut gefällt mir dafür das Finale, denn es bietet einen rundum stimmigen Abschluss, der sowohl die Figurenentwicklung als auch die Auflösung der Geschichte überzeugend zusammenführt und gleichzeitig die Möglichkeit für eine Fortsetzung offenlässt.


Tisiphones Tochter von Kerstin Rachfahl
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein gut konstruierter Thriller mit einer Prise Romantik, der auf zwei Ebenen ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen einer traumatisierten Auftragsmörderin und einem selbstverliebten FBI-Psychologen erzählt.

Lesen:

Wenn ihr Thriller mögt, die moralische Grauzonen beleuchten, psychologische Kontraste zwischen den Figuren bieten und trotz der düsteren Thematik eine unaufdringliche Liebesgeschichte mit einer Prise Humor bereithalten.

Weglegen:

Wenn ihr unvorhersehbare Plots, nervenzerfetzenden Nervenkitzel mit blutigen Details oder eine tiefgründige Geschichte mit vielen Ecken und Kanten erwartet, dann solltet ihr das Buch lieber auslassen.

Mal ehrlich:

Der fesselnde Prolog zieht mich sofort in eine gefährliche Situation, die das Fundament für diesen Thriller und Skylars spätere Zukunft als Auftragsmörderin legt. Der anschließende Wechsel zu Dr. Rees Stencell, einem FBI-Psychologen, schafft von Beginn an einen gelungenen Kontrast zu Skylars kontrollierter Distanz.
Skylar fasziniert mich als kompetente, aber innerlich zerrissene Protagonistin. Trotz ihrer tödlichen Mission bleibt ihr Trauma spürbar, und durch die Loyalität zu ihrer Schwester wirkt sie dennoch sympathisch. Ihr Gegenpol Rees bringt mit seiner leicht arroganten, aber charmanten Art und einer Prise Humor eine willkommene Auflockerung in dieser sonst so kühl berechnende Atmosphäre. Auch die Nebenfiguren, wie zum Beispiel der britische Butler Fitzgerald, bereichern die Handlung.
Der Thriller arbeitet geschickt auf zwei Ebenen. Auf der einen Seite steht das professionelle Katz-und-Maus-Spiel zwischen Skylar und dem ermittelnden FBI, auf der anderen Seite die private Anziehung zwischen den beiden Hauptfiguren. Diese zarte Gefühlsebene ist so unaufdringlich eingebunden, dass der Fokus des Thrillers nie verloren geht.
Trotz des gelungenen Aufbaus fehlt mir die ganz große Spannung, da sich die gesamte Handlung nach einem genretypischen Muster entwickelt und dadurch etwas vorhersehbar ist.
Dennoch ist Tisiphones Tochter ein gut konstruierter Thriller, der mich mit einer gelungenen Mischung aus Selbstjustiz und Romantik gut unterhält. Auch wenn mir insgesamt das gewisse Etwas fehlt, überzeugt mich das stimmige Finale und der Thriller insgesamt.

Fazit:

Tisiphones Tochter ist ein gut konstruierter Thriller, der mich mit einer gelungenen Mischung aus Rachejustiz und unaufdringlicher Romantik unterhält. Auch wenn mir am Ende das gewisse Etwas fehlt, ist es ein lesenswerter Lese-Snack.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

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