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Warum töten Menschen? Eine Frage, die sich bereits viele gestellt haben. Mich hat dabei aber am meisten bewegt, wie ein Ermittlerteam überhaupt auf die Spur eines Täters kommt. Daher ist die Fallanalyse eins der Wissensgebiete, die mich sehr interessiert. Bei dem Buch Die Psyche des Bösen habe ich vor allem die Erwartung, dass ich anhand von realen Beispielen nachvollziehen kann, wie die Arbeit eines Profilers zur Aufklärung einer Tat beiträgt.

In meiner Rezension „Die Psyche des Bösen: Im Kopf der Mörder“ von Axel Petermann erfahrt ihr, ob der Blick hinter die Kulissen eines Fallanalytikers meinen Wissensdurst stillen konnte.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Heyne Verlag erhalten
❧ Vielen Dank an Antonia Bräunig für die Freigabe im Bloggerportal
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst


Die Psyche des Bösen: Im Kopf der Mörder von Axel Petermann
© Umschlaggestaltung: Wilhelm typo grafisch, Zollikon

Infos zum Buch
erschienen bei Heyne Verlag
Veröffentlicht 11. Februar 2026
ca. 384 Seiten
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
 

Klappentext

Warum Menschen morden …

Was steckt hinter dem Tod einer Buchhalterin, die in einer Käserei erstochen wurde? Gibt es tatsächlich einen weiteren geheimnisvollen Täter, der den Mord vollendete? Spurlos verschwand kurz vor der Wende 1989 ein 13-jähriges Mädchen auf dem Weg zur Schule. Die Ermittlungen gestalteten sich schwierig, denn jeder aus ihrem Umfeld hatte ein Motiv. Doch was geschah wirklich? Und versucht ein elfjähriger Junge ein Mädchen aus seiner Nachbarschaft zu erwürgen, ehe er später tatsächlich zum dreifachen Mörder wird? Axel Petermann widmet sich drei spektakulären Fällen und liefert erstaunliche neue Erkenntnisse. Seine Ermittlungen zeigen: Häufig werden Fälle vorschnell zu den Akten gelegt. Ein ganz besonderes Augenmerk legt er diesmal auf die Psyche der Täter. Was macht Menschen zu Mördern – und wie wählen sie ihre Opfer aus? Der renommierte Kriminalist blickt in menschliche Abgründe und kommt mit den Methoden des Profiling den Verbrechern auf die Spur. Spannender als ein Krimi und beängstigend wahr.

© Klappentext: Heyne Verlag

Bereits der Prolog ist atmosphärisch. Axel Petermann führt mich gekonnt an das Thema heran und verdeutlicht, dass er anhand von drei großen Fallbeispielen näher auf seine Arbeit und auch auf die Vielfältigkeit des Bösen eingehen wird.

Alle drei Fälle haben eine fesselnde Mischung aus mehreren Elementen der Erzählung, des Sachbuches und des persönlichen Erfahrungsberichtes. Die autobiografischen Einblicke zu Opfern, Tätern und Angehörigen helfen mir zu verstehen, wie sich Situationen entwickeln konnten, welche Umstände eine Rolle spielten und welche Auslöser möglich gewesen wären oder sind. Ergänzt wird dies durch kriminalistische Analysen und psychologische Deutungen, die das Gesamtbild vertiefen und einordnen. Umrahmt wird das Ganze durch den Stil eines Essays.

Axel Petermann schafft Nähe zu den Fällen und seiner Arbeit als Ermittler und Profiler, indem er die Ich‑Perspektive nutzt. Durch seine Gedankenprozesse geführt zu werden, finde ich äußerst interessant. Auch dass er seine Subjektivität nicht verschleiern möchte, macht für mich Die Psyche des Bösen zu einem authentischen Buch. Der Schreibstil ist so lebendig und anschaulich, dass die entstehende Atmosphäre mich oft tief emotional berührt. Diese bildhaften Beschreibungen fesseln mich auf einzigartige Weise und offenbaren zugleich, dass Axel Petermann stets mit großer Sorgfalt und Respekt erzählt. Die Details sind schonungslos, aber nie pietätlos, weil er empathisch bleibt und dennoch die notwendige analytische Distanz wahrt.
Die einzelnen Fallbeispiele berühren mich auf unterschiedliche Weise.

„Spurlos verschwunden – Der Fall Carola Raabe“ hat mich aufgrund seines offenen Status bewegt. Noch immer weiß niemand, was vor 35 Jahren wirklich geschehen ist. Axel Petermann geht auf Spuren‑ und Aktensuche. Ich begleite seinen detektivischen Weg zur Wahrheitsfindung und bekomme selbst die Möglichkeit, mir Gedanken über den möglichen Ablauf und den oder die Täter zu machen. Der ganze Fall erzeugt eine melancholische Stimmung, denn die Ungewissheit über Carolas Verbleib und die vielen plausiblen Verdächtigen in ihrem direkten Umfeld, die inzwischen alle verstorben sind, berühren mich.
Axel Petermann verliert sich bei seiner Analyse nicht in Spekulationen, sondern bleibt bei den Fakten, die er aufdecken kann. Das führt auch dazu, dass es sich für mich ein bisschen unbefriedigend anfühlt, dass er trotz seiner Akribie und seinen neuen Ansätzen dennoch nicht der Wahrheit ans Licht verhelfen mag. Die Grenzen kriminalistischer Arbeit werden hier besonders deutlich, vor allem, weil er ohne offiziellen Auftrag einer Staatsanwaltschaft arbeitet und somit eher wie ein Privatermittler agiert. Spannend finde ich aber auch, wie stark äußere Einflüsse aus der Vergangenheit, wie die politischen Unsicherheiten der späten DDR‑Zeit die damalige Ermittlungsarbeit beeinflusst haben. Dass Axel Petermann diese kritisch beleuchtet, gefällt mir sehr. Er bleibt dabei professionell, zeigt aber ungeschönt Versäumnisse und Fehler auf.

„Tiefpunkt eines Lebens – Das verpfuschte Leben des Roger B.“ macht mich wütend und trifft mich tief. Dieser Fall ist chronologisch aufgebaut und ich erfahre einiges über Rogers Kindheit, seine erste Tat und wie sich sein Leben bis zur großen Eskalation entwickelt hat. Obwohl auch hier Axel Petermann analytisch und distanziert schreibt, schleicht sich eine gewisse Härte in die Erzählung. Erschreckend finde ich, wie sich über den Lauf der Zeit das Böse als psychologischer Prozess entwickelt. Die Tragik des Täterlebens ist deutlich herausgearbeitet, dient aber nicht dazu, die Spur der Verwüstung, die Roger hinterlassen hat, zu entschuldigen. Axel Petermann spielt hier ausgezeichnet mit dem Kontrast der Selbstwahrnehmung von Roger und der Realität seiner Taten.
Immer wieder fließen neben Tatdetails auch rechtsmedizinische Kenntnisse rund um den menschlichen Körper mit ein. Besonders grausam wird es für mich an dem Punkt, als der Mord an der kleinen Hannah beschrieben wird. Vor Augen geführt zu bekommen, wie qualvoll und beängstigend die letzten Minuten in ihrem Leben gewesen sein müssen, schnürt mir die Kehle zu. Danach brauche ich Abstand zu dem Buch, weil mich die Vorstellung ihrer Angst und Hilflosigkeit tief erschüttert. Einen Täter wie Roger, der sich dann hinter einem Dämon verstecken möchte, um seine Tat zu relativieren, erfüllt mich mit brennendem Zorn. Umso mehr bewundere ich Axel Petermann dafür, dass er trotz der Grausamkeit der Taten professionell bleibt und sich dem Mörder im direkten Gespräch stellen kann, um zu verstehen, was ihn zu diesen Handlungen getrieben hat.

„Verblendet – Der Fall Sonja Hauser“ berührt mich emotional weniger. Der Fokus liegt hier vielmehr auf dem Spannungsfeld zwischen Wahrheit, Zweifel sowie möglicher wissenschaftlicher und kriminalistischer Nachlässigkeit. Der Fall wirkt für mich dokumentarischer, weil der Tathergang bereits feststeht und es vor allem darum geht, ob der verurteilte Täter zu Unrecht bestraft wurde. Immer wieder werden Fortschritte in der Wissenschaft beleuchtet, etwa die Anwendung der DNA-Analyse oder die Funktionsweise der Haarprobenuntersuchung.
Im Zusammenhang mit dem Mord an Sonja Hauser werden auch andere Fälle erwähnt, die denselben Rechtsmediziner betreffen. Dabei treten die Schwächen seiner Arbeit klar zutage, ebenso wie die Fehleranfälligkeit rechtsmedizinischer Untersuchungen zu jener Zeit. Zugleich wird deutlich, welch großen Fortschritt die Forensik seitdem gemacht hat. Für einen Moment frage ich mich, ob der geständige und bereits verurteilte Täter wirklich der wahre Mörder ist. Doch Axel Petermann hegt keinen Zweifel an dessen Schuld, und mit seinem Fachwissen sowie den Erkenntnissen aus den ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen überzeugt er auch mich.

Nach der detaillierten Analyse der vielschichtigen Fälle beendet Axel Petermann Die Psyche des Bösen mit einem überzeugenden Epilog. Dort widmet er sich erneut der eingangs gestellten Grundfrage: Was ist das Böse? Er zeigt auf, dass stets eine Vorgeschichte vorhanden ist, die ein genaues Hinsehen erfordert. Besonders wichtig finde ich, dass er betont, es gehe in dem Buch nicht darum, morbide Sensationslust zu bedienen, sondern darum, Verbrechen verständlich zu machen. Denn dieses Verständnis kann uns letztlich helfen, uns vor solchen Taten zu schützen.
Es fällt mir schwer zu sagen, dass ich das Buch gut finde. Das passt im Kontext nicht richtig und fühlt sich falsch an. Doch ich finde, dass Die Psyche des Bösen sehr anschaulich die wichtige Aufgabe der Fallanalyse beleuchtet und auch, wie umfangreich und kleinteilig die Rekonstruktion von Verbrechen ist. Das breite Wissen, das Axel Petermann mir über die menschliche Anatomie und die Besonderheiten der Forensik vermittelt hat, ist absolut faszinierend sowie lehrreich und hat meinen Blick als auch mein Verständnis für diese Arbeit deutlich geschärft.


Die Psyche des Bösen: Im Kopf der Mörder von Axel Petermann
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein sachliches, aber atmosphärisch starkes True Crime Buch, das drei reale Fälle aus der Perspektive der Fallanalyse beleuchtet. Es gibt Einblicke in menschliches Verhalten, kriminalistische Denkprozesse und die Möglichkeiten sowie Grenzen der Forensik.

Lesen:

Wenn ihr True Crime ohne Sensationslust mögt, euch analytische Einordnungen interessieren und ihr Fallrekonstruktionen spannend findet, dann ist dieses Buch genau richtig für euch.

Weglegen:

Wenn ihr keine detaillierten Tatbeschreibungen ertragt oder euch analytische und faktenbasierte Aufarbeitung zu nüchtern ist, dann wird euch dieses Buch eher nicht abholen.

Mal ehrlich:

Die Psyche des Bösen hat mich auf eine Weise beschäftigt, die ich nicht erwartet habe. Axel Petermann führt durch drei Fälle, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch verbindet sie der Blick hinter die Fassade. Er zeigt sachlich auf, wie sich Situationen entwickeln können, welche Umstände eine Rolle spielen und wie schwer es ist, das Böse wirklich zu begreifen. Die Beschreibungen verströmen eine so bildhafte Atmosphäre, dass sie mich mitten ins Geschehen ziehen. Axel Petermann schildert Tatvorgänge schonungslos, bleibt dabei aber immer respektvoll und sorgfältig. Diese Balance zieht sich durch das ganze Buch.
Der Fall Carola Raabe hat mich wegen seiner offenen Fragen bewegt. Da ist die quälende Ungewissheit, was wirklich geschehen ist, die vielen möglichen Täter im direkten Umfeld von Carola und die politischen Unsicherheiten der späten DDR Zeit, die die damalige Ermittlungsarbeit beeinflusst haben. Petermann bleibt bei den Fakten und zeigt gleichzeitig, wie begrenzt seine Möglichkeiten als Privatermittler sind. Das macht den Fall so schwer auszuhalten. Auch ich habe Theorien entwickelt, was geschehen sein könnte, aber eine Antwort wird es wohl nie darauf geben.
Der Fall um den Täter Roger B. macht mich wütend. Zu sehen, wie sich das Böse als psychologischer Prozess entwickelt, ist erschütternd. Besonders der Mord an der kleinen Hannah hat mich tief getroffen. Die Vorstellung ihrer Angst in ihren letzten Minuten hat mich so aus der Bahn geworfen, dass ich das Buch weglegen musste. Umso mehr bewundere ich Axel Petermanns Professionalität, weil er sich direkt mit dem Täter auseinandersetzt, um zu verstehen, was ihn zu diesen Taten getrieben hat.
Der Fall Sonja Hauser wirkt dokumentarischer. Hier geht es um Zweifel, um wissenschaftliche Fehler und um die Entwicklung der Forensik. Axel Petermann zeigt anhand weiterer Fälle, wie fehleranfällig die rechtsmedizinische Arbeit damals war. Trotzdem macht er klar, dass er an der Täterschaft zum Mord an Sonja Hauser nicht zweifelt.
Die Psyche des Bösen zeigt, wie wichtig es ist, genau hinzusehen. Um ein Verbrechen zu verstehen und vielleicht auch verhindern zu können, braucht es viel Expertise rund um menschliches Verhalten und die Möglichkeiten der Forensik. Wie viel Verantwortung in der Arbeit der Fallanalyse steckt, beeindruckt mich sehr.

Fazit:

Die Psyche des Bösen ist für mich ein gelungenes und eindrucksvolles Sachbuch, das weit über klassische True Crime Erzählungen hinausgeht. Es fordert, erklärt und öffnet den Blick für die Arbeit der Fallanalyse und die Möglichkeiten des forensischen Wissens.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust auf einen guten Krimi, der authentische Züge trägt und euch richtige Ermittlungsarbeit aufzeigt?
Dann empfehle ich euch:
Im Kopf des Bösen – Der Sandmann von Axel Petermann und Petra Mattfeldt