Der erste Band hatte für mich zwar einige Schwächen, aber dennoch war ich gespannt auf die Fortsetzung. Vor allem war ich auch neugierig auf die beiden Schwestern. Wie ging es nach damals mit ihnen weiter und wird der zweite Rollentausch gelingen?

In meiner Rezension zum Buch „Tödliche Zwillinge: Zara und Zoë“ von Alexander Oetker verrate ich euch, ob es sich meiner Meinung nach lohnt, den Thriller zu lesen.

 

Zara und Zoë - Tödliche Zwillinge von Alexander Oetker
© Cover: ZERO Werbeagentur München

Infos zum Buch
erschienen bei Droemer TB
Veröffentlicht 01. April 2020
ca. 336 Seiten
Band 2 der Reihe Die Profilerin und die Patin
erhältlich als eBook und Broschiert

Klappentext

Zwei Schwestern – zwei Welten: Die ungleichen Zwillingsschwestern Zara und Zoë – Profilerin die eine, Mafia-Patin die andere – sind auch im 2. Frankreich-Thriller von Alexander Oetker zur Zusammenarbeit gezwungen

Ein Terror-Anschlag erschüttert San Sebastián. Das Ziel: die Sommerakademie von Friedensnobelpreisträgerin Ashrami Rafiki. Die Opfer: über 1.500 junge Frauen aus aller Welt. Mit dieser schrecklichen Vorahnung schreckt Terror-Profilerin Zara von Hardenberg aus einem Alptraum hoch. Die beste Profilerin von Europol kann sich jedes Detail merken, entdeckt jeden noch so kleinen Hinweis und ahnt die nächsten Schritte ihrer Gegner voraus – doch sie kann keine Regeln brechen. Und um einen solchen schrecklichen Anschlag zu verhindern, werden legale Mittel nicht ausreichen. Zara sieht sich gezwungen, erneut ihre Zwillingsschwester Zoë um Hilfe zu bitten. Denn die Profi-Killerin der korsischen Mafia schert sich nicht um Regeln und Gesetze und kennt nur eine einzige Grenze: sich selbst. Also müssen sie wieder die Rollen tauschen, um den Terror zu stoppen und einen Fall zu lösen, der sie tief in ihre eigene Familiengeschichte führen wird.

© Klappentext: Droemer TB

Der Einstieg in das Buch war gleich aufregend, aber irgendwie auch verwirrend für mich. So hatte ich den Eindruck, dass Zara, eine der Hauptfiguren, ein sehendes Auge besitzt. Dies passte aber irgendwie nicht zu dem Bild, welches ich von ihr im Kopf hatte. Zara ist eine sehr analytisch denkende Person und verdammt gut in ihrem Job. Hier hätte ich mir einfach gewünscht, dass Alexander Oetker mehr ins Detail geht, warum ihr Unterbewusstsein geschlussfolgert hatte, was passieren könnte. Das hätte auch gerne zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen können, so aber hatte ich das Gefühl, dass der Autor einfach mit Macht schnell in die Kerngeschichte einsteigen wollte.

Prinzipiell hatte Alexander Oetker eine sehr dynamische Art die Handlungen zielgerichtet voranzutreiben und dabei die Spannung immer auf einem hohen Level zu halten. Dies ermöglichte er zum einen durch sehr knackige Kapitel, die manchmal nur ein oder zwei Seiten lang waren. Zum anderen kam eine Vielzahl an unterschiedlichen Sichtweisen dazu. An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich es dieses Mal wesentlich angenehmer als im ersten Band empfand. Vielleicht lag es aber nur daran, dass ich die wiederkehrenden Figuren schon kannte und mich besser bei der Menge an Personen zurechtfand.
Bei den Schauplätzen aber war das anders. Obwohl in der Buchklappe eine grobe Karte zu sehen ist, hatte ich meine Schwierigkeiten den ganzen Ortswechseln zu folgen. Ich konnte mir das auch teilweise gar nicht bildlich vorstellen. Hier geizte der Autor reichlich mit Umgebungsdetails, sodass für mich das meiste wirklich nur hinter einem grauen Vorhang lag, vor dem sich eine wilde Jagd nach Terroristen abspielte.

Wie auch schon im ersten Teil blieben mir alle Charaktere einfach zu blass. Da halfen auch die kleinen Rückblenden nicht, die aufzeigen sollten, wie die Familie von Zara und Zoë zerbrach. Ich hatte einfach das Gefühl, dass Alexander Oetker die Vielschichtigkeit der Figuren zugunsten von Spannung beschnitt. Sie alle hatten etwas Überspitztes an sich, so als wollte der Autor damit ganz klar und prägnant aufzeigen, in welche Schublade der Leser diese Figuren stecken sollte. Gut oder böse. Aber so mancher Charakter gab einfach mehr her, weil er sich eigentlich gar nicht so genau einordnen lassen wollte. Nur leider räumte der Autor diesen Spielraum den Gestalten nicht ein.

Im Grunde war dieser Thriller ein reines Actionbuch. Randvoll mit brutalen Terroristen, korrupten Polizisten und wahnwitzigen Verfolgungsjagden. Was aber immer wieder glanzvoll hervorstach, waren die politischen Verhältnisse und Verflechtungen zwischen Frankreich, Spanien, Marokko und Italien. Da war ganz deutlich spürbar, dass sich Alexander Oetker bestens damit auskannte. Das verlieh dem Ganzen schon Brisanz und ich konnte mir wirklich gut vorstellen, dass einiges nicht der Fantasie des Autors entsprang. Alexander Oetkers Hintergrundwissen war beeindruckend und verlieh dem Buch damit die meiste Authentizität.

Der Schreibstil war wirklich gut zu lesen. Hier wurde ganz klar deutlich, dass Alexander Oetker Journalist ist und somit das Handwerk des fesselnden Schreibens versteht. Besonders die blutrünstigen und actionlastigen Szenen waren sehr detailliert ausgearbeitet worden. Insgesamt war die Erzählatmosphäre düster und packend.
Meiner Meinung nach sollte der erste Band unbedingt vorab gelesen werden. Zwar sind die neueren Handlungen autark, aber um das Zusammenspiel der vielen Figuren noch besser verstehen zu können, empfiehlt es sich den Vorgänger zu kennen.

Zara und Zoë - Tödliche Zwillinge von Alexander Oetker
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise und der immerwährenden Gefahr von Terrorismus tauschen zwei ungleiche Zwillingsschwestern ihre Jobs. Die Mafiapatin soll einen drohenden Terroranschlag verhindern und die beste Profilerin Europols muss so lange die Stellung im kriminellen Milieu halten.

Lesen:

Wer Lust auf einen temporeichen und politisch angehauchten Actionthriller hat, wird hier ein rasantes Abenteuer erleben.

Weglegen:

Wer Schwierigkeiten mit vielen wechselnden Schauplätzen und Personen hat, sollte Abstand von dem Buch nehmen. Hier kann der Durchblick schnell verloren gehen, worunter dann auch die Spannung leidet.

Mal ehrlich:

Das Buch hat mich unterhalten und ich konnte es wirklich schnell durchlesen. Allerdings lag das auch daran, dass sich der Autor leider nur wenig Zeit für seine Charaktere genommen hatte, die reichlich und in großer Zahl vorhanden waren. Die raschen Personen- und Schauplatzwechsel waren stellenweise eine echte Herausforderung, worunter bei mir oft die Vorstellungskraft litt. Besonders die wechselnden Orte waren für mich einfach nur grauer Einheitsbrei. Weder wusste ich, wo die Orte geografisch lagen (okay, es gab eine Karte im Buch, aber ich war zu faul sie mir anzusehen), noch gab es schön beschriebene Details, welche die jeweilige Lokalität hervorgehoben hätte.
Mit den vielen unterschiedlichen Blickwinkeln der Figuren kam ich dieses Mal besser klar, als im ersten Band. Was wohl auch daran lag, dass ich sie eben schon kannte.
Besonders gut haben mir die Darstellungen der politischen Verhältnisse der einzelnen Länder wie Frankreich, Italien, Spanien und Marokko gefallen. Hier war ganz klar spürbar, dass der Autor wusste, wovon er da schrieb.
Der Erzählstil war flüssig, rasant und mitunter recht bildlich, wenn es besonders brutale Szenen zu beschreiben gab. Manche Actionszenen haben mich den Kopf schütteln lassen und ich musste einmal so gar an die Serie „Alarm für Cobra 11“ denken, weil das beschriebene Szenario exakt daraus hätte stammen können.

Fazit:

Ein Thriller, der viel auf Action und eine düstere Atmosphäre setzt. Die raschen Personen- und Ortswechsel muss der Leser schon mögen, um der Geschichte folgen zu können und sich mitreißen zu lassen.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

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