Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch Instagram. Dort las ich einige Rezensionen zu diesem Werk, welche mich so neugierig machten, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte.

In meiner Rezension zu “Inepu – die Herren des Schakals” von Roxane Bicker verrate ich, ob sich der mystisch angehauchte Detektiv-Krimi lohnt.


 

Inepu: Die Herren des Schakals von Roxane Bicker
© Cover: 2020 by Creativ Work Design, Hombrug

Infos zum Buch
erschienen bei Hybrid Verlag
Veröffentlicht 13. März 2020
ca. 320 Seiten
erhältlich als Taschenbuch, gebundenes Buch und eBook

Klappentext

München, 1889: In der Glyptothek wird eine mysteriöse Maske entwendet, die den Totengott Anubis darstellt, der Kurator ermordet und wie eine altägyptische Mumie drapiert. Der Direktor des Museums betraut Rosa und Daisy mit diesem Fall, zwei private Ermittlerinnen, ohne die Gendarmerie zu informieren. Um kein Aufsehen zu erregen, sollen sie den Mord aufklären und vor allem die Maske zurückholen. In fünf Tagen findet eine wichtige Ausstellung statt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, in dem die zwei Frauen schauerliche und überraschende Entdeckungen erwarten – und ein Ritual, das Opfer fordert. Ein mystischer Detektiv-Krimi im München des 19. Jahrhunderts.

© Klappentext: Hybrid Verlag

Vom Cover mit seiner ägyptischen Symbolik angelockt, ging ich natürlich nicht ganz ohne Erwartungen an dieses Buch heran. Die altägyptische Kultur fasziniert mich sehr und so hoffte ich, dass die Autorin mir unbekannte Fakten mit einer fiktiven Geschichte verknüpfen würde. Meine Hoffnung war auch nicht ganz unbegründet, da Roxane Bicker unter anderem Ägyptologie studiert hatte.
Schon der Anfang des Buches begeisterte mich. Zum einen fand sich eine Karte von München um 1889 darin, die mir beim Lesen immer eine gute Übersicht über die aktuellen Handlungsorte gewährte. Zum anderen startete diese Geschichte mit einem Gedicht von Joachim Ringelnatz, welches wirklich sehr passend ausgewählt worden ist.

Packend ging es weiter mit dem Prolog und schon hier baute sich eine schöne Spannung auf.
In den nun folgenden fünfundvierzig Kapiteln durfte ich abwechselnd mehreren Figuren über die Schulter schauen. Zu Beginn eines jeden Kapitels wurde mir mitgeteilt, welchem Charakter ich an welchem Ort zu den nun folgenden Handlungen folgen würde. Das gefiel mir gut, denn dadurch konnte ich den Überblick behalten. Gleichzeitig kam ich den einzelnen Charakteren näher und konnte einiges über sie erfahren. Jedoch nie so viel, dass ich von der eigentlichen Ermittlungsarbeit abgelenkt wurde. Das war manchmal etwas schade, denn manche Details, die im Dunklen gelassen wurden, brannten mir unter den Nägeln und ich wollte so gern mehr erfahren.

Im Fokus dieser Geschichte standen die beiden Privatermittlerinnen Rosa von Arnhem und Daisy Grace, nicht unterschiedlicher hätten sein können. Sowohl optisch, als auch charakterlich grenzten sie sich voneinander ab.
Rosa, die lieber kurze Haare und Kleidung wie die Männer trägt, sich aber nicht darum scherte, was andere von ihrem optischen Auftritt hielten, hatte sogar Dienst in der Fremdenlegion getan. Auf der anderen Seite die liebreizende Daisy mit ihren hübschen Kleidern und ihren schönen langen Haaren.
Doch die beiden harmonieren als Team perfekt und ergänzen sich in vielerlei Bereichen. Ich könnte gar nicht sagen, welche der beiden Damen ich sympathischer fand. Ein bisschen schade fand ich, dass ich erst sehr spät und dann auch nur leicht angeschnitten erfuhr, wie die beiden dazu kamen, gemeinschaftlich Detektivarbeit zu leisten. Hier hätte ich mir gern mehr Details gewünscht, da ich stellenweise das Gefühl hatte, dass mir etwas an Wissen fehlte.
Gut, relevant wäre das zwar für den eigentlichen Fall nicht gewesen, aber es hätte meine Neugier gestillt. So bleiben manche Details für mich ein Rätsel und ließen mich mit offenen Fragen zurück.

Die anderen Figuren, durchweg Herren, die der personale Erzähler beleuchtete und die ich mit begleiten durfte, waren mir auch allesamt sehr sympathisch. Auch hier könnte ich mich zwischen keinen von ihnen entscheiden, ich fand sie alle auf ihre eigene Art und Weise unheimlich schnuckelig und ansprechend.

Sehr gut gefiel mir die Darstellung der damaligen Zeit. Egal ob Konventionen oder Konversationen, ich hatte den Eindruck, dass hier viel Wert auf Authentizität gelegt worden ist. Unterstrichen wurde der Anschein durch eine lebhafte Beschreibung Münchens zum Ende des 19. Jahrhunderts. So konnte ich förmlich in die alte Zeit abtauchen und gleichzeitig einen aufkeimenden Umschwung spüren.
Dies begann schon alleine mit dem ungewöhnlichen Ermittlerduo bis hin zu zwei Herren, die sich gegenseitig sehr anziehend fanden. Was das für Probleme in der damaligen Zeit mit sich führen konnte, beleuchtet Roxane Bicker am Rande sehr eindrucksvoll. Dabei blieb sie stets sachlich und gewährte ebenfalls einen ungeschönten Blick auf die damalige Gesetzeslage. Im Übrigen mochte ich die leicht eingestreuten, romantisch angehauchten Szenen sehr. Sie waren überhaupt nicht aufdringlich und rundeten das Leseerlebnis ab.

Den kriminalistischen Fall fand ich sehr spannend und klasse durchdacht. Dass es bisweilen etwas mystisch zuging, störte mich kein bisschen. Es passte sogar zum Thema und machte die Geschichte noch reizvoller. Auch faszinierte es mich sehr, wie die beiden Damen an Informationen kamen und wie sie ihre Ermittlungen voranbrachten. Ein bisschen schade fand ich das Ende. Ich hatte noch so viele Fragen im Kopf, die aber keine Aufklärung fanden. Aber ich hoffe einfach auf einen zweiten Fall mit den beiden toughen Ladys und das dort meine Fragen wieder aufgegriffen und beantwortet werden.

Inepu: Die Herren des Schakals von Roxane Bicker
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein Detektiv-Krimi im historischen München des 19. Jahrhunderts, mit einem Hauch Mystik und faszinieren zwischenmenschlichen Beziehungen.

Lesen:

Wer gern historische Bücher liest und den Charme der alten Zeit genießt, wird mit diesem Buch sehr viel Freude haben.

Weglegen:

Ihr mögt wissenschaftlich korrekt aufgebaute Kriminalromane? Dann könnte euch das Buch womöglich enttäuschen. Denn hier hilft auch gerne mal ein altägyptischer Gott aus.

Mal ehrlich:

„Inepu – Die Herren des Schakals“ war ein Buch, das ich unheimlich gern gelesen habe. Ich mochte die Figuren und ich liebte die Zeit, in der die Handlungen spielten. Es war spürbar, wie gut der Hintergrund recherchiert gewesen ist. Mithilfe des unglaublich fesselnden und an den richtigen Stellen detailliertem Schreibstil konnte ich richtig schön in die Geschichte abtauchen.
Die Protagonisten waren für mich absolute Sympathieträger und ich mochte ihre Vielschichtigkeit. Sie wirkten authentisch und absolut lebensnah.
Der Fall an sich war interessant konzipiert und ich mochte den altägyptischen Bezug. Dass es zwischendurch ein bisschen mystisch angehaucht war, störte mich kein bisschen. Es passte zur Story und wirkte nicht konstruiert. Im Gegenteil. Es vermittelte das Gefühl, dass wir einfach nicht mehr glauben wollen, dass es zwischen Himmel und Erde noch andere unerklärbare Phänomene gibt.
Ein kleines bisschen schade fand ich das Ende. Es war mir zur Aufklärung des Falles ein Ticken zu kurz und es wurden auch nicht alle Fragen restlos aufgeklärt. Im Gegenteil, ich wollte gern noch so einiges erklärt bekommen und war nicht bereit Rosa, Daisy und die anderen lieb gewordenen Figuren zu verlassen.
Auch das Anstarren der letzten Seite half da leider nicht und nun hoffe ich schwer auf eine Fortsetzung, in der dann auch hoffentlich meine Fragen eine Antwort erhalten.

Fazit:

Ein Krimi, der mir durch und durch Gefallen hatte. Er glänzte durch klassische Ermittlungsarbeit mit Köpfchen und einem Blick in die vergangene Zeit Münchens des neunzehnten Jahrhunderts. Spannend, weites gehend unblutig und mit sehr sympathischen Figuren.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust auf einen Cosy-Irland-Krimi? Dann empfehle ich euch:
Der Tote im Whiskey-Fass: Ein Irland-Krimi von Ivy A. Paul