Auf das Buch bin ich durch eine E-Mail aufmerksam geworden und weil mich die Idee der Geschichte so angesprochen hatte, wollte ich unbedingt diesen Krimi lesen.

In meiner Rezension zu „Die Schnüfflerin“ von Anne von Vaszary verrate ich euch, ob ich das Buch gut riechen konnte oder ob es am Ende zum Himmel stank.

Leseexemplar
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Die Schnüfflerin: Kriminalroman (Die Schnüfflerin-Reihe, Band 1) von Anne von Vaszary
© Cover: Alexander Kopainski

Infos zum Buch
erschienen bei Knaur TB
Veröffentlicht 13. Januar 2020
ca. 384 Seiten
Band 1 der Reihe „Die Schnüfflerin“
erhältlich als Taschenbuch und eBook

Klappentext

Der Geruchssinn als Ermittler: »Die Schnüfflerin« von Anne von Vaszary ist ein origineller, unblutiger Kriminalroman um eine Frau, die dank ihres ausgeprägten Geruchssinns einem Gift-Anschlag in Berlin entgeht und unverhofft selbst zur Ermittlerin wird.

Eigentlich wollte Nina (23, Schulabbrecherin ohne Lebensplan) sich mit ihrem Bekannten Ricky nur in einem Restaurant in Berlin treffen, um ihm zu sagen, dass ihr One-Night-Stand Folgen hat, doch dann kommt alles anders. Mehrere Gäste ringen nach Luft, rutschen von ihren Stühlen und kämpfen um ihr Leben – unter ihnen auch Ricky. Nina bleibt von dem Gift-Anschlag verschont, weil ihre seit der Schwangerschaft hochsensible Nase sie davon abgehalten hat, das Essen zu probieren. Schon seit Tagen kämpft Nina mit den Auswirkungen ihres verstärkten Geruchssinns. Eine nützliche Fähigkeit, denkt sich Kommissar Koller von der Berliner Kripo und spannt Nina in seine Ermittlungen ein, die – der Nase nach – direkt zum Mörder führen …

Anne von Vaszary wirkt als Dramaturgin und Erzählerin in unterschiedlichen Medienformen und Formaten. So führte sie ihre Leidenschaft für gute Geschichten schon in den Games-, Hörspielserien- und Comedybereich. Ihr Sinn für prägnante Charaktere und ihre eigenen Erfahrungen mit dem verstärkten Geruchssinn während der Schwangerschaft fließen in diesen außergewöhnlichen Kriminalroman ein und schaffen ein Ermittler-Duo mit hohem Wiedererkennungswert.

© Klappentext: Knaur TB

Den Einstieg in das Buch fand ich grandios. Ninella-Pritilata, schon allein der Name ließ ein kurzes Kichern über meine Lippen perlen. Aber keine Sorge, der volle Name dieser wirklich supersympathischen Protagonistin wird nur einmal erwähnt. Stattdessen haben wir Leser Glück, dass ihre Oma sie nur Nina genannt hatte und wir das nun auch tun dürfen.

Nina lernte ich sofort kennen, weil sie ihre Geschichte selber erzählte. Dies tat sie aber mit einem richtig schönen trockenen Humor, dass ich schon zu Beginn herzlich lachen musste. Außerdem nahm mich Nina schon allein aus dem Grund positiv ein, weil sie im schönen Sachsen aufgewachsen war, in der unmittelbaren Nähe zur polnischen Grenze. Das löste bei mir heimatliche Gefühle aus, weil ich selbst einen Teil meiner Kindheit an so einem Ort verbracht hatte und mir waren natürlich die typischen Uhrzeitangaben wie „viertel sechs“ sehr geläufig.

Also hatte ich meinen Spaß daran gemeinsam mit Nina „zu ermitteln“. Hier möchte ich aber erwähnen, dass es seitens der Autorin große künstlerische Freiheiten über die Ermittlungsarbeiten der Polizei gegeben hat. Da solltet ihr also großzügig sein und nicht alles auf die Goldwaage legen. Sonst kann euch die Atmosphäre dieses Buch nicht einfangen und das wäre wirklich schade.
Im Vordergrund standen eher Nina und ihre Entwicklung und nicht eine ernsthafte sowie authentische Ermittlungsarbeit. Und um ehrlich zu sein, das hätte ich auch mit einer Zivilistin als Hauptfigur eher komisch gefunden. So aber hatte das Buch seinen ganz eigenen Charme und war mal erfrischend anders.

Auch die anderen Charaktere in diesem Werk fand ich grandios. Anne von Vaszary erschuf individuelle Figuren mit hohem Wiedererkennungswert. Oft hatten diese auch einen ziemlich verrückten oder lustigen Spleen, sodass der humoristische Anteil in der Geschichte immer hoch, aber niemals lächerlich gewesen ist.
Besonders gut hatten mir auch die detaillierten Beschreibungen von Gerüchen und Angewohnheiten der Figuren gefallen. So empfand ich die Geschichte als eingängig und konnte mir die Szenenbilder sehr gut vorstellen.

Die erste Hälfte des Buches war eher gemütlich zu lesen, doch in der zweiten Hälfte zog das Tempo an und damit stieg auch die Spannung spürbar. Gemeinsam mit Nina lief ich durch Berlin und versuchte anhand von Gerüchen den Täter aufzuspüren. Was für ein Spaß!

Sehr fasziniert war ich von Anne von Vaszarys Fähigkeit mich auf völlig falsche Fährten zu schicken. Zu Beginn gab es eine Szene, da dachte ich, da wäre ein Logikfehler enthalten. Doch wie sich später herausstellte, war dort gar keiner gewesen. Ich hatte lediglich anders beobachtet als die liebe Nina und ich vertraute ihrer Schlussfolgerung, statt meinem Gefühl zu folgen.
Und dann ist das noch die Sache mit dem Täter. Egal welche tollen Theorien ich beim Lesen entwickelt hatte, alle waren sie falsch. Ehrlich, ich wäre auf die Lösung nie von alleine gekommen. Ich fand es super, dass am Ende alles schlüssig und logisch aufgeklärt worden ist. Trotzdem bleiben ein paar Fragen offen, die mich neugierig auf eine Fortsetzung gemacht haben.

Die Schnüfflerin: Kriminalroman (Die Schnüfflerin-Reihe, Band 1) von Anne von Vaszary
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Eine Ich-Erzählerin mit trockenem Humor, die unfreiwillig zu einer Ermittlerin aufgrund ihres sehr guten Geruchssinnes wird und sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Lesen:

Lust, mal einen etwas skurrilen und unterhaltsamen Krimi zu lesen? Dann seid ihr hier goldrichtig.

Weglegen:

Euch sind Krimis wichtig, in denen die Ermittlungsarbeit korrekt dargestellt wird? Dann solltet ihr das Buch vielleicht nicht lesen. So ganz exakt geht es hier nämlich nicht zu und da solltet ihr schon darüber hinwegsehen können.

Mal ehrlich:

Ich mach es kurz: Diesen Krimi sollte jeder gelesen haben. Er war so herrlich schön anders, mit so viel Humor und Augenzwinkern geschrieben, dass mir die Ermittlungsarbeit nicht wichtig war.
Sie stand auch, wenn ich ehrlich sein soll, gar nicht im Fokus. Sondern Nina, diese unglaublich sympathische Hauptfigur mit ihrem trockenen Humor. Allein ihre Schilderungen haben mir oft ein Lachen aus der Kehle entlockt und ich hatte einfach nur unglaublich viel Spaß mit dem Buch.
Das Setting war mitten aus dem Leben gegriffen: Berlin. In dieser pulsierenden und lebendigen Stadt spielte nicht nur dieser fabelhafte Kuschelkrimi, sondern hier passten auch die liebenswert verrückten Charaktere hinein.
Die Mischung macht es bekanntlich und neben diesem locker leichten und flüssigen Schreibstil gefiel mit sehr, dass die Geschichte so herrlich schön emotional aufgeladenen war. Das Spektrum war dabei sehr breit gefächert und einfach passend zu einer unfreiwillig schwangeren jungen Frau, die obendrein auch noch Schulabbrecherin und Gelegenheitsjobberin ist.
Und ja, auch die Jagd nach dem Giftmörder war spannend. Ich bin auf die Lösung erst gekommen, als es die Autorin auch wirklich wollte. Unterhaltung pur.

Fazit:

Ein Krimi, der sich selbst nicht so wichtig nimmt. Eine lustige, leichte und trotzdem spannende Unterhaltung war hier garantiert.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

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