Da ich immer nach Geschichten suche, in denen die Hauptfiguren sich heftige verbale Wortgefechte liefern, konnte ich Deviant Hearts nicht widerstehen. Ich hatte große Lust auf eine Enemies-to-Lovers-Mafia-Romanze und habe mich deshalb sehr auf dieses Buch gefreut.
In meiner Rezension „Deviant Hearts“ von Jagger Cole erwartet euch mein ehrlicher Leseeindruck zu diesem Reihenauftakt.
Leseexemplar
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Covergestaltung: ZERO Werbeagentur, München
erschienen bei Knaur
Veröffentlicht 1. Juli 2026
Originaltitel Deviant Hearts
Übersetzt von Patricia Woitynek
Empfohlenes Lesealter Ab 16 Jahren
ca. 384 Seiten
Band 1 der Reihe Dark Hearts
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
Klappentext
Mafia Romance, arranged marriage, forced proximity – spicy, dark und unwiderstehlich.
Ich würde alles tun, um den kommenden Mafiakrieg zu verhindern. Sogar meinen Todfeind heiraten.
Ares Drakos – der neue König der Drakos Familie – verkörpert mit jeder Faser den Kriegsgott, nach dem er benannt wurde. Ein brutaler Tyrann, ein tödlich schönes Monster, und bald mein Ehemann.
Doch nichts an dieser Beziehung ist echt. Wir müssen nur unsere gegenseitige Abneigung genug zügeln, um endlich das Blutvergießen zwischen der irischen und griechischen Mafia zu stoppen.
Auch wenn er sündhaft gefährlich und köstlich unanständig ist.
Auch wenn er und sein Traumkörper in mein Leben, meine Gedanken und mein Bett eingedrungen sind.
Eines wird er nie erobern:
mein Herz.
© Klappentext: Knaur
Deviant Hearts wirft mich direkt in eine humorvolle und visuell ziemlich aufgeladene Szene. Neve versucht für die Uni zu lernen, weil sie unbedingt ihren Master in Staatswissenschaften schaffen möchte, wird jedoch von ihrem extrem attraktiven, kleidungslosen Nachbarn gegenüber abgelenkt. Dieser Einstieg ist herrlich leicht und ich komme gut in Neves Leben und ihrem familiären Hintergrund an. Ich erfahre, dass sie zur irischen Mafia gehört und eine Mafiaprinzessin ist.
Bereits im nächsten Kapitel lerne ich Ares kennen, den neuen König der griechischen Mafia. Jagger Cole bindet die komplexen Verstrickungen der verschiedenen Mafiaclans fast schon beiläufig in die aktuelle Handlung ein. Besonders interessant finde ich, dass Ares‘ Geschwister alle Namen von griechischen Gottheiten erhalten haben. Trotz der Vielzahl an Figuren, die rasch hintereinander eingeführt werden, verliere ich nie den Überblick, da jede Person mit sehr individuellen Charakterzügen ausgearbeitet ist.
Um einen drohenden Krieg zu verhindern und eine starke Allianz zu schmieden, wird Neve ohne ihr Wissen in eine Ehe mit Ares gezwungen. Bereits zu Beginn finde ich Neves extreme Abneigung gegen ihn ein bisschen übertrieben, denn sie findet ihn von Anfang an äußerst attraktiv und interessant. Sie lehnt sich zwar feurig und trotzig gegen die Situation auf, aber letztlich geschieht das für mein Empfinden etwas halbherzig, weil sie für ihre Familie da sein möchte und nicht wirklich abgeneigt ist. Ich vermisse hier tatsächlich sehr das Widerspenstige, obwohl sie es Ares anfangs nicht leicht macht und sich nichts sagen lässt. So habe ich zu Beginn deutlich mehr Sympathien für die Nebenfigur Calliope, Ares‘ Schwester, die eine scharfe Zunge und ein starkes Auftreten hat. Dennoch hat Neve eine starke Persönlichkeit. Ihre wahre Tiefe und positive Entwicklung sehe ich erst im Verlauf, als dramatische Szenen aus ihrer Kindheit ans Licht kommen. Damit zeigt sich für mich, wie stark sie wirklich ist.
Ares hingegen verkörpert den idealen Kriegsgott. Er ist dominant und beschützend, handelt Neve gegenüber jedoch stets loyal, zwingt sie zu nichts und verteidigt sie selbst in ihrer Abwesenheit. Auch wenn er manchmal über das Ziel hinausschießt, besitzt er einen gesunden Menschenverstand. Für ihn steht außer Frage, dass diese Ehe kein reiner Geschäftspartner-Vertrag ist. Eine richtige Hassphase gibt es seinerseits meines Erachtens nie.
Der Schreibstil von Jagger Cole ist flott und temporeich. Die Mischung aus Leichtigkeit und bissigen Sprüchen der Charaktere macht mir beim Lesen viel Spaß, zumal der Humor genau an den richtigen Stellen zündet. Gut finde ich zudem, dass die wechselnde Ich-Perspektive perfekt an die jeweilige Figur angepasst ist. Ares denkt und agiert einfach ganz anders als Neve. Am besten gefallen mir die Szenen, die ich aus beiden Sichtweisen miterleben darf. Da merke ich erst so richtig, wie unterschiedlich die beiden ein und dasselbe Ereignis wahrnehmen.
Deviant Hearts bietet mir neben der Liebesgeschichte einen spannenden Nebenstrang mit mehr Tiefgang und echter Gefahr. Der Strang wird sorgfältig und langsam aufgebaut. Dunkle Schatten aus Neves Vergangenheit verknüpfen sich mit der Gegenwart, was eine unterschwellige Bedrohung erzeugt. Für Ares ist schnell klar, dass dieses Thema auch ihn etwas angeht und er handelt entsprechend entschlossen. Dieser Strang fesselt mich zeitweise sogar mehr, weil vieles lange vage bleibt und ich gut spekulieren kann. Allerdings möchte ich hier auch manchmal die Figuren wegen ihrer naiven Gedanken bezüglich der realen Gefahr einfach nur schütteln.
Als der Nebenstrang mit immer mehr bedrohlicher Atmosphäre angereichert wird, dämpft Jagger Cole die Gefahr, indem sie den Fokus mehr auf die erotischen Szenen legt. Sie sind explizit und sehr heiß beschrieben, nehmen aber im Mittelteil plötzlich viel Raum ein und drängen kurzzeitig den die Mafia-Handlung in den Hintergrund. Für mich hätte es hier etwas weniger Erotik sein dürfen, auch wenn ich verstehe, dass sie zur Vertiefung der Beziehung zwischen Neve und Ares wichtig sind.
Die letzten hundert Seiten reißen das Ruder für mich aber wieder komplett herum. Obwohl manche Entwicklung mich nicht völlig überrascht, erwischt mich die Enthüllung im Finale eiskalt. Der rasante Showdown packt mich richtig und ich fiebere dem Ende entgegen. Ich mag, dass Deviant Hearts einen runden und stimmigen Abschluss bekommt und mich dabei trotzdem neugierig auf weitere Bände der Reihe macht.

© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Was dich erwartet:
Eine rasante Mafia-Liebesgeschichte rund um eine erzwungene Heirat, bei der ein gefährliches Geheimnis aus der Vergangenheit für jede Menge Spannung sorgt und die Fetzen zwischen den zwei Hauptfiguren fliegen.
Lesen:
Wenn ihr Mafia‑Liebesgeschichten mit spürbaren Thrillerelementen und heißen erotischen Szenen mögt, dann solltet ihr zugreifen.
Weglegen:
Wenn ihr eine klassische, tiefgründige Hass-Liebe ohne viele Bettszenen erwartet, bei der sich die Protagonisten bis zum Schluss erbittert bekämpfen und die kriminelle Unterwelt absolut realistisch dargestellt wird, dann solltet ihr das Buch lieber liegenlassen.
Mal ehrlich:
Ich habe mich auf eine düstere, witzige und heißblütige Mafia-Liebesgeschichte gefreut. Erzwungene Nähe und eine arrangierte Ehe sollen den Krieg zwischen dem irischen und dem griechischen Mafia-Clan stoppen. Die Geschichte bringt genau diese Motive auch mit, allerdings bleibt mir das Element von Feinden, die sich langsam näherkommen, einfach zu blass. Für mein Gefühl ist diese Feindschaft zwischen den Protagonisten nur minimal vorhanden.
Neves extreme Abneigung wirkt auf mich anfangs wie ein vorgeschobenes Theater, um ihre Unabhängigkeit zu betonen. Dafür gibt sie mir bei der Heirat viel zu schnell nach. Ich vermisse hier den echten, harten Widerstand, zumal sie Ares von der ersten Sekunde an unglaublich attraktiv findet. Calliope, Ares‘ Schwester, begeistert mich ab der ersten Szene mit ihrer scharfen Zunge deutlich mehr.
Ares selbst geht wesentlich realistischer und mit einem gewissen Kalkül an die Sache heran. Für ihn steht fest, dass diese Ehe keine Farce bleiben wird. Er steht sofort absolut loyal an Neves Seite. Obwohl er als neues Oberhaupt seinem Namensvetter, dem Kriegsgott, mit seiner Dominanz alle Ehre macht, bedrängt er Neve nie. Er fordert sie auf Augenhöhe heraus und zeigt ihr charmant, wo sie sich selbst belügt.
Jagger Cole schreibt unheimlich flüssig und wechselt kapitelweise die Ich-Perspektive. Das sorgt bei mir für ein richtig schnelles Lesetempo und ich merke, wie unterschiedlich Neve und Ares ticken. Dies verleiht dem Ganzen eine schöne Dynamik.
Häppchenweise zieht ein packender Nebenstrang dunkle Schatten aus Neves Vergangenheit in die Gegenwart. Erst bei dieser bedrohlichen Spannung offenbart sich Neves wahre Stärke. Allerdings dämpft Jagger Cole die aufkommende Gefahr im Mittelteil für meinen Geschmack zu sehr. Die sündhaft heißen Szenen nehmen plötzlich extrem viel Raum ein und drängen die eigentliche Mafia-Handlung zurück. Auch reagieren mir manche Figuren erschreckend naiv, was ich beim Mafia-Setting ein wenig unrealistisch empfinde. Doch das letzte Viertel bietet mir wieder genau das, was ich liebe: rasante Szenenwechsel, Nervenkitzel und einen großen Wendepunkt im Finale, der mich absolut sprachlos zurücklässt.
Fazit:
Deviant Hearts ist ein interessanter Reihenauftakt mit viel ungezügelter Erotik, humorvollen Schlagabtäuschen und einer überraschenden Wendung, die mich wirklich begeistert hat. Ich bin gespannt auf den nächsten Band.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Lust auf spannende Unterhaltung und jeder Menge hitziger Wortgefechte?
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Liebe Mo,
mir war nicht bewusst, dass du gerne Bücher liest, in denen sich die Akteure heftige Wortgefechte liefern. Sündhafte Szenen waren mir da schon eher bekannt. Dann wird das Ganze mit eher unrealistischen Mafia-Sequenzen garniert. Klingt ziemlich aufregend und, wie du auch schreibst, für schnelles Lesetempo geeignet. Oder sollte man besser sagen, das Buch ist zum weglegen ungeeignet?
Du machst mich neugierig 🙂
Liebe Grüße, Katja
Liebe Katja,
aber ja. Ich gehöre selbst zu den Menschen, die sich gern verbal duellieren. Daher lese ich darüber auch sehr gern ;).
Es freut mich, dass ich deine Neugier wecken konnte.
Liebe Grüße
Mo