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Bei der exklusiven Programmvorschau vom Bloggerportal auf der Leipziger Buchmesse 2026 stach mir dieser Thriller sofort ins Auge. Die Vorstellung des Plots klang so packend, dass die Geschichte augenblicklich auf meiner Wunschliste landete. Neben der Story faszinierte mich aber vor allem das Cover, das durch sein geniales optisches Design sofort meine Aufmerksamkeit fesselte. Nach monatelangem Warten auf das Erscheinen ist Die Bibliothek endlich bei mir eingezogen.

In meiner Rezension „Die Bibliothek“ von Gilly Macmillan könnt ihr nachlesen, ob der Plot tatsächlich das hielt, was er mir versprach.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Blanvalet Verlag erhalten
❧ Vielen Dank an Ramona Reisacher für die Freigabe im Bloggerportal
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst


Die Bibliothek von Gilly Macmillan
© Umschlaggestaltung: www.buerosued.de

Infos zum Buch
erschienen bei Blanvalet Verlag
Veröffentlicht 26. August 2026
Originaltitel The Burning Library
Übersetzt von Christoph Göhler
ca. 368 Seiten
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
 

Klappentext

Tödliche Rivalität, ein jahrhundertealtes Geheimnis und eine Frau, die die Wahrheit ans Licht bringt.

Für Anya geht ein Traum in Erfüllung: Sie erhält das verlockende Angebot, uralte und streng geheime Manuskripte an der renommierten University of St Andrews in Schottland zu entschlüsseln. Doch kaum angekommen, spürt sie, dass hinter den vergilbten Seiten mehr lauert als vergessene Worte. Die Schriften bergen Geheimnisse, die mächtige Gegnerinnen um jeden Preis im Dunkeln halten wollen. Schon bald gerät Anya in ein gefährliches Netz aus Intrigen, Macht und Verrat. Aber auch sie selbst hütet ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit …

Atmosphärisch, nervenzerreißend spannend und voller unerwarteter Twists! Lesen Sie auch »Die Nanny«, »Die Vertraute« oder »Die Witwe«.

© Klappentext: Blanvalet Verlag

Der Prolog zieht mich sofort mit seiner bedrückenden und bedrohlichen Stimmung in seinen Bann, was hervorragend durch den Schauplatz der äußeren Hebriden in Schottland unterstrichen wird. In dieser Abgeschiedenheit ist Eleanor Bruton scheinbar etwas Großem auf der Spur. Doch sie wirkt auf mich leicht paranoid und dieses ungute Gefühl überträgt sich auch auf mich. Dann überschlagen sich die Ereignisse und Gilly Macmillan drosselt das Tempo rapide, weil ich im nächsten Moment eine E-Mail und eine Pressemitteilung zu lesen bekomme. Ein kluger Schachzug, der mir erste Informationen über Dr. Anya Brown liefert, die ich direkt im Anschluss kennenlerne. Sie erzählt als einzige aus der Ich-Perspektive, während mich bei den restlichen Figuren ein personaler Erzähler durch die Geschehnisse begleitet.

Anya Brown hat ein fotografisches Gedächtnis und diese Gabe hat ihr den Durchbruch verschafft, eine längst vergessene Sprache erfolgreich zu entschlüsseln. Obwohl dies ein enormer wissenschaftlicher Erfolg ist, fühlt sie sich selbst als Hochstaplerin. Ohne ihr Talent wäre es ihr nicht so leicht gefallen, die richtigen Schlüsse zu ziehen und das Rätsel zu knacken. Dass sie trotz ihres Erfolgs solche Selbstzweifel hat, macht sie mir sofort sympathisch. Anya bleibt trotz ihrer unglaublichen Intelligenz bodenständig. Auch ihre bedingungslose Liebe zu ihrer schwerkranken Mutter berührt mich. Was Anya nicht ahnt, ist, dass sie in den Fokus zwei mächtiger, rivalisierender Geheimbünde geraten ist. Ihr Talent soll helfen, ein ganz besonderes und längst verschollenes Manuskript zu finden. Die „Larks“ haben sich einen perfiden Plan ausgedacht, um Anya in ihr Netz zu locken. Doch dies bleibt von den „Kats“ nicht unbeobachtet, und so baut sich recht schnell über der ganzen Geschichte ein durchtriebenes Ränkespiel auf.

Ich finde es extrem erfrischend, dass hier mal reine Frauenbünde finstere Pläne schmieden und den Männern mit Leichtigkeit das Wasser abgraben, da Geheimbünde in Büchern sonst gefühlt immer nur Männersache sind. Das ist für mich eine willkommene Abwechslung im Thriller-Genre. Spannend ist dabei auch, dass die beiden Gruppen völlig verschiedene Grundsätze verfolgen. Während mich die „Kats“ an Tradewives erinnern, die ihre Macht bewusst im Verborgenen ausleben und die Männer heimlich lenken, sind die „Larks“ das genaue Gegenteil: unabhängige Frauen, die sich niemals über ihre Männer definieren. Gerade diese Art, im Hintergrund die Fäden zu ziehen, macht den Unterschied für mich besonders greifbar.

Der Aufbau von Die Bibliothek ist interessant, aber auch ein bisschen wie ein Labyrinth. Die Kapitel selbst sind sehr lang, allerdings werden sie durch eine Menge Perspektivwechsel aufgelockert. Es ist zwar von Vorteil, dass der Wechsel mit dem Namen des aktuellen Charakters gekennzeichnet ist, doch bei der hohen Anzahl an Figuren verliere ich immer mal wieder den Überblick. Manche Personen tauchen so kurz und beiläufig auf, dass ich beim nächsten Perspektivwechsel zu ihnen erst überlegen muss, wer sie eigentlich sind und wie sie ins Gesamtbild passen. Darunter leidet leider auch ein bisschen die Charaktertiefe bei einigen Figuren. Sehr interessant ausgearbeitet finde ich jedoch Anyas Freund Sid, der ihr eine fantastische Stütze ist.
Die Polizistin Clio Spicer bleibt mir direkt im Gedächtnis. Ihre Mentorin ist den Bünden auf die Spur gekommen. Da diese nun in den Ruhestand geht, weiht sie Clio privat in ihre geheimen Ermittlungen ein. Daraus entwickelt sich eine ganz eigene Dynamik, die mich sofort packt. Clio stürzt sich mit einem enormen persönlichen Antrieb in den Fall, der sie bald über Umwege direkt mit Anyas Geschichte verknüpft, was ich extrem gelungen finde.
Professor Diana Cornish, die am Institut für Manuskriptstudien in St. Andrews arbeitet, ist ebenfalls eine interessante Persönlichkeit für mich. Durch sie verstehe ich erst, wie weitverzweigt das Netz der Geheimbünde ist, was zusätzlich meine Aufmerksamkeit fesselt. Gerade dieses Institut und die anderen Hauptschauplätze sind toll beschrieben, ich kann sie mir gut vorstellen und die akademische Atmosphäre ist für mich absolut greifbar.

Die Spannungskurve ist konsequent hoch und die geschilderte akademische Detektivarbeit an alten Manuskripten unfassbar spannend. Die vergessenen Bedeutungen wiederzuerlangen finde ich faszinierend, auch wenn es ein mühseliges Unterfangen ist. Gleichzeitig nimmt das Gefühl einer wachsenden Bedrohung zu, sodass ich mich dabei ertappe, dass ich anfange zu spekulieren, wie sich alles weiterentwickeln wird. Bei manchem liege ich richtig, andere Wendungen sehe ich dafür nicht kommen. Es gibt einige, die mich so sehr überraschen, dass ich einfach wissen muss, wie es weitergeht. Beim ungefähr zweiten Drittel wird aus den psychologischen Nuancen ein actiongeladener Thriller. Die vielen verschiedenen Fäden beginnen sich miteinander zu verweben und ein interessantes Bild zu ergeben.

Durch den anschaulichen Schreibstil fliege ich förmlich durch die Seiten. Besonders begeistert mich die verständliche Einbettung historischer Details, die relevant für die Entwicklung des Plots sind. Nun möchte ich auch wissen, was dieses bedeutungsvolle Manuskript enthält, das die Welt der Frauen mit einem Schlag verbessern könnte. Und so führt mich das Finale nach Italien. Dort gefällt mir besonders, wie Anya in den historischen Gebäuden scheinbar beiläufige Ornamente und Muster entdeckt und sie mit dem Manuskript verknüpft. Dadurch entsteht eine kleine Schnitzeljagd, die mich völlig in den Bann zieht, bis ich mit einem Mal vor dem abrupten Ende stehe und verwirrt bin. Warum endet Die Bibliothek so plötzlich? Ich habe das Gefühl, abgeschnitten worden zu sein und in der Luft zu hängen. Meine Fragen, die sich beim Lesen ergeben haben, bleiben fast ausschließlich unbeantwortet. Dass ich so zügig abgefrühstückt werde, habe ich nicht kommen sehen und finde ich echt schade. Bis dahin hatte Die Bibliothek definitiv das Zeug zu einem Lesehighlight, aber so kann ich das leider nicht vergeben. Obwohl das Ende zwar halbwegs schlüssig ist, lässt es mich unbefriedigt zurück.


Die Bibliothek von Gilly Macmillan
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein packendes Ränkespiel zweier rivalisierender Frauenbünde inmitten einer akademischen Kulisse voller alter Manuskripte.

Lesen:

Wenn ihr Thriller mögt, die euch mit alten Schriften, einer klugen Protagonistin, einem rasanten Tempo und einer packenden Atmosphäre bestens unterhalten.

Weglegen:

Wenn euch viele verschiedene Perspektivwechsel überfordern und ihr am Ende eine lückenlose Aufklärung aller Fragen braucht, solltet ihr das Buch lieber zur Seite legen.

Mal ehrlich:

Das Cover mit seinem Farbschnitt zieht mich durch eine grandiose optische Täuschung direkt in seinen Bann, weil sich die dreidimensionale Sicht auf die Bibliothek auf den Buchseiten fortsetzt. Dieses Spiel mit Wahrnehmung passt perfekt zu den Ränkespielen im Buch.
Dr. Anya Brown als Protagonistin mag ich sehr und finde die tiefen Einblicke in ihre mühsame wissenschaftliche Arbeit der Manuskriptanalyse unfassbar spannend. Gleichzeitig schlägt mein Ermittlerherz bei Detective Constable Clio Spicer hoch, weil ich bei ihren Nachforschungen echte Fakten an der Hand habe, während bei Anya lange Zeit dieses diffuse Gefühl dominiert, dass da gewaltig was im Argen liegt.
Gilly Macmillan baut über dem ganzen Geschehen eine grandiose, paranoide Grundstimmung auf, die mich durchgehend mitfiebern lässt, auch wenn mich die extreme Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren im ersten Drittel manchmal verwirrt, weil ich kurz nicht mehr durchblicke, wer eigentlich wer ist. Diese hohe Figurendichte macht das Geflecht der verfeindeten Geheimbünde zwar angenehm komplex, fordert aber anfänglich echte Konzentration, um nicht die Orientierung im erzählerischen Labyrinth zu verlieren. Es ist absolut erfrischend, dass hier mal ausschließlich weibliche Gruppierungen die Fäden im Hintergrund weben wie das unsichtbare Netz einer Spinne. Auf der einen Seite stehen die „Kats“, die wie traditionelle Ehefrauen im Verborgenen bleiben und die Männer heimlich lenken, während die „Larks“ als völlig unabhängige Frauen das genaue Gegenteil verkörpern. Dieses Duell mischt die typischen Geheimbundklischees komplett auf. Die parallele, unterschwellige Jagd nach der Wahrheit fesselt mich bei meinen beiden Lieblingsfiguren Anya und Clio total, das tolle akademische Setting entwickelt sich bald zu einem rasanten Wettrennen und die Spannungskurve geht konsequent nach oben. Umso fassungsloser stehe ich vor dem Finale, denn als es so richtig spannend wird, kappt die Autorin plötzlich die Fäden und serviert mir ein völlig halb gares Ende. Verwirrt und ungläubig schließe ich dieses Buch. Warum die Autorin ein derart abruptes, abgehacktes Finale wählt, das fast alle im Laufe der Story mühsam aufgebauten Fragen völlig unbeantwortet lässt, erschließt sich mir überhaupt nicht. In Gedanken habe ich hier schon mein nächstes großes Lesehighlight gefeiert, doch dieser überhastete Abbruch versaut mir den Gesamteindruck am Schluss leider richtig und lässt mich mit viel zu vielen offenen Fragen im Regen stehen.

Fazit:

Die Bibliothek ist ein spannungsgeladener Thriller, der mich mit seinen Ränkespielen in der Gegenwart und dem historischen Kontext zur Entschlüsselung von Manuskripten bestens unterhalten hat. Lediglich das Ende verhindert, dass es ein Lesehighlight für mich ist.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust auf eine packende Schnitzeljagd nach der Wahrheit mit einem Bundeskanzler im Fokus der Ermittlungen?
Dann empfehle ich euch:
Der Morgen von Marc Raabe