Für die historische Vergangenheit interessiere ich mich schon seit Jahrzehnten, nur leider habe ich in den letzten Jahren nicht mehr so viel Zeit gehabt, darin abzutauchen. Als ich jedoch die Buchvorstellung zu Antike unzensiert beim Bloggerportal gesehen habe, war ich direkt begeistert. Denn in diesem Buch beleuchtet der Historiker Garrett Ryan das Leben gewöhnlicher Menschen und beantwortet verschiedenste Fragen rund um ihren Alltag, ihre Gewohnheiten und gesellschaftlichen Normen. Das klang für mich nach kurzweiliger Unterhaltung und gleichzeitig nach spannendem Wissen über das Leben in der Antike.
In meiner Rezension „Antike unzensiert: Schonungslose Wahrheiten über das Leben der alten Römer und Griechen“ von Garrett Ryan könnt ihr lesen, ob ich hier Wissenslücken schließen konnte.
Leseexemplar
❧ Vielen Dank an Beatrice Braken-Gülke für die Freigabe im Bloggerportal
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Umschlaggestaltung: wilhelm typo grafisch, Zollikon
erschienen bei Heyne Verlag
Veröffentlicht 19. August 2026
Originaltitel Naked Statues, Fat Gladiators, and War Elephants
Übersetzt von Ralf Pannowitsch
ca. 352 Seiten
erhältlich als Paperback und EBook
Klappentext
Der Historiker Garrett Ryan beantwortet auf unterhaltsame Weise ungewöhnliche Fragen zum Alltag in der Antike. Statt sich auf berühmte Herrscher oder Schlachten zu konzentrieren, beleuchtet er spannende Details wie Kleidung, Ernährung, Glaubensvorstellungen und Freizeitgewohnheiten der Griechen und Römer. Ideal für alle, die Geschichte humorvoll und anschaulich entdecken möchten.
- Bestes Infotainment für Faktensammler und Geschichtsbegeisterte, für alle Fans von „Fake History“ und “Geheimnisse aus der Geschichte”
- Historiker Garret Ryan begeistert auf seinem YouTube-Kanal „toldinstone“ über 600.000 Abonnenten
© Klappentext: Heyne Verlag
Was mir sofort beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis ins Auge fällt, ist die schöne Struktur der Fragensammlung in Antike unzensiert. Die 36 Fragen sind in sechs Themenfelder untergliedert. Dadurch bekomme ich einen breiten Einblick in das damalige Alltagsleben, den Glauben, die Freizeit, den Sport, die Politik und das Erbe für die Nachwelt. Auch das Vorwort stimmt mich gut ein. Hier erfahre ich, dass es auch kleine Anekdoten als Fußnoten auf der jeweiligen Seite passend zum Thema gibt, während die Quellen ganz hinten stehen. Obwohl die Antworten ohne geschichtliche Vorkenntnisse auskommen, gewährt Garrett Ryan im Anhang einen sehr knackigen Blick auf das klassische Altertum. Genau dort lege ich auch los. Der historische Abriss ist als Frage-Antwort-Dialog aufgebaut und unterteilt sich in die Griechen, die Römer und die Spätantike. Ich rase hier durch die Fakten, und für eine kurze Auffrischung ist das ideal, auch wenn der kleine Exkurs für völlige Neulinge vielleicht etwas zu knapp ausfällt. Zu Beginn gehe ich strukturiert vor und starte direkt beim Alltagsleben. Später springe ich einfach spontan zu den Fragen, die mich an dem Tag interessieren. Das klappt problemlos, da es zwischen den Kapiteln und einzelnen Fragen keine oder kaum Verknüpfungspunkte gibt.
Die Antworten sind in Essayform geschrieben. Ich mag es, dass Garrett Ryan den Inhalt leicht verständlich hält und auf Fachtermini verzichtet. Durch den lockeren Erzählton macht das Abtauchen in die Vergangenheit Freude. Allerdings nerven mich die vielen Fußnoten auf fast jeder Seite zwischenzeitlich. Die Anekdoten sind zwar extrem interessant und zeigen kleine Szenen oder Begebenheiten, die den Haupttext anschaulicher machen und aus heutiger Sicht manchmal heftig wirken, aber sie reißen mich ständig aus dem Lesefluss. Wenn ich sie später lese, fehlt mir der Bezug zu der Stelle, also springe ich am Ende doch immer beim Sternchen nach unten.
Interessanterweise beleuchtet der Autor die Griechen und Römer in einem Atemzug. Er mixt die Epochen so durcheinander, dass manchmal unklar bleibt, aus welcher Zeit die beschriebenen Traditionen genau stammen. Gelegentlich huscht sogar ein bisschen altägyptische Kultur mit hinein.
Garrett Ryan gelingt es hervorragend, die Menschen von damals nahbar zu machen. Er bittet um Verständnis für die damaligen Gebräuche. Es beeindruckt mich zum Beispiel sehr, dass er zwar lebendig schildert, weshalb damals Babys ausgesetzt wurden und welch grausames Schicksal sie erwartete, aber gleichzeitig betont, dass die Menschen diese Entscheidung nicht emotionslos getroffen haben dürften. Interessant finde ich auch, wie sich Ansichten im Wandel der Zeit ändern, etwa warum Statuen erst nackt waren und später im großen Stil entmannt wurden. Dank der fundierten Recherche räumt das Buch ganz nebenbei mit Klischees und halb garem Wissen über Sklaven auf. Durch diesen Schreibstil wird das Altertum greifbar und lebendig. Manchmal verfällt der Autor in einen packenden Erzählerton, verknüpft Geschichten mit Wissenschaft und bleibt extrem kurzweilig.

© Foto: Monique Meier
Fazit:
Antike unzensiert nimmt mich auf eine locker-leichte Art mit und ist perfekt, um jeden Tag ein bisschen historisches Wissen zu konsumieren.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Lust auf einen intensiven und anschaulichen Blick in die Mittelsteinzeit?
Dann empfehle ich euch:
Die Schamanin: Bildband zum Sensationsfund