Als mir in einer Buchvorstellung Love and Rent als „das lustigste, coolste Debüt des Jahres und als Bridget Jones für eine neue Generation“ präsentiert wird, ist meine Neugier geweckt. Bisher kenne ich nur die Bridget-Jones-Filme und finde sie sehr unterhaltsam. Deshalb erwarte ich einiges von diesem Buch.
In meiner Rezension „Love and Rent“ von Jo Cheetham wird sich zeigen, ob sie erfüllt wurden.
Leseexemplar
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Umschlaggestaltung: zero-media.net, München
erschienen bei Tropen
Veröffentlicht 15. August 2026
Originaltitel Love and Rent
Übersetzt von Cornelia Röser
ca. 336 Seiten
erhältlich als Gebundenes Buch, Hörbuch und EBook
Klappentext
Hannah und Kiera sind emanzipierte, berufstätige, starke Frauen in ihren 30ern. Aber leider sind sie auch notorisch pleite. Als Hannah den reichen Oscar kennenlernt, springt bei ihr kein Funke über, doch die Vorstellung von einer durchgeheizten Wohnung lässt sie eine Beziehung in Erwägung ziehen. Zwischen Identitätskrisen und Mutterkomplexen hat Jo Cheetham einen unglaublich unterhaltsamen Roman über unsere Gegenwart geschrieben. Hannah hat romantische Komödien, in denen ein Mann den Schlüssel zum Happy End einer Frau in der Hand hält, schon immer gehasst. Aber sie kann ihre Miete kaum noch bezahlen und die Wahl zwischen dem Zusammenleben mit einem Partner oder der eigenen, stets kritischen Mutter, ist nicht leicht. Als sie den wohlhabenden und von seiner eigenen Mutter geradezu besessenen Oscar kennenlernt, entschließt sie sich, ihm eine Chance zu geben. Schon bald ziehen die beiden in ein Cottage in der Nähe von Edinburgh. Doch es dauert nicht lange, bis die so schöne Fassade zu bröckeln beginnt. Denn Hannahs beste Freundin Kiera ist nicht begeistert davon, dass Hannah Sheffield für einen Typen verlassen hat. Und Hannah fragt sich, ob sie jetzt nicht die Art von Beziehung führt, für die sie andere immer verachtet hat. Auf hochkomische und doch sensible Weise erzählt Jo Cheetham über Freundschaft und die Möglichkeit von Liebe im 21. Jahrhundert.
© Klappentext: Tropen
Der Einstieg beginnt direkt mit Ich-Erzählerin und Protagonistin Hannah, die zwischen Umzugskisten in Erinnerungen schwelgt. Das macht mich neugierig und ich frage mich, wohin sie ziehen wird.
Dann springt die Geschichte drei Jahre zurück nach Sheffield. Durch Hannahs Perspektive bin ich hautnah dabei. Sie kämpft mit Geldsorgen, wirkt ziellos und leidet unter ihrer anstrengenden Mutter. Das Gefühl, ständig pleite zu sein, fängt Jo Cheetham eindrucksvoll ein. Besonders geht mir Hannahs Angst vor dem Zahnarzt nahe, denn einen Besuch könnte sie sich gar nicht leisten.
Dann springt die Geschichte drei Jahre zurück nach Sheffield. Durch Hannahs Perspektive bin ich hautnah dabei. Sie kämpft mit Geldsorgen, wirkt ziellos und leidet unter ihrer anstrengenden Mutter. Das Gefühl, ständig pleite zu sein, fängt Jo Cheetham eindrucksvoll ein. Besonders geht mir Hannahs Angst vor dem Zahnarzt nahe, denn einen Besuch könnte sie sich gar nicht leisten.
Einziger Lichtblick in ihrer Trost- und Hoffnungslosigkeit sind ihre Freundinnen Kiera und Bex.
Insgesamt wirkt die Atmosphäre auf mich zunächst eher bedrückend und melancholisch, sodass die spärliche Situationskomik das Geschehen kaum auflockern kann. Und irgendwie komme ich nicht so richtig in Hannahs Welt an. Dazu wirkt es beinah paradox, dass Hannah es total ablehnt, wenn das Happy End einer Frau von einem Mann abhängt. Gleichzeitig scheint sie sich selbst nach dieser Rettung zu sehnen, denn ihr fehlt einfach die Idee, wie ihr Leben ohne Mann gelingen kann.
Hannah ist unglaublich lebensnah und menschlich gezeichnet. Ich kann ihre Sorgen und Ängste absolut nachvollziehen. Manche ihrer Entscheidungen sind fragwürdig, spiegeln aber perfekt ihre innere Zerrissenheit wider. In ihrem unterbezahlten Museumsjob, ihrer Einsamkeit und der toxischen Beziehung zu ihrer Mutter ist sie gefangen. Über Kiera lernt sie Oscar kennen. Er ist freundlich, aber eigenwillig, extrem kontrolliert und emotional distanziert. Damit ist Oscar das genaue Gegenteil von Hannah. Ich merke beim Lesen schnell, dass hier zwei völlig verschiedene Welten aufeinanderprallen.
Hannah kommt von ganz unten und muss um jeden Cent kämpfen, während Oscar aus einer bürgerlichen, wohlhabenden Familie stammt. Dieser krasse Unterschied und Hannahs Zukunftsangst treiben die Geschichte erst voran. Liebe fühle ich zwischen den beiden nicht, weshalb es mich genau wie Hannahs beste Freundin wundert, weshalb sie mit ihm in die Nähe von Edinburgh ziehen will. Trotzdem kann ich nachvollziehen, warum sie schwach wird.
Kiera ist ein echtes Energiebündel und ihre innige Freundschaft zu Hannah ist wunderschön. Die Begegnungen der beiden hellen die Atmosphäre in Love and Rent immer wieder auf. Es fühlt sich für mich immer wie eine kleine Pause aus Hannahs bedrückenden Alltag an. Bex hingegen bleibt eher eine Randfigur, aber sie ist ein wichtiger Ruhepol in dieser Freundinnenschaft. Das ist auch dann nützlich, wenn es zwischen den Frauen mal Streit gibt.
Ich finde den Zugang zu Love and Rent genau in dem Moment, in dem Hannahs Wunschtraum auf dem Boden der harten Realität aufschlägt. Ich empfinde unglaubliches Mitleid mit ihr. Statt Liebe findet sie pure Zweckmäßigkeit und wird zum Spielball von ihrer und Oscars Mutter, die Hannah spürbar von oben herab behandelt. Ich halte den Atem an, während Hannah um ihre Identität, ihr eigenes Leben und ihre Träume ringt. Wie sie versucht, dass Beste herauszuholen und im Alltag gnadenlos untergeht, berührt mich tief. Ihr Alkoholkonsum geht mir gelegentlich auf die Nerven, aber trotz aller emotionalen Durchhänger schöpft sie immer wieder Mut und Hoffnung. Sie wirkt in ihrem Chaos konzentriert, zielstrebig und vor allem selbstreflektiert.
Spannend empfinde ich ihre Flucht aus Sheffield, die sich für mich wie ein verzweifelter Befreiungsversuch anfühlt. Das idyllische Cottage wird für Hannah zu einem Ort, der ihr Ruhe gibt. Doch es ist noch immer nicht das, was sich Hannah erhofft, und so gerät sie erneut in einen Kreislauf, aus dem sie eigentlich ausbrechen wollte.
Jo Cheetham schreibt flüssig und direkt. Sie bringt Hannahs harte Realität auf den Punkt. Allerdings fehlt mir der angepriesene Humor. Wenn er durchblitzt, ist er treffsicher und witzig, aber eine durchgehende Erheiterung bietet mir Love and Rent nicht. Dennoch zieht es mich nun durch die Seiten und ich verfolge gebannt Hannahs weiteren Weg. Das Ende von Love and Rent passt zur Geschichte, lässt mich allerdings auch ein bisschen unzufrieden zurück. Manche Themen werden nicht vollständig aufgelöst, sodass hier Fragen offenbleiben, wie etwa die angedeuteten Spannungen zwischen Hannah und ihrem Bruder.

© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Mal ehrlich:
Voller Vorfreude bin ich an Love and Rent von Jo Cheetham herangegangen und hatte die Erwartung an eine zeitgemäße, romantische Komödie im Kopf. Das war eine komplett falsche Vorstellung, denn von Situationskomik oder bauchkrämpfeauslösendem Humor fehlt hier fast jede Spur. Statt lockerer Unterhaltung lande ich mitten in einer aufwühlenden, oft bedrückenden Realität über Geldnot und gesellschaftliche Zwänge. Es hat deshalb eine ganze Weile gedauert, bis ich überhaupt einen Zugang zur Geschichte gefunden habe.
Die Story dreht sich um Hannah, die mit Mitte 30 versucht, irgendwie auf eigenen Beinen zu stehen. Aus purer Zukunftsangst und für ein bisschen Sicherheit geht sie den Kompromiss einer lieblosen Zweckgemeinschaft ein. Und das, obwohl sie sonst über jedes kitschige Film-Happy End genervt die Augen rollt. Einziger Lichtblick in ihrem bedrückenden Alltag ist ihre beste Freundin Kiera. Über sie lernt Hannah Oscar kennen.
Oscar ist für mich ein wandelndes No Go. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto unangenehmer wirkt er, und ich finde seine unpersönlich kontrollierte Art einfach nur schrecklich. Gleichzeitig wundere ich mich beim Lesen darüber, wie stoisch Hannah Oscars Benehmen ihr gegenüber hinnimmt. Ihre innere Zerrissenheit spüre ich dabei immer stärker und kann ihre Gefühle trotz allem gut nachvollziehen.
Love and Rent hätte mich fast verloren und doch gelingt es Jo Cheetham mit ihrem Schreibstil, mich an diese gesellschaftskritische Geschichte zu fesseln. Sie hat ein unglaublich feines Gespür für Menschen und die echten Sorgen des Alltags. Gerade die gesellschaftlichen Zwänge, die Hannahs Leben bestimmen, bringt sie eindringlich auf den Punkt und kleidet diese harte Realität so präzise in Worte, dass ich trotz allem immer tiefer in Hannahs Welt gezogen werde. Wenn der Humor dann doch mal kurz durchblitzt, ist er wirklich treffsicher und absolut genial. Das Ende passt zur Geschichte, lässt mich wegen einiger ungeklärter Familienkonflikte aber auch ein bisschen unzufrieden zurück.
Fazit:
Love and Rent liefert mir nicht den erhofften Bridget-Jones-Lachflash, dafür aber ein bittersüßes, packendes Stück Realität, welches mich berührt hat. Kein Highlight, aber absolut lesenswert, weil es ungeschönt zeigt, dass es am Ende immer irgendwie einen Weg gibt.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
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