Ohne die Thriller-Buchclub-Gruppe wäre ich auf diesen Thriller höchstwahrscheinlich gar nicht aufmerksam geworden. Von der Autorin habe ich bereits ein Buch gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Dieses gehörte allerdings zum Bereich New Adult.

In meiner Rezension „The Return of Ellie Black“ von Emiko Jean werde ich erläutern, ob auch Thriller aus ihrer Feder lesenswert sind.


The Return of Ellie Black von Emiko Jean
© Covergestaltung: ZERO Werbeagentur, München

Infos zum Buch
erschienen bei Goldmann Verlag
Veröffentlicht 20. August 2025
Originaltitel The Return of Ellie Black
Übersetzt von Anne Fröhlich
ca. 352 Seiten
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
 

Klappentext

In einer Frühlingsnacht verlässt die 17-jährige Ellie allein eine Highschool-Party in Coldwell, Washington State. Auf dem Weg wird sie plötzlich von hinten angegriffen. Eine Nadel sticht in ihren Arm, und alles wird schwarz … Zwei Jahre später erhält Detective Chelsey Calhoun einen unfassbaren Anruf: Ellie wurde in den Wäldern von Washington State gefunden – sie ist vollkommen verstört, aber sie lebt. Ellies Entführung war einer von Chelseys ersten Fällen, der ihr so nahe ging, wie kein anderer. Denn auch ihre große Schwester verschwand im Teenageralter. Chelsey stößt auf Parallelen und hofft, mit Ellies Hilfe endlich den Täter zu finden. Für Ellie, für ihre Schwester – und bevor er erneut zuschlägt. Doch Ellie schweigt …

© Klappentext: Goldmann Verlag

The Return of Ellie Black beginnt mit einem Prolog, der mich sofort in die Handlung zieht. Er ist intensiv, bedrückend und so nah erzählt, dass ich das Gefühl habe, ebenfalls durch den Wald zu irren. Doch mit Beginn des ersten Kapitels fällt die Spannung deutlich ab und erschwert mir das Weiterlesen. Ich werde in das Leben von Detective Chelsey Calhoun eingeführt, die schon damals mit Ellies Verschwinden betraut ist und nun, nach ihrer Rückkehr erneut hinzugezogen wird. Viele dieser Einblicke wirken für mich eher bremsend, weil sie nicht sofort greifbar sind und ich sie nicht in den Kontext der Handlung einordnen kann. Besonders die privaten Details zu ihrer Familie, dem Tod ihrer Schwester und den Andeutungen rund um diesen Verlust ziehen sich für mein Empfinden zu lange hin. Sie steigern die Spannung nicht, sondern nehmen ihr eher Tempo. Gleichzeitig zeigt sich aber, wie sehr Chelsey von ihrer eigenen Vergangenheit geprägt ist, was später an Relevanz gewinnt.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Chelsey und einige Nebenfiguren begleite ich in einer personalen Erzählweise in der Gegenwart, während Ellie mir aus der Ich-Perspektive schildert, was ab dem Moment geschieht, kurz bevor sie verschwindet und wie sich die Ereignisse für sie weiterentwickeln. Dieser Wechsel funktioniert für mich sehr gut, weil er die nüchterne Ermittlungsarbeit Chelseys mit der unmittelbaren, körperlich spürbaren Erfahrung Ellies in einen bedrückenden Gegensatz setzt. Gelungen finde ich auch, dass beleuchtet wird, wie das Verschwinden einer geliebten Person die Angehörigen trifft. Das wird besonders deutlich, wenn ich die Gefühlswelt der Eltern betrachten kann.

Ellies Kapitel gehen mir besonders unter die Haut. Sie sind intensiv, bedrückend und voller Fragen, die sich erst nach und nach sortieren lassen. Ihre Stimme ist klar und verletzlich, und genau dadurch bekommt die Geschichte eine enorme emotionale Wucht. Ellie selbst ist ein junges Mädchen, das nach langer Zeit wieder auftaucht und mit den Folgen ihrer Gefangenschaft ringt. In der Gegenwart erlebe ich sie fast ausschließlich durch die Augen der anderen, was ihre Unsicherheit und ihr Trauma noch greifbarer macht. Danny, ihr damaliger Freund, begegnet ihr mit einer Ruhe und Geduld, die mich sofort berührt. Er setzt sie nicht unter Druck, sondern lässt ihr Raum, was in dieser Situation viel mehr bewirkt als jede fordernde Nachfrage.

Chelsey bleibt für mich eine ambivalente Figur. Sie ist engagiert und hartnäckig, aber manchmal auch überambitioniert und wenig feinfühlig. Ihre Konflikte mit Danny und mit ihrem Ehemann Noah zeigen, wie sehr sie zwischen Pflichtgefühl und persönlicher Geschichte schwankt. Besonders irritiert mich, dass sie Danny erneut so hart angeht, obwohl sie ihm schon damals Unrecht getan hat. Jetzt möchte sie wieder etwas von ihm und behandelt ihn trotzdem wie einen Verdächtigen. Das macht sie glaubwürdig, auch wenn ich nicht jede ihrer Entscheidungen nachvollziehen kann.

Sobald die verschiedenen Perspektiven stärker ineinandergreifen, gewinnt der Roman deutlich an Tempo. Die Ermittlungen gewinnen an Fahrt, und Ellies Erlebnisse werfen immer neue Fragen auf. Besonders spannend finde ich, wie unterschiedlich die Figuren mit Druck umgehen. Während Chelsey immer weiter vorprescht, bleibt Danny ruhig und respektvoll. Diese Dynamik verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe.

Ab der zweiten Hälfte zieht das Tempo spürbar an. Die Entwicklungen kommen schnell, aber nicht überhastet, und ich merke, wie mich die Geschichte immer stärker mitreißt. Einige Wendungen überraschen mich besonders die rund um Ellies Entführung und ihre Zeit in Gefangenschaft, andere ergeben sich logisch aus dem, was zuvor angedeutet wird. Sehr gelungen finde ich, dass die Autorin Ellie nicht nur als Opfer zeigt, sondern als junge Frau, die versucht, wieder Kontrolle über ihr Leben zu gewinnen. Auch nach der Auflösung bleibt Raum für ihre Verletzlichkeit und ihre Stärke, ohne dass es melodramatisch wirkt.


The Return of Ellie Black von Emiko Jean
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein Thriller, der auf emotionale Intensität setzt. Über mehrere Perspektiven entfaltet sich eine packende Geschichte, die zeigt, wie tief ein Verschwinden in das Leben aller Beteiligten eingreift und welches Grauen Ellie durchleben musste.

Lesen:

Wenn ihr psychologisch dichte Thriller mögt, die mit glaubwürdigen Emotionen, starken Perspektivwechseln und einer spürbaren Schwere arbeiten. Und wenn ihr Thriller sucht, die weniger auf Action setzen, sondern auf die Frage, wie Menschen mit Trauma umgehen.

Weglegen:

Wenn ihr einen klassischen Ermittlungsfall mit konstant hohem Tempo erwartet, werdet ihr hier nicht fündig. Die Geschichte nimmt sich Zeit für ihre Figuren und setzt verstärkt auf emotionale Tiefe als auf actionreiche Wendungen.

Mal ehrlich:

The Return of Ellie Black hat mich zu Beginn ein wenig ausgebremst. Der Prolog ist intensiv und bedrückend, so nah erzählt, dass ich sofort mitten in der Szene stehe. Doch kaum beginnt das erste Kapitel, fällt die Spannung für mich spürbar ab. Die Autorin führt ausführlich in Chelsey Calhouns Leben ein, die als Detective schon damals mit Ellies Verschwinden befasst ist. Viele dieser Einblicke wirken für mich zunächst eher wie Umwege, die die Handlung nicht voranbringen. Ich frage mich lange, welche dieser Informationen wirklich wichtig sind.
Erzählt wird der Thriller aus mehreren Perspektiven. In der Gegenwart begleite ich vor allem Chelsey, aber auch einige andere Figuren, die alle auf ihre Weise mit dem Fall verbunden sind. Der zweite Strang gehört Ellie selbst. Sie erzählt in der Ich-Form, beginnend kurz vor ihrem Verschwinden, und führt mich durch die Erlebnisse, die sie in die Gefangenschaft und darüber hinaus begleiten. Dieser Wechsel funktioniert für mich erstaunlich gut. Ellies Kapitel sind intensiv, körperlich spürbar und voller Unruhe. Sie geben dem Thriller eine emotionale Tiefe, die mich immer wieder innehalten lässt. Besonders stark finde ich, wie klar Ellies Verletzlichkeit spürbar wird, ohne dass sie je in eine reine Opferrolle gedrängt wird.
In der Gegenwart erlebe ich Ellie fast nur durch die Augen der anderen. Das macht ihre Unsicherheit greifbar, aber auch die Hilflosigkeit ihres Umfelds.
Chelsey dagegen bleibt für mich eine Figur voller Widersprüche. Sie ist entschlossen und engagiert, aber manchmal auch ungeduldig und wenig feinfühlig. Das macht sie menschlich, aber nicht immer leicht zugänglich.
Ab der Mitte zieht das Tempo deutlich an. Die Ermittlungen werden spannender, Ellies Erlebnisse werfen neue Fragen auf, und ich merke, wie mich die Geschichte immer stärker mitreißt. Die Wendungen kommen schnell, aber nicht überhastet, und die emotionale Wucht bleibt bis zum Schluss spürbar.

Fazit:

The Return of Ellie Black ist ein Thriller, der mich nach einem zähen Einstieg vollkommen abholt. Die Mischung aus emotionaler Intensität, bedrückender Atmosphäre und einem stetig steigenden Spannungsbogen ist absolut fesselnd und sorgt für packende Lesestunden.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust auf einen spannungsgeladenen Thriller, der mit eindrucksvollen Szenen zu begeistern weiß?
Dann empfehle ich euch:
Herzgrab von Andreas Gruber