Pen Pal begegnete mir immer wieder auf Social Media und die vielen begeisterten Stimmen haben mich neugierig gemacht. Als ich den Klappentext gelesen habe, war schnell klar, dass ich die Geschichte selbst erleben möchte. Also habe ich mir das Buch geschnappt und wollte wissen, ob es hält, was die Empfehlungen versprechen.

In meiner Rezension „Pen Pal“ von J. T. Geissinger erfahrt ihr, warum der Titel täuscht und was wirklich hinter dem Hype steckt.


Pen Pal von J. T. Geissinger
© Covergestaltung: Guter Punkt, München

Infos zum Buch
erschienen bei Bramble HC
Veröffentlicht 1. Dezember 2025
Originaltitel Pen Pal
Übersetzt von Nadine Mutz
ca. 384 Seiten
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
 

Klappentext

Eine Liebesgeschichte, die unter die Haut geht …

Für alle Fans von Dark Romance sowie D. C. Odesza, J. S. Wonda und Alessia Gold

Kaylas Leben liegt in Trümmern.

Kaum hat die junge Illustratorin ihre große Liebe Michael beerdigt, muss sie sich mit dem Zerfall des gemeinsamen Hauses auseinandersetzen und findet den Brief des Gefängnisinsassen Dante in ihrer Post. Sein Inhalt? Eine einzige Zeile. Ich werde ewig warten, wenn es sein muss. Gefangen in ihrer Trauer antwortet Kayla ihm, und es entwickelt sich eine Brieffreundschaft zwischen den beiden, die immer intimer wird.

Während Kayla sich fragt, woher Dante sie zu kennen glaubt, wird sie von ihren wachsenden Gefühlen für den attraktiven Handwerker Aidan überrumpelt.

Der Anfang einer Liebesgeschichte voller Leidenschaft, Schmerz und Geheimnisse, die tief in Kaylas Vergangenheit verwurzelt sind …

© Klappentext: Bramble HC

Obwohl der Einstieg traurig ist, da ich die Ich-Erzählerin Kayla bei der Beisetzung ihres geliebten Mannes begleite, zieht mich Pen Pal rasch in seinen Bann. Der locker leichte Schreibstil gepaart mit unvorhersehbaren und Gänsehaut erzeugenden Momenten sowie einer sehr amüsanten Situationskomik treibt mich zügig durch die Handlung. Die Ich-Perspektive funktioniert für mich besonders gut, weil ich Kaylas Gedanken und ihre innere Zerrissenheit unmittelbar spüre und nachvollziehen kann.

Den Titel Pen Pal finde ich eine ganze Weile irreführend. Zwar erhält Kayla mysteriöse Briefe eines für sie unbekannten Häftlings namens Dante, doch sie bleiben lange Zeit eher ein dezentes Hintergrundrauschen. Ich hätte mir von diesem Erzählfaden mehr Präsenz gewünscht, weil er für mich von Anfang an besonders reizvoll ist. Stattdessen driftet Pen Pal in eine Richtung, in der es schnell feurig heiß wird, was nicht zuletzt am attraktiven Dachdecker Aidan liegt.

Aidan kann ich anfangs überhaupt nicht einschätzen. Seine schroffe, beinahe abwehrende Art ärgert mich genauso wie Kayla. Sie begegnet ihm allerdings mit einer Schlagfertigkeit, die ich begeistert feiere. Erst später nehme ich das Knistern zwischen den beiden wahr, als durch Aidans direkte Art klar wird, was er will. Das gefällt mir sehr besonders weil es den Dialogen eine prickelnde Spannung gibt und den detaillierten erotischen Szenen eine berührende Tiefe verleiht.

Besonders kriecht mir Kaylas Wahrnehmung in ihrem Haus unter die Haut. Ständig geschehen seltsame Dinge, die ihre Angst schüren. Und obwohl sie versucht, wie auch ich, rationale Erklärungen zu finden, wird die Geschichte immer undurchsichtiger. Die Atmosphäre verdichtet sich, das Haus wirkt stellenweise schaurig und verstärkt Kaylas innere Unruhe. Ich möchte unbedingt wissen, was hinter alldem steckt.

Die Mischung aus sinnlichen Szenen, humorvollen Wortgefechten und diesem unterschwelligen Gefühl, dass etwas nicht stimmt, gefällt mir besonders. Die Funken zwischen Kayla und Aidan, ihre Nähe und die Art, wie sie miteinander sprechen, machen für mich einen großen Teil des Leseerlebnisses aus. Gleichzeitig bleibt immer ein Hauch von Gefahr und Unsicherheit im Raum, der mich frösteln lässt.

Der große Twist später in Pen Pal trifft mich nicht so stark, weil ich mich versehentlich selbst spoilere, als ich die Dankesworte der Autorin lese. Rückblickend fügt sich alles stimmig zusammen, doch diese Art von Wendung entspricht nicht ganz meinem persönlichen Geschmack. Trotzdem bleibt Pen Pal für mich stark, weil mich die Entwicklung atmosphärisch überzeugt und emotional viel transportiert wird.

Das Ende empfinde ich als bittersüß. Es ist absolut stimmig und trägt sowohl Schmerz als auch etwas Tröstliches in sich. Diese Mischung berührt mich und rundet die Handlung gekonnt ab.


Pen Pal von J. T. Geissinger
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Eine düster knisternde Mischung aus Mystery, scharfen Wortduellen, Anziehung und einem unheimlichen Haus, die euch sinnliche und schaurige Lesestunden beschert.

Lesen:

Wenn ihr Lust auf Spannung mit Herzklopfen habt und Figuren mögt, die sich gegenseitig ordentlich herausfordern, dann ist dieser düstere Liebesroman genau euer Ding.

Weglegen:

Wenn ihr keine Gothic-Liebesromane mögt oder euch unheimliche Stimmung und körperliche Nähe eher abschrecken, dann greift lieber zu etwas anderem.

Mal ehrlich:

Pen Pal zieht mich schneller in seinen Bann, als ich es nach dem traurigen Einstieg erwartet hätte. Ich-Erzählerin Kayla ist nach dem Tod ihres Mannes völlig am Boden zerstört und ihre Erschöpfung sowie innere Zerrissenheit dominieren zu Beginn die Story. Doch dank des leichten und flüssigen Schreibstils, der immer wieder von Gänsehautmomenten und überraschender Situationskomik durchzogen ist, erdrückt mich ihre Schwermut nicht.

Den Titel Pen Pal empfinde ich lange als unglücklich gewählt. Zwar erhält Kayla geheimnisvolle Briefe von einem Häftling namens Dante, doch dieser Erzählstrang bleibt zunächst recht dünn. Ich hätte mir hier mehr Präsenz gewünscht, weil mich dieser Handlungsfaden von Anfang an besonders reizt. Stattdessen rückt jemand anderes in den Mittelpunkt: Aidan, der Dachdecker, der mit seiner schroffen Art sowohl Kayla als auch mich irritiert. Ihre Schlagfertigkeit, seine Direktheit und die Art, wie die beiden aneinandergeraten, sorgen für eine Dynamik, die mich sofort fesselt. Erst nach und nach entsteht ein Knistern, das den Dialogen eine besondere Spannung verleiht und der Geschichte emotionale Tiefe gibt.

Kaylas Haus entwickelt schnell eine unheimliche Atmosphäre. Seltsame Geräusche, kleine Vorkommnisse und dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt, lassen mich ständig überlegen, was hier wirklich vor sich geht. Die Stimmung verdichtet sich und ich möchte unbedingt wissen, wohin das alles führt.

Die erotischen Szenen sind intensiv, sinnlich und leidenschaftlich gestaltet und unterstützen die Entwicklung der Handlung spürbar. Besonders beeindruckend ist Kaylas Wandlung. Ich mag, wie sie nach und nach ihre Schwermut hinter sich lässt und wieder bereit für Glück ist.

Der überraschende Wendepunkt trifft mich nicht so stark, da ich mich versehentlich selbst spoilere, als ich im Vorfeld die Danksagungen der Autorin lese. Dennoch fügt sich alles schlüssig zusammen, auch wenn diese Art von Wendung nicht ganz meinem Geschmack entspricht. Das Ende empfinde ich als bittersüß. Es passt zur Geschichte, vereint Schmerz und Trost und rundet Pen Pal sehr gelungen ab.

Fazit:

Pen Pal ist ein atmosphärischer Romantic-Mystery-Roman, der Trauer, Geheimnisse, Erotik und eine unheimliche Grundstimmung miteinander verbindet. Obwohl der große Twist nicht ganz meinen Geschmack trifft, überzeugt mich Pen Pal durch seine dichte Atmosphäre, die spannenden Figuren und die Emotionen.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

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