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Guilty Pleasure ist ein Buch, auf das ich in den sozialen Medien aufmerksam geworden bin. Da gab es so begeisterte Meinungen zu diesem Thriller, dass ich ebenfalls mitreden wollte.

In meiner Rezension „Guilty Pleasure“ von Linda Schipp lest ihr, ob ich die positiven Eindrücke teilen kann.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Heyne Verlag erhalten
❧ Vielen Dank an Daniela Neuper für die Freigabe im Bloggerportal
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst


Guilty Pleasure von Linda Schipp
© Umschlaggestaltung: zero-media.net, München

Infos zum Buch
erschienen bei Heyne Verlag
Veröffentlicht 16. April 2026
ca. 400 Seiten
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
 

Klappentext

Ein Hotel für alle, die etwas suchen oder sich (vor etwas) verstecken.

Hotel Guilty Pleasure ist weltberühmt. Das Luxusresort erfüllt dem obersten Prozent geheime Wünsche – ohne Tabus und mit höchster Diskretion. Nicht mal die erlesenen Gäste kennen den Standort. Erbaut auf einer tropischen Insel, ist das Hotel komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Für fünf Gäste scheinbar die perfekte Gelegenheit, um ihren persönlichen Begehren freien Lauf zu lassen. Dabei wissen sie nicht, dass ihre Machenschaften von einem Kamerasystem beobachtet werden. Und in ihren kühnsten Albträumen hätten sie sich nicht ausmalen können, dass dieses System die Geschehnisse im Hotel online streamt. Als brutal-reale Reality Show. Live. In die ganze Welt.

Niemand kann sie kontaktieren. Niemand kann sie aufhalten. Und die Hotelgäste sind im Begriff, vor den Augen aller entsetzliche Verbrechen zu begehen.

© Klappentext: Heyne Verlag

Schon der Einstieg in Guilty Pleasure ist eindrucksvoll. Ich bin direkt auf der tropischen Insel, auf der das Luxusresort seinen Gästen ohne Tabus ihre geheimsten Wünsche erfüllt. Doch bevor ich das exklusive Refugium betrete, lerne ich die erste Protagonistin kennen.

Zoe ist auf dem Weg zu ihrem neuen Arbeitsplatz, und ich begleite sie auf dem schmalen Pfad an der Klippe entlang. Ihre Gedanken kreisen, ihre Überlegungen sind nachvollziehbar, aber in die Länge gezogen. Trotzdem spüre ich eine Dringlichkeit, die mich neugierig macht. Der Kontrast zum luxuriösen Bereich der Gäste wird bereits hier deutlich, als Zoe gemeinsam mit anderem zukünftigem Personal an den einfachen Hütten vorbeikommt, in denen sie wohnen werden.

Ziemlich zügig werden weitere Handlungsfäden mit unterschiedlichen Schauplätzen etabliert. Eine große Hilfe ist mir zu Beginn die im vorderen Klappentext abgebildete Übersicht über die fünf Hauptcharaktere. Sie alle tragen Geheimnisse mit sich herum, und ich ahne schnell, dass jede Figur eigene Pläne und Ziele verfolgt.

Das Guilty Pleasure selbst wirkt wie ein Ort, der dunkle Begierden magisch anzieht. Die Atmosphäre hat etwas Anziehendes, aber auch etwas Bedrückendes. Hier herrscht ein Strudel aus Macht, Abhängigkeit und unausgesprochenen Wahrheiten. Besonders stark wird das durch den Realitystar Morgan O’Hara deutlich. Obwohl ich ihn nur durch die Beschreibungen seines Assistenten Amal erlebe, bin ich angewidert von ihm. O’Haras Selbstgefälligkeit, seine Macht und seine Art, Menschen zu benutzen, stoßen mich immer mehr ab. Umso schlimmer finde ich, dass Amal daneben seltsam passiv erscheint und seinem Boss bei allem zur Seite steht.

Denver wird mir als Rächer präsentiert. Er ist der Einzige, bei dem von Anfang an seine Motivation und sein Ziel offen ausgesprochen sind. Als Charakter finde ich ihn unglaublich interessant und frage mich, wie er seinen Plan umsetzen möchte.

Und dann ist da Jamie, die zur Security gehört und im Hintergrund für die Sicherheit der Gäste verantwortlich ist. Sie ist die einzige Figur, die in der Ich‑Perspektive erzählt, was ihre Kapitel besonders spannend macht. Ihre Sicht hat etwas Beobachtendes. Sie bewertet ständig die Lage, und durch sie erfahre ich viele technische Details, die verständlich in den Kontext eingebettet sind. Warum sie als Einzige in der ich‑Form spricht, bleibt mir lange ein Rätsel und verstärkt die Wirkung.

Später kommt eine weitere Perspektive hinzu, deren Identität erst nach und nach enthüllt wird. Der Moment, in dem sich alles fügt, hat für mich diesen kleinen aha‑Effekt, aber gleichzeitig denke ich: Ich habe es geahnt. Trotzdem funktioniert es, weil es die Spannung anzieht und die Geschichte um eine weitere Ebene erweitert.

Kapitelweise wechseln die Perspektiven. Mir gefällt besonders, dass jede Sicht ihre eigene Tonalität hat und den jeweiligen Charakter widerspiegelt. Auch das Tempo ist je nach Figur unterschiedlich, was eine hohe Spannung erzeugt. Der Schreibstil rundet den Gesamteindruck ab. Die Sprache ist bildhaft und wird gern durch Metaphern unterstützt, sodass ich mir die Geschehnisse lebendig vorstellen kann.

Besonders gut gefällt mir, wie Linda Schipp mit mehreren Spannungsebenen arbeitet. Die physische Spannung ist vor allem bei Zoe spürbar, während die psychologische Spannung eindeutig bei Amal, Denver und der unbekannten Figur zunimmt. Auch auf moralischer Ebene wird intensiv gearbeitet. Ich frage mich immer wieder, warum Amal nicht eingreift. Ebenso zeigt Jamie moralische Dilemmata, da sie als Security abwägen muss, ob sie Regeln bewusst bricht.

Hinzu kommen persönliche Begierden mancher Gäste, die in Wahrheit Machtmissbrauch, Übergriffigkeit und Voyeurismus sind. Einige Situationen stoßen mich eher ab, als dass sie mich fesseln. Die Mischung aus Thriller, toxischen Beziehungen und psychologischen Abgründen funktioniert gut, wirkt aber stellenweise so überladen, als müsste immer noch ein Schockmoment folgen.

Als langsam deutlich wird, wie die Fäden sich verbinden, entsteht ein fesselnder Sog, der mich bis zum Schluss nicht mehr loslässt. Ich möchte unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt. Gleichzeitig stolpere ich über Zufälle, die konstruiert wirken, und Entwicklungen, die sich zu glatt ineinanderfügen. Das nimmt der Geschichte etwas von ihrer Glaubwürdigkeit, auch wenn die Spannung unbestritten weiter steigt.

Das Ende fühlt sich an wie eine Matroschka. Jede enthüllte Wahrheit öffnet eine neue Ebene an Verstrickungen. Das bringt Dynamik, Tempo und Überraschungen, geht aber auch zulasten der Plausibilität. Einige Wendungen sehe ich kommen, andere treffen mich unerwartet. Am Ende habe ich das Gefühl, aus einem Fiebertraum erwacht zu sein.
Guilty Pleasure ist ohne Frage ein packender Thriller, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass hier mehr gewollt wurde, als die Geschichte tragen kann.


Guilty Pleasure von Linda Schipp
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein atmosphärischer Thriller, der auf einer abgeschotteten Insel mit Macht, Abhängigkeit und dunklen Geheimnisse spielt.

Lesen:

Wenn ihr Thriller mögt, die euch in eine dichte und bedrückende Atmosphäre ziehen, mit komplexen Figuren arbeiten und psychologische Spannung über klassische Ermittlungen stellen, und natürlich, wenn ihr rasante Plottwists liebt, dann werdet ihr hier definitiv fündig.

Weglegen:

Wenn ihr klare Ermittlungsstrukturen erwartet, dann wird euch Guilty Pleasure enttäuschen.

Mal ehrlich:

Ich wusste lange nicht, wie ich diese Rezension schreiben soll. Guilty Pleasure hat mich beim Lesen in alle Richtungen gezogen. Ich schwanke zwischen Faszination und Beklemmung und bin mir stellenweise nicht sicher, ob ich den Thriller feiern oder eine Spur drüber finden soll.
Das Setting mit der tropischen Insel und dem abgeschotteten Luxusresort ist beeindruckend und wirkt fast wie ein eigener Charakter. Dazu kommen die dunklen Geheimnisse, die sich von der ersten Seite an durch die Geschichte ziehen.
Zoe ist die erste Figur, der ich begegne. Ihre Gedanken kreisen, die Dringlichkeit ist spürbar, und gleichzeitig zieht sich der Einstieg für mich. Doch schnell wird klar, dass hier Macht, Abhängigkeit und unausgesprochene Wahrheiten den Ton bestimmen. Besonders deutlich wird das bei Morgan O’Hara, den ich ausschließlich durch die Beobachtungen der anderen Figuren wahrnehme. Seine Selbstgefälligkeit stößt mich mit jeder Szene mehr ab. Amal, sein Assistent, bleibt daneben passiv, was Morgans Verhalten noch unangenehmer wirken lässt und für mich zusätzliche Rätsel aufwirft.
Auch eine noch namenlose Figur erzeugt Spannung. Ich frage mich, was ihr Plan ist und warum ihre Identität so lange offenbleibt. Bei Denver hingegen ist von Anfang an klar, welches Ziel er verfolgt.
Die vielen Perspektivwechsel werden durch Jamie abgerundet. Sie gehört zur Security, die im Hintergrund für die Sicherheit der Gäste sorgt. Sie ist die einzige Figur, die in der ich Form erzählt. Warum bleibt lange ein Rätsel. Ihre beobachtende und analytische Sicht schafft Abstand zu den Ereignissen im Guilty Pleasure und gibt mir das Gefühl, einen besseren Überblick zu haben. Dadurch kann ich manche Entwicklungen früher erahnen.
Die Themen sind heftig. Machtmissbrauch, Voyeurismus, Grenzüberschreitungen. Einige Szenen stoßen mich ab, andere fesseln mich. Es entsteht ein Sog, der mich weiterzieht. Gleichzeitig wirken manche Zufälle zu glatt und manche Wendungen zu passend. Die Geschichte überbietet sich ständig selbst, als müsste immer noch ein weiterer Twist folgen.
Zum Ende hin fühlt es sich an wie ein Strudel aus Enthüllungen, der sich immer schneller dreht. Intensiv, verwirrend, reizüberflutend. Ich musste das Buch erst einmal sacken lassen, um entscheiden zu können, wie mir der Thriller schlussendlich gefallen hat.

Fazit:

Guilty Pleasure ist atmosphärisch dicht, spannend und voller toxischer Energie. Gleichzeitig ist der Thriller überladen und stellenweise unglaubwürdig. Doch der Sinn hinter der Geschichte geht mir unter die Haut und löst Beklemmung in mir aus.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

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