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Die Vorstellung zu Das Event war so fesselnd, dass ich sofort wusste: Dieses Buch muss ich lesen. Ein Live-Event in einem verlassenen Hotel, das „The Shining“ von Stephen King zum Leben erweckt? Wie aufregend! Das verspricht jede Menge Gänsehaut und spannende Lesemomente.

In meiner Rezension „Das Event“ von Antje Zimmermann könnt ihr entdecken, ob sich diese Erwartung erfüllt hat.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von dtv erhalten
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst


Das Event von Antje Zimmermann
© Umschlaggestaltung: zero-media.net, München

Infos zum Buch
erschienen bei dtv
Veröffentlicht 15. Mai 2026
ca. 305 Seiten
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
 

Klappentext

Ein leer stehendes Inselhotel.

Ein dubioser Eventveranstalter.

Ein Spektakel mit tödlichem Ausgang. „Kommen Sie sofort raus!“, brüllte Maxi. Doch niemand folgte ihrer Aufforderung. Sie trat langsam, Schritt für Schritt, zur Wanne und schob mit dem Fuß den Vorhang zur Seite. Als der blutverschmierte, nackte Körper vor ihr auftauchte, schrie Maxi auf und machte unwillkürlich einen Schritt zurück. Dabei kollidierte sie mit etwas, das zuvor nicht im Raum gewesen war …

Ein verlassenes Hotel auf Helgoland – Deutschlands einziger Hochseeinsel. In Antje Zimmermanns Thriller erwacht Stephen Kings »The Shining« zum Leben: Mysteriöse Ereignisse häufen sich rund um das Live Adventure, und „Horror auf Helgoland“ wird zum viralen Hit. Was als Event beginnt, wird zu einem Psychothriller, der mit jeder Szene tiefer unter die Haut geht.

Zwei Ermittlerinnen. Ein Mord. Kein Ausweg.

Hoffnungsvoll ist Kommissarin Leandra Kern aus Hamburg nach Helgoland gekommen, um sich in der Hochsee-Abgeschiedenheit ihren Lebenstraum zu erfüllen. Nur unter massivem Druck ist Kommissaranwärterin Maxi Adler an ihren Geburtsort zurückgekehrt, um ihre Familie vor großem Unheil zu bewahren. Sie sind unorthodox, ambivalent und bereit, mit allen Mitteln zu kämpfen: Zwei toughe Ermittlerinnen in einem Mordfall voller falscher Fährten und mysteriöser Vorkommnisse. Als die Ereignisse rund um das Hotel immer beängstigender werden, müssen die beiden unterschiedlichen Frauen zusammenarbeiten – und sehen sich mit einem Mord konfrontiert, bei dem das Event endgültig zur Realität wird. Mit jeder falschen Fährte zieht die psychologische Spannung an – und das abgeschlossene Setting Helgoland wird zur Falle.

© Klappentext: dtv

Der Einstieg in Das Event fällt mir unglaublich leicht. Der Prolog ist atmosphärisch dicht, ein wenig schaurig und weckt sofort meine Neugier. Auch der spätere Zeitsprung nimmt dieser Stimmung nichts, denn die ersten Szenen mit Leandra und Maxi funktionieren für mich richtig gut.
Der Schreibstil ist locker, flüssig und bildhaft, sodass ich sofort in der Geschichte ankomme. Die kurzen Kapitel und die wechselnden Perspektiven bringen Tempo hinein und geben mir das Gefühl, nah an allem dran zu sein.

Was mir besonders gefällt, sind die vielen kleinen Zeitsprünge innerhalb der Kapitel. Sie sind klar markiert, etwa „zwei Stunden später“ oder „am nächsten Tag“, und sie sorgen dafür, dass unnötige Längen wegfallen. Gerade in Bezug auf die Ermittlungsarbeit wirkt das für mich erstaunlich realistisch. Die Handlung bleibt dadurch in Bewegung, ohne sich in Details zu verlieren.

Je weiter ich lese, desto stärker merke ich allerdings, wie sich die Geschichte von ihrem spannendsten Element entfernt. Das Event, das mich eigentlich am meisten gereizt hat, rückt immer weiter in den Hintergrund. Das verlassene Inselhotel hätte so viel Potenzial für eine beklemmende, unheimliche Atmosphäre gehabt, aber es bleibt eher Kulisse als Herzstück der Handlung. Die Anklänge an „The Shining“ blitzen nur kurz auf und verschwinden dann wieder.

Stattdessen werden es immer mehr Handlungsfäden. Leandras Kinderwunsch, ihre Klinikbesuche, Maxis familiäre Konflikte, die Machtstrukturen der Adlers, die Opferperspektiven, das Inselgeschehen. Für sich genommen könnte jeder dieser Stränge spannend sein, aber zusammen wirken sie überfrachtet. Ich verliere irgendwann das Gefühl dafür, worauf die Geschichte eigentlich hinausläuft. Die Figuren bleiben für mich leider blass, ich kann weder zu Leandra noch zu Maxi eine echte Verbindung aufbauen. Manche ihrer Entscheidungen wirken widersprüchlich, weil ihre Emotionen und Beweggründe nur angerissen werden. Ihre Entwicklungen hingegen sind logisch, wenn auch ein bisschen befremdlich für mich.

Und trotzdem passiert etwas Merkwürdiges.
Ich lese weiter und sogar gern.
Obwohl mich die inhaltliche Entwicklung nicht überzeugt, hat das Buch einen Sog, den ich nicht ganz greifen kann. Vielleicht liegt es am Tempo oder an der Hoffnung, dass die vielen Fäden am Ende doch noch zusammenfinden. Möglicherweise aber auch daran, dass die Grundidee so stark ist, dass ich ihr bis zuletzt hinterherlaufe. Dieses widersprüchliche Gefühl begleitet mich durch das ganze Buch. Ich bin irritiert, aber ich kann nicht aufhören zu lesen.

Die Spannung ist insgesamt eher ruhig. Es gibt Momente, die mich kurz begeistert jubeln lassen, aber sie bleiben selten. Manche Wendungen überraschen mich, andere wirken eher so, als sollten sie unbedingt für Aufregung sorgen, ohne dass die Geschichte wirklich darauf hinsteuert. Gegen Ende wird alles etwas unübersichtlich, und ich schließe das Buch mit einem Gefühl, das irgendwo zwischen Neugier, Verwirrung und leichter Enttäuschung liegt. Nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil es so viel mehr hätte sein können.


Das Event von Antje Zimmermann
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein atmosphärischer Inselthriller mit starkem Prolog, viel Tempo, mehreren Perspektiven und einer Handlung, die sich immer weiter auffächert.

Lesen:

Wenn ihr schnelle Kapitel liebt und Lust auf ein ungewöhnliches Setting mit vielen Handlungssträngen habt, solltet ihr einen Blick ins Buch werfen.

Weglegen:

Wenn ihr Horor-Hotel-Vibes spüren wollt und genau das als Setting haben möchtet, kann euch Das Event leider nur enttäuschen.

Mal ehrlich:

Das Event klingt äußerst verlockend. Ein abgelegenes, verwaistes Hotel, das als Schauplatz für ein luxuriös inszeniertes Horror-Erlebnis im Stil von „The Shining“ dient, verspricht eine Atmosphäre, die sich langsam und unaufhaltsam unter die Haut schleicht. Bereits der Prolog trifft genau diesen Ton. Der Sturm über Helgoland webt eine düstere Stimmung über die Szenerie und zieht mich augenblicklich in die Geschichte hinein.
Kurz darauf lerne ich die beiden zentralen Figuren kennen:
Leandra, eine erfahrene Kommissarin aus Hamburg, die mit einem sehr persönlichen Wunsch ringt und sich deshalb nach Helgoland versetzen lässt. Und Maxi, eine junge Kommissaranwärterin, die nach Helgoland zurückkehrt, um dort Familienangelegenheiten zu ordnen. Beide Frauen tragen Geheimnisse mit sich rum.
Die Kapitel sind kurz, die Perspektiven wechseln schnell und durch die vielen kleinen Zeitangaben springt die Handlung immer wieder ein Stück nach vorn. Das sorgt für Tempo und lässt die Ermittlungsarbeit glaubwürdig wirken, weil keine unnötigen Details die Geschichte ausbremsen. Ich fliege regelrecht durch die Seiten.
Doch je weiter ich lese, desto mehr verschiebt sich der Fokus. Das Event, das eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, rückt immer weiter aus meinem Blick. Das Hotel, das so viel Atmosphäre verspricht, wird zum Nebenschauplatz. Stattdessen öffnen sich immer neue Stränge: Leandras Kinderwunsch, Maxis familiäre Konflikte, die Rolle der Familie Adler auf der Insel, die Perspektiven von Opfern und anderen Charakteren. Für sich genommen alles spannend, aber zusammen wird es mir irgendwann zu viel.
Die Figuren halten mich auf Abstand. Ich begleite sie, aber ich fühle sie nicht wirklich. Manche Entscheidungen wirken sprunghaft, manche Entwicklungen nachvollziehbar, aber ein bisschen fremd. Und trotzdem kann ich Das Event kaum aus der Hand legen. Ich weiß nicht einmal genau warum. Obwohl mich die Entwicklung der Handlung zunehmend irritiert, will ich unbedingt wissen, wohin das alles führt. Ich hoffe auf den Moment, an dem sich ein rundes Bild ergibt und mich komplett überrascht.
Doch dieser Moment kommt für mich nicht. Am Ende bleibt ein Gefühl, das irgendwo zwischen „die Idee war großartig“ und „die Umsetzung erreicht dieses Niveau nicht“ liegt. Eine leise Enttäuschung mischt sich dazu, weil ich spüre, wie viel stärker diese Geschichte hätte sein können.

Fazit:

Das Event hat großes Potenzial, doch die vielen Handlungsstränge lassen den Fokus unterwegs verloren gehen. Die starke Grundidee bleibt bis zum Schluss eher eine Verheißung als ein tragender Kern. Und trotzdem lese ich das Buch fast in einem Rutsch, denn die Erzählung übt eine anhaltende Faszination aus, der ich mich kaum entziehen kann.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust auf Ermittlungsarbeiten in einem geheimnisvollen Hotel?
Dann empfehle ich euch:
Dorn: Zimmer 103 von Jan Beck