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Bereits als ich in der Programmvorschau des Tropen Verlags das Buch Böser, böser Wolf entdeckte, wusste ich sofort, dass ich es unbedingt lesen möchte. Ich liebe Märchen und ihre Adaptionen, und in Kombination mit einem Thriller war ich direkt Feuer und Flamme. Zum Glück erhielt ich ein tolles Buchpaket. Was sich außer dem Buch noch darin befand, habe ich euch in meinem Buchpost-Beitrag vorgestellt.

In meiner Rezension zu „Böser, böser Wolf“ von Alexandra Benedict braucht ihr den finsteren Wald nicht zu betreten, um zu erfahren, welche Eindrücke das Buch bei mir hinterlassen hat.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Tropen erhalten
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst


Böser, böser Wolf von Alexandra Benedict
© Cover: zero-media.net, München

Infos zum Buch
erschienen bei Tropen
Veröffentlicht 14. Februar 2026
Originaltitel Little Red Death
Übersetzt von Henning Ahrens
ca. 368 Seiten
erhältlich als Paperback und EBook
 

Klappentext

Hast du Angst vorm bösen Wolf?

Eine junge Frau wird im Wald entführt. Zurück bleibt nur ein Rotkäppchen-Umhang und ein Korb. Kurz darauf wird eine Leiche gefunden – und ein blutverschmierter goldener Schuh. Detective Inspector Lyla Rondell setzt sich auf die Spur des Täters, der bald als der »Grimm-Ripper« Schlagzeilen macht. Dabei ahnt sie nicht, wie tief sie selbst in die Geschichte verstrickt ist. Die britische Bestsellerautorin Alexandra Benedict ist zurück mit einem Thriller, in dem der böse Wolf auf jeder Seite lauert.

Die gefeierte Kriminalautorin Katie erwacht in einem abgeschlossenen Dachzimmer – entführt von einem maskierten Mann, der sich »der Wolf« nennt. Seine Forderung: Sie soll moderne Märchen schreiben, in denen Aschenputtel und Rotkäppchen sterben. Was Katie verfasst, setzt der Wolf in die Tat um. Weigert sie sich, wird sie selbst das Opfer seines tödlichen Spiels. Während Katie verzweifelt versucht, Hinweise für die Polizei in ihre Geschichten einzubauen, beginnt Detective Inspector Lyla Rondell mit den Ermittlungen. Auf diesen Fall hat sie seit fünfundzwanzig Jahren gewartet. Damals verschwand ihre beste Freundin spurlos, zurück blieb nur ein angebissener vergifteter Apfel. Die neuen Morde tragen dieselbe Handschrift: Eine junge Frau wird mit einem goldenen Schuh ermordet, ein Geschwisterpaar mit Lebkuchenkrümeln im Wald gefunden. Doch das ist nicht alles: Schon bald erkennt Lyla, dass sie selbst Teil eines viel größeren Plans ist.

© Klappentext: Tropen

Der Einstieg ist schon besonders. Im Prolog werde ich persönlich angesprochen und die Idee gefällt mir. Sie ist der Auftakt zu einem sehr ungewöhnlichen Thriller.
Bereits mit dem ersten Kapitel ist die Atmosphäre düster. Ich lerne die Autorin Katie kennen und recht zügig wird klar, was der Entführer von ihr möchte. Nun schleicht sich auch eine bedrohlich-märchenhafte Stimmung mit ein, die gleichzeitig deutlich im Thriller verankert wird.
Die Morde, die sich Katie im Auftrag des Entführers ausdenken soll, müssen sich an klassischen Märchenmotiven orientieren. Das, was Katie dann schreibt, wird in kleinen eingeschobenen Märchenpassagen erzählt. Sie wirken wie eigenständige Geschichten, die sich mit der realen Handlung verweben, weil der Täter sie wahr werden lässt. Dies erzeugt eine besondere Spannung.

Böser, böser Wolf wird auf mehreren Ebenen erzählt.
Lyla, die Ermittlerin, trägt die reale Handlung. Sie ist ambitioniert, aufmerksam und spürt früh, dass die Tatorte selbst eine Bedeutung haben. Ihre Perspektive ist für mich die stärkste, weil ich ihr nicht nur bei der Ermittlungsarbeit zur Seite stehe, sondern weil ich auch viel über ihre Gedanken, Emotionen und ihre Vergangenheit erfahre. Zudem hat sie einen großen Verlust in jungen Jahren erlitten und die aktuellen Morde scheinen die Handschrift des Täters zu tragen, der für das Verschwinden ihrer besten Freundin Allison verantwortlich ist.
Katie hingegen bleibt mir fremd. Ihre Motive wirken sprunghaft und ich erkenne die Hinweise, die sie angeblich in ihre Texte für Detective Inspector Lyla einbaut, nicht.
Die Nebenfiguren bleiben blass. Sie wirken wie Statisten, die sich leicht auswechseln lassen. Im Grunde dienen sie lediglich zur weiteren Entwicklung der Handlung, bleiben mir aber bis auf die mysteriöse Pilzfrau nicht lange im Gedächtnis.

Böser, böser Wolf ist temporeich, atmosphärisch dicht und klug konstruiert. Doch dann beginnt der zweite Teil und plötzlich verändert sich die Erzählung. Die Realität wirkt nicht mehr so stabil wie zuvor. Wahrnehmungen verschieben sich, Zusammenhänge wirken anders als gedacht und ich habe das Gefühl, in ein gedankliches Experiment hineingezogen zu werden. Für einen Moment bin ich irritiert, weil Böser, böser Wolf eine Richtung einschlägt, die ich nicht erwartet habe und ich ehrlicherweise superskurril finde. Gleichzeitig fasziniert mich dieser Bruch, weil er mutig ist und die Grenzen des Genres bewusst aufbricht und anfängt mit anderen Genre zu kombinieren.

Die Spannung bleibt erhalten, verändert jedoch ihren Charakter. Es geht nicht mehr nur darum, wer der Täter ist, sondern vielmehr darum, wie die Ebenen miteinander verbunden sind und was davon tatsächlich Bestand hat. Manche Passagen wirken bewusst surreal, andere laden mich zum Spekulieren ein. Ich ertappe mich dabei, eigene Theorien zu entwickeln und versuche, die zahlreichen Fäden zusammenzuführen. Nicht alles überzeugt mich, manches erscheint mir zu weit hergeholt, doch die Grundidee bleibt interessant.

Am Ende habe ich das Gefühl, ein ungewöhnliches Buch gelesen zu haben, das sich nicht an klassische Thrillerregeln hält. Es spielt mit Märchenmotiven, mit Wahrnehmung, mit Realität und Fiktion. Nicht alles gefällt mir, besonders das Ende nicht, aber die Atmosphäre und der Mut zur Andersartigkeit bleiben definitiv in meinem Gedächtnis haften.


Böser, böser Wolf von Alexandra Benedict
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein düsterer Genre-Mix aus Thriller, Krimi und märchenhaften Horror-Elementen. Temporeich, atmosphärisch und stellenweise herrlich verworren.

Lesen:

Wenn ihr Geschichten mögt, die verschiedene Genre miteinander kombinieren und sie dabei auch seltsam entwickeln dürfen, dann könnte euch dieser besondere Thriller gefallen.

Weglegen:

Wenn ihr klassische Thriller bevorzugt, könnte euch dieser wilde Mix zu surreal werden.

Mal ehrlich:

Ich habe einen düsteren Thriller erwartet, in dem eine Autorin gezwungen wird, sich Morde auszudenken, die an klassische Märchen angelehnt sind und die ihr Entführer anschließend in der Realität verübt. Hinzu kommt eine Ermittlerin, die dem Serienmörder auf der Spur ist und nach und nach erkennt, wie alles miteinander verknüpft ist. Genau diese Mischung aus Märchenadaption und Thriller wird mir anfangs auch geboten.
Doch daraus entsteht bald ein wilder Mix, der Krimi- und Thriller-Elemente mit schaurigen Märchenmotiven verbindet und mir zwischendurch das Gefühl gibt, in einer Art literarischer Matrix festzustecken.

Böser, böser Wolf beginnt recht klassisch mit drei Erzählebenen: der entführten Autorin Katie, den von Katie verfassten Märchenmorden und Detective Inspector Lyla, die die Morde aufklären möchte und Zusammenhänge zu einem Cold Case erkennt.

Die Atmosphäre ist durchgehend düster und wird immer wieder von unterschiedlichen Spannungselementen durchzogen. Besonders gefällt mir, dass die Märchenpassagen wie kleine, finstere Inseln im Text wirken.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, und ab dem zweiten Teil verändert sich die Erzählung deutlich. Diese Wendung trifft mich unerwartet, sodass ich einen Moment brauche, um mich darauf einzulassen. Zunächst bin ich unsicher, ob mir diese neue Richtung gefällt, weil sie so weit von meiner Erwartung abweicht. Gleichzeitig merke ich jedoch, dass mich gerade dieser Bruch reizt. Ich möchte wissen, wohin die Geschichte führt, und ertappe mich dabei, wie ich beim Lesen Theorien darüber entwickle, wie das Ganze enden könnte.

Böser, böser Wolf erinnert mich mit seinen Handlungsebenen an Matrjoschkas. Immer wenn ich denke, nun habe ich das Konstrukt verstanden, öffnet sich eine neue Ebene. Alles wird filigraner und verschachtelter, sodass ich zwischendurch das Gefühl habe, die falsche Pille genommen zu haben. Dennoch bleibt die Geschichte für mich bis zum Schluss spannend, auch wenn das Ende für meinen Geschmack etwas zu übertrieben ist.

Fazit:

Böser, böser Wolf ist ein ungewöhnlicher Thriller, der mit düsteren Märchenmotiven sowie mit der eigenen Wahrnehmung spielt und mich trotz kleiner Irritationen gut unterhalten hat.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust auf einen ungewöhnlichen Thriller, der schon ab der Hälfte verrät, wie es wirklich ist?
Dann empfehle ich euch:
Als das Böse kam von Ivar Leon Menger