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Dieser Schicksalsroman Hinter dem Lächeln hat mich schon lange in seinen Bann gezogen und stand deshalb seit geraumer Zeit auf meiner Wunschliste. Im Jahr 2025 hat Charlotte Charonne ihr Werk, das ursprünglich im Juli 2015 erschienen ist, mit viel Liebe und Sorgfalt überarbeitet. Dank ihrer liebevollen Buchpost ist diese Geschichte bei mir eingezogen.

In meiner Rezension „Hinter dem Lächeln: Ein Thailand-Roman inspiriert von wahren Begebenheiten“ von Charlotte Charonne teile ich meine Eindrücke sowie Gefühle mit euch, die mich beim Lesen begleitet haben.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Charlotte Charonne erhalten
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst


Hinter dem Lächeln: Ein Thailand-Roman inspiriert von wahren Begebenheiten von Charlotte Charonne
© Umschlaggestaltung: Anna Klöhn, Charles Verlag, Hamburg

Infos zum Buch
erschienen bei CharlesVerlag
Veröffentlicht 31. Oktober 2025
Empfohlenes Lesealter Ab 16 Jahren
ca. 360 Seiten
erhältlich als Paperback und EBook
 

Klappentext

Das Mädchen May aus Myanmar gerät im Alter von sechs Jahren in die Gewalt von Kinderhändlern, die es nach Pattaya, Thailand, verschleppen. Für May beginnt ein Albtraum – bebildert mit Prostitution, Gefängnisaufenthalten, Deportationen und illegalen Einwanderungen. Nach vier Jahren gelingt May die Flucht. Kurz darauf lernt sie die Freunde Bird, der in den Slums ausgesetzt wurde, und Tiger, der von zuhause ausgerissen ist, kennen. Gemeinsam gelingt es dem Trio, auf den Straßen Pattayas zu überleben, ohne jemals den Mut zu verlieren.

Zehn Jahre später scheint sich alles zum Guten zu wenden. Der sechzigjährige Franz macht May einen Heiratsantrag, Bird bekennt sich zum dritten Geschlecht und Tiger findet einen Job in einer Tanzschule. Doch der Schein trügt, und ein Schicksalsschlag jagt den nächsten.

Wird es den Freunden gelingen, zu überleben und vielleicht sogar Glück und Liebe zu finden?

Ein Roman vor dem Hintergrund Pattayas. Jetzt lesen und auf unterhaltsame Weise Einblicke in die Kultur des Landes gewinnen.

© Klappentext: CharlesVerlag

Das Vorwort gibt mir einen ersten Blick auf die Entstehungsgeschichte dieses Buches und stimmt mich auf eine Erzählung ein, deren Richtung ich noch nicht absehen kann. Doch schon das erste Kapitel packt mich emotional. Ich lerne May in einem Moment großer Verletzlichkeit kennen. Ihr Schicksal wird nur angedeutet, aber genau diese Zurückhaltung weckt mein Interesse an ihrer Vergangenheit.

Hinter dem Lächeln führt mich über lose miteinander verbundene Momentaufnahmen nach Thailand und erzählt von Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. Nach und nach lerne ich die Kinder May, Bird und Tiger kennen, die früh und oft auf grausame Weise erfahren, dass die Menschen, die sie eigentlich schützen sollten, sie stattdessen verletzen können oder im Stich lassen. Gleichzeitig begegnet mir Anna, eine junge Lehrerin, die versucht, das Leid um sie herum so gut es geht zu lindern. Erst im späteren Verlauf verweben sich diese einzelnen Eindrücke zu einer gemeinsamen, chronologisch fortlaufenden Geschichte, die durch ihre multiperspektivische Betrachtung noch eindringlicher wird.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Struktur des Romans wider. Die Kapitel sind nach Orten und Jahren gegliedert, was dem Buch eine beinahe dokumentarische Wirkung verleiht. Anfangs wirken die Sequenzen nüchtern, fast beobachtend. Doch gerade diese leise, distanzierte Erzählweise entfaltet eine enorme emotionale Wucht. Die fragmentarische Struktur ermöglicht Perspektivwechsel zwischen Figuren und Zeiten, ohne etwas zu harmonisieren oder zu beschönigen. Jedes Schicksal tritt klar hervor und lässt Raum für meine eigenen Gedanken.

Der Roman liest sich wie das Leben selbst. Mal brutal, manchmal still, dann wieder voller Farbe und Lebenslust. Trotz der wechselnden Figuren bleibt die personale Erzählperspektive nah an den einzelnen Menschen. Besonders beeindruckt mich, dass Charlotte Charonne nie ins Erklärende abrutscht. Sie vertraut auf das Verhalten ihrer Figuren und so wird hier „show, don’t tell“ konsequent umgesetzt.

Bird ist für mich wie ein warmes Leuchtfeuer. Seine stille Einsamkeit berührt mich tief. Trotz all des Leids bewahrt er seine Menschlichkeit und wird so zu einem wichtigen Gegenpol.
Tiger wiederum beeindruckt mich durch seine Disziplin und seinen Traum, der ihm Halt gibt, obwohl seine Chancen, diesen zu erfüllen, äußerst gering sind.
Am stärksten trifft mich jedoch Mays Geschichte. Die Tragödie ihrer Kindheit und die gesundheitlichen Folgen, die sie nie hätte beeinflussen können, werden ohne Pathos erzählt. Gerade diese Zurückhaltung macht ihre Geschichte so eindringlich.

Die gesellschaftliche Kritik ist deutlich, aber nie moralisierend. Armut, Ausbeutung, fehlender Schutz und Krankheit als Stigma sind präsent, doch ich muss selbst hinschauen und mir eine eigene Meinung bilden. Hoffnung und Zuversicht sind fein dosiert und zeigen, dass Nähe nicht selbstverständlich ist und Familie mehr sein kann als Biologie.

Das Ende wirkt friedlich, obwohl Traurigkeit mitschwingt. Hinter dem Lächeln lässt mich nachdenklich, aber nicht hoffnungslos zurück. Der Roman zeigt Thailand in all seinen Facetten. Warmherzig, farbenfroh, aber auch mit Schattenseiten. Gerade diese Balance macht ihn so eindrucksvoll.


Hinter dem Lächeln: Ein Thailand-Roman inspiriert von wahren Begebenheiten von Charlotte Charonne
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Eine emotionale, aber leichtgängige Geschichte über Armut, Gewalt, Überleben, Freundschaft und Hoffnung, die ohne erhobenen Zeigefinger erzählt wird.

Lesen:

Wenn ihr literarische Texte mögt, die fordern, berühren und lange nachhallen.

Weglegen:

Wenn ihr sensible Themen wie Missbrauch, Krankheit oder Tod vermeiden möchtet.

Mal ehrlich:

Ich hatte keine Vorstellung davon, was mich in Hinter dem Lächeln erwartet. Und vielleicht war genau das gut so. Schon früh wird klar, dass dieses Buch inhaltlich schwer ist, aber Charlotte Charonne erzählt es mit einer Leichtigkeit, die mich überrascht.
Der Roman ist episodisch und multiperspektivisch aufgebaut. Mit viel Feingefühl werde ich in die Leben von Anna, May, Bird und Tiger geführt. Die Einblicke in das thailändische Leben, die Kultur, das Essen und die schwierigen Lebensbedingungen am Rand der Gesellschaft sind eindrücklich, aber nie sensationsheischend. Trotz der ernsten Themen bleibt der Text kurzweilig und sehr bildlich geschrieben.
Besonders berührt mich May. Die Tragödie ihrer Kindheit und die Folgen, die sie nie hätte beeinflussen können, treffen mich tief. Bird ist ihr warmes Gegenstück, ein stiller, menschlicher Lichtblick, der die Schwere mildert, ohne sie zu verharmlosen. Tiger wiederum beeindruckt durch seine Disziplin und seinen Traum, der ihm Halt gibt.
Was mich am meisten überrascht und begeistert, ist die Gesamtkomposition. Der Roman zeigt Thailand in all seinen Facetten. Von warmherzig bis farbenfroh, aber auch mit seinen dunklen Schattenseiten. Nichts wird beschönigt, aber nichts verurteilt. Ich muss selbst hinschauen und mir meine eigene Meinung bilden. Genau das macht die Geschichte so stark.
Hinter dem Lächeln ist leise, aber eindrucksvoll. Ein Roman, der mir unter die Haut geht und lange nachhallt.

Fazit:

Hinter dem Lächeln ist eine berührende, klug komponierte Geschichte, die ernste Themen mit der Schönheit Thailands verbindet, ohne anmaßend zu wirken. Ein leiser und eindrucksvoller Roman.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*