Der Start in eine neue Buchreihe von Benjamin Cors, in dessen Mittelpunkt die Gruppe 4 in grausamen Verbrechen ermittelt, konnte mich letztes Jahr mit Krähentage begeistern. Mit Vorfreude habe ich auf den zweiten Band gewartet.
In meiner Rezension „Aschesommer“ von Benjamin Cors zeigt sich, ob sich das Warten gelohnt hat.
Leseexemplar
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Umschlaggestaltung: wilhelm typo grafisch, Zürich
erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Veröffentlicht 15. Mai 2025
ca. 432 Seiten
Band 2 der Reihe Gruppe 4 ermittelt
erhältlich als Taschenbuch, Hörbuch und eBook
Klappentext
Ein grausamer Fund
Ein tödliches Rätsel
In der brütenden Hochsommerhitze markiert der Fund zweier Leichen in einem Kühlhaus den Beginn einer beispiellosen Mordserie. Jakob Krogh und Mila Weiss ahnen schon in den ersten Stunden, dass sie es mit einem äußerst intelligenten und penibel planenden Täter zu tun haben müssen.
Der zweite Fall für ein außergewöhnliches Ermittlerteam – das neue Thrillerhighlight von Bestsellerautor Benjamin Cors
Gemeinsam mit ihrem Team – der Sonderermittlungsgruppe 4 – müssen sie all ihre Kräfte aufbieten, um das Sterben zu stoppen. Doch die Tatsache, dass der Hauptverdächtige in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt sitzt, macht die Jagd auf den gnadenlosen Mörder nicht einfacher …
»Ein mörderischer Sommer steht uns bevor, wir folgen der Spur der Asche und hoffen, dass das Böse nicht gewinnt …« Benjamin Cors
© Klappentext: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Der Prolog geht mir direkt unter die Haut. Leise, aber mit einer kalten Eindringlichkeit, die zwischen analytischem und beinah poetischem Denken daherkommt, werde ich tief in das Bewusstsein eines Täters gesogen. Die Mischung aus Vergangenem und Zukunft wirkt sofort bedrückend und obwohl die Szene beinah still scheint, ist das nahende Grauen spürbar.
Der Kontrast, mit dem ich in das erste Kapitel starte, könnte da nicht größer sein. Während der Prolog noch zur Winterzeit und zur Zeit der Krähentage spielt, tauche ich nun mitten in den Hochsommer ab. Mila Weiss und Jakob Krogh, beide Leiter der Gruppe 4, einer Sondereinheit zur Aufklärung von Serienstraftaten, ist auf dem Weg zu einem Ort, der nichts Gutes erahnen lässt.
Aschesommer spielt ein halbes Jahr nach den Ereignissen von Krähentage und obwohl der Fall damals abgeschlossen wurde, findet er gelegentlich Erwähnung in Aschesommer. Dies ist wichtig, um die Weiterentwicklungen innerhalb des Teams einzufangen und verleiht dieser Geschichte damit noch mehr Authentizität.
Untergliedert ist Aschesommer in fünf große Abschnitte, die angefüllt sind mit knackigen und einprägsamen Kapiteln.
Der personale Erzähler lässt mich Teil an räumlich getrennten Erzählsträngen haben und durch die Wechsel entsteht eine besondere Dynamik. Über allen Ereignissen schwebt eine bedrohliche Atmosphäre, welche die Spannung immer wieder in die Höhe schnellen lässt.
Aschesommer lebt von seinem psychologischen Tiefgang und seinen vielschichtigen Charakteren. Besonders stechen die leitenden Ermittler Jakob und Mila hervor. Während ich Mila im ersten Band recht schroff und stellenweise unfreundlich empfand, merke ich besonders an ihr, wie der vorherige Fall sie verändert hat. Sie ist eine selbstständige und aktive Ermittlerin, doch ihre Entschlossenheit macht auch häufig Platz für ihre Verletzlichkeit. Das macht sie nahbarer.
Jakob ist mir nach wie vor sympathisch, sein offener und scharfsinniger Charakter machen es mir leicht, ihn zu mögen.
Aber auch die restlichen Teammitglieder der Gruppe 4 finde ich interessant und lausche gerne ihren Erkenntnissen. Jede Figur bringt seine eigenen Facetten mit und so ist auch die Charaktervielfalt ein packender Treiber in diesem Thriller.
Benjamin Cors versteht es meisterhaft mit Gegensätzen zu spielen und so eine kontrastreiche Stimmung zu erzeugen. Insbesondere beeindruckt er mich mit dem Motiv der Sonnenblumenfelder, das in diesem Thriller häufig zur Sprache kommt. Die symbolisch aufgeladene Darstellung der Natur verwandelt ein malerisches Sonnenblumenfeld in eine bedrohliche Szenerie. Und auch das sinnbildliche Spiel mit dem Leben und dem Tod sorgt für reichlich Gänsehautfeeling. Unterstützt wird das Ganze durch eine atmosphärische dichte Bildsprache, auf den Punkt gebrachte Dialoge und schnelle Spannungsmomente. Die Plot Twists wechseln sich mit einer detaillierten Ansicht der Morde ab. Das Grauen greift dabei immer wieder nach mir, während die Hitze des literarischen Hochsommers versucht, mich zu wärmen.
Fasziniert bin ich, wie spielerisch Benjamin Cors das perfide und offen angelegte Mordmuster darlegt und damit viele Fragen bei mir erzeugt, mich jedoch nur langsam an die Antworten heranführt. „Das Sterben hat begonnen“ ist dabei ein zentrales Element und bildet mich sogar auf paläontologische Weise weiter.
Die Jagd nach der Lösung, nach dem Wunsch, das Sterben aufzuhalten, ist fesselnd. Fasziniert beobachte ich das Katz- und Mausspiel zwischen dem sehr intelligenten Täter und dem hoch motivierten Ermittlerteam.
Aschesommer ist wie ein gigantisches Puzzle und nur langsam formt sich für mich ein Bild. Bis zum finalen Entscheidungskampf lockt mich Benjamin Cors mit vielen kleinen Wettläufen gegen die Zeit und verschafft mir so einen atemlosen Thriller.
Das Ende hilft, die fallbezogenen Fragen zu klären. Ich finde Aschesommer stimmig auserzählt und gleichzeitig weckt Benjamin Cors mit neuen Elementen meine Neugierde auf den nächsten Band.

© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Was dich erwartet:
Ein psychologisch dicht erzählter Thriller mit einem packenden Spiel zwischen dem Täter und dem Ermittlerteam. Das Setting ist ein grausamer Kontrast zu den brutalen Morden, die mit viel Symbolik und eindrucksvollen Naturbildern angereichert sind.
Lesen:
Ihr liebt rasante und psychologisch ausgeklügelte Thriller? Dann ist Aschesommer genau das Buch, zudem ihr greifen solltet.
Weglegen:
Dieser Thriller geht unter die Haut. Wenn ihr mit expliziter Darstellung vom Sterben nicht umgehen könnt, solltet ihr euch einem anderen Buch zuwenden.
Mal ehrlich:
Bereits der Prolog ist stark und gibt mir die Gelegenheit, einen Mann kennenzulernen, der in seiner Tat zwei junge Menschen erschlagen hat, jedoch keine Schuld, sondern eine befriedigende Stille darin findet. Obwohl dieser Einstieg so leise ist, so beunruhigt mich das Ganze sehr und lässt eine Ahnung in mir aufsteigen, dass es ein nervenaufreibender Thriller werden könnte.
Benjamin Cors erschafft in Aschesommer eine sofort packende Geschichte, die gezielt mit Gegensätzen und alltäglichen Elementen, wie zum Beispiel einem Sonnenblumenfeld, spielt. Das Motiv des Sterbens zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch.
Die Szenen zeichnen sich durch eine leichte sowie präzise Sprache aus, welche die Dramatik auf den Punkt bringt und ohne Effekthascherei auskommt. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen ist die Atmosphäre unheimlich bedrückend und durchdringt mich regelmäßig mit einem eisigen Grauen.
Der Handlungsaufbau ist komplex und das Figurenensemble vielfältig. Die Charaktere sind klar konstruiert und besonders mag ich, wie sich die Mitglieder der Gruppe 4 weiterentwickelt haben. Der Fall aus Krähentage hat jeden einzelnen von ihnen nachhaltig verändert.
Der Wechsel zwischen Täter- und Ermittlerperspektive schafft einen straffen Spannungsbogen mit vielen perfekt gesetzten Plot Twists.
Die Dialoge haben Tiefe und die düsteren psychologischen Abgründe bei der Inszenierung der Morde sind sowohl verstörend, als auch faszinierend..
Aschesommer besteht aus vielen kleinen Spannungsinseln, welche der Geschichte ein rasantes Tempo verleihen und mich konsequent auf den Showdown zutreiben.
Das Ende überrascht und begeistert mich, gleichzeitig schürt es die Neugierde und die Hoffnung auf einen nächsten Band.
Fazit:
Aschesommer ist ein beeindruckender Thriller, der durch eine dichte Atmosphäre, komplexe Charakterentwicklung und geschickt gesetzte Spannungsbögen besticht. Mir hat dieser Band noch besser gefallen als der erste Teil.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Möchtet ihr die Gruppe 4 von Beginn an kennenlernen?
Dann empfehle ich euch:
Krähentage von Benjamin Cors
Das klingt wirklich mega spannend, dass Buch schaue ich mir gern mal genauer an. LG Romy
Liebe Romy,
das freut mich.
Liebe Grüße
Mo