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Mich hatte im März Überraschungspost vom Äquatorkind Verlag erreicht. Neben dem optisch schönen gebundenen Buch „Die indische Kugel“ von Matthias Hübener lag dem Päckchen ein total lieber Brief, eine Leseprobe zum Buch und eine Ausgabe vom Buchjournal 5/22 dabei. Trotzdem war ich ein bisschen skeptisch, ob die Geschichte was für mich ist und deshalb ganz froh, dass sich mir die Möglichkeit bot, „Die indische Kugel“ in einem Buddy-Read zu lesen.

In meiner Rezension „Die indische Kugel“ von Matthias Hübener wird es gleich eine Überraschung geben.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar vom Äquatorkind Verlag erhalten
❧ Vielen Dank für das Überraschungspaket
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

 

Die indische Kugel von Matthias Hübener
© Umschlaggestaltung: Mandala designed by visnezh / Freepik

Infos zum Buch
erschienen bei Äquatorkind Verlag
Veröffentlicht 15. September 2022
ca. 472 Seiten
erhältlich als gebundenes Buch und eBook
 

Klappentext

Das Böse ist nur ein Gedanke. Eine funkelnde Kugel rollt durch die Welt und schlägt die Menschen auf unerklärliche Weise in ihren Bann. Ihr Radius ist weit gespannt und reicht in die verschiedensten Ecken der Welt und der Zeit. Die Kugel verführt ihre Besitzer, entfacht Böses. Und sie rollt in jeden Winkel. Für die meisten ist sie unwiderstehlich, magisch und oft tödlich. Nur wenige erkennen ihre Gefahr und die Notwendigkeit, die Menschen vor ihr zu schützen. Zu ihnen gehört Graham Yeomans, ein ebenso begnadeter Schachspieler wie großer Indienreisender – und außerdem heimlicher Hüter der Kugel und liebevoller Beschützer von Paul und Lynn, den Kindern seiner verstorbenen Schwester. Bis zum Tag seines Unfalls.

© Klappentext: Äquatorkind Verlag

„Die indische Kugel“ beginnt rasant. Der Schreibstil gefällt mir total. Er ist kurz, präzise und hält sich nicht mit allzu vielen Details auf. Die Sprache ist einprägsam und flüssig lesbar. Trotz einer großen Vielfalt an Personen komme ich gut klar und kann den Geschehnissen problemlos folgen. Die Ereignisse rund um die Figuren sind dank des Vorkommens der kleinen blaufunkelnden Kugel schnell erzählt. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt, was mich sehr fasziniert.
Gut angelegt ist auch der Erzählkreis, dessen beginnender Faden sich wieder schließt, bevor ein neuer Abschnitt eröffnet wird.

Bis hier bin ich, trotz meiner anfänglichen Skepsis positiv überrascht und freue mich trotz Zeitsprung auf das Kommende.
Der erste Zeitsprung ist verständlich und umfasst nur wenige Wochen. Er verbindet auf den ersten Blick logisch die bisherigen Ereignisse mit den Zukünftigen. Es folgt ein weiterer Zeitsprung, vermutlich in die Gegenwart dieser Geschichte. Matthias Hübener wird sehr ausschweifend und detailverliebt in seinen Beschreibungen. Die Dynamik schwindet und die Spannung baut zusehends ab.
Für mich beginnt ab hier der Punkt, wo „Die indische Kugel“ nur noch den Abhang hinab rollt. Plötzlich wandelt sich der flotte Schreibstil in etwas Zähes, Behäbiges. Die Kapitel werden lang, die Zeitebenen verschwimmen in einzelnen Kapiteln derart verstörend, dass ich der Geschichte schlecht folgen kann. Dadurch wird es langatmig und ich beginne mich durchzukämpfen.
Ich frage mich, was ist geschehen? Wie kann eine Geschichte, die so stark gestartet ist, auf einmal so schwierig werden?

Wieder setzt Matthias Hübener einen Schnitt. Jetzt bin ich wieder in einer vergangenen Erzählung und frage mich, welche Relevanz das Ganze für die Geschichte haben wird. Mir sind die Schilderungen einfach zu nichtssagend und ich bekomme absolut keinen Zugang zu Graham Yeomans, der nun im Zentrum des Geschehens steht. So reise ich mit ihm durch Indien auf der Suche nach gewaltfreiem Denken und schlafe dabei fast ein. Leider schafft es Matthias Hübener nicht mehr, mich abzuholen. Er erzählt und erzählt, aber er zeigt mir die Welt, die er erschaffen hat, einfach nicht. Ich kann mir nichts bildlich vorstellen, es fühlt sich an wie eine Aufzählung. Mir fehlen die Emotionen, das Greifbare. Stattdessen perlt alles völlig unpersönlich an mir ab.

Mitten in diesem Drama gibt es wieder einen krassen Szenenwechsel. Plötzlich bin ich wieder da, wo schon mal ein Handlungsfaden geendet hatte. Ich erfahre, wie es dort weitergeht und stelle fest, dass wir wieder in die nähere Zukunft gereist sind, aber noch weit entfernt von der Gegenwart der Geschichte sind. Was für ein Chaos.
Auf Seite 137 gebe ich auf. Die Hoffnung, dass „Die indische Kugel“ zu alter Stärke zurückkehren wird, habe ich, nachdem Lesen der einzigen kritischen Rezension aufgeben. Die Idee hinter „Die indische Kugel“ finde ich super, die Umsetzung leider gar nicht. Und damit ist „Die indische Kugel“ eins von nur drei Büchern in meiner ganzen Leselaufbahn, die ich abbreche.

Die indische Kugel von Matthias Hübener
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein Roman, der mehrere Stilelemente aus verschiedenen Genres verbinden möchte, dessen zentrales Böse eine bläulich funkelnde metallene Kugel beinhaltet. Eine komplexe Geschichte mit diversen Rückblenden, die mithilfe von Zeitsprüngen und wechselnden Perspektiven erzählt wird.

Lesen:

Da ich das Buch abgebrochen habe, verweise ich auf die Leseprobe.

Weglegen:

Meiner Meinung nach hat der Autor zu viel gewollt und zu unstrukturiert die Geschichte erzählt. Mir hat es nicht gefallen und ich kann das Buch nicht guten Gewissens empfehlen. Bildet euch bitte eure eigene Meinung, da meine logischerweise subjektiv ist.

Mal ehrlich:

Der Start in „Die indische Kugel“ ist rasant und ungewöhnlich. Ich folge dem Weg der Kugel und unterschiedlichen Menschen, die dieser mysteriösen und hübsch anzusehenden metallblauen Murmel begegnen. Dabei scheint sie das Böse in den jeweiligen Menschen zu fördern.
Die Ereignisse überschlagen sich und der Kreis der Personen schließt sich mit der Einführung der Hauptfiguren, denen ich mehrfach durch wechselnde Perspektiven folgen werde.

„Die indische Kugel“ hat einen ungewöhnlichen Handlungsaufbau. Es gibt mehrere Erzählfäden, die oftmals unterbrochen werden, um somit einen anderen Handlungsstrang Platz zu machen und zu einem späteren Zeitpunkt weitererzählt werden.
Dabei nimmt Matthias Hübener auf die zeitlich korrekte Reihenfolge keinerlei Rücksicht und springt fröhlich durch verschiedenste Vergangenheitsebenen. So sind die Figuren mal alt, dann wieder jung, dann wieder etwas älter und so weiter. Mich beginnt dieser Erzählreigen zu verwirren. Aus dem anfänglich kurz und knackigen Schreibstil wird ein ausschweifendes und behäbiges Konstrukt, welches die Spannung killt. Ein totaler Kontrast zum Anfang der Geschichte, als ich es kaum erwarten konnte weiterzulesen.
Die Nebenfiguren sind unglaublich detailliert ausgearbeitet, nehmen dabei viel zu viel Raum ein. Leider kann ich mir auch bildlich nichts vorstellen und ich beginne die „Die indische Kugel“ als ermüdend zu empfinden.
Die Idee hinter „Die indische Kugel“ finde ich top, die Umsetzung leider überhaupt nicht und so beschließe ich nach 137 Seiten, das Buch endgültig abzubrechen.

Fazit:

Eine faszinierende Idee, deren Umsetzung sich jedoch in wirren Zeitsprüngen und viel Geheimniskrämereien um die seltsame blaue Kugel verheddert.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

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