„Ein wilder Schwan“ ist ein Geschenk. Obwohl mich das Buch auf den ersten Blick nicht gleich ansprach, wollte ich es lesen. Wie sich herausstellte, bekam ebenfalls eine Freundin von mir das Buch zu Weihnachten geschenkt und so nutzten wir die Gelegenheit für ein Buddy-Read.
Da die Geschichten relativ kurz sind, gibt es von mir auch nur eine knappe Meinung.


In meiner Rezension „Ein wilder Schwan“ von Michael Cunningham enthüllt sich, ob der erste Eindruck blieb oder ich am Ende völlig angetan war von der Märchensammlung.

Ein wilder Schwan von Michael Cunningham
© Umschlaggestaltung: buxdesign | München

Infos zum Buch
erschienen bei Luchterhand Literaturverlag
Veröffentlicht 13. November 2017
Originaltitel A Wild Swan and Other Tales
Übersetzt von Eva Bonné
ca. 160 Seiten
erhältlich als gebundenes Buch, Taschenbuch und eBook
 

Klappentext

Michael Cunningham erzählt die alten Märchen neu – er betrachtet sie aus einem anderen Blickwinkel, hinterfragt sie mit Witz und Verve und zeigt dabei, wie zeitlos sie sind. Noch nie waren Märchen so lustig und raffiniert, so düster und sexy – und so wahr. Rumpelstilzchen, Hänsel und Gretel, Schneewittchen und Rapunzel – wer erinnert sich nicht an die Gutenachtgeschichten aus der Kindheit, an Märchen, die uns verzauberten und schaudern machten. Einer der begnadetsten amerikanischen Schriftsteller holt nun diese und andere Märchen in unsere Gegenwart und erzählt, was sie verschwiegen oder vergessen haben oder wie es nach dem angeblichen Ende »wirklich« weitergeht. Und welch tiefe Abgründe sich an jeder Ecke auftun können. Die altüberlieferten Mythen über Könige und Prinzessinnen, Flüche, Zauber, Habgier und Verlangen erweisen sich in Michael Cunninghams spielerischen, so ironischen wie klugen Erzählungen als verblüffend modern und menschlich.

© Klappentext: Luchterhand Literaturverlag

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Zehn Märchen, die wir alle irgendwie kennen, werden von Michael Cunningham mit seinen eigenen Ideen vermengt und heraus kommt eine Sammlung, die mehr verspricht, als sie halten kann.

Lesen:

Kann ich überhaupt nicht empfehlen. Wer dennoch neugierig ist, sollte sich vorher lieber die Leseprobe gönnen.

Weglegen:

Unbedingt. Mein persönlicher Flop 2023 und das Jahr hat gerade mal begonnen. Keine Leseempfehlung von mir.

Ein wilder Schwan von Michael Cunningham
© Foto: Monique Meier

Mal ehrlich:

Es war einmal ein Mann, der hieß Michael Cunningham. Der dachte so bei sich, die ollen Märchen erzählen gar nicht alles und fand, es sei an der Zeit, selbst Hand an die alten Geschichten zu legen, um aus ihnen Märchen für Erwachsene zu zaubern, die laut seiner Marketingexperten böse und hintersinnig sein sollten, abgerundet mit düsterer Raffinesse, Lustigkeit und einem Touch Sexyness. Es fand sich sogar eine japanische Künstlerin, die zu jedem dieser zehn aufgepimpten Geschichten eine handwerklich ziemlich schaurig schöne Illustration erschuf.
Vermutlich wurde das Werk des Michael Cunningham unterwegs von einer bösen Hexe verflucht, denn als ich es zur Hand nahm und las, da suchte ich verzweifelt die amüsante, schwarzhumorige Neuinterpretation der wahren Ereignisse hinter den bekannten Märchen.
Stattdessen purzelten mir Sätze entgegen, die stumpf waren und nur so von Frauenfeindlichkeit und ausgelebter Klischees trieften.
Bis auf eine Geschichte waren alle Nach- und Weitererzählungen negativ behaftet, teilweise sehr vulgär geschrieben und bediente Erotikfantasien aus Urzeiten. Die Charaktere hatten fast ausnahmslos schlechte Charaktereigenschaften, waren eifersüchtig, egozentrisch, geldgierig, selbstsüchtig und einfach nur abstoßend. Gesellschaftskritik? Wohl kaum. Die Geschichten hatten null Mehrwert, es gab kaum Entwicklung und der Sinn blieb mir schlicht verborgen. Nicht mal mit einem guten Gin-Tonic wollte sich mir das Buch offenbaren, es muss am Fluch der Hexe gelegen haben.
Das Einzige, was ich positiv fand, waren die Illustrationen von Yuko Shimizu. Sie waren kräftig gezeichnet und trotz verstörender Details gruselig-faszinierend. Die Detailverliebtheit stand in totalem Kontrast zum nichtssagenden Inhalt dieser zusammengeflickten Interpretationen.

Fazit:

Und wenn ich kein Buddy-Read gehabt hätte, dann würde das Buch in der Ecke verstauben, weil ich keine Lust mehr gehabt hätte, es weiterzulesen.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Wer wirklich tolle Märchen lesen will und zwar die Originalen,
dem empfehle:

Die schönsten Märchen von Charles Perrault