Ich liebe die Kriminalromane von Edgar Wallace. Alles begann, als ich zufällig im Buchregal meines Onkels die roten Krimibücher entdeckte. Ich fand es immer schrecklich langweilig, wenn meine Eltern und mein Onkel stundenlang gequatscht haben. Also was gibt es da Besseres als Bücher zu lesen?
Eben, nichts.
Also habe ich mich quer durch etliche Kriminalromane von Edgar Wallace gelesen. Seitdem liebe ich Krimis.
Zumindest dem Namen nach dürften viele von euch „Der Frosch mit der Maske“ kennen. Wenn nicht als Buch, dann vielleicht den Film von 1959 mit u. a. Joachim Fuchsberger. Ich kenne tatsächlich gar keins von beidem richtig, lustig, oder?
In meiner Rezension „Der Frosch mit der Maske“ erzähle ich euch, ob mich der Kriminalroman von Edgar Wallace genauso begeistern konnte wie die anderen Bücher, die ich von ihm gelesen habe.
Leseexemplar
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❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst
© Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München
erschienen beim Goldmann Verlag
Veröffentlicht 16. Mai 2022 (Neuausgabe Edition)
Originaltitel The Fellowship of the Frog
Übersetzt von Alma Johanna Koenig
ca. 400 Seiten
erhältlich als gebundenes Buch, Taschenbuch, Hörbuch und eBook
Klappentext
© Klappentext: Goldmann Verlag
Anfänglich brauche ich einen Moment, bis ich mich an den Schreibstil von Edgar Wallace gewöhnt habe. Es ist spürbar, dass das Buch vor rund 100 Jahren geschrieben wurde, was in den sprachlichen Formulierungen spürbar wird. Aber ich mag so was gern und relativ schnell gelingt es mir, mich in diesen Kriminalroman fallen zu lassen.
Dabei finde ich es erfrischend, von anderen Tötungsarten zu lesen, als es die heutigen Kriminalschreibenden verwenden.
Edgar Wallace umreißt die Verbrechen lediglich, sodass auch ängstliche und zartbesaitete Lesende gut damit zurechtkommen dürften.
Besonders weiß ich an den Geschichten von Edgar Wallace zu schätzen, dass es immer einen ganz hauchzarten romantischen Handlungsstrang gibt. So auch hier und ich finde ihn superniedlich.
Der Kriminalroman „Der Frosch mit der Maske“ benötigt ein wenig Zeit, bis das Handlungsgeflecht packend wird. Ich mag das, da ich so Zeit habe, die Charaktere intensiver kennenzulernen, aber auch um mir selbst Gedanken machen zu können. Wer ist der Kopf dieser Froschbande und warum stehen bestimmte Menschen in seinem Fokus?
Der englische Lokalkolorit zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist toll eingefangen und die tiefschichtige Ausarbeitung der Charaktere macht sie lebendig. Manchmal versteckt sich auch ein bisschen Gesellschaftskritik in den Zeilen, was zu einer authentischen Atmosphäre beiträgt.
Anfänglich war die Einführung der Figuren zackig und reichlich. Stück für Stück aber spielt sich alles ein, sodass ich dem Geschehen zielsicher folgen und auch die verschiedenen Personen entsprechend zuordnen kann.
Ganz fasziniert bin ich davon, dass ein paar Charaktere spannende Entwicklungen durchmachen. Das passt gut zum Kontext und beleuchtet bestimmte Zusammenhänge auch aus der psychologischen Perspektive. Das verleiht diesem Kriminalroman überraschend Tiefe.
Inspector Elk habe ich ins Herz geschlossen, auch wenn er teilweise ziemlich geheimnisvoll auf mich wirkt. Aber Elk bringt mich öfters zum Schmunzeln, so manche Wortspielerei ist wirklich humorvoll und amüsant. So stiehlt er auch ein bisschen dem Hauptmann Dick Gordon die Show, sodass Elk zu meinem Liebling avanciert. Was schon ein wenig lustig ist, denn im Film wäre es wohl Dick Gordon gewesen, der von Joachim Fuchsberger dargestellt wurde.
Übrigens unterscheidet sich der Kriminalroman von der Verfilmung, was kaum verwunderlich ist, da dies häufig bei Verfilmungen der Fall ist. Ich habe nur mal in den Beginn des Filmes reingeschnuppert, aus Neugier und schon hier weicht einiges vom Buch ab. Wer also beides erleben möchte, der sollte erst zum Buch greifen.
Der personale Erzähler wechselt innerhalb der betitelten Kapitel munter die Perspektiven, sodass ich gelegentlich ziemlich aufpassen muss, um die Änderung der Sicht nicht zu verpassen.
Ebenso gibt es manchmal ein paar kleine Sprünge im zeitlichen Ablauf, was sich dann etwas sperrig lesen lässt. Hier fehlt mir eine klare Trennung durch einen Absatz oder gar ein neues Kapitel. Aber insgesamt hält es sich in Grenzen, sodass ich nicht wesentlich in meinem Lesefluss gestört werde.
Die Spannung steigt sukzessive an und ich komme erst auf den wahren Kopf der Bande, als Edgar Wallace mir etwas kryptisch den entsprechenden Hinweis dalässt.
Generell ist „Der Frosch mit der Maske“ ein ruhiger, teilweise schon gemütlicher Kriminalroman, der besonders von seiner sehr feinen Erzählart lebt. Das Handlungsgeflecht ist geschickt aufgebaut, manche Ereignisse sind vorhersehbar, was aber dem Lesespaß nicht schadet. Dafür gibt es auch oft überraschende Wendungen.
Das Finale ist spannend aufgebaut und ich war gerne dabei. Die Auflösung zum Schluss rundet das Leseerlebnis gelungen ab. „Der Frosch mit der Maske“ ist nicht nur optisch in der Jubiläumsausgabe mit seinem tollen Cover ein Hingucker, sondern er lohnt sich definitiv auch zu lesen.
© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Was dich erwartet:
Einen klassischen Krimi, der 1925 erstveröffentlicht wurde und somit authentisch in jene Zeit zurückführt, in denen die Handlungen sich ereignen.
Lesen:
Für Fans von klassischen Krimis, die nicht nur die Nostalgie wiedererwecken, sondern auch zu unterhalten wissen.
Weglegen:
Dem Lesenden muss bewusst sein, dass der Sprachgebrauch dem des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts entspringt, sodass der Schreibstil antiquiert erscheinen mag. Wer das nicht mag, sollte vorher zur Leseprobe greifen und dann entscheiden, ob sich das Weglegen lohnt.
Mal ehrlich:
Als ich das Buch im Buchladen erspäht hatte, war ich sofort Feuer und Flamme. Die Krimis von Edgar Wallace mag ich gern und den Frosch mit der Maske kannte ich noch nicht. Dementsprechend hoch waren auch meine Vorfreude und Erwartung.
Der Einstieg war etwas ruckelig, was zum einen am Schreibstil lag, der an sich sehr flüssig und einfach ist, aber eben doch Elemente aus dem Sprachgebrauch Anfang des letzten Jahrhunderts beinhaltete. Zum anderen lag es aber auch an dem etwas verwirrenden Einstieg. Es passierte am Anfang recht viel an unterschiedlichen Orten, dazu wurden mehrere Charaktere eingeführt, die ich für mich erst einmal zuordnen musste.
Aber ich kam recht schnell rein und fand es superangenehm mal einem anderen Handlungsaufbau und vor allem mal anderen Verbrechen folgen zu können. Hier wird eben noch auf die alte Art gemordet.
Obwohl der personale Erzähler gern fröhlich innerhalb der Kapitel Perspektivwechsel vollzog, konnte ich den meisten gut folgen. Manchmal verwirrten mich die Zeitsprünge, weil sie nicht klar im Textfluss kenntlich waren.
Insgesamt mochte ich die Entwicklung der Story, die größtenteils entspannt und gemütlich wirkte. Aber Edgar Wallace verstand es durchaus spannungsvolle Momente zu erzeugen und überraschende Wendungen einzuflechten.
Einige Handlungsentwicklungen waren vorhersehbar, was mir aber nicht die Lesefreude trübte. Im Gegenteil, ich fand es amüsant, richtig zu liegen. Wer der Chef der Gemeinschaft des Frosches war, wurde mir spätestens dann klar, als Edgar Wallace einen sehr offensichtlichen Hinweis platziert hatte. Die Aufklärung am Ende des Krimis rundete alles gelungen ab.
Fazit:
„Der Frosch mit der Maske“ ist ein klassischer Krimi, der zwar schaurige Verbrechen beschreibt, aber nicht aktiv ins Detail geht und der Fantasie des Lesenden Raum gibt. Mir gefallen am besten die fein gesponnen Handlungsstränge und der ganz hauchfeine Romantik-Touch.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Lust auf einen Krimi, welcher eine tolle Mischung aus Spannung, Freundschaft und Liebe hat?
Dann empfehle ich euch:
Jagdsaison in Brodersby: Ein Landarzt-Krimi von Stefanie Ross
Ich muss gestehen, dass ich noch nicht viele Klassiker wie diesen hier gelesen habe! Am Schreibstil liegt es jedenfalls nicht, ich liebe historisch angehauchte Sprache! Die kann so erquickend sein! Aber ich komme einfach viel zu selten dazu, mal ein Buch in die Hand zu nehmen, was ich selbst total traurig finde! Zum Glück bekomme ich zu Weihnachten mindestens zwei neue Bücher geschenkt! Anreiz kann ich nämlich immer gebrauchen!
Liebe Grüße
Jana
Liebe Jana,
ich hoffe, dass du deine ersehnten Bücher geschenkt bekommen hast. Vielleicht hält 2023 ja mehr Lesezeit für dich bereit.
Edgar Wallace lässt sich jedenfalls super nebenher lesen.
Liebe Grüße
Mo
Wow! Ich habe zwar schon Klassiker im Bücherregal, aber noch keinen davon gelesen. Von Edgar Wallace aber habe ich keinen, dabei klingt das, was du geschrieben hast, total interessant. Das mit dem Sprachgebrauch kann ich gut nachvollziehen und denke, dass der Anfang bei mir ebenfalls holprig gewesen wäre. Aber wenn man erst einmal hineinfindet.
Danke jedenfalls für deine ausführliche Rezension. Wer weiß, vielleicht lass ich mir das Buch auch mal gefallen.
Viele liebe Grüße,
Sandra Joana
Liebe Sandra Joana,
das mit den Klassikern kenne ich. Daher habe ich mir dieses Jahr mal ein Buch gegönnt, dass ausgewählte Klassiker kurz porträtiert und ich so einschätzen kann, ob sie etwas für mich wären. Bei Edgar Wallace brauche ich das aber nicht. Ich lese gern zwischendurch seine Werke. Vielleicht entdeckst du auch mal eins seiner Schätze.
Liebe Grüße
Mo
Deine Rezension klingt recht interessant, auch wenn mich die manchmal eingestreuten Wörter etwas abschrecken… bin einfach ein riesiger Fan von flüssigem Lesen. ^^ Aber wer weiß, vielleicht habe ich eines Tages ja doch Lust auf einen etwas älteren Krimi… dann habe ich jedenfalls schon eine Idee, was ich lesen könnte.
Vielen Dank dafür! 🙂
LG,
Vici
Liebe Vici,
ach, das Buch lässt sich durchaus flüssig lesen. Es dauert nur etwas, bis der damalige Sprachgebrauch leichter von der Hand geht. Aber genau das macht den Reiz für mich aus. Das macht die Geschichte viel authentischer, weil sie eben aus jener Zeit stammt.
Liebe Grüße
Mo
Schönen guten Morgen!
Ich hab früher die Krimis von Edgar Wallace öfter im Fernsehen gesehen, aber das ist schon so lange her, das ich mich kaum noch daran erinnere.
Die Bücher, ja, die hab ich immer wieder mal gesehen, aber ich war mir nicht sicher, ob ich sie mögen würde. Den alten Stil an sich mag ich schon, ich kenne aus der Zeit aber noch nicht so viel, nur vor allem die Agatha Christie Krimis und die finde ich super!
Wenn ich damit durch bin, könnte ich durchaus mal zu Edgar Wallace greifen und ausprobieren 🙂
Danke für die Vorstellung!
Liebste Grüße und noch einen schönen Feiertag!
Aleshanee
Liebe Aleshanee,
spannend, ich habe zum Beispiel noch nie etwas von Agathe Christie gelesen. Daher kann ich die beiden Autoren nicht miteinander vergleichen und leider keinen Tipp abgeben, ob Edgar Wallace dich auch begeistern könnte. Vielleicht wäre eine Leseprobe die Lösung für uns beide?
Jedenfalls möchte ich gern mal einen Krimi von Frau Christie lesen, also wenn du einen Lieblingskrimi von ihr hast, immer gern her mit dem Tipp.
Liebe Grüße und rutsch gut ins neue Jahr,
Mo
Hm, also so einen richtigen „Lieblingsband“ hab ich jetzt nicht – aber mir gefallen bisher definitiv die Poirot Bücher besser als die mit Miss Marple…
Ich hab hier meine Rezension zum ersten Band der Reihe
https://blog4aleshanee.blogspot.com/2019/10/hercule-poirot-1.html
Da siehst du unten alle Poirot Bücher – entweder mit meinen REzensionen verlinkt oder direkt mit meiner Sterne Bewertung, wo ich keine Rezension geschrieben habe. Vielleicht springt dich davon ja direkt eins an 🙂
Ich bin ja sonst sehr vehement was die Reihenfolge angeht, aber hier muss man wirklich nicht darauf achten. Da gibt es an sich keine Zusammenhänge. Nur den letzten Band sollte man sich bis zum Schluss aufheben 😉
Ich wünsch dir einen guten Rutsch und alles Gute fürs Neue Jahr!
Happy New Year!
Liebe Aleshanee,
herzlichen Dank. Da schaue ich doch gleichmal vorbei. Ich bin ja immer für Empfehlungen zu haben. Und ich mag es ja, wenn Reihen sich tatsächlich auch ohne strikte Reihenfolge lesen lassen.
Liebe Grüße
Mo