Normalerweise habe ich mit Hörbüchern so meine Probleme. Allerdings fahre ich vermehrt mit dem Fahrrad und ich wollte eine Alternative zur Musik als Begleitung ausprobieren. So viel meine Wahl auf dieses Buch.

In meiner Rezension zu “Nesthäkchens Schrei” von Marcus Hünnebeck verrate ich euch, ob dieser Thriller mich für sich einnehmen konnte.


 

Nesthäkchens Schrei von Marcus Hünnebeck
© Cover: Artwize

Infos zum Hörbuch
erschienen bei Lübbe Audio
Veröffentlicht 24 April 2020
Autor Marcus Hünnebeck
Sprecher Florens Schmidt
Spieldauer 6 Stunden und 14 Minuten
Band 11 der Reihe:
Robert Drosten & Lukas Sommer
erhältlich als Taschenbuch, Hörbuch und eBook

Klappentext

Ein unerwarteter Besuch vor Lukas Sommers Haustür wühlt den Hauptkommissar und seine Familie auf. Carla Holtzmann, die ihn vor einigen Jahren beinahe getötet hat, steht vor ihm und hegt einen schrecklichen Verdacht: Ein skrupelloser Täter verschleppt alleinerziehende Mütter und deren kleine Kinder, um die Frauen zu versklaven. Die Unversehrtheit der Kinder dient ihm dabei als Druckmittel.

Obwohl die Vermisstenfälle bislang wegen mangelnder Beweise für ein Verbrechen ohne Priorität behandelt werden, vertraut Sommer dem Instinkt der jungen Frau, die als Teenager ein ähnliches Schicksal erlitten hat. Sommer und seine Kollegen nehmen die Fährte des Entführers auf. Als der Täter in den Fokus der Fahndung gerät, werden die in seiner Gewalt befindlichen Opfer zum Ballast. Die Zeit arbeitet erbarmungslos gegen die Polizisten. Gelingt es ihnen, das Schlimmste zu verhindern, oder müssen die Entführten sterben?

© Klappentext: Marcus Hünnebeck

Anfänglich hatte ich ein paar Probleme beim Einstieg in diese Geschichte. Da ich das Buch nur gehört hatte, fehlten mir die visuellen Reize und ich bekam nicht immer gleich mit, wenn der Fokus sich auf eine andere Person änderte. Manchmal hatte ich auch den Eindruck, dass mir etwas fehlte. Es dauerte ein bisschen, bis ich mich daran gewöhnt hatte, dass Markus Hünnebeck kleine Cliffhanger eingebaut hatte. In der gedruckten Form hätte ich vermutlich aber keinerlei Probleme gehabt.

Schon zu Beginn war es sehr spannend und ich mochte den Aufbau der Rahmenhandlungen sehr. Auch wenn recht viele Personen begleitet wurden, bleib es doch übersichtlich und gut verständlich. Dafür sorgte der personale Erzähler, der mir detailliert die Begebenheiten beschrieb.

Sehr gut gefiel mir, wie Markus Hünnebeck mit der Atmosphäre innerhalb der Geschichte spielte. Mal war es bewegend, dann wieder sachlicher, um kurz darauf emotionaler zu werden. Dies verlieh der Geschichte eine packende Dynamik und ich wollte gar nicht mehr aufhören den Handlungen zu lauschen.

Ein ganz großes Lob möchte ich hier auch dem Hörbuchsprecher Florens Schmidt aussprechen. Seine angenehme Stimme sorgte dafür, dass ich konzentriert bei der Geschichte blieb, und er schaffte es, durch minimale Veränderungen der Stimmlage, mir zum Hörgenuss auch noch ein lebendiges Kopfkino zu verschaffen. Vor allem die Szenen zwischen dem Opfer und dem Täter hatte Florens Schmidt so klasse transportiert, dass es mich wirklich emotional fesselte und mich zum Schaudern brachte. Ob mich das in geschriebener Form so berührt hätte, vermag ich dabei nicht zu beurteilen.

Auch wenn das Buch zu einer Reihe gehörte, die ich nicht kenne, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass mir etwas an Wissen fehlen würde. Vermutlich wurde ein vergangener Fall hier thematisiert und ich hätte mich mit diesem Buch selbst gespoilert. Jedoch fand ich es nicht so schlimm, dass ich die andere Geschichte nicht würde lesen wollen. Ich kam prima damit zurecht und mochte es, dass dieser Fall ansonsten autark zum Hören gewesen ist.

Die Wendungen waren richtig gut und packend umgesetzt, das meiste habe ich nicht kommen sehen. Auch die Vielzahl der Fallstricke waren geschickt ausgelegt, sodass ich mich in einigen von ihnen verhedderte. Ein paar meiner Vermutungen bestätigten sich, aber das erhöhte für mich nur den Reiz weiterhören zu wollen.
Manche der geschilderten Szenen waren recht brutal, das forderte schon einen robusten Magen. Vor allem die teilweise detailliert beschriebenen Vergewaltigungen waren wirklich nicht ohne.

Die Charaktere waren insgesamt vielschichtig und auch sehr unterschiedlich. Ihre Eigenheiten sorgten dafür, dass ich sie relativ gut auseinanderhalten konnte.
Ein bisschen gereizt hatte mich die Naivität des einen Zeugen. Ihn hätte ich gerne mal kräftig schütteln wollen, für sein dummes Verhalten. Gut, er war da recht unbedarft, aber ein bisschen unlogisch fand ich seine Handlungen schon.
Und auch bei der entführten Mutter hätte ich manches Mal die Gute vor Frust anschreien mögen. Warum sie derart kopflos in der einen Szene reagiert hatte, obwohl sie ihre vorherige Handlung so gut durchdacht hatte, erschloss sich mir nicht ganz. Aber vermutlich wäre dann die Geschichte auch zu schnell fertig erzählt gewesen und der Spannungsbogen in sich zusammengebrochen.

Nesthäkchens Schrei von Marcus Hünnebeck
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Einen perfiden Täter, der mit dem Wohl der Kinder droht, um die Mütter gefügig zu machen. Und ein kompetentes so wie sympathisches Ermittlerteam, welches das seltsame Verschwinden alleinerziehender Mütter akribisch versucht aufzuklären.

Lesen:

Wenn ihr packende und wendungsreiche Thriller mögt, wird euch dieses Buch begeistern.

Weglegen:

Detaillierte Szenen, die von Brutalität gekennzeichnet sind, schrecken euch ab? Dann solltet ihr auf dieses Buch lieber verzichten.

Mal ehrlich:

Bücher mit ausgeklügelten Spannungsbögen mag ich wirklich gern. Die Geschichte war aufregend erzählt worden und hielt einige überraschende Wendungen parat. Manche Handlungsstränge waren vorhersehbar in ihrer Auflösung, aber das spornte mich noch mehr zum weiteren Lesen an.
Die meisten Wendungen kamen überraschend und es gab reichlich Spannungskurven, die meine Neugierde auf die kommenden Handlungen nur noch mehr steigerte.
„Nesthäkchens Schrei“ habe ich als Hörbuch gehört und muss sagen, dass ich sehr von Florens Schmidts Erzählstimme angetan war. Er hatte die feinen Nuancen der Geschichte perfekt transportiert und mehr als einmal lief mir ein Schauer über den Rücken. Dabei drückte Florens Schmidt der Story aber nie seinen eigenen Stempel auf, was mir extrem gut gefallen hatte.
Obwohl das Buch zu einer Reihe gehört, die ich nicht kenne, kam ich wunderbar mit der Geschichte klar. Zwar lag die Vermutung nahe, dass hier ein vorheriger Fall mit thematisiert wurde, aber die Details dazu waren auf das Nötigste begrenzt worden.
Die Figuren waren vielschichtig und unterschieden sich deutlich in der Charakterisierung. So wurde mir ermöglicht, trotz reichlich vorkommender Personen den Überblick zu behalten.
Insgesamt mochte ich den Thriller sehr, auch die mitunter sehr brutalen, bis ins kleinste Detail geschilderten Szenen, vermochten mich nicht abzuschrecken. Im Gegenteil, sie ließen die Spannung sprunghaft ansteigen und sorgten so für noch packende Momente.

Fazit:

Ein solider und spannender Thriller, der den Wunsch in mir weckte, an einem Tag die Lösungen des Falles erfahren zu wollen.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust auf Kurzgeschichten mit Thriller-Elementen? Dann empfehle ich euch:
In jedem Fall Moll von Marcus Hünnebeck