Nachdem mich Lights Out mit seiner Mischung aus Humor, Spannung und intensiven Momenten völlig abgeholt hat, wollte ich auch Juniors Geschichte lesen. Als Nebenfigur fand ich ihn schon interessant. So war klar, dass ich auch zu Rush In greifen werde.

In meiner Rezension „Rush In“ von Navessa Allen teile ich meine ehrlichen Gedanken zu dieser Dark RomCom und verrate euch, ob sich das Weiterlesen der Reihe lohnt.


Rush In von Navessa Allen
© Umschlaggestaltung: zero-media.net, München

Infos zum Buch
erschienen bei everlove
Veröffentlicht 2. Januar 2026
Originaltitel Caught Up
Übersetzt von Vanessa Lamatsch
Empfohlenes Lesealter ab 18 Jahren
ca. 448 Seiten
Band 2 der Reihe Lights Out
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
 

Klappentext

Get on your knees and prey

Lauren Marchetti war für Junior Trocci schon immer off limits – seit der Highschool! Denn während sie stets süße Unschuld verkörperte, lebte Junior in einer Welt voller Gewalt, und er ließ Lauren ständig abblitzen, nur um sie zu schützen. Dennoch konnte er sie nie vergessen und beobachtete jahrelang jeden ihrer Schritte. Inzwischen hat sich Lauren zu einer verführerischen, toughen Frau gewandelt, die online heiße Fotos von sich postet. Zunächst schaut Junior Lauren nur aus der Ferne zu, doch schon bald reicht ihm das nicht mehr …

© Klappentext: everlove

Rush In von Navessa Allen überrascht mich durch einen harten, kompromisslosen Einstieg, der mich ohne Umschweife direkt in die düstere, bedrückende Mafia-Welt von Nico „Junior“ Trocci zieht. Die Spannung greift sofort und die finstere Atmosphäre fesselt meine Aufmerksamkeit ab der ersten Seite. Da ich Junior bereits als Nebenfigur aus dem Vorgängerband Lights Out kenne, herrscht bei mir direkt Klarheit über das kriminelle Milieu, in dem er agiert. Im Vergleich zum genialen ersten Teil vermisse ich hier allerdings den lockeren Humor und die hitzigen Wortgefechte über weite Strecken schmerzlich. Rush In schlägt einen deutlich ruhigeren, ernsteren Ton an. Dennoch punktet die Geschichte damit, dass sie völlig eigenständig und autark zum ersten Band funktioniert.

Es erstaunt mich, wie menschlich und innerlich müde Junior trotz seiner grausamen Tätigkeit wirkt, denn die schwere Last seines Jobs ist für mich deutlich spürbar. Seine Gedanken kreisen intensiv um Schuld, Loyalität, Gewalt und den sehnlichen Wunsch nach einer gemeinsamen Zukunft mit Lauren. Das verleiht seiner Figur eine beachtliche Tiefe und weckt in mir den Impuls, ihn einfach nur tröstend in den Arm zu nehmen. Umso interessanter gestaltet sich der Perspektivenwechsel in Laurens Welt, die im krassen Gegensatz dazu hell, warm und ein bisschen chaotisch erscheint. Das Kennenlernen von Lauren und ihren Mitbewohnerinnen gewährt mir einen faszinierenden Blick auf zwei völlig unterschiedliche Lebensentwürfe. Durch die gewählte Ich-Perspektive treten die charakterlichen Kontraste scharf hervor. Während Junior eine gefährlich-geheimnisvolle Aura umgibt, steht Lauren mit beiden Beinen fest im Leben. Sie spricht völlig ungeniert über ihre Arbeit als Camgirl und findet in ihrem WG-Leben starken Rückhalt. Bei ihr fällt mein Einstieg jedoch etwas verhaltener aus. Obwohl sie offen, humorvoll sowie selbstbewusst ist, agiert sie in manchen Situationen für meinen Geschmack zu engstirnig. Ihr tiefer Schmerz über Juniors einstige Verletzung bleibt zwar nachvollziehbar, doch ihre Reaktionen auf seine Wiedergutmachungsversuche wirken oft extrem abweisend und überzogen. Phasenweise entsteht der Eindruck, sie wolle ihn unbedingt missverstehen, statt hinter seine Fassade zu blicken. Erst als ihr klar wird, dass Junior es ernst meint, legt sich dieses Gefühl und mir gelingt ein deutlich besserer Zugang zu ihr.

Der Aufbau von Rush In fokussiert sich stark auf das psychologische Zusammenspiel, intensive kinky-erotische Szenen und Juniors ausgeprägten Beschützerinstinkt. Das Setting im BDSM- und Play-Club überzeugt mich durch eine gelungene Ausarbeitung, und auch die ausgelebten Sessions bestechen durch einen niveauvollen, aber dennoch sehr expliziten Schreibstil. Äußerst positiv und erfrischend gestaltet sich für mich Juniors Obsession für Lauren, die ihre persönliche Entfaltung zu keinem Zeitpunkt einschränkt. Statt toxischer Unterdrückung erfährt Lauren von ihm vollkommene Unterstützung für ihre Arbeit. Junior ordnet sich ihren Wünschen bereitwillig unter und wächst an dieser Dynamik. Das offene Ausleben im geschützten Raum eines Sexclubs befremdet ihn zu Beginn zwar, doch er findet rasch Gefallen daran, öffnet sich Laurens Begierden und bringt schließlich eigene, kreative Ideen ein.

Trotz des starken Starts eiert die Geschichte für meinen Geschmack anfänglich etwas herum. Navessa Allen nutzt die gemeinsame Vergangenheit der beiden zwar als Spannungstreiber, doch das fortwährende Andeuten des unausgesprochenen Zwists ohne konkrete Auflösung strapaziert meine Geduld, weil erst viel später klar wird, was damals wirklich passiert ist. Auch das eigentliche Mafia-Umfeld rutscht immer wieder in den Hintergrund, sodass die düstere Ebene der Geschichte für meinen Geschmack zu wenig Gewicht bekommt. Als das kriminelle Milieu schließlich mehr in den Fokus rückt, enttäuscht mich die Auflösung des familiären Machtkonflikts. Juniors Bestreben wird überraschend naiv abgehandelt und verliert dadurch an Glaubwürdigkeit. Neben der Storyline stört mich zudem ein handwerkliches Detail im Lesefluss. Die Begleitung des nicht-binären Charakters Ryan mit den Pronomen „xier“ und „xiem“ wirft mich immer wieder aus dem Text, da diese Begriffe in meinem Alltag keine Verwendung finden. Die stärkere Sichtbarkeit queerer Personen verdient zwar großes Lob, doch eine charmantere Umsetzung hätte dem Textfluss gutgetan und den Lesefluss weniger beeinträchtigt.
Mein größter Lichtblick im letzten Drittel des Buches ist daher das Wiedersehen mit Josh und Aly aus Band eins, was die Stimmung sofort auflockert und hebt. Insgesamt beschert mir Rush In eine gute Lesezeit, reicht jedoch nicht ganz an das geniale Niveau des Vorgängers heran. Dennoch freue ich mich auf das Finale der Trilogie, für das Stella und der mir bereits bekannte Tyler hier schon vielversprechend eingeführt werden.


Rush In von Navessa Allen
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Eine düstere Mafia-Stalker-Romance mit ernster Grundstimmung, einem absolut untoxischen, unterstützenden und moralisch grau agierenden Mann sowie sehr expliziten, niveauvollen erotischen Szenen.

Lesen:

Wenn ihr Romane mögt, die Kink-Elemente respektvoll behandeln, auf psychologische Dynamik setzen und einen moralisch grauen Mann zeigen, der die Arbeit seiner Frau bedingungslos feiert, dann greift unbedingt zu.

Weglegen:

Wenn ihr lockeren RomCom-Humor, hitzigen Wortgefechte und eine rasante Mafia-Dark-Romance erwartet, dann solltet ihr euch für ein anderes Buch entscheiden.

Mal ehrlich:

Ein harter, kompromissloser Einstieg zieht mich ohne Umschweife direkt in die düstere Mafia-Welt von Nico „Junior“ Trocci. Da ich Junior bereits als Nebenfigur aus Lights Out kenne, ist mir das kriminelle Milieu vertraut, doch seine menschliche, innerlich müde Seite überrascht mich zutiefst. Im krassen Gegensatz dazu steht Laurens Welt: warm, chaotisch und selbstbewusst. Durch den Wechsel der Ich-Perspektiven treten die charakterlichen Kontraste scharf hervor. Während Junior eine gefährlich-geheimnisvolle Aura umgibt, steht Lauren als Camgirl mit beiden Beinen fest im Leben. Bei ihr brauche ich etwas länger, da sie mir anfangs durch ihre abweisende Haltung gegenüber Juniors Wiedergutmachungsversuchen zu engstirnig erscheint. Erst im Verlauf finde ich einen besseren Zugang zu ihr.
Der Fokus liegt stark auf dem psychologischen Zusammenspiel und intensiven kinky-sexy Szenen im absolut gelungen ausgearbeiteten BDSM-Club-Setting. Die erotischen Sessions sind niveauvoll, aber sehr explizit geschrieben. Besonders begeistert mich Juniors unterstützende Art: Statt toxischer Unterdrückung erfährt Lauren vollkommene Akzeptanz, während Junior bereitwillig an dieser Dynamik wächst.
Kritikpunkte gibt es dennoch: Die Geschichte eiert anfangs durch das Hinauszögern des vergangenen Konflikts etwas herum, und die spätere Auflösung des Mafia-Machtkampfs gerät für meinen Geschmack zu naiv und unglaubwürdig. Auch die Neopronomen „xier/xiem“ haben mich immer wieder aus dem Lesefluss geworfen. Zudem vermisse ich den lockeren Humor und die hitzigen Wortgefechte aus Band eins schmerzlich. Mein absoluter Lichtblick im letzten Drittel ist daher das Wiedersehen mit Josh und Aly, das die ernste Stimmung sofort auflockert. Mit Rush In habe ich eine gute Lesezeit, es begeistert mich aber nicht so sehr, wie der Vorgängerband. Dennoch bin ich auf den letzten Band der Trilogie rund um Tyler und Stella gespannt.

Fazit:

Rush In nimmt mich mit seinem ernsteren Ton und der intensiven Dynamik zwischen Junior und Lauren mit, auch wenn die Umsetzung manchmal hapert. Die Mischung aus düsterer Stimmung und sehr spicy Momenten sorgt dennoch für eine unterhaltsame Lesezeit.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust auf Josh und Aly kennenzulernen?
Dann empfehle ich euch:
Lights Out von Navessa Allen