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Letztes Jahr, fast um die gleiche Zeit, habe ich den Auftakt in diese Neapel-Krimi-Reihe gelesen. Ich fand ihn richtig super, weil mir die Mischung aus Lokalkolorit, packender Atmosphäre und dem Kriminalfall sehr gefallen hat. Nun ist der zweite Band erschienen und ich freute mich darauf, wieder an Gaetanos Seite in das neapolitanische Leben abzutauchen und ermitteln zu können.

In meiner Rezension „Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl“ von Fabio Nola könnt ihr nachlesen, ob mir dieser Kriminalfall gemundet hat.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von dtv Verlag erhalten
❧ Vielen Dank an Fabio Nola für die Vermittlung
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst


Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl von Fabio Nola
© Umschlaggestaltung: Lisa Höfner, buxdesign, München

Infos zum Buch
erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Veröffentlicht 12. März 2026
ca. 480 Seiten
Band 2 der Reihe Gaetano ermittelt
 

Klappentext

In Neapel ist nichts, wie es scheint

Neapel in der Osterwoche. Während sich unzählige Prozessionen durch jedes noch so kleine Gässchen schlängeln und die Neapolitaner sich in den Fischrestaurants um die letzte Portion Muschelsuppe streiten, verbringt Commissario Gaetano zusammen mit seinem Bruder Aniello und seiner Nichte Carla die Feiertage auf der Tenuta seines Vaters im kampanischen Hinterland – bis an Karfreitag Gaetanos neue Kollegin Beppa Bellucci anruft: Im Hafenbecken wurde ein toter Mann angeschwemmt. Notgedrungen unterbricht Gaetano seine Auszeit, um der Fischerstochter in ihrem ersten Fall beizustehen. Die Ermittlungen führen Gaetano und sein Team vom edlen Quartiere Chiaia über die pittoresken Hänge des hochpreisigen Vomero bis in den trubeligen Fischerhafen Mergellina, wo Tradition und Moderne um die Vorherrschaft kämpfen.

Lesen Sie auch die anderen Neapel-Krimis von Fabio Nola! Alle Bände der Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.

Band 1: Commissario Gaetano und der lügende Fisch

Band 2: Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl

Band 3: Commissario Gaetano und die Tränen des Vesuvs

© Klappentext: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

Es ist Osterzeit in Neapel und die wichtige Karwoche ist angebrochen. Sofort werde ich in die österliche neapolitanische Stimmung hineingezogen und die erneute Begegnung mit Commissario Gaetano ist erst einmal entspannt. Denn Gaetano hat Urlaub und den möchte er in dem Bauernhaus, das seine Eltern ihm und seinem Bruder hinterlassen haben, verbringen. Dort wohnt seine hochschwangere Nichte Carla mit ihrem Mann Michele. Zum Osterwochenende möchte sie heile Familie spielen, denn auch Gaetanos Bruder Aniello, der nach einem Unfall pflegebedürftig ist, lebt mittlerweile ebenfalls auf der Tenuta.

Alles könnte so schön sein, wenn Beppa Bellucci, Gaetanos junge Kollegin, nicht anrufen würde, um mitzuteilen, dass sie einen Toten aus dem Hafenbecken gefischt hat. Und den Fall kann und will Gaetano Beppa nicht alleine überlassen, denn die Fischerstochter ist stets überambitioniert und noch grün hinter den Ohren.

Und so werde ich in einen Kriminalfall hineingezogen, der auf den ersten Blick eindeutig wirkt. Alles passt zu einem Selbstmord. Noch ein paar Informationen sammeln, den Fall abschließen und dann endlich Ostern feiern.
Doch recht schnell wird klar, irgendwas passt nicht zusammen. Spätestens als die kleine Franca, die Tochter des Toten, aus dem Nähkästchen plaudert, keimen in Gaetano Zweifel auf. Ihre Worte deuten an, dass mehr dahintersteckt als ein Suizid, und plötzlich wirkt der Fall nicht mehr so eindeutig. Doch wie zuverlässig ist diese junge Zeugin wirklich und was hat das alles mit der Firma zu tun, in welcher der Tote gearbeitet hat und welches das führende Unternehmen beim Verkauf von ganz besonders tollen Algenprodukten ist?

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl besticht durch die besondere Mischung aus persönlicher Ermittlungsarbeit und neapolitanisch-gesellschaftlichem Hintergrund. Besonders die Osterzeit spielt hier eine große Rolle und ich finde es spannend zu sehen, wie wichtig den Neapolitanern unter anderem die Prozessionen und die traditionellen Speisen sind. Gleichzeitig zeigt Fabio Nola sehr feinfühlig, wie familiäre Erwartungen, wirtschaftlicher Druck und gesellschaftliche Probleme ineinandergreifen. Gerade weil der Tote in manchen Punkten ein Leben geführt hat, das Gaetano nur allzu gut kennt, kann er sich in dessen Lage hineinfühlen, ohne dabei den Fokus zu verlieren.

Abgerundet wird Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl durch den interessanten Schreibstil. Dieser ist eine gelungene Mischung aus situationsbezogenem Humor, lebendig beschriebenen Wahrnehmungen und dem Talent, eine immer zur Szene passende Atmosphäre zu erschaffen. Besonders die Dialoge, die gerne mal vor Sarkasmus triefen, und die Situationskomik gefallen mir gut. Was ich ebenfalls mag, ist, dass hier viele neapolitanische Ausdrücke mit in die Geschichte einfließen. Aus dem Kontext kann ich sie gut in ihrer Bedeutung ableiten, aber es gibt am Ende des Buches auch ein Glossar.

Dank des personalen Erzählers bin ich ausschließlich an Gaetanos Seite, was mir aber dennoch Perspektivwechsel ermöglicht. Ich habe Gaetano schon seit Band 1 ins Herz geschlossen. Denn er ist kein klassischer Held, sondern ein Charakter, der öfter mit sich und dem bestehenden polizeilichem System ringt. Sein Vorgesetzter möchte den Fall lieber im Sinne der Firma und des Staatsanwaltes abschließen, um den Ruf zu wahren. Doch Gaetano spürt, dass hier etwas nicht stimmt, und weigert sich, eine bequeme Wahrheit zu akzeptieren.

Beppa hingegen ist übereifrig, starrsinnig und möchte am liebsten mit dem Kopf durch die Wand. Jetzt hat sie ihren ersten eigenen Fall und ich mag, dass Gaetano ihr zur Seite steht und ihr zuhört, wenn es sonst niemand macht. Gleichzeitig bremst er sie, bevor sie sich in einen noch größeren Schlamassel manövriert. Die beiden wachsen hier zu einem richtig guten Team zusammen. Aber auch die Nebenfiguren haben eine besondere Charaktertiefe und es fühlt sich durchgängig so an, als würde ich echten Menschen begleiten.

Obwohl Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl zu Beginn ruhig anfängt, entwickelt sich dieser Krimi schnell zu einem vielschichtigen und nicht leicht zu durchschauenden Fall. Ich begleite Gaetano privat, sehe die Herausforderungen seiner Nichte, die ihren pflegebedürftigen Vater zu sich holt, und erlebe, wie ihr Mann versucht, der Familie ein sicheres Auskommen zu ermöglichen. Gleichzeitig erschweren Sabotageversuche seines Vorgesetzten die Ermittlungen, sodass Gaetano heimlich weiterforschen muss, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Und all das eingebettet in die besondere Osterzeit Neapels, die den Menschen dort unglaublich wichtig ist. Immer wenn ich denke, jetzt weiß ich, wie es sich weiterentwickeln wird, kommt die nächste überraschende Wendung. Nichts ist wirklich so, wie es auf den ersten Blick scheint, und das macht Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl zu einem tollen Leseerlebnis.

Eine sehr große Empfehlung ist das Hörbuch. Peter Lontzek gelingt es mit seiner Stimmvielfalt und den mit Inbrunst gesprochenen neapolitanischen Ausdrücken, mich in die beschriebene Welt hinauszukatapultieren. Besonders die Dialoge kommen hier richtig gut zur Geltung.

Im Übrigen lässt sich Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl ohne Vorkenntnisse zum ersten Band lesen. Die Fälle sind in sich abgeschlossen und damit selbstständig lesbar.


Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl von Fabio Nola
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein vielschichtiger Kriminalroman, der das neapolitanische Leben zur Osterzeit authentisch einfängt und Familienmomente, gesellschaftliche Themen und einen nicht vorhersehbaren Fall miteinander verbindet.

Lesen:

Wenn ihr Lust habt, in einem Krimi die neapolitanische Sonne und Lokalkolorit zu spüren sowie einen vielschichtigen Fall zu begleiten, dann greift unbedingt zu diesem Buch.

Weglegen:

Wenn ihr lieber reine Ermittlungsarbeit und einen klar durchgehenden Handlungsstrang bevorzugt, könnte das Buch möglicherweise nichts für euch sein. Schnuppert vorher am besten in die Leseprobe.

Mal ehrlich:

Ostern in Neapel hat eine ganz besondere Stimmung und genau in diese Atmosphäre tauche ich ein. Eigentlich möchte Commissario Gaetano seinen Urlaub auf der Tenuta seiner Familie verbringen, doch als seine junge Kollegin Beppa einen Toten aus dem Hafenbecken fischt, ist es mit der Ruhe vorbei. Auf den ersten Blick wirkt alles eindeutig, aber Beppa bleibt hartnäckig und glaubt, dass etwas nicht zusammenpasst.
Besonders berührt mich, wie sehr Gaetano die Lebensumstände des Toten nachvollziehen kann. Beide stehen unter einem ähnlichen Druck, beide versuchen, ihrer Familie gerecht zu werden. Das macht den Fall für Gaetano emotionaler, als ihm lieb ist. Und dann ist da noch die kleine Franca, die Tochter des Toten, deren Worte den entscheidenden Hinweis liefern, dass es eben doch kein Suizid gewesen sein könnte.
Ich mag, wie Fabio Nola die Osterzeit einfängt und zeigt, wie tief die Traditionen in Neapel verwurzelt sind, wie zum Beispiel bei den Prozessionen oder den typischen Speisen. Diese besondere Stimmung bildet den Rahmen für den Fall und beeinflusst auch die Ermittlungen.
Gleichzeitig wird deutlich, wie familiäre Erwartungen, wirtschaftliche Sorgen und gesellschaftliche Probleme ineinandergreifen. Dadurch wird der Fall vielschichtig, denn ich begleite Gaetano nicht nur bei den Ermittlungen, sondern auch durch die Herausforderungen seiner Familie. Dazu kommt ein Vorgesetzter, der lieber eine bequeme Wahrheit präsentiert, anstatt wirklich aufzuklären. Gaetano will das nicht akzeptieren und ermittelt weiter, um herauszufinden, wie es tatsächlich gewesen ist. Damit steht er nicht allein da, denn Beppa ist mit Feuereifer bei der Sache. Sie hat ihren ersten eigenen Fall und ich mag, wie Gaetano sie unterstützt. Gleichzeitig passt er auf, dass sie sich nicht verrennt, denn ihr Temperament bringt sie schnell an unbequeme Grenzen. Die beiden wachsen in diesem Fall spürbar zusammen und ihre Dialoge zaubern mir ein Lächeln aufs Gesicht. Überhaupt lebt das Buch von seinem Humor, den lebendigen Wahrnehmungen und der Atmosphäre, die immer genau zur aktuellen Szene passt. Nichts ist so, wie es scheint, und das hält die Spannung bis zum Schluss.
Im Hörbuch setzt Peter Lontzek dem Ganzen noch die Krone auf, denn seine Stimmvielfalt und seine Interpretation der einzelnen Szenen lässt mich völlig in Neapel und diesem verzwickten Fall versinken.

Fazit:

Ein Krimi, der mich mit seinem vielschichtigen und emotionalen Fall komplett gepackt hat. Die lebendige Osterstimmung Neapels schafft eine starke Atmosphäre, während der Fall selbst bis zum Schluss immer neue Wendungen bereithält.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust herauszufinden, wie Beppa und Gaetano sich kennengelernt haben?
Dann empfehle ich euch:
Commissario Gaetano und der lügende Fisch von Fabio Nola