Zum Buch Schreibtipps to go: Schreib smart und spar beim Lektorat kam ich eher zufällig, fast wie die Jungfrau zum Kinde. Eigentlich hätte ich es wohl nie zur Hand genommen, doch ich wollte Charlotte Charonne, eine der Autorinnen, bei einer Lesung auf der Leipziger Buchmesse unterstützen. Ihre Kollegin Amadara Schultzke war zu diesem Zeitpunkt im Urlaub, und damit ich sie vertreten konnte, war es unerlässlich, den Ratgeber vorher zu lesen.
In meiner Rezension „Schreibtipps to go: Schreib smart und spar beim Lektorat“ von Charlotte Charonne und Amandara M. Schulzke decke ich auf, warum auch für mich als Bloggerin der Schreibratgeber einen Mehrwert hat.
Leseexemplar
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Umschlaggestaltung: Phantasmal Image, Berlin
erschienen bei CharlesVerlag
Veröffentlicht 28. Februar 2026
ca. 200 Seiten
erhältlich als Taschenbuch
Klappentext
© Klappentext: CharlesVerlag
Da ich Geschichten lieber lese und bis auf Rezensionen auch keine schreibe, gehöre ich nicht zur klassischen Zielgruppe von Schreibratgebern. Dennoch hat mich Schreibtipps to go überrascht und mir einen anderen Blickwinkel auf das geschriebene Wort ermöglicht.
Schreibtipps to go hat nicht den Anspruch, ein theoretisches Standardwerk zu sein, sondern versteht sich als eine Art Werkzeugkasten. Ich mag, dass die Autorinnen grundsätzlich an die Fähigkeit der Schreibenden glauben und ihnen ein praxisnahes Buch an die Hand geben wollen, mit dem der eigene Text auf typische Stolperfallen untersucht werden kann. Der Vorteil ist dabei klar: Wenn selbst erkannt wird, wo der Inhalt ins Stocken gerät oder die Spannung verliert, ist es hilfreich zu wissen, wie mit einfachen Stellschrauben wieder Schwung hineingebracht werden kann. Das freut nicht nur das nachfolgende Lektorat, sondern auch den eigenen Geldbeutel.
Oft verlieren sich Ratgeber in theoretischen Erklärungen, doch in Schreibtipps to go wird vieles konkret an Beispielen erläutert. Die Vorher-Nachher-Vergleiche zeigen eindrucksvoll, dass schon kleine Eingriffe sofort Wirkung erzeugen. Was für Schreibende Gold wert ist, ist für mich als Leserin spannend, weil ich plötzlich verstehe, warum manche Texte fließen und andere nicht.
Der Ton ist locker, frech und manchmal bewusst überdreht. Das spiegelt sich bereits in den knackigen Titelüberschriften wie „Giftwörter schlimmer als beim Finanzamt“, „Emotionen und Gefühle vom Winde verweht“ oder „Vampirverben saugen Blut aus den Sätzen“. Subtil ist das nicht, aber es bleibt hängen und genau das macht für mich den Mehrwert aus. Der Humor trägt durch die Seiten, auch wenn er mir beim Lesen am Stück manchmal etwas zu häufig gesetzt war. Vermutlich wäre es anders gewesen, hätte ich nur die Kapitel gelesen, die ich in einer konkreten Schreibsituation brauchen würde.
Ein Kapitel hat mich als Bloggerin besonders fasziniert, weil ich in meinen Rezensionen genau dieses Missverständnis oft übernommen habe. Den Unterschied zwischen anschaulichem und bildhaftem Schreibstil. Was ich bisher als „bildhaft“ bezeichnet habe, ist in Wirklichkeit „anschaulich“. Dieser Unterschied ist wichtig und plötzlich gelingt es mir, die Eindrücke, die ich beim Lesen bisher nur gefühlt habe, viel präziser zu benennen.
Kapitel 15 über Rückblenden hat sich besonders in mein Gedächtnis eingebrannt. Der Vergleich mit Butter unter Nutella hat mich sofort gefesselt. Er verdeutlicht auf wunderbare Weise, warum manche Menschen Rückblenden schätzen, andere ihnen eher kritisch gegenüberstehen und vor allem, in welchen Momenten Rückblenden einen Text bereichern und wann sie ihn eher schwächen.
Die Struktur von Schreibtipps to go ist klar gegliedert. Dank des übersichtlichen Inhaltsverzeichnisses wird schnell das passende Kapitel gefunden.
Der Ratgeber beginnt beim Fundament eines Buches, arbeitet sich dann zum Text und dessen Optimierung vor und schließt mit Aspekten ab, die einem Roman nach der Überarbeitung guttut. Besonders positiv ist mir das Thema Testlesen aufgefallen. Als Bloggerin kann ich dem nur zustimmen: Geeignete Testlesende können einem Werk die Kirsche auf die Sahne setzen.
Schreibtipps to go hat keine extreme literaturwissenschaftliche Tiefe und liefert keine theoretischen Diskussionen, aber das ist auch nicht der Anspruch. Dieser Ratgeber möchte helfen, Schreibende an die wichtigsten Grundlagen zu erinnern und gleichzeitig zukünftige Lektorate vor unnötiger Verzweiflung bewahren. Und er eignet sich nicht nur für Anfängerinnen. Auch erfahrene Autorinnen können hier Impulse finden, wenn der Blick für das Wesentliche zwischendurch verloren geht.

© Foto: Monique Meier
Fazit:
Für mich ist Schreibtipps to go ein interessanter Blick hinter die Kulissen des Schreibprozesses. Es bietet praktische Unterstützung für alle, die schreiben, und für jene, die verstehen möchten, warum und wie Texte ihre Wirkung entfalten.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*