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Fast vor einem Jahr genau habe ich den ersten Band der Serie Dorn – Simon Dorn und Leah Wagner ermitteln gelesen. Natürlich war ich gespannt, was die beiden dieses Mal für einen Fall haben werden, und habe mich mit Vorfreude ans Lesen begeben.

In meiner Rezension „Dorn. Ruf der Toten: Zimmer 203.“ von Jan Beck nehme ich euch mit in meine Leseeindrücke.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Penguin Verlag erhalten
❧ Vielen Dank an Katharina Schleicher für die Freigabe im Bloggerportal.
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst


Dorn. Ruf der Toten: Zimmer 203. von Jan Beck
© Umschlaggestaltung: www.buerosued.de

Infos zum Buch
erschienen bei Penguin Verlag
Veröffentlicht 27. Dezember 2025
ca. 481 Seiten
Band 2 der Serie Dorn – Simon Dorn und Lea Wagner ermitteln
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
 

Klappentext

»Was wollen Sie? Ich will dich unsterblich machen.« Der zweite Fall für Simon Dorn und Lea Wagner, bei dem die Grenzen zwischen Leben und Tod, Mensch und Maschine verschwimmen …

Simon Dorn, nach dem Tod seiner bisherigen »Sponsorin« Karla Hofbauer finanziell am Abgrund, wird über das Internet von einer mysteriösen Klientin kontaktiert. Was als Hilferuf beginnt, entpuppt sich als Teil eines perfiden Spiels. Als sie den Kontakt abbricht, bittet Dorn Lea Wagner, bei der Klientin nach dem Rechten zu sehen. Doch die Frau ist tot – verdurstet, und das schon mehrere Wochen zuvor. Neben der Leiche steht ein Computer, auf dem eine KI läuft, die im Namen der Toten mit Dorn kommuniziert hat. Dorn sieht eine Verbindung zu einem ungelösten Fall, bei dem ein Täter seine Opfer in seinem Beisein verdursten ließ. Lange Zeit war der Mörder untergetaucht. Ist er nun zurück? Und warum wenden sich die Toten ausgerechnet an Simon Dorn? Kriminalpsychologe Simon Dorn hat nach zahlreichen persönlichen Schicksalsschlägen seinen Polizeidienst beendet und sich in das leerstehende Hotel Dornwald in Bad Gastein zurückgezogen. Dort setzt er heimlich seine Arbeit fort. Zimmer für Zimmer verwandelt er das Dornwald in einen Schaukasten ungelöster Mordfälle. Auch in diesem Fall muss er sich mit der Kriminalpolizistin Lea Wagner zusammenraufen, wenn sie den Mörder stoppen wollen. Und erneut erweisen sich ihre unterschiedlichen Temperamente und Methoden als äußerst zielführend.

Abgründige Täter, psychologische Spannung und düstere Settings: Jan Beck sorgt auch diesmal für nervenaufreibende Spannung.

© Klappentext: Penguin Verlag

Dorn. Ruf der Toten: Zimmer 203. startet stark. Ich lerne den angesehenen Chirurgen Doktor Michael Bergmann während seiner Schicht im Krankenhaus kennen und begleite ihn bis in seinem Feierabend. Doch er wird nicht zu Hause bei seiner Familie ankommen und genau dieses Warum weckt sofort meine Neugierde.

Die Handlung spielt rund fünf Monate nach den Ereignissen von Dorn. Hotel der Angst: Zimmer 103. Theoretisch ist der zweite Teil unabhängig lesbar, da alle relevanten Informationen erneut einfließen und die vielschichtige Geschichte auch ohne Vorkenntnisse verständlich bleibt. Dennoch empfehle ich, Band eins vorher zu lesen, um die Beziehung zwischen Simon Dorn und Lea Wagner besser einordnen zu können.

Der Thriller beeindruckt durch viele fein miteinander verzahnte Handlungsstränge und verschiedene Perspektiven. Die personale Erzählweise ist konsequent an die einzelnen Charaktere gebunden, die Perspektivwechsel sind klar gekennzeichnet und chronologisch sortiert. Interessant finde ich, dass ich nie mehr weiß als die Figur, die ich gerade begleite. Dadurch entsteht ein packender Gesamtüberblick und ich kann manche Zusammenhänge schneller erfassen als die Ermittler selbst. Jan Beck versteht es zudem, schlüssige Brücken zwischen den einzelnen Fäden zu bauen. Das gesamte Handlungskonstrukt wirkt wie ein Spinnennetz. Alles ist miteinander verbunden und nach und nach erkenne ich wie.

Durch die kurzen Kapitel und die raschen Perspektivwechsel entsteht zusätzliche Spannung. Später kommt zum großen Gegenwartsstrang noch eine Vergangenheitsebene hinzu, die weitere Puzzlestücke offenbart und das Gesamtbild zunehmend komplexer macht. Besonders gelungen finde ich, wie stark Beck mit den Themen Wahrheit und Konstruktion spielt und die KI‑Thematik einbindet. Die Auseinandersetzung mit modernen technologischen Entwicklungen verleiht dem Thriller eine zeitgenössische Schärfe und setzt sich mit der Angst vor dem Fortschreiten der Technologie auseinander.

Das Tempo ist hoch. Dank der klaren und beinahe schnörkellosen Sätze fliege ich förmlich durch den Thriller. Atmosphärische und präzise Beschreibungen sorgen dafür, dass die psychologische Tiefe gut zur Geltung kommt, ohne überladen zu wirken. Das ist angesichts der Vielzahl an Charakteren und Perspektiven besonders angenehm. Ich behalte trotz der vielen starken Plotlinien den Überblick.

Dorn. Ruf der Toten: Zimmer 203. ist für mich vor allem Simon Dorn und das Hotel Dornwald. Beide wirken noch düsterer und heruntergekommener als im ersten Band, was ihre enge Verbindung fast schmerzhaft greifbar macht. Immer wieder blitzt Dorns analytische Brillanz hervor, was ein faszinierender Kontrast zu seinem eigenbrötlerischen Leben darstellt. Davon habe ich mir beim Lesen noch mehr gewünscht. Eine kleine Auflockerung in dieser Tristesse ist Buddy, der weiße Schäferhund, den ich schon im ersten Band fest ins Herz geschlossen hatte.

Lea Wagner ist ebenso kein makelloser Charakter. Sie ist kompetent und diszipliniert, aber auch chaotisch und mit einem Dickkopf gesegnet. Die Suche nach der Wahrheit ist ihr wichtiger als Regeln und Vorschriften. In diesem Band lerne ich zudem ihre Familie kennen, was eine Menge moralischer Konflikte bereithält.

Michael Bergmann zu begleiten fällt mir dagegen nicht immer leicht. Er ist zwar ein Opfer und was ihm widerfährt, ist eine grausame Form von Folter, aber manchmal kratzt sein Verhalten an meinen Nerven. Andererseits zeigt es die Ausweglosigkeit seiner Situation und macht seinen psychischen Zerfall glaubwürdig.

Leas Bruder Karl bleibt für mich etwas blass. Er dient vor allem als Türöffner, um Leas Präsenz im Dornwald zu begründen und einen zusätzlichen Nebenstrang zu etablieren. Dieser ist zwar spannend, trägt aber wenig zur eigentlichen Fallentwicklung bei und wirkt eher wie ein familiäres Nebengeräusch.
Auch die Investigativjournalistin Tamara Weigert könnte für meinen Geschmack mehr Einblicke in ihre Arbeit verdienen. Sie scheint eher eine Figur zu sein, die Entwicklungen in die richtige Richtung lenkt, als dass sie selbst wirklich Tiefe erhält.

Das Finale wirkt für mich dagegen erstaunlich hastig. Einige zentrale Fäden werden in der Auflösung angerissen, obwohl sie großes Potenzial für mehr Tiefe haben. Die alten Spuren aus Dorns Vergangenheit bilden weiterhin einen wichtigen Rahmen für diese Serie und heizen die Neugierde auf den nächsten Band an, zumal Jan Beck hier geschickt einen Cliffhanger setzt. Doch gerade der aktuelle Fall wird im Finale für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt. Bestimmte Entwicklungen und Konsequenzen bleiben eher skizziert als wirklich ausgearbeitet.


Dorn. Ruf der Toten: Zimmer 203. von Jan Beck
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein psychologisch ausgeklügelter Thriller, der ein vielschichtiges Geflecht aus Entführung, Ermittlungsarbeit und dem Spiel aus Kontrolle sowie Wahrheit zu spannungsgeladenen Lesestunden verwebt.

Lesen:

Wenn ihr Thriller mit psychologischer Tiefe mögt, die die Themen Identität und künstliche Intelligenz zu einer atmosphärisch dichten Geschichte verbinden.

Weglegen:

Wenn ihr Probleme mit einer hohen Figurendichte und der entsprechend großen Vielzahl an Perspektivwechseln habt.

Mal ehrlich:

Dorn. Ruf der Toten: Zimmer 203. zieht mich sofort hinein. Ich begleite den Chirurgen Michael Bergmann durch seine Schicht, doch er kommt nach Feierabend nie zu Hause an. Dieses offene Warum lässt mich nicht mehr los.
Die Handlung setzt etwa fünf Monate nach Band 1 an. Der Thriller ist auch ohne Vorkenntnisse spannend, aber wer Dorn. Hotel der Angst: Zimmer 103. kennt, versteht die Dynamik zwischen Simon Dorn und Lea Wagner deutlich besser.
Jan Beck spannt ein vielschichtiges Netz aus Perspektiven und Handlungssträngen, das sich Kapitel für Kapitel öffnet. Besonders reizvoll finde ich, dass ich immer nur so viel erfahre wie die Figur, der ich gerade folge. Die kurzen Kapitel und schnellen Szenenwechsel sorgen für Tempo, ohne dabei die psychologische Tiefe einzubüßen.
Ein zentraler technologischer Faden durchzieht die Geschichte: Fragen nach Identität, Wahrheit und Kontrolle. Beck verknüpft moderne Entwicklungen mit moralischen Grauzonen. Ein Thema, das den Thriller zeitgenössisch scharfmacht, ohne ihn zu überladen.
Für mich bleiben Simon Dorn und das Hotel Dornwald das düstere Herzstück. Beide wirken noch brüchiger als im ersten Band, was ihre enge Verbindung fast schmerzhaft spürbar macht. Dazu Lea Wagner, die mit Disziplin, Chaos und Dickkopf zwischen Pflichtgefühl und Moral balanciert.
Nicht alles überzeugt mich gleichermaßen. Einige Nebenstränge und Charaktere bleiben blass und das Finale kommt für meinen Geschmack zu schnell. Manche Fäden hätten mehr Raum zur Auflösung verdient. Gleichzeitig bilden die alten Spuren aus Dorns Vergangenheit weiterhin einen spannenden Rahmen für diese Serie und der Cliffhanger sorgt dafür, dass ich unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

Fazit:

Dorn. Ruf der Toten: Zimmer 203. ist ein atmosphärisch dichter Thriller, der mit technologischem Fortschritt und den daraus resultierenden Gefahren spielt und dabei mit Spannung unter die Haut geht.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

Lesetipp:

Lust auf den ersten Band, der ein wendungsreicher und sich langsam entwickelnden Thriller ist?
Dann empfehle ich euch:
Dorn: Zimmer 103 von Jan Beck