Schon beim Blick in die Buchvorschau von Kiepenheuer & Witsch war mir klar, dass ich 8000 Arten, als Mutter zu versagen lesen muss. Jede Mutter weiß schließlich, wie schnell man vermeintlich „scheitert“.
In meiner Rezension „8000 Arten, als Mutter zu versagen“ von Carolin Kebekus könnt ihr nachlesen, an wen sich das Buch richtet und was euch erwartet.
Leseexemplar
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Covergestaltung: Barbara Thoben, Köln
erschienen bei Kiepenheuer&Witsch
Veröffentlicht 6. November 2025
ca. 192 Seiten
erhältlich als Gebundenes Buch, Hörbuch und EBook
Klappentext
Bilder von bildhübschen neugeborenen Babys, die friedlich schlafen, von makellos schönen, entspannten Müttern direkt nach der Geburt, die liebevoll auf ihren Nachwuchs blicken, von stolzen Vätern, die Blumen und Schmuck bringen, als wären sie mindestens die Heiligen Drei Könige – diese Bilder treffen ziemlich ungebremst auf die Wirklichkeit: Blut, Schweiß, schlaflose Nächte und viel Aua. Dann hilft es sehr, die lustige Seite der vollgemachten Windel zu sehen.
Warum Schwangerschaft und Geburt immer noch mit vielen Tabus und falschen Annahmen behaftet sind, was einem als Schwangere und Mutter so alles passieren und entgegengeschleudert werden kann, was man so hört und liest und ungefragt gesagt bekommt, weil es tatsächlich alle besser wissen – das beschreibt dieses Buch mit einer gehörigen Portion Selbstironie und dennoch unbeirrbarem Blick.
© Klappentext: Kiepenheuer&Witsch
8000 Arten, als Mutter zu versagen ist ein sehr reißerischer Titel. Und nein, es werden nicht 8.000 verschiedene Szenarien dargestellt, in denen eine Mutter versagt. Carolin Kebekus nimmt mich mit einem Augenzwinkern mit durch ihre Zeit vor ihrer Schwangerschaft, die turbulenten Monate mit Babybauch und die ersten eineinhalb Jahre mit ihrem Kind.
8000 Arten, als Mutter zu versagen bewegt sich zwischen Stand-up-Comedy, pointierter Gesellschaftskritik und autobiografischem Erfahrungsbericht. Die Kapitel sind kurz und bauen aufeinander auf. Es ist deutlich spürbar, dass Carolin Kebekus eine der besten Comedians ist, denn viele Passagen haben ein perfektes Timing für klar gesetzte Pointen und stilvoll eingesetzte Brüche.
Sie schreibt, wie sie spricht: derb und direkt, genauso wie auf der Bühne. Manche Szenen kenne ich tatsächlich schon aus ihrem Programm.
In 8000 Arten, als Mutter zu versagen schafft es Carolin Kebekus, alltägliche Situationen nicht nur humoristisch zu verarbeiten, sondern auch die Unart einer Gesellschaft zu entlarven, die permanent den weiblichen Körper bewertet, kontrolliert und versucht, ihn in eine Norm zu pressen. Dabei hält sie den dabei auftretenden Widersprüchen den Spiegel vor, indem sie mit Haltung überspitzt und gelegentlich provokant wird.
Ich habe beim Lesen definitiv meinen Spaß und muss viel lachen, besonders über misslungene Ideale, absurde Erwartungen und über das ein oder andere Missgeschick mit dem Baby.
Das Lachen vergeht mir jedoch beim Thema Abtreibung, wenn es darum geht, dass die Politik über den weiblichen Körper und die Entscheidung darüber bestimmen will.
Zudem macht Carolin Kebekus auf die Situation der Hebammen aufmerksam, deren wichtige Arbeit von der Politik herabgewürdigt und beinahe belächelt wird. Dieses Thema trifft mich besonders, denn Hebammen sind wichtig. Sie begleiten neues Leben, tragen enorme Verantwortung und sollten dafür geachtet und entsprechend bezahlt werden. Der Druck, der von außen auf sie und ihre Arbeit ausgeübt wird, ist schlicht nicht hinnehmbar.
Der Wechsel zwischen Leichtigkeit und Ernst macht dieses Buch in meinen Augen stark, denn es regt zum Nachdenken an.
Was mir besonders gefällt, ist, dass sich Carolin Kebekus nicht zur Vorbildfigur aufschwingt. Sie zeigt offen, dass sie manchmal selbst überfordert und gelegentlich auch Teil des Problems ist, welches sie kritisiert. Diese Selbstreflexion verleiht dem Buch Tiefe und Glaubwürdigkeit.
Manchmal bindet Carolin Kebekus karikierte Nebenfiguren wie Internet-Hater oder gut gemeinte Fragesteller ein. Sie verdeutlichen, wie gesellschaftliche Rollen und Vorstellungen funktionieren.
8000 Arten, als Mutter zu versagen hat hier und da auch ein paar Schwächen. Manche Gags wirken etwas langgezogen, manche Themen wiederholen sich, und der Ton ist nicht immer zugänglich für mich. Aber das passt wiederum zum Buch, denn es will nicht gefallen, sondern etwas sagen.
8000 Arten, als Mutter zu versagen liest sich kurzweilig und unterhaltsam. Als schöner Nebeneffekt nimmt es auch den Druck raus, alles richtig machen zu wollen und perfekt zu sein. Denn die Erwartungen der anderen kann niemand zu hundert Prozent erfüllen.

© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Was dich erwartet:
Ein sehr humorvolles und politisch klar positioniertes Buch über Mutterschaft, den weiblichen Körper und die gesellschaftlichen Erwartungen daran.
Lesen:
Wenn ihr feministische Perspektiven auf provokant-humorvoller Ebene mögt und genug von dem Bild der perfekten Mutter habt. Ein gewisses Verständnis für Babys hilft, um die Situationskomik wirklich genießen zu können.
Weglegen:
Wer auf derbe Sprache empfindlich reagiert oder sich von klaren feministischen Aussagen schnell angegriffen fühlt, sollte zu einem anderen Buch greifen.
Mal ehrlich:
8000 Arten, als Mutter zu versagen begleitet Carolin Kebekus’ Weg vor und während der Schwangerschaft bis hinein in die ersten eineinhalb Jahre mit ihrem Kind. Mit einer Mischung aus Situationskomik, Selbstironie und provokantem Humor zeigt sie, wie absurd die Erwartungen an Mütter und ihre Körper oft sind.
Besonders berührt hat mich das Kapitel über Hebammen. Kebekus macht klar, wie unverzichtbar ihre Arbeit ist und wie wenig Anerkennung sie dafür bekommen. Ohne Hebammen hätten wir Frauen es noch schwerer.
Das Buch ist kurzweilig, politisch klar und nimmt den Druck raus, perfekt sein zu müssen. Wer feministische Perspektiven mit Humor mag und ein Grundverständnis für Baby‑Alltag hat, wird hier viel wiedererkennen und lachen können. Der Ton ist manchmal derb, aber immer herzlich und vor allem schonungslos ehrlich.
Fazit:
8000 Arten, als Mutter zu versagen holt mich direkt ab. Es hat Wiedererkennungswert, bricht eine Lanze für die Mütter und hält eine flammende Rede für die Hebammen. Neben jeder Menge Humor gibt es stimmige Provokationen und ernste Themen.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Lust auf feinen Humor und pointierte Beobachtungen?
Dann empfehle ich euch:
Sextextsextett: Geschichten und Glossen von Jürgen von der Lippe
Als Mutter wird man nicht geboren, man lernt es zu sein. Auch bei meiner Tochter wusste ich vieles am Anfang noch nicht, aber ich bin in meine Aufgabe hineingewachsen und habe diesen ‚Job‘, glaube ich, gar nicht so schlecht gemacht. Das Buch klingt nach einer lustigen und ehrlichen Auseinandersetzung mit der Mutterschaft. Dass das Thema Selbstbestimmung, gerade wenn es um Abtreibung geht, angesprochen wird, finde ich auch wichtig! Auch wenn ich es in dem Buch nicht erwartet hätte!
Liebe Grüße
Jana
Liebe Jana,
ganz genauso ist es. Und so wird es auch aufgegriffen. Denn der Mythos der „perfekten“ Mutter, ist nämlich genau das: ein Mythos.
Liebe Grüße
Mo
Hallo liebe Mo,
C. Kebekus sagte mir bis eben noch gar nichts. Mit deiner Buchvorstellung hast du mich auf jeden Fall aber sehr neugierig machen können. Der Mix aus Humor, aber zugleich auch kritischer Hinterfragung gefällt mir. Ich mag es, wenn einen Bücher auch nachdenken lassen und wichtige Themen ansprechen. Das scheint hier der Fall zu sein.
Vielen Dank für diese Buchvorstellung.
Ganz liebe Grüße
Tanja :o)
Liebe Tanja,
du kennst nicht die Comedian Caroline Kebekus? Sie ist sehr bekannt, aber ich kenne auch nicht alle 😉
Es freut mich, dass ich dich habe neugierig auf das Buch machen können.
Liebe Grüße
Mo
Ich mag Carolin Kebekus sehr gern. Meist trifft sie meinen Humor und allein schon der Titel ist so provokant, dass es mich neugierig macht.
Aber wenn du erzählst, dass dieses Buch auch auf die fehlende Anerkennung für Hebammen eingeht, ist er vielleicht nicht ganz passend.
Unabhängig davon kenne ich ihr Programm nicht, weshalb mir beim Lesen mit Sicherheit keine Langeweile aufkommen würde.
Liebe Grüße, Lisa
Liebe Lisa,
der Part mit den Hebammen ist im Vergleich zum restlichen Anteil des Buches klein, aber stimmig. Daher könntest du das Buch dennoch ganz beruhigt lesen. Mein Lesejunior ist mittlerweile auch so groß, dass Hebammen für mich auch kein Thema mehr sind ;).
Liebe Grüße
Mo
Liebe Mo,
allein das Cover finde ich bereits schwierig.
Wahrscheinlich trifft es mich nicht, da ich den Humor von Caroline Kebekus nur sehr dosiert ertrage. Irgendwie holen mich andere Comedian deutlich besser ab.
Allerdings mit einem teils provokanten Buch auf den gesellschaftlichen Perfektionismus zu machen, finde ich passend und trifft den Zahn der Zeit.
Ob ich es lesen werde, ich weiß nicht. Aktuell zieht es mich zu anderen Formaten.
Liebe Grüße, Katja
Liebe Katja,
das ist völlig in Ordnung. Und bekanntlich sind Geschmäcker verschieden und das ist auch gut so.
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast und meine Rezension gelesen sowie kommentiert hast 🙂
Liebe Grüße
Mo
Oh, die Caro hat ein Buch geschrieben! Wie cool ist das denn?? Ich liebe Carolin Kebekus, alles, was sie so macht. Es ist schon nicht mehr ganz so primitiv und derb, wie es mal war, das macht es deutlich einfacher, ihre Comedy-Shows anzuschauen. Ich mag ihre Einstellung. Da ich aus der Baby- und Kleinkinderzeit raus bin, mag ich ihr zwar zuhören, aber mich betrifft es nicht mehr so wie sie. Zum Glück! Aber ihre Einstellung zum Thema Feminismus und Social Media bzw. Bodyshaming usw. teile ich ganz klar mit ihr.
Das Buch wäre jetzt nicht so meine Priorität, aber sicher können viele Mamas, die jetzt kleine Kids haben, ständig nicken. Mag ich.
Liebe Grüße, Bea.
Liebe Bea,
ich bin mir sicher, dass auch du dabei nicken kannst. Denn mein Kind ist auch schon im Teenageralter und ich habe viel wiedererkannt.
Liebe Grüße
Mo