Als ich das Buch im Rahmen einer Ausschreibung zu einer Leserunde auf Lovelybooks entdeckte, wollte ich einfach daran teilnehmen. Die Geschichte fand ich verlockend, weil der Titel bestimmte Assoziationen in meinem Kopf auslöste. Nun wollte ich wissen, ob sich diese tatsächlich bestätigen würden.

In meiner Rezension zu “Der Bodyguard” von Sonja Rüther verrate ich euch, ob sich der Thriller lohnt.


 

Der Bodyguard von Sonja Rüther
© Cover: ZERO, Werbeagentur München

Infos zum Buch
erschienen bei Knaur Taschenbuch
Veröffentlicht 1. April 2020
ca. 368 Seiten Seiten
erhältlich als Taschenbuch und eBook

Klappentext

Eine alte Schuld, ein mörderischer Racheplan und verbotene Gefühle:

Der Personenschützer Maik ist neu im Sicherheitsteam der Familie des schwerreichen Industriellen Peter van Holland – sein Auftrag: er soll Lynn beschützen, die das behütete Leben einer äußerst wohlhabenden jungen Frau genießt.

Was zunächst wie ein einfacher Job erscheint, bringt Maik bald in unerwartete Schwierigkeiten. Nach einem ungewöhnlichen Kennenlernen verliebt sich Maik hoffnungslos in Lynn, die seine Gefühle trotz aller Schwierigkeiten erwidert. Als die Sicherheitsstufe wegen verdächtiger Vorkommnisse erhöht wird, unterschätzt Maik die Gefahr und muss zusehen, wie die Frau, die er liebt, brutal entführt wird. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der nur gewonnen werden kann, wenn Maik gegen alle Regeln verstößt.

Geschickt verknüpft die deutsche Autorin Sonja Rüther in »Der Bodyguard« eine überzeugenden Love-Story mit einem packenden Thriller.

»Sonja Rüther versteht es bestens, eine ungewöhnliche und fesselnde Story zu erzählen.« Bestseller-Autor Markus Heitz

© Klappentext: Knaur*


Ich gebe zu, wenn ich Bodyguard Geschichten sehe, ist mein Kopf gleich voller Klischees. Das war hier natürlich auch der Fall. Doch Sonja Rüther schaffte es gleich von Anfang an, mir diese Flausen aus dem Kopf zuschlagen. So ermöglichte sie mir, dass ich mich voll auf die Geschichte einlassen konnte.

Schon der Prolog ging mir unter die Haut. Diese düstere Atmosphäre und die gedrückte Stimmung übertrugen sich auf mich. Gleichzeitig fragte ich mich, ob und wie dieser mit der Geschichte zusammenhängen würde. Ich liebe es im Vorfeld Spekulationen anzustellen. Die Gefahr besteht dabei aber immer, dass sie sich am Ende bewahrheiten. Mein anfänglicher Verdacht erhärtete sich aber nur zu einem sehr geringen Teil. Meine Vermutungen waren nicht völlig falsch, aber eben auch keine Punktlandung. Hier hatte ich das Gefühl, dass Sonja Rüther geschickt mit meinen Erwartungen spielte, nur um sie am Ende zu zerpflücken und mir eine ganz andere, viel komplexere Geschichte zu erzählen.

Der Aufbau dieses Thrillers war wirklich ungewöhnlich und anfänglich hatte er mich auch ein wenig irritiert. Die ersten hundert Seiten hatte ich eher das Gefühl einen Liebesroman mit etlichen Hindernissen zu lesen. Es störte mich aber nur geringfügig, da spürbar gewesen ist, wie die Figuren die Zeit bekamen, sich zu entfalten. Ich konnte mich mit den Protagonisten Lynn und Maik vertraut machen und lernte sie so besser kennen.

Maik war ein sehr interessanter Charakter für mich. Seine Einstellung zum Job fand ich sehr speziell. Als Personenschützer verzichtet er lieber auf Waffen, da er sich selbst als Pazifist bezeichnet. Für mich war das schon ein leichter Widerspruch, aber es reizte mich auch zu erfahren, ob sich diese Grundeinstellung bei Maik im Verlauf der Ereignisse ändern würde. Generell nahm ich diesen Bodyguard als einen sehr emotionalen und empathischen Menschen wahr. Ich mochte ihn und seine Zielstrebigkeit.

Lynn war für mich in dieser Geschichte der stärkste Charakter. Sie wirkte auf mich nie abgehoben, trotz ihrer gesellschaftlich privilegierten Position. Sie besaß eine gesunde Meinung und ließ sich nicht den Mund verbieten. Nicht nur die Menschen im Buch mochten sie, auch mir war sie äußerst sympathisch.

Der personale Erzähler fokussierte sich hauptsächlich auf Maik, ließ mich aber später auch an den Gedanken und der Gefühlswelt des Antagonisten teilhaben. An diesem Punkt schlug die Stimmung innerhalb der Geschichte so richtig vom Liebesroman in einen Thriller um. Die Atmosphäre veränderte sich, wurde bedrohlicher und verdeutlichte wie ernst die Lage geworden war.

Generell trug der lockere und sehr plastische Schreibstil zu einem lebendigen Leseabenteuer bei. Unterstützt wurde dieses noch durch sehr unverfälschte Dialoge, die nie hölzern oder konstruiert wirkten. Alles war in einem stetigen Fluss gehalten worden, sodass ich mir alles ausgezeichnet vorstellen konnte. Auch die Emotionen, vor allem die Verzweiflung der Gegner, waren so eindrücklich beschrieben worden, dass ich sie spüren konnte. Den Hass, den Frust, die Wut auf ein vergangenes Ereignis, was Menschen dazu trieb etwas Falsches aus den richtigen Gründen, zu tun.
Die Kampfszenen waren vom Feinsten. Sie waren so unglaublich authentisch beschrieben worden, dass ich sie mir so direkt vorstellen konnte, als würde ich sie hautnah miterleben. Dabei waren sie teilweise wirklich brutal und sehr bildreich beschrieben worden.

Mich hat diese Geschichte total überrascht. Aus einer scheinbaren Liebesgeschichte entwickelte sich ein Thriller der Extraklasse. Psychologisch fein austariert und mit jeder Menge ausgelegter Fallstricke, die ich kaum zu erkennen vermochte. Eine unerwartete Wendung jagte die Nächste und trieb die Spannung vor sich her. Manchmal sackte die Dramatik etwas in den Keller, aber im Grund mochte ich die kurzen Verschnaufpausen. Sie ließ mich zu Atem kommen, nur um mich dann wieder komplett in ihren Bann zu schlagen.

Das Ende war sehr überraschend. Obwohl es hier wieder ruhiger wurde, das Adrenalin aus den Adern der Figuren größtenteils verschwunden war, passte es zur Geschichte. Der Erzählkreis schloss sich zu einer perfekten Gesamtkomposition ab.

Der Bodyguard von Sonja Rüther
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Eine Bodyguard Geschichte, die kein Klischee erfüllt. Zwar verliebt sich der Personenschützer in seine Schutzbefohlene und will sie aus einer lebensbedrohlichen Lage retten. Aber in diesem Thriller ist nichts so, wie es wirklich scheint.

Lesen:

Ihr solltet brutale Szenen lesen können und offen für einen interessanten Genremix sein. Hier trifft ein Thriller auf einen Liebesroman.

Weglegen:

Liebe gehört für euch nicht in einen packenden Thriller? Dann solltet ihr das Buch lieber nicht zur Hand nehmen.

Mal ehrlich:

Kann eine Bodyguard Geschichte eigentlich noch überraschen?
Ja, sie kann. Sonja Rüther gelang es die Komponenten Liebesgeschichte und Thriller so zu verpacken, dass eine individuelle und wirklich unterhaltsame Geschichte dabei herauskam.
Zu Beginn ließ die Autorin den Figuren genug Raum, um sich Entfalten zu können und erzeugte damit die Liebesgeschichte. Beinahe vorsichtig stieg die Spannung an und nach rund einem Drittel des Buches fingen die Ereignisse an sich plötzlich zu überschlagen. Eine explosive Stimmung trat ein und gleichzeitig wurden mehrere Schauplätze aktiviert. Vielfältige Emotionen unterschiedlichster Figuren prasselten auf mich ein und erzeugten dadurch eine intensive und packende Atmosphäre.
Begleitet wurde das alles von einem sehr flüssigen und bildgewaltigen Schreibstil, der besonders die Kampfszenen sehr eindrücklich hervorhob.
Die Figuren waren lebendig konzipiert worden und am Ende war Gut und Böse an manchen Stellen sehr stark verschwommen.
Bei der endgültigen Aufklärung der Geschichte wurde es im Buch wieder ruhiger. Dies passte gut zum Anfang und rundete das Gesamtbild ab.

Fazit:

Kevin Costner kann einpacken. Ein packender Thriller, der gekonnt mit einer Liebesgeschichte verknüpft wurde. Spannende Unterhaltung, überraschende Wendungen und eine wirklich clever ausgeklügelte Geschichte rundeten das Leseerlebnis überzeugend ab.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

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