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Bereits bei der Buchvorstellung hatte mich Abfahrt ins Jenseits mit seinem italienischen Setting, einer neugierigen Hobbyermittlerin und jeder Menge Dolce Vita angesprochen. Dazu bekam ich eine wirklich süße Buchpost von ehrlich & anders und dem EMF Verlag, die meine Vorfreude noch verstärkte. Deshalb war ich gespannt, ob mich die Geschichte genauso begeistern würde wie ihre Aufmachung.

In meiner Rezension „Abfahrt ins Jenseits“ von Salvatore Simonetti erzähle ich euch, wie mir die Reise nach Dolceacqua gefallen hat.

Leseexemplar
❧ Dieses Buch habe ich als Freiexemplar von Edition Michael Fischer / EMF Verlag erhalten
❧ für die schöne Buchpost.
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst


Abfahrt ins Jenseits von Salvatore Simonetti
© Covergestaltung: Michaela Zander, unter Verwendung eines Fotos von @Laura Adai/unsplash

Infos zum Buch
erschienen bei Edition Michael Fischer /
EMF Verlag

Veröffentlicht 11. August 2026
ca. 272 Seiten
Band 1 der Reihe Mamma Marcella ermittelt
erhältlich als Paperback und EBook
 

Klappentext

Dolceacqua von seiner sonnigsten und finstersten Seite. Zum Sterben schön! | Mit limitiertem Farbschnitt in der 1. Auflage!

Das italienische Dolceacquaist ein malerisches Dorf in Ligurien unweit der französischen Grenze. Dort lebt Marcella, die nach der Sache mit ihrem Mann Beppo und dem Tod ihrer Eltern aus Deutschland in ihren Heimatort zurückgekehrt ist. Eigentlich hat sie es ganz gut getroffen: Ihr Sohn Domenico ist der angesehenste Carabiniere des Ortes, ihr Untermieter Harry, ein deutscher Alt-Hippie und Künstler, treibt sie zwar zur Weißglut, aber hat das Herz am rechten Fleck. Und die Gelateria Monet, die sie von ihren Eltern geerbt hat, läuft blendend, seit Dino und Gino, zwei Mitdreißiger aus Genua, sie übernommen haben.

Als plötzlich innerhalb kürzester Zeit einige ältere, aber durchaus rüstige Dorfbewohner unerwartet sterben, ist es vorbei mit der Ruhe in dem kleinen Bergdorf. Und dann hat Domenico auch noch eine neue Freundin …

„Der mörderisch gute Italienkrimi von Salvatore Simonetti hält, was er verspricht: Dolce Vita und Gänsehaut.“ Berit Glanz, Autorin

Mit viel Liebe für die italienische Kultur und einer Mischung aus Spannung und Humor erzählt Salvatore Simonetti von Marcellas Abenteuern in einem kleinen ligurischen Bergdorf voller liebenswerter und schrulliger Einwohner und erstaunlich vieler Verbrechen.

  • Trend Cozy Crime in einem nicht bedienten Setting: Dolceacqua als angehendes Weltkulturerbe – so italienisch wie spannend
  • Skurril-humorige Figuren zum Verlieben, spannende Kriminalfälle und Handlungsstränge die zum Wiederkommen einladen
  • Für Fans von: Pierre Martin, Richard Osman, Gisa Pauly

© Klappentext: Edition Michael Fischer / EMF Verlag

Abfahrt ins Jenseits startet skurril. Ich lerne Marcella kennen, die gerade einem Trauergottesdienst in der Kirche des ligurischen Bergdorfs Dolceacqua für die Verstorbene Magdalena beiwohnt. Während Marcellas Gedanken zwischen der Frage, was sie heute zu Essen kochen soll, ihrem Sohn Domenico und seiner neuen Freundin sowie dem Rätsel, warum es keinen Sarg mit der Toten gibt, hin und her springen, bekomme ich schon den ersten Eindruck von ihr. Ihre sturköpfige Art zeigt sich bereits darin, dass sie völlig ungeniert ihre Banknachbarin zu dem merkwürdigen Gottesdienst befragt, wo nur ein Bild der Verstorbenen vorne aufgestellt ist. Dass sie andere Trauergäste mit ihrer Fragerei stören könnte, interessiert Marcella herzlich wenig. Dennoch mag ich ihre direkte Art und dass ihr alles immer irgendwie verdächtig vorkommt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie der neuen Freundin ihres Sohnes mit Skepsis begegnet.

Zu Beginn denke ich noch, dass die Kapitel nach den Figuren betitelt sind, denn es startet mit Domenico. Er ist der Carabiniere des Ortes, liebt das italienische Essen seiner Mamma, aber nicht ihre Versuche, eine Miss Marple zu sein. Erst ein bisschen später bemerke ich, dass die Kapitel gar nicht nach Figuren, sondern nach Tagen unterteilt sind.

Mit seinem locker-leichten und anschaulichen Schreibstil gelingt es Salvatore Simonetti, Dolceacqua vor meinem inneren Auge zum Leben zu erwecken. Er fängt das Dorfleben authentisch und mit viel Charme ein. Ich kann die wärmende italienische Sonne beinah spüren und auch die leisen Schwingungen von kriminellen Machenschaften, die Marcella in den Schatten lauern sieht. Zu Beginn mag ich, dass Salvatore Simonetti in seine Dialoge italienische Ausrufe und Redewendungen einfließen lässt. Das macht das Setting noch greifbarer. Allerdings beginnt es mich zunehmend im weiteren Verlauf zu stören, da diese überhandnehmen und oftmals auch im Kontext nochmals erklärt werden. Hier hätte ich mir am Ende lieber ein Glossar gewünscht und eine maßvollere Verteilung der italienischen Begriffe.
Was mir sehr gut gefällt, ist, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Sei es in den Dialogen oder in so skurrilen Namenskombinationen wie Dino und Gino. Die beiden Nebencharaktere sind wirklich zauberhaft, und ihre Gelateria ist ein kleiner Wohlfühlort, wo die Dorfbewohner gern aufeinandertreffen.

Marcella ist eine waschechte Italienerin und genauso, wie ich mir eine italienische Mamma vorstelle. Sie kocht und bemuttert ihren Sohn und versucht gleichzeitig regelmäßig Einfluss auf sein Leben als erwachsener Mann zu nehmen. Ihr ist aber auch bewusst, dass sie besonders bei seiner neuen Liebschaft umsichtig vorgehen muss, um ihren Liebling nicht gegen sich aufzubringen. Domenico hingegen ist die mütterliche Aufmerksamkeit bisweilen zu viel, doch sein Versuch, sich ein Stück abzukoppeln, weiß Marcella klug zu unterbinden. Dafür liebt er auch ihre Gerichte viel zu sehr. Er ist stolz auf seinen Job und findet die Recherchebemühungen seiner Mutter lächerlich. Auch Marcellas Untermieter Harry, ein älterer, erfolgloser Künstler und Hippie, hat gegen Marcellas forsches Auftreten wenig entgegenzusetzen, und doch ist spürbar, dass eine harmonische Beziehung zwischen allen Beteiligten herrscht. Harry lässt sich sogar ein Stück weit, trotz seiner Ängste und Sorgen in Bezug auf Marcellas detektivische Arbeit dazu animieren, selbst mitzumachen. Dennoch bleibt er eher im Hintergrund und dient Marcella als willkommene Tarnung, um unbemerkt spionieren zu können.

Der personale Erzähler ist nah an den Figuren und der Fokus liegt hauptsächlich auf Marcella. Aber durch geschickt gesetzte Perspektivwechsel darf ich auch Harry begleiten und so seinen Gedanken sowie Emotionen näher kommen. Ich finde es süß, dass er um Marcellas Sicherheit besorgt ist und versucht, trotz eigener strikter Überzeugung für Schutz zu sorgen.
Ein weiterer Nebencharakter hat es mir angetan und zwar die mysteriöse Britin Joan. Sie umweht ein leichter, zwielichtiger Hauch und ich hoffe sehr, dass sie in den folgenden Bänden mehr Zeit erhält.

Es dauert eine Weile, bis die gemütliche Atmosphäre Spannung aufbaut. Der Handlungsaufbau ist so konstruiert, dass viele kleine Details für dezente Unstimmigkeiten sorgen, und durch Marcellas Neugier fügt sich langsam ein interessantes Netz aus möglichen Verdächtigen und Motiven zusammen. Dadurch, dass Marcella zwischen Klatsch und Tratsch, dem Kochen und Einkaufen und ihrer Recherche schwankt, bleibt die Spannung auf einem moderaten Level. Mich stört das kaum, aber der Krimi entwickelt sich dadurch auch langsamer. Zwischendrin beginne ich ein bisschen mitzuraten und bin am Ende überrascht, wie nah ich an der Auflösung liege. Der Fall ist interessant aufgebaut und realistisch durchdacht.
Auch wenn ich den kleinen Showdown gut finde, ist er mir durch die plötzliche dramatische Zuspitzung ein bisschen zu drüber. Dafür lässt Salvatore Simonetti die Geschichte genauso herrlich ausklingen, wie sie begonnen hat, und ich bin neugierig, was wohl Neues in dem beschaulichen Örtchen geschehen wird.


Abfahrt ins Jenseits von Salvatore Simonetti
© Foto: Monique Meier

Kurz gesagt:

Was dich erwartet:

Ein atmosphärischer, humorvoller Krimi, der durch eine herrlich schrullige Dorfkulisse und ein entschleunigtes Erzähltempo mit leichten kriminellen Machenschaften für gemütliche Lesestunden sorgt.

Lesen:

Wenn ihr Regionalkrimis mögt, die euch mit viel Charme und einer eigensinnigen Amateur-Ermittlerin durch die Handlung begleiten, dann seid ihr hier richtig.

Weglegen:

Wenn ihr einen nervenaufreibenden Pageturner mit echtem Nervenkitzel sucht, dann werdet ihr hier wenig Freude haben.

Mal ehrlich:

Da ich noch gedanklich am Sommer festhalten möchte, lasse ich mich von Abfahrt ins Jenseits direkt in das sonnige Ligurien entführen. Die Kulisse des echten Bergdorfs Dolceacqua versprüht von der ersten Seite an herrliche Sommervibes und transportiert das italienische Lebensgefühl so authentisch, dass sich das Lesen wie ein Urlaubstrip anfühlt.
Als im Ort erstaunlich viele ältere und noch fitte Dorfbewohner unerwartet sterben, wird Marcella stutzig. Ihr Sohn Domenico, der beruflich als Carabiniere arbeitet, sieht keinen Grund dazu, bei völlig normalen Todesfällen zu ermitteln. Außerdem ist er frisch verliebt und möchte seiner Mamma voller Stolz seine neue Freundin vorstellen. Doch Marcella findet die junge Frau verdächtig und versucht nun nicht nur herauszufinden, welche Geheimnisse sie verbirgt, sondern auch dem merkwürdigen Sterben ihrer Bekannten auf den Grund zu gehen.
Mamma Marcella ist direkt und wie ein kleiner Terrier. Hat sie sich einmal in etwas verbissen, lässt sie erst los, wenn sie herausgefunden hat, was dahintersteckt. Obwohl Marcella manchmal übers Ziel hinausschießt, hat sie das Herz am rechten Fleck. Ihren Untermieter Harry, einen gealterten Hippie und Künstler, spannt sie gern für ihre Detektivarbeiten ein. Doch Harry plagen viel mehr Bedenken und Hemmungen als Marcella, sodass er insgesamt ein angenehmer Sidekick ist.
Besonders gut gefallen mir die vielen interessanten Nebencharaktere, die dem Dorf viel Leben einhauchen. Allerdings rücken die eigentlichen Ermittlungen durch den dörflichen Klatsch, die familiären Verwicklungen und die ausführlichen Beschreibungen von gutem Essen immer wieder in den Hintergrund. So plätschert der Fall recht gemächlich vor sich hin und ist auch spannungstechnisch sehr gemütlich.
Etwas anstrengend finde ich mit der Zeit das ständige Italienisch in den Dialogen. Viele dieser Ausdrücke werden im Anschluss auf Deutsch gedoppelt, was den Lesefluss gelegentlich bremst. Hier hätte ich mir am Ende des Buches ein übersichtliches Glossar gewünscht.
Es dauert lange, bis Marcellas Ermittlungen so weit in Fahrt kommen, dass ich Lust am Spekulieren habe. Aber ich habe recht schnell eine Idee, wie sich der Krimi auflösen könnte. Der kleine Showdown überrascht mich und ich finde die Umsetzung toll, aber auch ein bisschen übertrieben. Insgesamt mag ich es, dass alles schlüssig aufgeklärt wird und das Ende so gestaltet ist, dass neue Bände folgen können.

Fazit:

Abfahrt ins Jenseits ist ein gemütlicher Krimi mit Wohlfühlcharakter, viel Charme, Humor und einer Prise Mafia-Flair.

*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*

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