Ich muss gestehen, dass ich bei In Stormy Weather ein Coveropfer geworden bin. Die gesamte optische Gestaltung ist so ein Eyecatcher, dass ich erst gar nicht wahrgenommen habe, dass dieses Buch sich im MINT-Genre ansiedelt. MINT ist die Abkürzung für die Themenbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Umso mehr hat es mich fasziniert, dass sich dieses Buch mit dem Naturphänomen Wetter beschäftigt.
In meiner Rezension „In Stormy Weather“ von Chelsea Curto präsentiere ich euch meine Meinung zu diesem interessanten Setting.
Leseexemplar
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Covergestaltung: FAVORITBUERO, München
erschienen bei kiwi space
Veröffentlicht 9. Juli 2026
Originaltitel In Stormy Weather
Übersetzt von Andreas Helweg, Pauline Kurbasik
ca. 464 Seiten
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
Klappentext
Dr. Quincy Monroe ist die MINT-Queen der Meteorologie – unnahbar, brillant und unaufhaltsam. Doch als die heftigste Hurrikansaison Floridas zuschlägt, gerät sie ausgerechnet mit ihrem Erzfeind aneinander. Sebastian Dunn, Bruder ihrer besten Freundin, ein arroganter TV-Wetterstar und die einzige Person, die Quincy gefährlich werden kann. Verdammt zu einer riskanten Jagd im Auge des Sturms, liefern sich die beiden einen messerscharfen Schlagabtausch, bei dem die Funken heißer brennen als jeder Blitzschlag.
- Rivals to Lovers
- Best Friend’s Brother
- Slow Burn
- STEM Romance
© Klappentext: kiwi space
Noch bevor ich die erste Zeile gelesen habe, begeistert mich In Stormy Weather mit seinem Layout. Sowohl äußerlich als auch in der Innengestaltung ist dieses Buch bildschön. Alles ist perfekt auf das Thema Meteorologie ausgelegt und ich habe direkt Lust, in diese Geschichte zu starten.
Diese baut auf einzelne Monate auf und beginnt im Juni mit dem Auftakt der Hurrikan-Saison in Florida. Quincy und Sebastian erzählen die Geschichte abwechselnd in der Ich-Perspektive. Mediale Einschübe runden In Stormy Weather mit Chatverläufen, Ausschnitten aus dem „The Rainy Day Show Broadcast“ und dem dazugehörigen Kommentarbereich gekonnt ab.
Der Einstieg fällt mir leicht, als ich Quincy kennenlerne und erste Einblicke in die Meteorologie bekomme. Der Plot rund um die Leidenschaft für das Wetter, für Tornados und Hurrikanes ist für mich etwas völlig Neues im Romance-Genre. Die Kombination aus der lebensgefährlichen Jagd nach Wirbelstürmen und der langsamen Entwicklung der Liebesgeschichte bringt eine packende Tiefe in die Handlung und macht In Stormy Weather unheimlich vielschichtig und lebendig.
Chelsea Curto schreibt in einem lockeren, modernen Stil mit einem kleinen Augenzwinkern und fängt die jeweilige Stimmung einer Szene super ein. Sie erklärt viele wetterspezifische Details extrem interessant. Stellenweise driftet sie jedoch in eine nerdige Fachsprache ab, dass ich manchmal beim Lesen abschalte. Inhaltlich passt das zwar super zu den jeweiligen Szenen, aber mir ist es dann zu viel Information. Doch sie fängt mich immer wieder schnell ein, sodass ich die kleinen Aussetzer kaum bemerke.
Besonders gut gefällt mir, dass Quincy und Sebastian sich eher als Rivalen auf Augenhöhe statt als klassische, erbitterte Feinde begegnen. Gerade in der ersten Hälfte des Buches sind ihre Wortgefechte unglaublich stark und ich habe richtig Freude daran. Später wandeln sich diese eher in eine lieb gewonnene Stichelei um, gemischt mit einem flirtenden Unterton, den ich sehr mag. Dank der gewählten Ich-Perspektive sehe ich als außenstehende Person früh, dass diese zwei Charaktere zusammengehören.
Auf der fachlichen Ebene besitzen sie eine großartige Chemie, die Quincy allerdings lange Zeit verdrängt. Insgesamt empfinde ich beide Charaktere als angenehm reif und ich weiß es sehr zu schätzen, dass hier auf künstliche Dramen verzichtet wird. Sebastians tiefe Gefühle, seine Bewunderung für ihre Intelligenz und sein Support für Quincy sind absolut herzerwärmend. Ich mag seine neckende Art und vor allem seinen Einsatz in den richtigen Momenten.
Ich liebe es, dass Qunicy in ihrem Bereich eine absolute Expertin ist und sich auf keinen Fall kleinreden lässt. Ihren Frust über die Benachteiligung in einer männerdominierten Welt und ihren Kampf um Anerkennung verstehe ich vollkommen. Sie möchte unabhängig sein und dafür arbeitet sie unermüdlich. Allerdings eiert mir Qunicy emotional zu lange herum, denn ihre Distanziertheit aus Angst vor Zurückweisung wird im Verlauf schon ein bisschen ermüdend, besonders weil Sebastian so viel tut, um sie zu unterstützen und ihr die Sicherheit zu geben, die sie benötigt.
Die Freundesclique der beiden sind wundervolle Nebencharaktere und großartig aufgebaut. Sie stützen den Handlungsrahmen gekonnt, allerdings habe ich auch immer öfter das Gefühl, dass hier noch Geschichten unerzählt sind. Besonders bei Sebastians Schwester Mia warte ich die ganze Zeit insgeheim auf den großen Knall, der jedoch ausbleibt und mich vermuten lässt, dass es Folgebände geben könnte.
Das unkontrollierbare, stürmische Wetter trägt richtig gut zur Spannung bei und steigert das Erzähltempo enorm. Gerade die gefährlichen Szenen, in denen die beiden sich für ihr Infomaterial den Naturgewalten aussetzen, jagen mir eine Gänsehaut über den Körper. Ich kann mir das Geschehen im sommerlich heißen Florida bildlich vorstellen und spüre die Angst, wenn die Natur den Vorhersagen trotzt. Besonders die direkten Bezüge zu realen historischen Stürmen wie Katrina oder Charley machen die dargestellten Naturkatastrophen noch greifbarer und verdeutlichen die zerstörerische Kraft extrem gut.
Ich finde es klasse, dass die expliziten erotischen Szenen erst recht spät kommen und das Thema Safer Sex und Einverständnis ganz natürlich eingebunden wird. Die Atmosphäre leidet für mich manchmal jedoch darunter, dass die Protagonisten mitten in diesen leidenschaftlichen Momenten plötzlich tiefschürfende Gedanken haben und Gespräche führen. Das bremst den Augenblick aus und nimmt der Situation leider ein wenig die sinnliche Dynamik.
Zeitweise steige ich aufs Hörbuch um. Pia-Rhona Saxe macht hier einen großartigen Job. Sie schafft es Quincys Begeisterung für das Wetter so lebendig an mich zu transportieren, dass ich auch Lust habe, die Wetterphänomene besser zu verstehen.
Allerdings fällt es mir in den Dialogen oft schwer, stimmlich herauszufiltern, wer gerade spricht, wenn Alexander Schwarz liest, sodass ich manche Stellen im Buch nachlesen muss.
Schade finde ich zudem die uneinheitliche Produktion. Während manche Broadcast- oder Live-Schaltungen in den jeweiligen Rollen eingesprochen sind, fehlt diese Trennung zum Beispiel bei Chatnachrichten, was mich beim Hören verwirrt. Insgesamt fangen aber beide Sprechenden die Atmosphäre von In Stormy Weather perfekt ein.
Das Zusammenspiel aus dem unberechenbaren Wetter und der Liebesgeschichte unterhält mich bis zum Schluss auf hohem Niveau. Ich mag es sehr, dass das Ende recht unaufgeregt bleibt, dafür aber umso mehr Tiefgang besitzt und die emotionale Entwicklung der Charaktere stimmig abrundet.

© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Was dich erwartet:
Eine moderne Liebesgeschichte mitten in der unberechenbaren Welt extremer Wetterphänome, die mit viel Fachwissen, prickelnder Rivalität und echter Gänsehautspannung aufwartet.
Lesen:
Wenn ihr Lust auf ein völlig erfrischendes Setting im Romance-Genre habt, eine Liebesgeschichte auf Augenhöhe sucht und stürmische Naturgewalten beim Lesen hautnah miterleben wollt, dann solltet ihr unbedingt zum Buch greifen.
Weglegen:
Wenn euch das Thema Wetter kein bisschen interessiert und ihr lieber eine lichterloh brennende Liebesgeschichte lesen wollt.
Mal ehrlich:
Chelsea Curto führt mich mit In Stormy Weather sanft in ein Setting ein, das ich im Romance-Genre so noch nicht gelesen habe. Mit dem Start der Hurrikan-Saison lerne ich die faszinierende Welt der Sturmjäger in Florida kennen. Die Jagd nach lebensgefährlichen Wetterphänomenen trägt die gesamte Story. Die direkten Bezüge zu echten historischen Katastrophen und das anschauliche Beschreiben dieser sorgen bei mir für ordentlich Bauchgrummeln. Der Schreibstil ist dabei sehr locker, modern und verständlich. An manchen Stellen wird das Wissen durch die Begeisterung der Protagonistin geballt vermittelt, dass ich kurz gedanklich abschalte, obwohl alles so einfach wie möglich erklärt wird.
Es begeistert mich, dass ich hier keinen toxischen Hass zu lesen bekomme. Ich erlebe von Beginn an eine erfrischende Rivalität auf Augenhöhe. Durch die zwei Ich-Erzählperspektiven erkenne ich schnell, wie perfekt Quincy und Sebastian eigentlich zusammenpassen. Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und absolut stimmig. Ihre hitzigen Wortgefechte verwandeln sich im weiteren Verlauf in eine richtig schöne, flirtende Sticheleien, die mir beim Lesen großen Spaß bereiten.
Während Sebastian mich mit seinem wertschätzenden, offenen Verhalten und seinem bedingungslosen Support absolut begeistert, macht Quincy es mir emotional deutlich schwerer. Ich verstehe ihre Wut über die Benachteiligung in dieser Männerdomäne total, aber das Thema wiederholt sich irgendwann zu oft. Auch ihr Rückzug aus Angst vor verletzten Gefühlen wird mit der Zeit anstrengend, weil Sebastian wirklich unermüdlich versucht, ihr Sicherheit zu geben.
Ein kleiner Dämpfer ist für mich zeitweise das Timing beim Spice. Ich finde es klasse, wie zeitgemäß und unaufgeregt Themen wie Verhütung und Konsens einfließen. Wenn die beiden aber mitten im Prickeln plötzlich anfangen, tiefgründige Gespräche zu führen oder in Gedanken zu versinken, raubt das den Szenen die Leidenschaft und schmälert die erotische Spannung.
Die Nebenfiguren sind ebenfalls großartig und verleihen der Story Tiefe. Sie lassen mich allerdings auch spüren, dass hier noch jede Menge unerzählte Liebesgeschichten in den Startlöchern stehen. Gerade bei Mia habe ich die ganze Zeit mit einer großen Wendung gerechnet. Dass diese ausbleibt, schürt meine Vermutung, dass hier bereits geschickt der Grundstein für Folgebände gelegt wird. Insgesamt kann mich In Stormy Weather aber komplett abholen und ich mag die Kombination aus Wissenschaft und Liebesgeschichte.
Fazit:
In Stormy Weather punktet bei mir mit einer grandiosen Kulisse, spürbarer Chemie und einem interessanten MINT-Setting, das für einen tollen Spannungsbogen sorgt. Ich empfehle das stürmische Buch gern weiter.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Lust auf eine Geschichte, die der Liebe zur Musik ein Denkmal baut?
Dann empfehle ich euch:
Rock this way von Sonja Rüther