Der Klappentext von Still Beating hat mich gleichermaßen fasziniert und schockiert: Zwei Menschen, die sich absolut nicht ausstehen können, werden gemeinsam entführt und durchleben die Hölle auf Erden. Mich hat die Frage von der ersten Sekunde an unheimlich gepackt, was in dieser grausamen Gefangenschaft geschehen muss, damit ausgerechnet dieses unausstehliche Feindesverhältnis zu einer unerschütterlichen Verbundenheit werden kann.
In meiner Rezension „Still Beating“ von Jennifer Hartmann nehme ich euch mit auf diese nervenaufreibende Reise.
Leseexemplar
❧ Vielen Dank an Ramona Reisacher für die Freigabe im Bloggerportal
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Umschlaggestaltung: www.buerosued.de
erschienen bei Blush Blanvalet
Veröffentlicht 15. Juli 2026
Originaltitel Still Beating
Übersetzt von Veronika Dünninger
Empfohlenes Lesealter ab 18 Jahren
ca. 416 Seiten
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
Klappentext
Als Cora die Geburtstagsparty ihrer Schwester verlässt, erwartet sie höchstens einen schlimmen Kater. Womit sie nicht rechnet, ist ein gestohlenes Portemonnaie und dass ausgerechnet Dean, der unausstehliche Verlobte ihrer Schwester, sie nach Hause fahren muss. Womit sie auch nicht rechnet, ist, nach einem Unfall an Dean gefesselt im Keller eines Fremden aufzuwachen. Cora und Dean müssen sich gemeinsam ihrem schlimmsten Albtraum stellen. Diese traumatische Erfahrung wird ihnen alles abverlangen – sie wird die Grenzen zwischen Hass und Liebe nachhaltig verwischen und sie beide mehr aneinanderbinden, als Ketten es je vermochten …
Bei diesem Buch handelt es sich um Dark-Thriller-Romance mit düsteren Themen und einer Leseempfehlung ab 18 Jahren. Im Buch sind Triggerwarnungen enthalten.
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Enthaltene Tropes: Rivals to Lovers, Forbidden Love/Romance, Forced Proximity, He Falls First, Morally grey Spice-Level: 4 von 5
© Klappentext: Blush Blanvalet
Mit einem feurigen Schlagabtausch zwischen Dean und Corabell, genannt Cora, starte ich in Still Beating. Gleich zu Beginn erklärt Cora, weshalb sie ihren zukünftigen Schwager nicht leiden kann. Die beiden schenken sich nichts, sticheln und stänkern gegenseitig, wo sie nur können. Trotz dieser ausgelebten Feindseligkeit spüre ich eine andere, leichte Schwingung, die die beiden mit aller Kraft wegdrücken, weil sie sich auf keinen Fall näherkommen wollen. Doch recht schnell schlägt die Stimmung um und ich gerate in einen düsteren Thriller hinein. Dean und Cora werden entführt. Jennifer Hartmann beschreibt dies so eindringlich und anschaulich, sodass ich das Gefühl habe, dabei zu sein. Der Schreibstil der Autorin besitzt eine besondere emotionale Tiefe. Sie geht schonungslos ins Detail, blendet das wirklich Grausame aber immer rechtzeitig aus, damit es nicht zu schwer auszuhalten wird.
Das Buch ist in drei Teile aufgebaut, wobei der Fokus im ersten Abschnitt ganz auf der beklemmenden Gefangenschaft liegt, die mich zutiefst bewegt. Obwohl Jennifer Hartmann beim Missbrauch an Cora früh abblendet, schiebt meine Fantasie unangenehme Überstunden. Besonders kriecht mir unter die Haut, was die Erlebnisse mit den beiden machen und wie sehr sie ihre Welt ins Wanken bringen. Da der Fokus dieses Auftakts einzig auf Coras Erleben liegt, kann ich Deans Gedanken anfangs oft nur erraten und erlebe seine Emotionen durch ihre Beobachtungen.
Der zweite Teil verlässt die unmittelbare Bedrohung und wird atmosphärisch düsterer auf der psychischen Ebene. Dean und Cora kämpfen mit sehr dunklen Emotionen, was mir beim Lesen viel abverlangt. Das schwere, durchlittene Trauma müssen sie erst einmal verarbeiten. Dass dieser Abschnitt mich nun tief in Deans Sicht eintauchen lässt, ist ein genialer Schachzug. Ich erlebe seine ganz eigene Perspektive und kann mir lebhaft vorstellen, welches Grauen zeitgleich in Cora vorgeht. Der Grat zwischen Liebe und Hass ist schmal und die beiden stehen vor einem Abgrund. Das Trauma wird zu keinem Zeitpunkt beschönigt. Die beiden gehen unkonventionelle Wege. Die intimen Szenen nehmen zu und sind intensiv beschrieben, was diesen psychischen Ausnahmezustand gekonnt widerspiegelt. Das Tempo verlangsamt sich spürbar, um dem inneren Prozess Raum zu geben, aber die Spannung bleibt durchgehend hoch.
Gleichzeitig rückt das psychologische Dilemma in den Fokus und wirft die Frage auf, wie die beiden jemals wieder in eine Welt zurückkehren sollen, die sich ohne sie einfach weiterdreht. Besonders fassungslos macht mich der moralische Druck, der hier mitschwingt. Es gilt in den Augen der Gesellschaft als nicht richtig, den Verlobten der Schwester als Rettungsanker zu sehen. Das macht mich betroffen und wütend, weil ihr Umfeld urteilt, ohne zu begreifen, was dieses Trauma in ihnen ausgelöst hat. Die beiden sollten im Fokus stehen, doch das hypothetische Urteil von außen macht es ihnen so schwer. Genau hier baut sich ein unlösbares Spannungsfeld auf, denn die traumatische Nähe stellt die alte Feindseligkeit komplett infrage. Rückblicke in die Vergangenheit werfen zudem ein völlig neues Licht auf ihre frühere Dynamik und lassen mich die Sticheleien plötzlich ganz anders betrachten.
Obwohl ihn Cora anfangs als unausstehlich hinstellt, erlebe ich ihn nie so. Durch Kleinigkeiten beweist er immer, wie er empfindet. Er zieht Konsequenzen, wenn er muss, was ich bewundernswert finde. Cora steht sich auf der Suche nach ihren wahren Gefühlen oft selbst im Weg, weil sie versucht, den Erwartungen ihres Umfelds gerecht zu werden. Sie ist sehr verletzlich und hat doch eine extrem starke Persönlichkeit. Besonders beeindruckt mich, dass sie anderen besser verzeihen kann als sich selbst. Sogar unter den grausamsten Bedingungen im Keller, in denen der Entführer ihre Grenzen perfide missachtet, verurteilt sie Deans Handeln in keinem einzigen Moment. Sie nimmt dankbar seine Versuche an, das Unerträgliche für sie so erträglich wie möglich zu machen. Sich selbst kann sie diese Gnade jedoch kaum gewähren, wenn die eigenen Emotionen die Oberhand gewinnen. Beide wachsen an dem Erlebten und müssen lernen, mit diesem physischen sowie psychischen Gefängnis Schritt für Schritt umzugehen. Dieser Weg ist beeindruckend gezeichnet.
Als Still Beating im letzten Teil wieder zu Coras Sicht zurückkehrt, verändert sich die zuvor so bedrückende Stimmung. Die erotischen Elemente nehmen ab, was absolut stimmig ist, denn die Erzählung wird leiser. Die emotionale Intensität bleibt bestehen, wirkt aber anders und gibt der Geschichte genau die richtige Richtung. Still Beating berührt mich unglaublich stark. Mir steigen manches Mal die Tränen in die Augen und ich habe oft einen Kloß im Hals. Diese extreme Art der Verbundenheit, die unter furchtbaren Umständen zwischen ihnen entsteht, fasziniert mich zutiefst. Ich kann mir lange Zeit nicht ausmalen, wie die Autorin diesen Konflikt auflösen will. Natürlich hoffe ich auf einen guten Ausgang, und Jennifer Hartmann findet hier letztendlich einen ganz besonderen, absolut stimmigen Abschluss, der genau zu dieser ruhigeren und reiferen Entwicklung passt.

© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Was dich erwartet:
Eine Dark-Romance, die psychisch fordert, tief unter die Haut geht und eine extrem düstere Ausnahmesituation nutzt, um eine ungewöhnlich intensive Verbindung zwischen zwei Menschen sichtbar zu machen.
Lesen:
Wenn ihr Dark-Thriller-Romance mögt, die moralische Grauzonen, starke emotionale Bindung und ein erschütterndes Trauma ohne Beschönigung erzählt.
Weglegen:
Wenn ihr eine leichte Romanze oder einen reinen Thriller erwartet. Und ganz wichtig: Wenn ihr seelisch nicht stabil seid, lest unbedingt vorher die Triggerwarnung.
Mal ehrlich:
Still Beating ist eine Geschichte, die mir emotional viel abverlangt. Sie ist hart, roh und voller widersprüchlicher, beängstigender Gefühle und Vorkommnisse. Und ich sage es selten, aber hier ist es absolut angebracht: Wenn ihr seelisch nicht stabil seid, müsst ihr vorher die Triggerwarnung lesen. Das Buch setzt mit seiner Handlung an einem Punkt an, an dem andere Geschichten enden. Unterteilt ist das Werk in drei Teile. Der erste ist ein gnadenloser Thriller, bei dem die Protagonisten Dean und Corabelle in die Hände eines Serienkillers geraten. Er ist perfide und abgrundtief böse. Das Schlimmste ist, dass Corabelle und Dean wie Hund und Katze miteinander sind, doch dieser Keller verändert sie beide.
Ab dem zweiten Teil beginnt sich ein emotionaler Plot zu entwickeln, der mich tief bewegt und mich so manches Mal zu Tränen rührt. Die Autorin offenbart schonungslos, wie zwei Lager entstehen. Die der Überlebenden und die, die nie nachvollziehen können, welches Trauma ausgelöst wurde. Die einfach zur Tagesordnung übergehen und nicht in der Lage sind zu begreifen oder über den Tellerrand zu schauen, um ein angebrachtes Maß an Empathie den Betroffenen entgegenzubringen. Und so kommt es, dass ich Coras Schwester Mandy, die Verlobte von Dean, mit jeder Seite unausstehlicher finde. Ja, ich kann ihre Reaktionen verstehen, aber nicht immer nachvollziehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass mir lediglich Dean und Cora aus ihrer Sicht die Ereignisse schildern und ich durch die Ich-Perspektive hautnah an ihren Emotionen dran bin.
Der letzte Part mit dem schönen und passenden Titel „Wellen“ beginnt diese emotionale Achterbahnfahrt endlich zu mildern. Aus der stürmischen See wird etwas, das Hoffnung bringen kann, auch wenn ich mir schwer vorstellen kann, wie sie aussehen wird. Das Ende schließt diese nervenaufreibende Geschichte auf einer ganz besonderen Ebene ab und noch lange, nachdem ich die letzte Seite von Still Beating gelesen habe, beschäftigt mich das Gelesene sehr.
Fazit:
Still Beating ist eine düstere Dark-Thriller-Romance, die mir beim Lesen unheimlich viel abverlangt und mich am Ende komplett überzeugt hat. Das Buch mutet psychisch viel zu, aber genau dieser unverstellte Schmerz berührt mich unglaublich stark. Wer bereit ist für eine Geschichte, die tief unter die Haut geht und einen fassungslos zurücklässt, wird hier etwas finden, das lange nachhallt.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Lust auf einen kurzer Thriller, der mit einem konsequent hohen Spannungsbogen und einer dunklen Romance überrascht?
Dann empfehle ich euch:
You Are the Dark von Lenore Gregor
Hey Mo,
deine Rezi nimmt mich beim Lesen schon echt mit. Spannend finde ich vor allem das psychologische Dilemma, aber auch ein bisschen abschreckend, wie heftig das Ganze psychisch zu sein scheint. Wenn du schon schreibst, dass man dafür echt stabil sein muss, ist das wohl nichts für schwache Nerven.
Trotzdem hast du mich gekriegt: Ich würde das Buch auf jeden Fall lesen. Gerade weil die Story da ansetzt, wo andere aufhören, bin ich super neugierig geworden. Und die Triggerwarnung werde ich aber vorsorglich lesen.
Danke für deine ehrliche Meinung, viele Grüße
Mara
Liebe Mara,
gut, dass du die Triggerwarnung liest. Ich persönlich finde auch, dass sie nicht allzu viel spoilert.
Falls du dich für dieses Buch entscheidest, wünsche ich dir eine packende Lesezeit.
Liebe Grüße
Mo
Hallo liebe Mo,
ich habe zu diesem Buch schon eine Rezension gelesen, die mich extrem neugierig gemacht hat. Ich war mir auch sehr sicher, als ich das Buch auf deinem Blog gesehen habe, dass es auch dir gelingen würde, deine Meinung gut auf den Punkt zu bringen und neugierig zu machen. Und genau das hast du dann auch getan.
Mich spricht ja gerade der psychologische Aspekt hier sehr an. Zugleich habe ich aber auch ein wenig Angst, dass die Geschichte sehr verstörend ist. Diese Sorge ist auch nach dem Lesen deiner Rezension geblieben. Ich bin wirklich neugierig, muss aber nochmal schauen, ob ich das Buch lesen werde.
Vielen Dank für diese wirklich gelungene Buchrezension.
Ganz liebe Grüße
Tanja :o)