Letztes Jahr bin ich zufällig auf der BuchBerlin aufmerksam auf die Serie Mika Mysteries geworden. Der erste Band hat mir so unfassbar gut gefallen, dass Mika Mysteries – Der Ruf des Nachtraben sogar mein Jahreslesehighlight 2025 wurde. Gleichzeitig habe ich sehnsuchtsvoll auf Band 2 gewartet.
In meiner Rezension „Mika Mysteries – Die Spur der Meisterdiebin“ von Johan Rundberg gehe ich darauf ein, ob auch dieser Teil Anwärter auf ein Lesehighlight sein kann.
Leseexemplar
❧ Ein großes Dankeschön an Annalena Rauh für den besonders freundlichen Kontakt
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Umschlaggestaltung: Carolin Glaser
erschienen bei Magellan
Veröffentlicht 15. Januar 2026
Originaltitel Tjuvdrottningen
Übersetzt von Franziska Hüther
Empfohlenes Lesealter Ab 10 Jahren
ca. 192 Seiten
Band 2 der Serie Die Mondwind-Mysterien
erhältlich als Gebundenes Buch und EBook
Klappentext
Der eiskalte Winter von 1880 ist endlich vorbei, und in Stockholm beginnt der Frühling. Die Stadt fiebert der Rückkehr der Vega entgegen, dem ersten Schiff, das die Nordostpassage durchquert. Doch im Waisenhaus bemerkt Mika, dass einige der älteren Kinder sich merkwürdig verhalten. Als Kommissar Hoff wegen einer Diebstahlserie auf sie zukommt, erkennt Mika eine mögliche Verbindung. Was planen die Kinder und wer hilft ihnen? Um ihre Freunde zu beschützen, muss Mika den Fall schnell lösen, denn alles deutet auf einen Zusammenhang mit der Vega hin, die Stockholm mit jedem Tag ein Stück näherkommt …
Weitere Bände der Reihe: Mika Mysteries – Der Ruf des Nachtraben (Band 1) Mika Mysteries Band 3 erscheint im Herbst 2026
© Klappentext: Magellan
Schon beim Aufklappen des Buches begrüßt mich die wunderschöne Karte von Stockholm um 1885. Sie ist in einem warmen, rötlichen Ton gehalten, passend zum Cover und zeigt die sieben Schauplätze der Geschichte. Die Platzierung im Buchdeckel ist ideal: Ich kann mich sofort orientieren und bekomme ein Gefühl dafür, wie weit die einzelnen Orte voneinander entfernt liegen.
Bereits das erste Kapitel lässt meinen Puls schneller schlagen. Die wagemutige Mika balanciert über einen Dachfirst und mir bleibt beim Lesen die Luft weg. Was macht sie da oben und warum hat sie keine Angst? Die Atmosphäre ist sofort dicht, die unterschwellige Gefahr spürbar und ich freue mich über das Wiedersehen mit Mika und Rufus.
Mika Mysteries – Die Spur der Meisterdiebin beginnt im Waisenhaus, welches Mikas Zuhause ist. Johan Rundberg zeichnet erneut ein realistisches Bild des historischen Stockholm und verbindet die sozialen Unterschiede mit einem spannenden kriminalistischen Plot. Authentische historische Ereignisse fließen in die Handlung ein, sodass ich mir alles hervorragend vorstellen kann.
Der personale Erzähler bleibt ganz nah bei Mika. Ich erlebe die Geschichte ausschließlich durch ihre Wahrnehmungen. Ihre Gefühle und ihre innerliche Zerrissenheit zwischen Gewissenhaftigkeit zum Wohle, die ihr am Herzenliegen und starren gesellschaftlichen Regeln erzeugen eine emotionale Nähe. Mika ist keine klassische Heldin, sondern eine starke Persönlichkeit, die Verantwortung für die jüngeren Kinder übernimmt. Ihre Beobachtungsgabe ist bemerkenswert und ihr Wunsch nach Wahrheit sowie ihr Bedürfnis, die Menschen zu schützen, die sie als Familie betrachtet, machen sie absolut liebenswert. Ihre Entscheidungen sind stets plausibel in die Handlung eingebettet und ich liebe ihre Entwicklung in diesem Band ganz besonders.
Amelia, die Heimleitung, ist eine strenge, aber notwendige Autoritätsfigur. Die Armut im Waisenhaus ist groß und wie schwer es ist, die Kinder durchzubringen, wird besonders an der kleinen Nora deutlich. Sie ist noch ein Baby und leidet bereits so stark an Hunger, dass es lebensbedrohlich wird. Sachlich, aber ungeschönt wird hier klar: Kinder, die nicht stark genug sind, können im Waisenhaus sterben. Eine Romantisierung findet nicht statt, es wird aber auch nicht grausam dargestellt. Eher bedient hier Johan Rundberg eine sachliche Nüchternheit, die ehrlich zeigt, wie die damaligen Lebensverhältnisse unter den armen Menschen waren.
Dieses Mal rücken die Kinder Ossian und Kristina stärker in den Fokus. Sie repräsentieren das Schicksal vieler Waisenkinder und zeigen eindrücklich, wie nah Hoffnungslosigkeit und Hoffnung beieinanderliegen.
Riesig freue ich mich darüber, dass auch Kommissar Valdemar Hoff wieder dabei ist. Er wirkt noch desillusionierter als zuvor, aber ich mag, wie er immer mehr zu einer Art Vaterfigur für Mika wird. Ihr gegenseitiger Respekt und seine vorsichtige Fürsorge rühren mich. Trotz seiner Skepsis vertraut er Mika. Das verleiht der Geschichte eine wunderbare Dynamik.
Besonders spannend wird es, als Henrietta in die Handlung tritt. Sie ist gekonnt ambivalent und mysteriös inszeniert. Ich kann selbst entscheiden, ob ich sie sympathisch finde oder ob ich wie Mika lieber vorsichtig bleibe. Diese Ungewissheit macht sie zu einer der faszinierendsten Figuren des Bandes.
Der Schreibstil ist klar, bildhaft und lebendig. Die Dialoge treiben die Handlung packend voran, und ich liebe es, dass die klassische Gut–Böse-Struktur vermieden wird. Stattdessen arbeitet Rundberg mit Grauzonen, was die Geschichte vielschichtiger macht.
Der Spannungsaufbau ist ein Traum. Mika Mysteries – Die Spur der Meisterdiebin verbindet zwei Handlungsebenen auf eine packende Weise. Das realistische Leben im Waisenhaus und die zunehmend komplexe Kriminalhandlung. Feine Handlungsfäden, die teilweise schon im ersten Teil begonnen wurden, ziehen sich weiter und werden auch über Band 2 hinausreichen. Die Hauptfäden machen die Geschichte rasant, unterhaltsam und mysteriös. Nicht immer werden Mikas Pläne sofort erklärt und ich verfolge gespannt, wie sich alles entwickelt. Ständig taucht etwas neues Geheimnisvolles auf, das ich genauso ergründen möchte wie Mika. Ich merke kaum, wie ich Seite um Seite lese.
Im Gegensatz zum ersten Band, der durch den eisigen Winter eine düstere Grundstimmung trägt, fühlt sich dieser Teil insgesamt hoffnungsvoller an. Der Frühling hält Einzug und mit ihm schleicht sich mehr Wärme und Zuversicht in die Geschichte, ohne die Härte der Realität auszublenden.
Der Showdown packt mich richtig. Wie schon zu Beginn halte ich vor Spannung den Atem an. Die Auflösung, die ich nicht durchschaue, ist genial und lässt mich vor Freude in die Hände klatschen. Und obwohl viele Fragen beantwortet werden, bleiben genug Fäden offen, um meine Vorfreude auf den nächsten Band zu schüren.

© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Was dich erwartet:
Ein atmosphärisch-historischer Roman, der soziale Realität mit einer spannenden Krimihandlung verbindet. Hier werden die Grenzen zwischen Verantwortung, Loyalität und moralischen Grauzonen ausgelotet.
Lesen:
Wenn ihr historische Settings und einen klug aufgebauten Kriminalroman mit einer jungen Protagonistin zu schätzen wisst.
Weglegen:
Ehrlicherweise finde ich keinen Grund, das Buch wegzulegen. Es sei denn, ihr mögt keine spannenden Kriminalromane, in denen eine Jugendliche sich mutig der Ungerechtigkeit entgegenstellt.
Mal ehrlich:
Mika Mysteries – Die Spur der Meisterdiebin hat mich wieder komplett begeistert.
Der Einstieg ist sofort spannend und hat gleich die richtige Sogwirkung. Ich liebe es, Mika durch ihren Alltag zu begleiten und dabei immer mehr in einen kriminalistischen Fall hineingezogen zu werden. Dank der personalen Erzählperspektive komme ich ihr wieder sehr nah. Sie ist stark, verletzlich, klug und so unglaublich loyal. Auch Valdemar Hoff ist wieder dabei. Noch grummeliger, aber auch herzlicher. Seine vorsichtige Fürsorge für Mika rührt mich sehr und die beiden entwickeln sich zu einem großartigen Duo.
Und dann ist da Henrietta. Eine neue Figur, die ambivalent, mysteriös und schwer einzuschätzen ist. Genau das macht sie so spannend.
Besonders eindrücklich ist erneut das Leben im Waisenhaus. Es wird nichts beschönigt: Armut, Hunger und Hoffnungslosigkeit sind allgegenwärtig. Gleichzeitig gibt es kleine Momente der Wärme, die mich tief berühren. Der Frühling bringt diesmal etwas mehr Licht in die Geschichte, ohne die Härte der Realität zu überdecken.
Der Kriminalfall ist clever aufgebaut, voller feiner Hinweise und moralischer Grauzonen. Erst am Ende zeigt sich, wie perfide alles wirklich ist und die Auflösung überrascht total.
Richtig genial finde ich die kleinen Handlungsfäden, die schon seit dem ersten Band gesponnen werden. Sie sind wie kleine Rätsel, die noch immer nicht gelöst sind. Das macht sofort Lust auf Band 3.
Fazit:
Mika Mysteries – Die Spur der Meisterdiebin steht dem ersten Band in nichts nach. Es ist ein spannungsvoller historischer Jugendkrimi mit emotionaler Tiefe, einer dichten Atmosphäre, einem hohen Spannungslevel und mehreren überzeugenden Settings.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Ihr kennt noch nicht den ersten Band? Dann solltet ihr das unbedingt nachholen:
Dann empfehle ich euch:
Mika Mysteries – Der Ruf des Nachtraben von Johan Rundberg