In der großen Dark Romance Bubble auf Instagram wird derzeit der Hörbuchsprecher Kevo Adler frenetisch bejubelt. Das hat mich neugierig gemacht und so habe ich nach einem Hörbuch gesucht, welches ein Einzelband ist. Da ich auch Lust darauf hatte, mal wieder ins Genre abzutauchen, habe ich zusätzlich nach dem Klappentext entschieden.
In meiner Rezension „Observed: Jedes Stück ist unser“ von Kristin Glimmer enthüllt sich, ob ich sowohl begeistert von der Geschichte als auch von den Hörbuchsprechenden bin.

© Cover: Ria Raven
erschienen bei Black Edition
Veröffentlicht 28. Juli 2025
Gesprochen von Kevo Adler,
Franziska Buchwald
Hörzeit: 9 Stunden und 24 Minuten
Version: Ungekürzte Ausgabe
erhältlich als Paperback, Hörbuch und EBook
Klappentext
Der Cop Du hättest schneller laufen und besser lügen sollen, Maddison. Jetzt habe ich dich und was einmal mir gehört, lasse ich nicht wieder gehen.
Maddy Fuck.
Maddy flieht vor ihrem gewalttätigen Ex-Freund und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Kaum lebt sie ein paar Monate in der neuen Stadt, findet sie die Leiche ihres Nachbarn. Anstatt wegzulaufen, ist sie fasziniert, weil eine Frage ihr halbes Leben dominiert: Wie tötet man einen Menschen, der es verdient, zu sterben? Sie entdeckt ihre verbotenen Sehnsüchte in dem maskierten Mörder wieder und lässt zu, dass er sie stalkt. Als wäre das nicht genug, beginnt sie ein Verhältnis mit dem Cop, der den Fall aufklären soll. Schon bald wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt und ahnt nicht, dass jeder der Männer in ihrem Leben ein dunkles Geheimnis verbirgt.
© Klappentext: Black Edition
Noch bevor die Story beginnt, bin ich schon irritiert. Es wird eine Triggerwarnung ausgesprochen, die jedoch keinerlei konkrete Inhalte nennt. Zwar verstehe ich, dass eine detaillierte Liste zu Beginn spoilert, doch das vollständige Fehlen einer abrufbaren Triggerliste im Hörbuch, wie sie laut Leseprobe am Ende des Buches existieren soll, empfinde ich als problematisch. Gerade für Hörende, die auf solche Hinweise angewiesen sind, wäre eine alternative Lösung wünschenswert.
Die Geschichte beginnt sofort sehr düster und bedrohlich. Ich lerne den Mörder kennen, der eine junge Frau dabei beobachtet, wie sie sein jüngstes Opfer in der sich immer weiter ausbreitenden Blutlache findet. Die Schilderung ist intensiv, verstörend und mit einer beklemmenden Mischung aus Macht, Gewalt und Begierde.
Der nun folgende Perspektivwechsel bringt mir zunächst eine kleine Atempause. Ich lerne Maddy kennen, die Nachbarin des Mordopfers, die unabsichtlich über die Leiche stolpert. Ihre Reaktion darauf ist geprägt von morbider Neugierde, Angst und Ekel. Doch als der Mörder hinter ihr auftaucht, bekommt die Szenerie noch mehr Bedrohlichkeit und es mischt sich eine sexuelle Komponente darunter, die mich befremdet.
Die Worte und Handlungen des Mörders sind eiskalt, kalkuliert und unausweichlich. Doch aus Maddys Perspektive wirkt er verboten charismatisch und der Kontrast zwischen Verbrechen und Verführung bereitet mir Unbehagen. Besonders als ein Messer mit ins Spiel kommt, steige ich emotional aus der Geschichte aus. Maddys Reaktion ist für mich an diesem Punkt nicht nachvollziehbar.
Observed: Jedes Stück ist unser wird von den Ich-Perspektiven des Mörders, des Cops und Maddys erzählt.
Der Mörder ist für mich eine sehr verstörende Figur. Sein Umgang mit Maddy ist geprägt von psychischer Manipulation, sadistischen Fantasien und Stalking. Besonders seine Vorliebe für die Verwendung seines Messers empfinde ich als abschreckend.
Kevo Adler verstärkt in seiner Darstellung diesen Eindruck, in dem er den Mörder als sehr gestört inszeniert. Gleichzeitig erweckt die Sprecherin Franziska Buchwald in Maddy Perspektive für mich ein ganz anderes Bild, sodass ich ambivalente Gefühle für den Mörder hege.
Der Cop ist in dieser Dreieckskonstellation die interessanteste Figur. Er hat im Verhältnis zu den anderen beiden Hauptcharakteren weniger Raum, bleibt dadurch jedoch rätselhaft und faszinierend. Er vermittelt Dominanz und Undurchschaubarkeit, gleichzeitig wirkt er auf mich verlässlich und gibt Maddy emotionale Sicherheit.
Maddy hingegen ist die komplexeste Figur. Gefangen zwischen Angst und Neugier begibt sie sich in einen emotionalen Ausnahmezustand. Ihre Entwicklung ist jedoch nicht immer für mich nachvollziehbar, besonders in den Szenen, in denen Gewalt und Lust miteinander verschwimmen.
Maddy ist kein Mäuschen und das beeindruckt mich wiederum. Sie ist aus einer schwer toxischen Beziehung geflohen und bringt den Mut auf, sich auf einen unbekannten sowie zutiefst gefährlichen Mann einzulassen.
Die Perspektivwechsel verleihen der Geschichte überraschende Wendungen und einen tiefen Einblick in die Wahrnehmungen der Charaktere während des gleichen Geschehens. Manche Perspektiv- und Szenenwechsel sind für mich jedoch nicht nachvollziehbar, was mein Hörfluss stört.
Die Grenzüberschreitungen in Observed: Jedes Stück ist unser sind genretypisch für Dark Romance und werden im Verlauf besonders stark durch Maddys Gedankengänge reflektiert. Durch die Einführung eines weiteren Antagonisten wird deutlich, wann Handlungen gegen Maddys Willen geschehen und wo sich die Grenzen zwischen erotisch-dominanten Szenen und tatsächlicher Gewalt verschieben. Hier werden auch toxische Beziehungsmuster eingeflochten, um den Unterschied hervorzuheben.
Kristin Glimmer bedient sich einer sehr starken Bildsprache und setzt Metaphern wirkungsvoll ein. Leider verfällt sie stellenweise in klischeehafte Formulierungen und wiederholt bestimmte Ausdrücke auffällig häufig. Dies wirkt auf mich ermüdend. Extrem fällt mir das in einer Szene auf, in der Maddy gefühlt ununterbrochen errötet, bis ich mich ernsthaft frage, ob sie medizinische Hilfe benötigt.
Die erotischen Zusammentreffen sind ausführlich und nehmen mehrere Kapitel ein. Zwar sind sie stellenweise anregend beschrieben, doch die Länge dieser Passagen geht zulasten der eigentlichen Handlung. Das ist besonders schade, da der Plot grundsätzlich Potenzial bietet.
Voyeurismus, verbotene Begierde, Macht und Besitz sind in Observed: Jedes Stück ist unser zentrale Themen, die sich durch die gesamte Geschichte ziehen. Das Spiel zwischen Kontrolle und Verführung wird immer wieder durch lebensbedrohliche Situationen aufgeladen, was die Spannung erhöht. Dennoch verliere ich zwischendurch das Interesse, da die Handlung zu oft hinter den erotischen Elementen verschwindet.
Das Hörbuch Observed: Jedes Stück ist unser wird von Franziska Buchwald und Kevo Adler gesprochen. Franziska Buchwald kann mich mit ihrer Darstellung von Maddy überzeugen und kann mir die emotionalen Nuancen der Figur glaubhaft vermittelt.
Im Gegensatz dazu empfinde ich Kevo Adlers Interpretation der männlichen Hauptfiguren schwierig. Besonders in erotischen Szenen wirkt seine Darstellung des Mörders auf mich eher abstoßend als sinnlich. Die Diskrepanz zwischen den beiden Sprecherenden fällt mir immer dann auf, wenn die Tonalität der Dialoge nicht harmoniert. Zum Beispiel wenn Fransziska Buchwald eine Szene sinnlich-emotional auflädt, während Kevo Adler sie mit einer völlig anderen Energie spricht.
Seine Darstellung des Cops hingegen empfinde ich als gelungen und verleiht ihm dadurch eine angenehme Tiefe.
Kevo Adler bemüht sich, die Charaktere differenziert darzustellen. Die düstere, gestörte Seite des Mörders hebt er deutlich hervor, was mich lange darüber nachdenken lässt, ob ich hier zwei Seiten einer Medaille betrachte oder ob mehr dahintersteckt.
Insgesamt muss ich sagen, dass Observed: Jedes Stück ist unser für meinen Geschmack zu sehr von den ausführlichen erotisch-dominierenden-gewalttätigen Szenen lebt. Mir fehlt ein klarer, sinnvoller Handlungsstrang, der auch ohne die erotische Komponente trägt. Dadurch bleibt die Geschichte oberflächlich und kann für meinen Geschmack keine echte Tiefe entwickeln.
Erst zum Schluss zieht die Spannung deutlich an. Obwohl ich glaube, das Ende vorhersagen zu können, gelingt es Kristin Glimmer, Zweifel in mir zu säen.
Das Finale bestätigt jedoch meine Erwartungen und hinterlässt bei mir lediglich ein müdes Lächeln. Leider keine Dark Romance, die mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Was dich erwartet:
Düstere Schauplätze mit einer gefährlichen Anziehung zwischen moralisch bedenklichen männlichen Charakteren und einer Frau, die zwischen Faszination, einem Hauch von Angst und Lust hin und her schwankt. Der Fokus liegt deutlich auf erotischer Provokation und ergießt sich in einer Menge sehr ausführlichen expliziten Szenen sowie Grenzüberschreitungen.
Lesen:
Wenn ihr auf Tabubrüche und moralisch graue Figurenkonstellationen steht, die ihr Augenmerk hauptsächlich auf erotisch aufgeladenen Abgründen richtet. Dann findet ihr genau das in Observed: Jedes Stück ist unser.
Weglegen:
Dark Romance ist nicht gleich Dark Romance. Wenn ihr eine tiefgründige Story lesen möchtet, solltet ihr Observed: Jedes Stück ist unser direkt weglegen.
Mal ehrlich:
Neugierig geworden auf den gehypten Sprecher Kevo Adler habe ich mir diesen Dark Romance Einzelband als Hörbuch ausgesucht. Der Klappentext verspricht mir eine spannende Dreieckskonstellation zwischen Maddy, einem Cop und einem Mörder.
Kristin Glimmer versteht es, mich mit ihrer bildgewaltigen Sprache in düstere Szenarien zu ziehen. Die daraus entstehende Atmosphäre funktioniert gut und die Ich-Perspektivwechsel zwischen Maddy, dem Cop und dem Mörder erzeugen Spannung, Gefahr und lösen eine verstörend-faszinierenden Neugierde in mir aus.
Die erotischen Grenzüberschreitungen werden typisch für Dark Romance dargestellt und durch Maddys innere Konflikte reflektiert. Durch die Einführung von Maddys Ex-Freund, wo die Grenze zwischen erotisch-dominanter Spannung und toxische Beziehungsmuster liegt. Das gefällt mir gut.
Aber ansonsten bleibt die Handlung flach, es fehlt deutlich an Tiefe, da der Fokus hauptsächlich auf den kapitellangen spicy Szenen liegt. Besonders die darin enthaltenden Wortwiederholungen treiben mich bis kurz vor den Wahnsinn. Zwischendurch frage ich mich, ob Maddy einen Arzt benötigt, so oft, wie ihr das Blut in Schüben in Wangen und Kopf schießt.
Aber auch das Hörbuch selbst stellt mich auf eine Probe. Besonders Kevo Adlers Darstellung des Mörders wirkt auf mich unangenehm und ich bin froh, wenn Franziska Buchwald wieder übernimmt. Die Sprecher-Diskrepanz irritiert mich zusätzlich. Während Kevo Adler in den Mörder-Perspektiven den Eindruck vermittelt, dass ich es mit einem schwer gestörten Mann zu tun habe, wirkt es bei Franziska Buchwald so, als wäre er ein dunkler und gefährlich-charismatischer Unbekannter. Besonders sticht dies in den Dialogen heraus, wenn die Perspektivwechsel eingeflochten werden.
Zum Schluss zieht plötzlich die Spannung an und obwohl ich mir ziemlich sicher bin, wie das Ganze endet, streut Kristin Glimmer Zweifel in mir. Doch auch hier bleibt das Spiel um Lust, Macht und Gewalt omnipräsent. Das Ende bestätigt meine Erwartungen und ich bin ehrlich froh, dass ich dieses Hörbuch beendet habe.
Fazit:
Ich sag es immer wieder gern: Dark Romance ist nicht gleich Dark Romance. Wer 2/3 düstere und extreme (Messer-)Erotik und nur 1/3 Handlung mag, wird hier fündig und glücklich. Für mich es eindeutig zu viel Spice und zu wenig Substanz. Schade.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Lust auf richtige Dark Romance mit einer großen Portion Psychothriller?
Dann empfehle ich euch:
Twisted Mind von Tanja Nickel