Auf der Leipziger Buchmesse 2025 durfte ich die wunderbare Autorin Alexa Linell persönlich treffen. Unsere Unterhaltung war inspirierend und herzlich zugleich. Sie schenkte mir nicht nur ihre Zeit, sondern signierte auch ihren Thriller BOX und überreichte es mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar.
In meiner Rezension „BOX – Nimm dich in Acht vor dieser KI“ von Alexa Linell findet ihr heraus, was dieser Thriller bereithält und ob er genau das Richtige für euch ist.
Leseexemplar
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Umschlaggestaltung: bürosüd, München
erschienen bei HarperCollins
Veröffentlicht 19. November 2024
ca. 368 Seiten
erhältlich als Taschenbuch und EBook
Klappentext
Die Juristin Veda glaubt nicht, dass ihr Ex-Freund Danilo Selbstmord begangen hat. Durch seinen Bruder gelangt sie an Informationen, die Danilo vor seinem Tod gesammelt hatte, und stößt auf eine Reihe mysteriöser Kriminalfälle. Ratlos, wie diese miteinander zusammenhängen, macht sie sich mit ihrem besten Freund und Rechtsanwalt Philipp sowie der Kommissarin Talli auf die Suche. Die drei kommen einer Korruption auf die Spur, die bis in die höchsten Ränge der Hamburger Justiz reicht. Unvermittelt stehen sie einem zu allem entschlossenen Gegner und dessen mächtiger Erfindung gegenüber …
Auch hier glänzt Alexa Linell wieder mit der Kombination von Spannung und einem sehr aktuellen Thema, das uns alle beschäftigt und vielleicht sogar etwas Angst einjagt. Sie ist also genau auf der richtigen Spur.
© Klappentext: HarperCollins
Der Prolog erzeugt direkt Spannung und wirft mit seinen teilweise verwirrenden sowie zügigen Szenenwechseln Fragen auf. Wo ist Danilo da hineingeraten? Das ist die zentrale Frage, die nicht nur mich umtreiben wird.
Mit dem ersten Kapitel verschiebt sich der Fokus und auch das Tempo der Geschichte wird gedrosselt. Ich lerne Veda kennen. Beruflich ist sie einfache Juristin und ich begleite sie nicht nur zur Trauerfeier von Danilo, sondern durch die behutsam eingestreuten Rückblicke in ihre Vergangenheit auch durch die aktuellen Ereignisse. Dadurch entsteht nach und nach ein immer klareres Bild von ihr als Mensch.
Der personale Erzähler bleibt dicht an Veda, sodass ihre Wahrnehmungen mich hauptsächlich durch die Geschichte tragen. Ihre Fähigkeit, analytisch an die ihr vorliegenden Materialien heranzugehen und dennoch in manchen Situationen mit Unbehagen und Angst zu kämpfen, macht sie nahbar.
Besonders spannend finde ich die Momente, in denen der Blick auf die vermeintlichen Opfer fällt und ich so ein bisschen mehr Hintergrundwissen erlange. Dann ist spürbar, dass etwas im Gange ist, das weit über das bestehende Rechtssystem und die klassische Ermittlungsarbeit hinausgeht. Ohne dass es je klar ausgesprochen wird. Diese unterschwelligen Hinweise erzeugen für mich die größte Spannung. Alles bleibt mysteriös und undurchschaubar. Gemeinsam mit Veda taste ich mich zur Wahrheit vor.
Der Thriller ist insgesamt eher ruhig angelegt und wirkt zunächst wie ein klassischer Justizroman. Doch durch die vielen seltsamen Ereignisse entsteht eine unterschwellige Spannung, die meine Neugierde fördert. Auch thematisch ist BOX vielfältig angelegt. Während mir Alexa Linell Einblicke in die deutsche Justiz erlaubt, baut sie Stück für Stück ein Konstrukt aus manipulierten Beweisen, persönlichen Seilschaften und technischen Innovationen auf. Sie bleibt dabei so dicht an der Realität, dass allein der Gedanke an solche Möglichkeiten mir Gänsehaut über den Rücken jagt.
BOX lebt von wissenschaftlichen Details, die sehr gut recherchiert und verständlich transportiert werden. Allerdings bremsen sie manchmal meinen Lesefluss aus. Besonders stark fällt mir das bei den Debatten über künstliche Intelligenz auf. Die Thematik ist unglaublich interessant, aber die Dialoge wirken oft sehr referierend. Hier muss ich mich wirklich konzentrieren, um gut folgen zu können. Aber es passt wiederum zu den Charakteren, die dieses Gespräch führen. Als gesellschaftspolitische Reflexion ist dieser Teil stark ausgearbeitet, weshalb es für mich in Ordnung ist, dass die Spannung dabei gedrosselt wird. Dennoch bleibt immer das Gefühl einer latenten Bedrohung im Hintergrund erhalten. Diese erzeugt Alexa Linell durch die geschickte Platzierung unsichtbarer Gegner, die nicht greifbar sind und von denen ich doch weiß, dass es sie geben muss.
Besonders fasziniert mich Danilo. Obwohl er nur eine indirekte Rolle innehat, ist er der Schlüssel in diesem Thriller. Alles, was mit ihm zu tun hat, bleibt dicht hinter einem Nebel verborgen. Seine Rolle wirkt tragisch-faszinierend. Ich möchte wissen, was genau ihm zugestoßen ist, warum es ihm so wichtig war, dass Veda von seiner oft rätselhaften Arbeit erfährt und was er sich davon versprochen hat. Dass er etwas aufdecken wollte, ist deutlich. Unklar bleibt lange, wie tief er selbst involviert ist.
BOX ist kein Unterhaltungsthriller, sondern ein vielschichtiger Roman über Macht, technologischen Fortschritt und die Frage, wie sich die Justiz in Zukunft verändern und anpassen könnte. Statt actionlastigen Szenen baut diese Geschichte auf psychologische Spannung, moralische Grauzonen und unterschwellige Bedrohungen durch unsichtbare Machtstrukturen. Besonders gefällt mir, dass persönliche Tragödien mit gesellschaftlicher Systemkritik verbunden werden und der Sog über Zweifel als über Tempo entsteht. Das Ende ist schlüssig und realistisch. Es werden die wichtigsten Fragen beantwortet, aber es wirkt fast so, als könnte es eine Fortsetzung geben. Für mich passt das, denn es ist realistisch, auch wenn es ein leicht unbefriedigendes Gefühl hinterlässt.

© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Was dich erwartet:
Ein vielschichtiger Justizthriller, der Verschwörungselemente mit dem Thema künstliche Intelligenz verbindet und seine Spannung über Emotionen und eine unsichtbare Bedrohung aufbaut.
Lesen:
Wenn ihr Thriller mögt, die politische und technologische Themen verknüpfen und in denen die Suche nach der Wahrheit leise, aber intensiv erfolgt.
Weglegen:
Wenn ihr actionreiche Thriller mit hohem Tempo bevorzugt, könnte euch Box nicht gefallen. Hier steht die psychologische Spannung und ruhige Erzählweise im Vordergrund.
Mal ehrlich:
BOX ist kein Thriller, den ich so einfach weglese. Er arbeitet leise, aber mit einer konstanten, unterschwelligen Bedrohung, die sich langsam unter meine Haut schiebt. Der Prolog wirft mich mitten hinein, doch erst mit Veda entfaltet sich dieser Thriller.
Veda ist eine Juristin, die analytisch denkt, aber emotional spürbar an ihre Grenzen kommt. Genau diese Mischung macht sie so greifbar.
Was mich am stärksten packt, sind die kurzen Einblicke in das, was den vermeintlichen Opfern widerfährt. Nichts wird klar ausgesprochen, aber es ist spürbar, dass hier etwas passiert, das weit über das derzeitige Rechtssystem hinausreicht. Diese Andeutungen erzeugen eine eindringliche Spannung.
Die wissenschaftlichen und juristischen Details sind beeindruckend recherchiert, manchmal aber so dicht, dass ich mich wirklich konzentrieren muss. Gerade bei den KI-Debatten, die oft sehr fachlich klingen, brauche ich Zeit, um alles zu verstehen. Trotzdem tragen sie viel zur gesellschaftspolitischen Dimension des Thrillers bei.
Und dann ist da Danilo. Tragisch und faszinierend bleibt er immer ein bisschen nebulös. Er ist der Schlüssel zu allem, obwohl er nur indirekt präsent ist. Seine Verstrickung offenbart sich erst spät und genau das macht ihn so spannend.
BOX ist ein Justizthriller, der auf psychologische Spannung und moralische Grauzonen setzt, sowie mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Das Ende ist realistisch, lässt mich aber bewusst ein wenig unbefriedigt zurück.
Fazit:
BOX ist kein leichter Thriller, überzeugt aber durch die Verbindung aus Justizdrama, angedeuteter Verschwörung und technologischem Fortschritt. Mit psychologischer Spannung und einer unterschwelligen Bedrohung weiß dieser Roman mich zu fesseln und Unbehagen zu erzeugen.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Lust auf eine weitere KI-Thematik im Kombination mit einem Escape-Room-Abenteuer in literarischer Form?
Dann empfehle ich euch:
Die Burg von Ursula Poznanski