Play of Hearts entfaltete trotz mancher langatmiger und sich wiederholender Passagen eine fesselnde Atmosphäre, die mich tief in die Welt der Romantasy eintauchen ließ. Das offene Ende weckte meine Neugier und lockte mich auch den zweiten Band zu entdecken.
In meiner Rezension „Twist of Hearts“ von Juli Dorne zeige ich auf, wie sich die Dilogie weiterentwickelt hat und ob sie mich überzeugen konnte.
Leseexemplar
❧ Meine Meinung ist davon unbeeinflusst

© Umschlaggestaltung: Jaqueline Kropmanns
erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Veröffentlicht 16. Oktober 2025
Empfohlenes Lesealter Ab 14 Jahren
ca. 464 Seiten
Band 2 der Serie The Hearts Duet
Klappentext
Dieses Buch gibt es in zwei Versionen: mit und ohne Farbschnitt. Sobald die Farbschnitt-Ausgabe ausverkauft ist, liefern wir die Ausgabe ohne Farbschnitt aus.
Um Arthur zu retten, war Evie zu allem bereit. Sie hat ihre Familie hintergangen, sich ihrem ärgsten Feind angeschlossen und ist mit Rémi eine unheilvolle Verbindung eingegangen. Doch ihrem Glück mit Arthur ist sie keinen Schritt näher gekommen. Verzweifelt begibt sie sich nun auf die Suche nach jenem Ort, von dem Evie hofft, dass er den Schlüssel zur Rettung ihrer Liebe birgt. Um in die Widerwelt zu gelangen, muss Evie sich ihrer eigenen Vergangenheit stellen und gefährliche Geheimnisse lüften. Und wieder ist es ausgerechnet Rémi, der ihr dabei helfen soll – obwohl er selbst doch die größte Gefahr für Evies Herz ist.
© Klappentext: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Diese Rezension enthält zentrale Hinweise zu „Play of Hearts“.
Wenn du die Dilogie noch nicht begonnen hast und die Entwicklungen selbst entdecken möchtest, lies am besten zuerst den ersten Band, bevor du dich meiner Rezension widmest.
Twist of Hearts ist der zweite Band der Romantasy-Dilogie The Hearts Duet und fügt sich optisch perfekt an Play of Hearts an. Auch der Farbschnitt ist wieder wunderschön und harmoniert hervorragend mit dem Cover. Das Innenlayout greift die äußere Gestaltung stimmig auf und besonders gelungen finde ich die Darstellung eines Buchausschnitts, der später in der Handlung eine Rolle spielt.
Bevor ich zu Genevieve „Evie“ Magâme und ihren Freunden zurückkehren kann, erwartet mich eine doppelseitige Kartenillustration der Sirenen Insel, die im weiteren Verlauf ein zentraler Schauplatz werden wird.
Wie schon Play of Hearts ist auch Twist of Hearts in drei Akte gegliedert. Der erste Akt setzt unmittelbar an das vielschichtige Geschehen des Vorgängers an. Die Freunde sind getrennt, schweben in Gefahr und Arthur taucht plötzlich wieder auf, nachdem Evie ihn so lange verzweifelt gesucht hatte. An dieser Stelle hätte ich mir eine kurze Rückblende gewünscht, denn das Finale des ersten Bandes war sehr dicht und vielschichtig. Ich habe mir geholfen, indem ich die letzten Seiten noch einmal gelesen habe.
Trotzdem gelingt der Einstieg gut, denn das Tempo ist hoch und mehrere Dinge passieren beinahe gleichzeitig. Das erzeugt sofort Spannung und macht deutlich, wie stark dieser Band mit den Elementen Illusion und Wahrheit spielt. Nach und nach fallen die Puzzleteile an ihren Platz und rückblickend ergibt vieles Sinn, ohne konstruiert zu wirken. Besonders spannend finde ich, dass ich meinen Blick auf frühere Ereignisse immer wieder neu ausrichten muss, um zu erkennen, welche Wahrheiten tatsächlich dahinterliegen.
Evie bleibt verletzlich, aber sie ist nicht mehr das naive Mädchen aus Band 1. Ihre inneren Konflikte begleiten sie weiterhin, doch sie wächst sichtbar an den Herausforderungen. Sie stellt sich ihrer Angst, trifft mutigere Entscheidungen und erkennt, dass Fehler dazugehören dürfen.
Arthur bekommt in diesem Band mehr Kontur, doch sympathisch wird er mir nicht. Sein Verhalten wirkt oft manipulativ, weil er in Evie immer wieder Schuldgefühle auslöst. Das lässt ihn egozentrisch erscheinen, auch wenn manche seiner Emotionen und Handlungen für mich nachvollziehbar sind.
Rémi hingegen bleibt die komplexeste und faszinierendste Figur. Seine inneren Konflikte spiegeln Evies eigene, was ihre Dynamik immer wieder verschiebt. Seine Widersprüchlichkeit bringt Spannung in die Handlung und seine emotionale Reife überrascht mich mehrfach.
Auch die Nebenfiguren aus Play of Hearts, Enif, Atlas sowie die Zwillinge Blue und Lavender, spielen wieder wichtige Rollen. Gemeinsam versuchen sie mit Evie ihr Versprechen gegenüber Rémi einzulösen.
Zudem wird ein weiterer Antagonist etabliert, dessen Identität mich überrascht. Obwohl er von Anfang an Teil der Geschichte ist, habe ich ihm kaum Beachtung geschenkt und ihn vor allem so wahrgenommen, wie andere Figuren ihn sehen. Genau das macht die Enthüllung so wirkungsvoll. Ich habe mich selbst der Illusion hingegeben, die die Autorin um ihn gesponnen hat. Seine Motivation bleibt lange undurchschaubar, was zusätzliche Konflikte schafft und die Spannung weiter anheizt.
Twist of Hearts setzt stark auf emotionale Dichte. Enthüllungen und große Gefühle liegen oft eng beieinander und Evies wiederholte Gefühlsbeschreibungen bringen gelegentlich eine Nuance Pathos mit sich, die ich etwas überladen empfinde. Da die Geschichte jedoch konsequent aus ihrer Ich-Perspektive erzählt wird, ist diese Intensität schlüssig konstruiert.
Im zweiten Akt darf ich gemeinsam mit den Figuren die Sirenen Insel erkunden. Der Fantasy-Anteil entfaltet sich hier besonders stark durch die allgegenwärtige Magie, die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart sowie die Enthüllungen über die Familiengeschichte der Charaktere. Diese Kombination fasziniert mich sehr.
Der dritte Akt führt schließlich in einen Showdown, der sich über viele Kapitel hinweg sorgfältig aufbaut. Juli Dorne nimmt sich Zeit, die emotionalen Konflikte und moralischen Grauzonen zu sezieren und fügt am Ende alles zu einem schlüssigen Gesamtbild. Besonders beeindruckt mich, wie sich das Spiel aus Illusion und Wahrheit hier vollendet. Was zuvor wie ein stimmiges Bild wirkt, zeigt sich plötzlich in einem neuen Licht.

© Foto: Monique Meier
Kurz gesagt:
Was dich erwartet:
Eine intensive Romantasy voller emotionaler Konflikte und moralischer Grauzonen, die in eine zarte Liebesgeschichte eingebettet werden.
Lesen:
Wenn ihr Slow-Burn-Liebesgeschichten liebt, in denen verletzliche Charaktere ihre Fehler machen dürfen und gerade daran wachsen, dann seid ihr hier genau richtig.
Weglegen:
Wenn ihr hingegen eine unbeschwerte Liebesgeschichte sucht, frei von dem komplexen Gefühlswirrwarr zwischen Manipulation und Aufrichtigkeit, dann solltet ihr diesen Band lieber beiseitelegen.
Mal ehrlich:
Twist of Hearts knüpft nahtlos an das Finale von Play of Hearts an und führt mich ohne Umwege zurück in das dort herrschende Chaos. Der Einstieg ist somit sofort spannend, denn die Ereignisse überschlagen sich und das Spiel aus Illusion und Wahrheit zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung.
Evie bleibt verletzlich, doch sie ist nicht mehr das naive Mädchen aus Band 1. Sie wächst an ihren Ängsten, trifft mutigere Entscheidungen und akzeptiert, dass Fehler Teil ihres Weges sind.
Arthur bekommt mehr Kontur, wirkt aber oft manipulativ und egozentrisch, was mich immer wieder irritiert.
Rémi hingegen bleibt die faszinierendste Figur dieser Dilogie. Seine Widersprüchlichkeit, seine innere Zerrissenheit und seine emotionale Reife verleihen der Geschichte eine besondere Tiefe. Und er ist immer wieder für eine Überraschung gut.
Die Sirenen Insel entfaltet sich als ein kraftvolles und faszinierendes Setting, durchdrungen von einer geheimnisvollen Magie. Hier entfaltet sich der Fantasy‑Anteil besonders stark. Zudem berühren sich Vergangenheit und Gegenwart, sodass die Figuren Wahrheiten über sich und ihre Familien entdecken, die vieles verändern.
Auch die Nebenfiguren aus dem ersten Band spielen wieder wichtige Rollen und tragen dazu bei, dass die Handlung vielschichtig bleibt.
Der Antagonist, der sich offenbart, überrascht mich. Er war die ganze Zeit da, unauffällig, beinahe selbstverständlich, und doch habe ich ihn nie wirklich gesehen. Der Moment der Enthüllung ist unglaublich wirkungsvoll.
Am Ende fügt sich alles zusammen. Die moralischen Grauzonen, die emotionalen Konflikte, die Frage nach Wahrheit und Täuschung. All das bündelt sich in einem Showdown, der ein stimmiges Gesamtbild ergibt und die Geschichte atmosphärisch abrundet.
Rückblickend hat mich diese Dilogie auf eine Reise zwischen Melancholie und Magie geführt. In Play of Hearts lerne ich eine verletzliche und isolierte Evie kennen, eine Welt voller Geheimnisse und einen Zirkus, der mehr verbirgt, als er zeigt. Die Melancholie ist hier allgegenwärtig und prägt die Atmosphäre stark. In Twist of Hearts weicht diese Schwere spürbar zurück. Evie öffnet sich, findet Halt und die Geschichte gewinnt an Klarheit und Kraft, ohne ihre emotionale Tiefe zu verlieren.
Besonders gefällt mir, wie Illusion und Wahrheit ineinandergreifen. Figuren, die ich glaubte zu kennen, zeigen neue Facetten. Entscheidungen, die eindeutig schienen, bekommen plötzlich eine andere Bedeutung.
Nach dem Beenden der Dilogie bleibt bei mir das Gefühl, dass diese Geschichte nicht nur von Magie erzählt, sondern auch davon, wie brüchig unsere Selbstwahrnehmung wird, wenn niemand an unserer Seite ist, dem wir vertrauen können.
Fazit:
Twist of Hearts ist eine intensive Romantasy, die stark auf Emotionen setzt und mich mit atmosphärischen Settings überzeugt. Es ist kein leichtes Buch, aber eines, das mich gefordert und berührt hat.
*Das Buch ist überall im Handel erhältlich*
Lesetipp:
Lust herauszufinden, wie alles begonnen hat?
Dann empfehle ich euch:
Play of Hearts von Juli Dorne